Zyprexa und die Wirtschaft

Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
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Remedias
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Beitragvon Remedias » Di 9. Jan 2007, 13:10

Auf dem Beipackzetteln von meinem Neuroleptikum steht, dass Spätdyskinesien NICHT mit Antiparkisonmitteln behandelt werden dürfen, da es nicht wirkt bzw. sie sich sogar verschlechtern. Frühdyskinesien aber scheinbar schon.
LG Remedias

hannah
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Beitragvon hannah » Di 9. Jan 2007, 14:35

Schneewittchen hat geschrieben:
hannah hat geschrieben:Bei dem Mann mit den Dyskinesien hat wirklich alles gezittert, er hat ständig alles bewegt, aber unbewusst. Mir tat er sehr leid, aber die Therapeuten meinten, dass er das gar nicht so mitbekommt, dass man ihm das nur äußerlich ansieht.
Motorik schwerst geschädigt, aber glücklicherweise Rest vom Gehirn so kaputt, dass er das gar nicht mehr bemerkt - ganz toll !
Ja, und was gehst Du mich so an? Ich kann doch nichts dafür. :roll:

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Anneliese
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Beitragvon Anneliese » Di 9. Jan 2007, 16:26

Hallo hannah,
erst mal - ich bin Sorge aus dem KNS-Forum - und dort habe ich schon die Dyskinesien meiner Tochter beschrieben.
Dyskinesien haben nichts mit Parkinson zu tun und können auch nicht mit den bei Parkinson angewandten Medis behandelt werden.
Es ist kein Zittern, sondern typisch für Dyskinesien sind die Bewegungen vor allem die der Zunge (wie Bonbonkauen)und des Mundes, teilweise auch der Finger (wie beim Klavierspielen - dort hat sichs allerdings zurück gebildet). Beschrieben wird auch ein Grimassenschneiden, unwillkürlich und wird von den Betroffenen nur dann bemerkt, wenn sie in diesem Moment darauf hingewiesen werden. In einzelnen Fällen können auch die Extremitäten betroffen werden, indem diese unwillkürliche Bewegungen machen.

Was Schneewittchen allerding von sich gibt, ist destruktiver Quatsch. Dsykinesien sind zwar durch NL hervor gerufene Schädigungen im Gehirn, trotzdem ist das Gehirn nicht kaputt. Meine Tochter ist hochintelligent (durch Tests belegt) und wendet dies auch an. Sie hat Erfolg in ihrer Ausbildung....hat ihr Leben selbst wieder in die Hand genommen und läßt sich auch von diesen Dyskinesien nicht davon abbringen, dem Leben Schönes abzuringen.
Aber das habe ich ja alles schon im anderen Forum geschrieben.
Tut mir leid, wenn Schneewittchen alles so schwarz sieht und trotzdem keine Alternative zu den NL anzubieten hat.
LG
Wer mit einem Baum sprechen kann, braucht keinen Psychiater. Nur meinen die meisten Menschen das Gegenteil.
(Phil Bosmans)

hannah
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Beitragvon hannah » Di 9. Jan 2007, 19:36

Hallo Anneliese,

Wir haben uns eh im KNS schon darüber unterhalten. Ich hoffe nach wie vor sehr, dass sich das bei Deiner Tochter gänzlich zurückbildet.

Den dekonstruktiven Quatsch finde ich auch nicht gut. Alles wird so ins auswegslose verdreht, Alternativen werden sofort schlecht hingestellt. Es ist bei der Psychiatriegeschichte sicher schwer optimistisch zu sein, aber alles gleich so negativ machen find ich auch nicht gut.

Jedenfalls ist es super, dass Deine Tochter den Mut nicht verliert. Es hört sich sehr gut an, wie sie ihr Leben plant, wünsche Dir und ihr alles Gute!

lg
hannah

Jackie
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Zyprexa und die Wirtschaft

Beitragvon Jackie » Mi 10. Jan 2007, 11:59

Hallo miteinander,

ich wollte zu den letzten Bemerkungen noch einige erfreulichen Sätze erwähnen, die Hoffnung machen (aus dem Buch "Schöne, neue Psychiatrie 2"):

Kaptiel Tardive Dyskinensien:
".........Vor Ablauf ca. eines halben Jahres kann im einzelnen Fall nicht entschieden werden, ob eine tardive Dyskinesie vorliegt. Allerdings ist es möglich, dass sich im Laufe von Jahren der Körper doch noch von der neuroleptischen Schädigung erholt und die Symptomatik abklingt."

