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Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
NeYo-83
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Beitragvon NeYo-83 » Fr 19. Mär 2010, 06:07

Hallo zusammen,

ich bin zufällig auf die Seite gestoßen, bin also neu hier im Forum. Und habe eine für mich wichtige Frage in bezug auf die Gewichtszunahme, und hoffe mir kann jemand helfen?!

Ich bin Männlich 27 Jahre alt, und nehme seit ca 1nem Jahr das Neuroleptikum Amisulprid 100mg am Abend. Ich bin bzw war immer ein schlanker, gut gebauter Mensch (ca. 85kg).
So nun seit dem ich die Medis nehme habe ich so ca. 25kg zugenommen und es ist langsam an der Zeit das wieder runter zu bekommen, die Frage ist nur wie??
Ich habe wirklich schon einiges versucht, mache regelmäßig Sport (Fitnessstudio) esse sehr gesund und ab 14uhr keine großen Fette oder Kohlenhydrate mehr doch ich nehme einfach nicht ab -.-

Meine Frage ist jetzt: Warum nehme ich nicht ab? Was machen die Medis im meinem Körper das ich kein Fett verbrenne,bzw was kann ich tun um abzunehmen?
Ich habe meinen Arzt schon gefragt aber der weiß auch kein Rat.Im Inet habe ich bis jetzt auch nichts gefunden..

Bitte um hilfe...


gruß neyo

Triangel
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Beitragvon Triangel » Fr 19. Mär 2010, 20:06

NL verlangsamen den Stoffwechsel, fördern die Flüssigkeitseinlagerung, verursachen Heisshungerattacken, machen träge und man schläft viel, vermehren den Appetit ganz allg., machen Heisshunger auf Süßigkeiten, setzen das Sättigungsgefühl aus, der Körper verlagert den Set-Point etc. Zusammengefasst: Das Zeug macht fett, faul und träge. Adipositas oder zumindest Gewichtszunahme ist eine typische NW von Neuroleptika und Antidepressiva und das Abnehmen fällt einem tierisch schwer solange man das Zeug noch nimmt.
Zuletzt geändert von Triangel am Sa 20. Mär 2010, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Molly
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Beitragvon Molly » So 21. Mär 2010, 11:34

Ich hab mich einfach daran gewöhnt, pummelig zu sein. Da ich keine Lust auf eine weitere Beziehung habe, ist das nicht so schlimm. Leider habe ich jetzt auch einen hohen Blutdruck, der medikamentös behandelt werden muss.

LG,

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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 21. Mär 2010, 13:46

Was Triangel aufzählt ist das allgemein bekannte Vorurteil bei Neuroleptika und um so häufiger man sich
diesen Horror sagt um so eher tritt er ein. Dabei wird verschwiegen, dass sie Psychosen vorbeugen
und unangenehme Symptome lindern können.
100 mg Amisulprid, bekannter Handelsname Solian, ist nicht viel und kann kaum nennenswerte
Nebenwirkungen erzeugen und macht somit auch nicht dick.
Die Gewichtszunahme bzw. nicht Abnehmen liegt an etwas Anderem.
Der Körper nimmt nach einer schweren Krankheit immer zu um einer weiteren eventuellen Krise
vorzubeugen und Reserven anzulegen. Das lässt sich wahrscheinlich durch künstliche 'Krise'
wie Hungern und viel Bewegung auch nicht ändern, im Gegenteil, er legt erst recht Fettreserven
an um einer kommenden psychischen Entbehrung zu begegnen.
Die beste Methode los zu lassen auch vom Fett ist wahrscheinlich wie bei fast allem, man akzeptiert
das Übergewicht zunächst, dann ist es einem egal und man braucht es nicht mehr.
Wer krampfhaft versucht die psychische Störung und das einhergehende Übergewicht zu Vertuschen
durch einen gesunden athletischen Körper ignoriert gleich wieder den wahren Zustand der Psyche und
lügt sich etwas vor. Ein Idealgewicht macht noch keine gesunde Psyche, es erweckt nur nach außen
den Anschein. Das Problem liegt ganz woanders und hat kaum etwas mit dem Gewicht zu tun.
gruß fluuu

