Eine Chance für die Menschenrechte in der Psychiatrie

Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
Mavros
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Re: Eine Chance für die Menschenrechte in der Psychiatrie

Beitragvon Mavros » Do 3. Okt 2013, 19:06

Hallo Remedias,
das finde ich auch sehr gut -

http://www.spiegel.de/gesundheit/psycho ... 93739.html
Eigentlich wäre es Aufgabe der Psychiater oder Psychologen, die Ursache der Psychose mitrauszufinden,
das tun sie aber in den seltensten Fällen. Erst wenn man die Ursache kennt, kann man ursächlich behandeln.
Die optimale Einstellung wäre - Nur ich kann das wissen, nur ich kann mir selbst helfen. Erstens lebt der Psychiater nicht das Leben seiner Klienten und kann in ihr Kopf nicht hinein sehen. Zweitens wird auch die Erklärung, dass man gegeneinander wirkende Impulse in der Psyche beherbergt, dass Gefühle verdrängt wurden, innere Konflikte entstanden sind, dass gegen daraus entstandene Angst unbewusst Strategien wie Neurose eingesetzt wurden, dass man sich später oder früher oder gleichzeitig durch einen einseitigen Gebrauch der Abwehrmechanismen in eine Krise gebracht hat, in der das "normale" Erleben durch ein anderes, an die Norm (= ohne Leidensdruck) nicht angepasstest, ersetzt wurde, nicht helfen. Die neue Art des Wahrnehmens kann zwar im gewissen Sinne das Leiden aufgrund eines latenten Schuldgefühls mindern, andererseits aber führt die Pathologie des neuen Erlebens wieder zum Leiden (Symptomverschiebung). Das ist in etwa die allgemeine Ursache, die individuell gestaltet wird und auf einer Einmaligkeit des biographischen Erlebens und angeborenen Dispositionen, sowie der Art der Zusammensetzung aller Funktionen des Denkens, die für jegliche Arten der Urteilsbildung relevant sind, gründet.

Man kann Tipps bekommen, man kann bewährte Strategien erlernen in der Psychotherapie, aber die eigentliche Arbeit kann man nur selbst leisten, das Ich kann seine ursprüngliche Funktionalität nur durch sich selbst wieder erlangen. Anhand des angemessenen Wissens, Fühlens und Denkens können Blockaden der Selbstheilung aufgehoben werden. Dass bei diesem Prozess Psychopharmaka eher hinderlich sind, kann man heutzutage an jeder Ecke nachlesen.

Diesen Artikel habe ich heute in einem anderen Thread verlinkt...

http://www.berliner-zeitung.de/medizin/ ... 81648.html

Liebe Grüße
Mavros
"Die Deutung des Unangenehmen als Machenschaft der Außenwelt macht aus dem Unangenommenen etwas Unannehmbares."

Dr. med. Michael Depner - seele-und-gesundheit.de

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Remedias
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Re: Eine Chance für die Menschenrechte in der Psychiatrie

Beitragvon Remedias » Fr 4. Okt 2013, 17:30

Hallo, Mavros,
ich stimme deinen ausführungen zu.
denke auch, dass man den Weg selbst finden muss,
daher schrieb ich auch "mit herauszufinden" statt "herauszufinden",
hätte mir von der Psychiatrie einfach mehr Hilfestellung, mehr Impulse, mehr Hinhören gewünscht,
aber mir ist klar, dass das Gesundheitssystem wie es heute organisiert ist, das nicht leistet.
Allen Frances schreibt auch, dass praktisch alle psychiatrischen Fortbildungen von der Pharmaindustrie finanziert werden, und dass Ärzte und Pfleger ihre kenntnisse "pharmaindustrievorgefiltert" erwerben.
ich wurde so zugehauen mit allen möglichen Neuroleptika, dass ich 2 Jahre lang nicht einmal eine Buchseite lesen konnte und das nannte man "Behandlung".
Danke für den Artikel.

liebe Grüße Remedias

Mavros
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Re: Eine Chance für die Menschenrechte in der Psychiatrie

