Zweifel an neuen Psychopharmaka

Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
Jenny Doe
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Zweifel an neuen Psychopharmaka

Beitragvon Jenny Doe » Mo 9. Mär 2009, 07:43

Zweifel an neuen Psychopharmaka
DER SPIEGEL 3/2009 vom 12.01.2009, Seite 111
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokumen ... op=SPIEGEL
Sie werden als Segen für psychisch Kranke gefeiert: Neuartige Schizophrenie-Medikamente ("atypische Neuroleptika") sollen vor allem solchen Patienten helfen, die durch ihre Krankheit körperlich erstarren, antriebslos und kontaktscheu werden. Doch nun zeigt eine Untersuchung im britischen Fachblatt "The Lancet": Mehr als die Hälfte der untersuchten neuen Psychopharmaka wirken gar nicht besser als die klassischen Substanzen. Die atypischen Neuroleptika haben auch ähnlich viele Nebenwirkungen, nur andere. Die Pharmaindustrie hat die neuen Schizophrenie-Medikamente so erfolgreich beworben, dass schon 2005 - trotz Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich - in Deutschland mehr atypische als klassische Neuroleptika verschrieben wurden. Die Ärzte hätten so lange über das Potential der Psychopharmaka getäuscht werden können, heißt es im Lancet, weil viele Studien manipuliert worden seien.
Forum für induzierte falsche Erinnerungen, Falschanschuldigungen und Fehldiagnose DIS http://www.induzierte-erinnerungen.de

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Mo 9. Mär 2009, 13:06

Hallo Jenny!

Wem ist das neu? Wobei immerhin mit Risperidon ein - mittlerweile allerdings auch nicht mehr brandneues Neuroleptikum - auf den Markt gekommen ist, das bei vergleichbar einigermaßen guter Wirkung, vergleichbar einigermaßen überschaubaren Nebenwirkungen, vergleichbar relativ guter Patientencompliance und offenbar relativ geringer Neurotoxizität (siehe ältere Diskussionen in diesem Forum) eine sehr sinnvolle Alternative zu den älteren Medikamenten darstellt - selbstverständlich auch wieder nicht bei allen Patienten.

Und die Tragikkomödie endet ja nicht bei den Neuroleptika. Was der Spiegel über die atypischen Neuroleptika sagt, könnte man genau so gut von den neumodischen Antidepressiva oder dem ADHS-Mittel Atomoxetin sagen, von irgendwelchen Antidementiva usw. usf..

Die Patienten und Krankenkassen sind die Melkkühe und Goldesel der Pharmaindustrie, die immer neuen Unsinn mit enormem finanziellem und logistischem Aufwand auf den Markt schwemmt.

Aber wem ist das neu?

Alles Gute

Johannes

Isa
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Beitragvon Isa » Mi 11. Mär 2009, 10:38

Also ich hatte unter Risperdal Consta die schlimmsten zwei Jahre meines Lebens und gewirkt hat es auch nicht. Ich hatte im Laufe meines Lebens schon viele Neuroleptika, wirklich gewirkt haben letztendlich dann immer nur die Alten.

Grüße, Isa
Oh Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.
Augustinus

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » Mi 11. Mär 2009, 12:41

Hallo Isa,

das glaube ich Dir absolut. Bei schwereren Schüben sind, auch soweit ich das bisher gelesen und gehört habe, die alten Neuroleptika den neuen überlegen.

Abgesehen davon wirkt freilich jedes Medikament bei jeder und jedem anders.

Alles Liebe

Johannes


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