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Angelita
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Beitragvon Angelita » So 21. Mär 2010, 19:16

Hallo Neyo

Was Triangel schreibt hat leider schon seine Richtigkeit. Gewichtszunahme ist eine häufige NW von AD u. NL - nur, das trifft nicht auf alle Personen zu. Jeder Körper u. jede Psyche reagiert anders. Manchmal - oder oft - ist es eine Sisyphus-Arbeit das für einem geeignetes NL zu finden. Oft muss man einen Kompromis eingehen zwischen grösstmöglicher Symptomfreiheit u. kleinstmöglicher Gewichtszunahme.

Ich kenne viele Patienenten/innen, welche durch AD- u./o. NL-Einnahme zugenommen haben und einigen macht das so zu schaffen, dass sie durch die Gewichtszunahme sich noch depressiver fühlen.

Das was Sie beschreiben ist leider nicht ungewöhnlich; die reale Gewichtszunahme, das Bemühen um Gewichtsverlust, die reale u. subjektive Körperwahrnehmung u. die damit verbundenen Emotionen.

Haben Sie einen guten Arzt, der Sie bei der Problemlösung unterstützt?

Fluuu schreibt: Ein Idealgewicht macht noch keine gesunde Psyche, es erweckt nur nach außen den Anschein.


Neyo, geht es Ihnen denn ums Idealgewicht? Beim BMI gibt es ja eine Spannbreite, da geht es nicht mehr wie früher ums Idealgewicht! Unbestritten ist, dass hohes u. langandauerndes Übergewicht zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen verständnisvollen Arzt, Psychiater u. Therapeuten haben, welche bemüht sind mit Ihnen ein geeignetes NL zu suchen, das Ihnen hilft die Symptome in den Griff zu kriegen u. auch die Gewichtsprobleme.
Gruss Angelita

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Beitragvon Triangel » So 21. Mär 2010, 19:20

Das ist glatt gelogen @fluu, Neuroleptika machen dick. Sicher nicht jeden aber doch viele, zu viele. Und wie ich im Netz lesen konnte ist Adipositas eine typische NW von NL bei längerer Einnahme. Abgesehen davon reagiert jeder Körper anders. Manche nehmen auch schon bei niedrigeren Dosen zu. Bei mir in der KJP wurde auch erzählt, diejenigen die keine Medis nehmen wären deshalb nicht gesünder und die, die Medis nehmen könnten durchaus gesünder/gesund sein. Also schlucken und Du bist gesund/gesünder. Das lief dann auf das übliche Stopfen hinaus und die Psyche, die empfindungsfähige Psyche an der man arbeiten kann, die bspw. auch unter entstellendem Übergewicht leidet/leiden sollte, die war längst nicht so wichtig.
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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 21. Mär 2010, 20:02

Ein Neuroleptika kann nicht dick machen, so eine Tablette hat so geringe Kalorien, es führt niemals
zum anlegen von Fettreserven. Selbst eine ganze Packung macht nicht dick alleine. Sicher es führt zu einem
verlangsamten Stoffwechsel aber der Stoff der dabei ansetzt stammt nicht vom Neuroleptika sondern
kommt von der Ernährung. Es macht nicht das Neuroleptika dick sondern das Essen. Es können nur
die Esssachen sein die dick machen und zu Fettablagerungen führen, es geht nicht anders.
Was jemand wie, wann und in welcher Menge ist kann nur jeder selbst beurteilen, wer dabei
schummelt betrügt sich und erhält Gewichtszunahme als Quittung.
Natürlich gibt es unterschiedliche Veranlagungen, wer von hause aus zum dick werden neigt muss
bei psychischer Störung und verlangsamten Stoffwechsel besonders aufpassen was die Ernährung
angeht.
Jedoch so eine kleine Tablette eines atypischen Neuroleptika kann alleine nicht dick machen.
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Beitragvon Triangel » So 21. Mär 2010, 20:06