Beitragvon Mavros » Fr 4. Okt 2013, 23:48

Hallo Remedias,

in der Tat, die Vorherrschaft nimmt bald ähnliche Ausmaße an, wie sie früher in den Monarchien vorzufinden gewesen ist. Heute haben wir mehrere Sektoren, die kooperativ eine Struktur bilden, der man sich nur unter Mühen und nur partiell fern halten kann. Wir befinden uns als Endverbraucher im Fokus einerseits der Lebensmittel- und Fleischindustrie, auf der anderen Seite haben wir ihre Zulieferer von chemischen Mitteln und Zusätzen, die Pharma- und Chemieindustrie, von denen beide Seiten in einer Symbiose wirken, handeln und ihren Gewinn schöpfen, und der eine die Folgen des Konsums der Erzeugnisse des anderen "aufheben" will.

Das gelingt natürlich nicht ganz, der menschliche Körper ist kein lebloses Objekt, verfügt über ein Gedächtnis und weist Langzeitschäden auf. In der Lebensmittelbranche ist sehr auffällig, dass nur EU-zugelassenes Saatgut von sämtlichen Bauern angebaut werden darf, dass, nur um eines von unzähligen Beispielen aufzuführen, von den früheren etwa 1.000 Apfelsorten in Europa nur noch etwas 10 auf dem Markt etabliert sind. Z. B. bei Tomaten, selbst französische oder Bio, bekommt man nur noch mit einer sehr dicken Schale, die sich im Mund aus meiner Sicht eher wie Kunststoff anfühlt. So ähnlich ist es aber auch, die Tomatensorten wurden mit Absicht dick behautet gezüchtet, damit sie die effektivere maschinelle Ernte ohne Schaden überstehen können. Beim Apfel ist es sicher ähnlich, jedenfalls denke ich, dass die Schale den etwa 30 oder mehr Spritzungen der Schädlingsbekämpfungsmittel gerecht gezüchtet wurde.

Wenn der Körper nicht mit Stoffen versorgt wird, die früher in der natürlichen Nahrung vorzufinden waren, wenn Artenvielfalt unterbunden und statt dessen chemische Belastung durch chemische Düngemittel und schätzungsweise eine halbe Milliarde Tonnen Gülle jährlich allein in Deutschland belastet wird, steht definitiv das Gesundheitssystem und Pharmaindustrie als Anlaufstelle numero 1 auf der Skala des Bedarfs und des unfreiwilligen Interesses der Bevölkerung.

Du hast geschrieben "mit Herausfinden", ich habe das nicht übersehen. Ich schreibe meistens eher allgemein und aufgrund der ungenauen Kenntnisse ohne direkt auf jemanden einzugehen. Klar ist es die Aufgabe der Psychoanalyse, bedingt auch der Verhaltenstherapie, die genaue Ursache der psychischen Störung heraus zu finden. Was ich meinte ist, dass auch diese Information nur aufgrund der Fähigkeit der Klienten über ihre innere Vorgänge zu referieren beruht, also kann man das auch als ihre Arbeit an sich bezeichnen. Und vielleicht kann man das auch so zum Ausdruck bringen - nicht die Information selbst ist für den Heilungsprozess relevant, sondern die Art sie zu werten. Also auch wieder eine Fähigkeit, die nicht übernommen, sondern eigenständig entwickelt wird. Demnach ist es jetzt ein bisschen Wortspielerei gewesen, und wir haben das Gleiche gemeint.

Das Buch von Frances werde ich mir kaufen, vielen Dank für den Tipp. Und zum Thema "Psychiatrie" will ich noch im anderen Thread etwas schreiben. In "Gedanken zu einer neuen, anderen, besseren Psychiatrie", das passt ja besser. Die gibt es hier im Forum scheinbar in "Hülle und Fülle"..., aber man muss nicht nur träumen, Möglichkeiten etwas zu ändern gibt es auf jeden Fall.


Liebe Grüße
Mavros
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