Kapitel Rückbildung der tardiven Dyskinesie:
Für eine attestierte tardive Dyskinesie ist keine Behandlung bekannt, wenn sich auch nach dem Absetzen der antipsychotischen Medikamenten das Syndrom möglicherweise teilweise oder vollständig zurückbildet.....

.....Manchmal bilden sie sich nach einigen Monaten oder Jahren zurück. Gelegentlich sind sie jedoch dauerhaft und lassen einzig in ihrer Intensität etwas nach....

... eine Rückbildung der Symptome sind grundsätzlich möglich...

Man weiß noch nicht all zuviel über Spätdyskinesien.

Gruß - Jackie

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Anneliese
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Beitragvon Anneliese » Mi 10. Jan 2007, 12:27

Oh.....Danke für die Infos. Das baut auf Bild
Wer mit einem Baum sprechen kann, braucht keinen Psychiater. Nur meinen die meisten Menschen das Gegenteil.
(Phil Bosmans)

hannah
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Beitragvon hannah » Mi 10. Jan 2007, 12:53

Wollte nur noch mal kurz auf Zyprexa zurückkommen.

Habe da was sehr ausführliches gefunden, wie weitreichend das alles mittlerweile geworden ist.

http://www.bpe-online.de/infopool/gesun ... yprexa.htm

Jackie
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Zyprexa und die Wirtschaft

Beitragvon Jackie » Mi 10. Jan 2007, 16:43

Danke Hannah,

für diese Info. Habe sie zufälligerweise auch vor ein paar Tagen schon entdeckt.

Ich weiß nur eins: Ausschleichen, und zwar so schnell wie möglich bzw. so langsam wie nötig.

So wie Sophie bereits erwähnt hat: Zuviel darüber wissen macht einem echt Angst. Aber trotzdem, lieber Angst und Gewissheit haben und vor allem entsprechend handeln, als in Ungewissheit bleiben und sich horrenden Risiken aussetzen, sowie es viele Ärzte praktizieren.

Ich krieg' die Krise.

Hannah, wie lassen uns nicht klein kriegen. Nur wir selbst können uns am eigenen Schopf packen und uns befreien.

Gruß - Jackie

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Mi 10. Jan 2007, 16:49

Uiii,@Hannnah, dieser Artikel ist echt hart. Da bekommt man wirklich Angst, Neuroleptika überhaupt zu nehmen.
Ich hatte auch Zyprexa, der Arzt hat es aber wie gesagt, gleich wieder abgesetzt, weil ich in 2 Wochen 8 Kilo zunahm.

hannah
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Beitragvon hannah » Do 11. Jan 2007, 21:47

Ich bin für gar keine Spätfolgen bereit, aber die NL sind eben das einzige, was die Psychiatrie für solche Menschen wie mich, anbietet.

Jonas
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Beitragvon Jonas » So 14. Jan 2007, 04:10

Es sind die alten, "typischen" Neuroleptika, die sich ganz auf das Dopamin konzentrieren. Die neuen Atypika nehmen sich gleich mehrere Botenstoffe zur Brust, v.a. auch das Serotonin (das statistisch wirksamste Mittel, Clozapin/Leponex, beeinflusst das Serotonin stärker, als das Dopamin). Dadurch ist das Risiko von Bewegungsstörungen bei den neuen Mitteln geringer.

Dafür ist aber das Risiko von Stoffwechselstörungen bei den neuen Medikamenten ungleich größer. Wenn man nämlich gleich eine ganze Palette von Hirnbotenstoffen beeinflusst, reagiert automatisch auch der Hormonhaushalt darauf, das lässt sich gar nicht verhindern, denn diese ganzen Botenstoffe sind ein eng miteinander verzahntes System. Ergo gerät der Insulin-Haushalt aus dem Lot > Übergewicht, Diabetes u.ä., der Prolaktin-Haushalt > Brustbildung, Milchfluss, Libidoverlust, gutartiger Hirntumor (Prolaktinom), der Cholesterin-Haushalt usw. usf.