Angesichts der Schadensersatzklagen bei Zyprexa muß man aufpassen, hier nicht in Ironie zu verfallen.
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Angelita
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Beitragvon Angelita » So 21. Mär 2010, 20:42

Hallo fluuu
fluuu hat geschrieben:Was Triangel aufzählt ist das allgemein bekannte Vorurteil bei Neuroleptika und um so häufiger man sich
diesen Horror sagt um so eher tritt er ein. Dabei wird verschwiegen, dass sie Psychosen vorbeugen
und unangenehme Symptome lindern können.
100 mg Amisulprid, bekannter Handelsname Solian, ist nicht viel und kann kaum nennenswerte
Nebenwirkungen erzeugen und macht somit auch nicht dick.
So generell kann man das nicht sagen; Tatsache ist, dass viele ADs u. NLs die unangenehme Nebenwirkung von Gewichtszunahme haben. Jeder Körper reagiert anders auf Medikamente, was beim einem extreme Wirkung u. Nebenwirkung haben kann, kann beim andern überhaupt keine Wirkung zeigen. Genau so verhält es sich mit der Dosis, was beim einen grosse o. gar extrem Wirkung zeigt, kann beim andern nur ein müdes Lächeln hervorzaubern.
Die Gewichtszunahme bzw. nicht Abnehmen liegt an etwas Anderem.
Woran liegt es denn?
Der Körper nimmt nach einer schweren Krankheit immer zu um einer weiteren eventuellen Krise vorzubeugen und Reserven anzulegen. Das lässt sich wahrscheinlich durch künstliche 'Krise' wie Hungern und viel Bewegung auch nicht ändern, im Gegenteil, er legt erst recht Fettreserven an um einer kommenden psychischen Entbehrung zu begegnen.
Diese Aussage stimmt für Mangelzeiten (Hungersnöte, Kriege usw.) u. Krankheiten, wo die Nahrungsaufnahme verminder o. unmöglich ist. Aus Zeiten unserer Vorfahren (Urzeiten) ist unser Körper darauf angelegt, Reserven anzulegen. Ob das auch auf seelische Krankheiten/Störungen zutrifft bezweifle ich. In der Literatur habe ich keinen Hinweis gefunden. Aber ich lasse mich gerne belehren, gerne mit Quellen angabe.
Die beste Methode los zu lassen auch vom Fett ist wahrscheinlich wie bei fast allem, man akzeptiert das Übergewicht zunächst, dann ist es einem egal und man braucht es nicht mehr.
Tja, sicherlich ist diese Einstellug das Ideal. Nur neigen viele Menschen in dieser Situation nicht zu dieser gelassenen Einstellung. Für viele ist eine massive Gewichtszunahme auch eine zusätzliche seelische Belastung - abgesehen von der Seele, ist hohes Übergewicht auch für den Körper u. seine Organe ungesund.
Wer krampfhaft versucht die psychische Störung und das einhergehende Übergewicht zu Vertuschen durch einen gesunden athletischen Körper ignoriert gleich wieder den wahren Zustand der Psyche und lügt sich etwas vor.
Ich wage zu bezweifeln, dass jeder?!, der versucht sein Körpergewicht im Lot zu halten, dies krampfhaft?!macht u. dann auch die psychische Störung ebenso vertuscht?!. Ein gesunder Körper ist nicht gleichzusetzen mit athletisch. Und grad allen psychisch Instabilen Lüge zu unterstellen, nur weil sie versuchen ein normales Körpergewicht zu halten, finde ich schon etwas gewagt. Ich finde die Wortwahl nicht sehr einfühlsam; krampfhaft, vertuschen, lügen u. die Verallgemeinerung jeder. Auf mich wirken sie verletzend - für andere vielleicht nicht...
Ein Idealgewicht macht noch keine gesunde Psyche, es erweckt nur nach außen den Anschein.
Mit dem ersten Teil des Satzes gehe ich mit Ihnen einig, den andern stelle ich in Frage.
Das Problem liegt ganz woanders und hat kaum etwas mit dem Gewicht zu tun.
Das sehe ich höchstens als Hypothese, aber kaum als Fakt.
Gruss Angelita

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Beitragvon Franz Engels » So 21. Mär 2010, 21:56

Hallo

Meine Meinung:
Leider ist es richtig, dass viele Psychopharmaka, u. a. auch Neuroleptika, den Stoffwechsel so verändern können, dass die Gewichtsregulation zu einem neuen Gleichgewicht hin verschoben wird. Meist bedeutet dies dann: mehr Hunger (teilweise Heisshungerattacken) und Gewichtszunahme. Es gibt ein paar Neuroleptika und Antidepressiva, bei denen fast alle Patienten zunehmen und andere, bei denen nur einige Patienten zunehmen. Es gibt auch Substanzen, wie z. B. Fluoxetin, bei denen eine Gewichtszunahme eine Rarität ist.

Der Zusammenhang zwischen Medikament und Gewichtszunahme ist in vielen Fällen völlig eindeutig. Nach Umstellung oder Absetzen des Medikamentes wird dann relativ rasch wieder Normalgewicht erreicht, völlig ohne zusätzliches Sportprogramm, und selbst dann, wenn sich das psychische Befinden daraufhin wieder verschlechtert. In vielen Fällen führt aber auch der in der Erkrankung verlangsamte Stoffwechsel zur Gewichtszunahme, die dann u. U. (aber nicht immer!) durch ein Medikament noch verstärkt wird. Wie es sich genau verhält, kann man meist nur durch probieren herausfinden.

In jedem Fall gehört eine deutliche Gewichtszunahme unter medikamentöser Behandlung thematisiert und gründlich abgeklärt, sie darf m. E. niemals "einfach so hingenommen" werden. Oft finden sich Alternativen. Wenn nicht, muss eine sehr strenge Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen, natürlich gemeinsam mit dem Patienten. Sich wohl zu fühlen im eigenen Körper ist ein ganz wesentlicher Faktor psychischer Gesundheit. Ausserdem steigt mit zunehmendem Körpergewicht das Risiko körperlicher Gesundheitsschäden und einer diabetogenen Stoffewechsellage deutlich an.

Freundliche Grüsse
Franz Engels
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Re: Suche antworten...?!

Beitragvon Angelita » Mo 22. Mär 2010, 00:25

Danke Herr Engels für Ihre Darstellung. Für Kranke jeglicher Art ist es schlimm, wenn die Ängst bez. Medikament u./o. Therapie nicht wahr genommen werden. Realitäten, Fakten nicht gesehen u. dokumentiert werden.

Gewichtszunahme ist ein Thema für Neyo, bez. NL. Es gibt auch im somatischen Bereich Medikamente, welche Gewichtszunahme als NW haben, zum Beispiel alle Morphin-Präparate, welche in der Schmerztherapie benutzt werden, oder Antiepileptika haben auch oft zur Folge, dass man dick wird, o. auch Medikamente gegen neuropathische Schmerzen.

Das ist ein wichtiges Thema, welches einem sehr beschäftigt. Man(n) will zur Krankheit nicht auch noch Übergewicht. Jeder hat mit der Krankheit o. Störung genug zu tragen.

Wenn man Betroffen ist, sieht die Welt anders aus...

Gruss Angelita

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Beitragvon Laura » Mo 22. Mär 2010, 02:33

Hallo NeYo!

Hast Du es schon mit Kalorientabellen versucht? Damit habe ich früher meine Diäten bestritten. Hat nur den Nachteil, dass man sich daran so versklaven kann. Bei einem Limit von 1500 Kalorien pro Tag sollte man langsam, aber stetig abnehmen können. Nun haben manche NL-Nehmer das Pech, zuzunehmen, obwohl sie nicht mehr essen als früher. Ich nehme auch Amisulprid und habe in manchen Phasen damit abnehmen können. Nämlich wenn ich darauf achte, nicht über den Hunger hinaus zu essen. Auch habe ich bei mir ganz stark das Gefühl, dass ich von Fleisch und Eiern leicht zunehme, also schränke ich das ein, so gut ich kann.