In diesem hochkomplexen System, wo alle Botenstoffe von Natur aus aufeinander abgestimmt sind, kann man nicht irgendwo eingreifen, und sei es auch nur die chemische Manipulation eines einzigen Botenstoffs, ohne Gefahr zu laufen, dass das ganze System oder zumindest ein Teil davon aus dem Gleichgewicht gerät, mit entspr. Folgen ...
http://www.eigener-planet.de/

hannah
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Beitragvon hannah » Di 16. Jan 2007, 14:49

Schneewittchen hat geschrieben:
hannah hat geschrieben:... aber die NL sind eben das einzige, was die Psychiatrie für solche Menschen wie mich, anbietet.
Wo du recht hast, hast du recht. Psychiatrie ist eben nichts anderes als der Vertrieb von Psychopharmaka an den Endverbraucher. Vorher wurden nur Hunderte von Millionen Dollar von Eli Lilly und Co. investiert, dass alle Beteiligten glauben, auf diesen Junk angewiesen zu sein, was dann auch irgendwann mal wahr wird: "Ohne Seroquel kann ich nicht schlafen."

S.
Schön, dass Du mich hier jetzt so vorführst und mich zitierst, dass ich ohne Seroquel nicht schlafen kann. Das bringt mich wirklich enorm weiter, dass ich deswegen auch noch angegriffen werde. Ich weiß, dass ich ein Paradebeispiel für die Schäden der Neuroleptika bin aber das bestätigt mich nur darin, dass der einzigste Ausweg aus dieser Lage ist, mich selbst zu beseitigen oder weiterzumachen und weiterhoffen, dass sich die Lage zu den Medikamenten bald ändert!
Oder was fällt Dir für eine Lösung für mich ein?

Chaos-Fee
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Beitragvon Chaos-Fee » Di 16. Jan 2007, 19:03

Hallo Schneewittchen,

warum hackst Du immer auf Psychopharmaka rum - und den Menschen, die darauf angewiesen sind? Was ist Dir passiert, dass Du so dagegen eingestellt bist?

Wenn Du es schaffst ohne Neuroleptika gut zu leben - schön - dann freu Dich - ich freu mich mit.

Aber es gibt auch Leute, die ohne Neuroleptika keine Chance haben, die zwingend darauf angewiesen sind - was sollen die Deiner Meinung nach machen? Ständig psychotisch durch die Gegend rennen und alle 3 Wochen zwangseingewiesen werden? Die Selbstgefährdend sind? Oder Fremdgefährdend? Was ist mit denen? Wegsperren für den Rest Ihres Lebens? Unbehandelt sich selbst überlassen als ständige Gefahr für sich und die Umgebung?

Für manche gibts eben keine andere Möglichkeit, als ständig Psychopharmaka zu schlucken.

Leider.

LG - Fee

hannah
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Beitragvon hannah » Mi 17. Jan 2007, 18:33

@Schneewittchen

Sorry, dass ich mich so blöd anstelle, aber bitte erkläre mir doch, welche anderen Ressourcen ich habe. Und was kann ich wie einsetzen? Du redest wieder mal nur Blabla ohne konkrete Hilfestellungen anzubieten. Aber Hauptsache, Du kannst auf Schizophrene losgehen, das scheint Dir ja besonders Spaß zu machen. Auf Leute die eh schon am Boden liegen, drauftreten - bravo!

Chaos-Fee
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Beitragvon Chaos-Fee » Mi 17. Jan 2007, 19:10

Hallo Hannah,

nicht aufregen - das treibt nur den Bludruck in die Höhe *g*

LG - Fee


Hallo Schneewittchen,

ich glaube, Du willst mich nicht verstehen - ich versuchs nochmal:

Ich kenne an Schizophrenie Erkrankte, die ohne ihre Medis (2 x vergessen oder Reduzierung der Dosis absichtlich) SOFORT wieder psychotisch werden - volles Programm sowohl Positiv- als auch Negativsymptomatik.

Da ist keine Chance für Überlegungen wie man Verhalten oder Denkmuster ändern kann.

Ein Teil der Schizophreniekranken kann nicht ohne Neuroleptika leben, weil sie ohne ständig psychotisch wären.

LG - Fee

PS: Woran bist Du erkrankt? Warst Du jemals psychotisch?


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