Bist Du über den Kaloriengehalt auch von gesunden Lebensmitteln informiert? Bei Lebensmitteln wie Milch, Haferflocken, Bananen, Quark (übrigens auch Magerquark), Eiern, Weißmehlprodukten, ja sogar bei Fruchtsäften muss man durchaus aufpassen.

Vielleicht würdest Du unter einem anderen NL als Amisulprid besser abnehmen können. Ich nehme von Amisulprid nicht zu, aber auch nur schwer ab.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Beitragvon Franz Engels » Mo 22. Mär 2010, 12:05

Hallo Angelita
Angelita hat geschrieben:Es gibt auch im somatischen Bereich Medikamente, welche Gewichtszunahme als NW haben, zum Beispiel alle Morphin-Präparate, welche in der Schmerztherapie benutzt werden
Das stimmt. Interessanter Weise leiden Schmerzpatienten oft viel weniger unter der Gewichtszunahme bzw. sind viel weniger gewillt, auf Morphin u. ä. zu verzichten. Das kann sicher verschiedene Gründe haben. Schmerzen sind natürlich auch etwas ganz Unerträgliches. Vielleicht werden auch Schmerzmittel von den Betroffenen im Schnitt als viel hilfreicher erlebt als Psychopharmaka?

Freundliche Grüsse
Franz Engels
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Beitragvon fluuu » Mo 22. Mär 2010, 14:02

Genau, das Wohlfühlen im Körper spielt für eine gesunde Psyche eine wichtige Rolle.
Jedoch wer kann festlegen wann sich wer mit wie viel Gewicht wohlfühlt?
Der Body-Mass-Index (BMI) ist ein Richtwert ab er sagt nichts über die Stabilität der Psyche aus.
Übergewicht ist ein allgemeines Problem unserer Zeit aber Depressionen und Angsterkrankungen
sind ein noch viel größeres gesellschaftliches Problem und es mindert die Lebensqualität über
lange Zeiträume.
Natürlich ist der Zusammenhang von Neuroleptika und Gewichtszunahme unbestritten aber nicht
wegen der Tablette sondern wegen der psychischen Verfassung derer die NL genommen werden
und der Neigung seelische Konflikte und Bedürfnisse durch Essen und Trinken zu kompensieren.
Fressattacken als Ausdruck seelischer Unausgeglichenheit und Schübe von Heißhunger als Fressorgien
um das 'Mangelgefühl' zu betäuben.
Dann die Ruhe, wenig Bewegung nach einer schweren psychischen Erkrankung mit
Stoffwechselverlangsamung durch NL und die Gewichtszunahme ist kaum zu vermeiden.
Mir ging es doch genauso nach der akuten Depression, was habe ich Süßigkeiten gefressen in großen
Mengen und enorm zugenommen. Trotzdem fühlte ich mich 'dick' psychisch wesentlich stabiler
nach der Erkrankung als schlank mit super BMI in der Depression.
Es gibt zu Fressattacken und Heißhungeranfällen Alternativen für die Psyche aber dazu eventuell
später mehr...
gruß fluuu

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Beitragvon Angelita » Mo 22. Mär 2010, 14:54

Grüezi Herr Engels
Franz Engels hat geschrieben:Interessanter Weise leiden Schmerzpatienten oft viel weniger unter der Gewichtszunahme bzw. sind viel weniger gewillt, auf Morphin u. ä. zu verzichten. Das kann sicher verschiedene Gründe haben. Schmerzen sind natürlich auch etwas ganz Unerträgliches. Vielleicht werden auch Schmerzmittel von den Betroffenen im Schnitt als viel hilfreicher erlebt als Psychopharmaka?
Aus eigener Erfahrung ist ein gravierender Unterschied in der oft schnellen Linderung der körperlichempfundenen Schmerzen, d.h. Morphinpräparate:
- als Tropfen haben eine sofortige Wirkung auf die Schmerzen
- Tabletten wirken innerhalb 30-60 Min. u. retardierte über 8-12h
- Pflaster geben den Wirkstoff kontinuierlich ab

Der Patienten/die Patientin ist somit schnell, d.h. innert wenigen Tagen schmerzreguliert. Natürlich braucht die "Fein"-Einstellung auch einige Wochen o. gar Monate. Schwierig ist es bei einer Präparatsumstellung, z.B. von retardierten Tabletten aufs Pflaster o. der umgekehrte Weg. Für schwierige Zeiten u. Schmerzeinbrüche helfen halt die Tropfen sofort.

Auch für mich ist es eine Erlösung sobald die Schmerzen zurück gehen. Dieses sofortige Erlösungsgefühl ist leider bei den ADs nicht gegeben. Es kann mit der Zeit u. der guten Medi-Einstellung auch gelingen.

Weil es aber oft soviel Zeit braucht, bis die antidepressive Wirkung eintritt, ist die Compliance so sehr gefährdet. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen Gewichtszunahme, weil man sich nicht mehr spürt (keine Gefühle mehr haben). Aber vielleicht auch, weil Patienten mit diesen Klagen vom Psychiater weniger gehör finden...? Wenn Schmerzpatienten über Gewichtszunahme, Übelkeit, Verstopfung, ev. auch Gefühlsschwankungen klagen, dann ist meist die Bereitschaft des Somatikers gross ein anderes Morphinpräparat zu suchen o. mind. die Nebenwirkungen zu behandeln mittels geeigneter Medikamente.

Manchmal ist es aber für Patienten einfach nicht begreiflich, nicht nachvollziehbar, was, wie, wo ein AD be-wirkt. Welche Eigenschaften es hat u. manchmal (oft) wird mit dem Patienten nicht darüber gesprochen, welche Nebenwirkungen es haben kann. Vielleicht könnten sich die Depressiven, Psychotiker u. Schizophrenen besser auf Wirkung u. NW einstellen.

Schmerzpatienten werden i.d.R. über NW aufgeklärt. Vielleicht ist es auch so, dass sich Schmerzpatienten ernster genommen fühlen als psychisch Kranke. Mit einer Depression ist man ja nicht des Denkens beraubt.

Fragt man Schmerzpatienten, die auch gleichzeitig Depressionen haben, was von beidem leichter zu handhaben ist, kommt meist die klare Antwort, dass die Depressionen viel schlimmer sind für sie. Zum einen ist es, weil eben die Schmerzen durch geeignete Medikamente schneller in den Griff zu kriegen sind u. zum andern, weil Depressionen noch weniger erklär- u. fassbar sind als Schmerzen. Doch dieses den Depressionen ausgeliefert sein, ist das furchtbare. Nicht umsonst ist die Suizidrate unter den Depressiven viel höher als bei den Schmerzkranken. Auch da kommt es zu Suiziden, aber nicht in diesem Ausmass.

Aber auch unter den Schmerzerkrankungen gibt es Qualifikationen, d.h. je nach Krankheit wird man ernst genommen o. eben auch nicht. Je nach Erkrankung gehen Patienten bis zu 7 Jahre von einem Doktor zum andern bis endlich eine Diagnose gestellt wird! Erst danach beginnt die adäquate Schmerzbehandlung. Das ist oft ein Leidensweg, der auch viele seelische Narben hinterlässt. Daher sind Schmerzpatienten oft auch Depressionspatienten. Schmerz u. Depression haben ähnlich Mechanismen im Hirn, in den Synapsen.

Viel Leid wird gelindert o. gar verhindert, wenn Ärzte der Somatik u. der Psyche, die Patienten ernst nehmen, hinhören, nachfragen. Patienten ihrerseits können sich zueigen machen, immer wieder nachzufragen, Erklärungen zu fordern, sich selbst auch zu erklären - gerade dann, wenn man die Meinung geändert hat!
Gruss Angelita

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