Zyprexa und die Wirtschaft

Dieses Forum beschäftigt sich speziell mit Nebenwirkungen bzw. unerwünschten Wirkungen von Medikamenten und nicht-medikamentösen Therapieverfahren (Einzel- und Gruppentherapie, körperorientierte Verfahren etc.), die in der Psychiatrie und Psychotherapie eingesetzt werden. Es sollen hier nur persönliche Erfahrungen wiedergegeben werden. Nutzen Sie den Raum für anschauliche Beschreibungen, denn das Thema Nebenwirkungen ist von besonderer Bedeutung.
hannah
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Zyprexa und die Wirtschaft

Beitragvon hannah » Di 19. Dez 2006, 12:13

http://derstandard.at/?id=2699622

Tja, man sollte meinen das Wohl der Wirtschaft und Pharmaunternehmen sei bei weitem wichtiger, als das des Menschen...

hannah
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Beitragvon hannah » Mi 3. Jan 2007, 13:45

Hallo Schneewittchen,

Weil gerade mit dem Leid psychisch Kranker viel Kohle gemacht wird? Es hätte schon längst eine Optimierung Zyprexas geben können, wo forschungstechnisch sicher diese Nebenwirkungen minimiert werden können, aber wozu das Ganze, wenn es sich für Eli Lilly mehr rentiert das Präparat bei hohem Umsatz weiter zu verkaufen und die paar Kläger auszubezahlen?

lg
hannah

Psycho-Tom
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Beitragvon Psycho-Tom » Mi 3. Jan 2007, 16:09

Es gibt ein feines Buch zu dem Thema:
Jürgen Blech
"Die Krankheitserfinder"-Wie wir zu Patienten gemacht werden
Kann ich echt empfehlen,ich bekomme Wut auf Politik und Wirtschaft

Jonas
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Beitragvon Jonas » So 7. Jan 2007, 06:10

Schneewittchen hat geschrieben:Aber Tom, das ist doch das Schöne an der Psychiatrie, wenn du nicht der Meinung bist, dass du krank bist, ist das nur der Beweis für die Schwere deiner Krankheit !
:D :D :D
http://www.eigener-planet.de/

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Kratz
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Beitragvon Kratz » So 7. Jan 2007, 13:16

tja,
dazu sag ich dann eben Catch 22.

Trotzdem kann ich nicht bestreiten gelegentlich ernstlich zu verrücken.

Und was sollte dann geschehen Schneewittchen.
Wo ist die Grenze des Erträglichen, wenn ich Wände in der Hütte die ich gerade gebastelt habe eintrete dann mach ich lieber Pause bis ich meine Aggresionen im Griff habe.
Zur Not mit Ton bastelnd oder sonstwas, ein kleines Programm.
gut welche Pillen wann und wielange wieviel usw. sicher eine klare Frage.
Aber Ver-Rücktsein ganz abstreiten - wo ich doch so gerne die himmlischen Heerscharen führe gelingt mir nicht.
Auch wenn ich vieles anzweifeln mag.
Und ich bin schon recht abgebrüht was die Pillenfresserei und deren Folgen angeht, das das keine langfristige Lsung ist ist mir klar.
Trotzdem hab ich letzthin einen Freund eingeliefert der mir gerade trotz all meiner Erfahrung die Bude zerlegt hat, da gabs eben erstmal nicht als den Hammer der Zwangseinweisung um Ihn vor weiterem Schaden zu stoppen, und andere vor Schaden zu bewahren.
Natürlich bin ich gegen jahrelanges Medikamentendelier, und auch nicht erbaut mich in Wechsel- und Nebenwirkungen - Absetzpsychosen und dem ganzen Krempel zu verstricken.
Aber ganz dem Wahn verfallen mag ich jedenfalls nicht, genausowenig wie Gefangener des Systems zu werden.
Gruss Detlev
Des deutschen Bürgers ehrliches Sicherheitshirn vermag nicht den scheinbaren Sinn einer ausschließlich von der Nützlichkeit der Dinge bestimmten Wertung als Unsinn zu begreifen.

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Remedias
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Beitragvon Remedias » So 7. Jan 2007, 17:09

Mit Zyprexa habe ich es geschafft, innerhalb von 2 Wochen 8 Kilo zuzunehmen (wenn es nicht so teuer wäre, würde man es vermutlich bei der Schweinemast einsetzen...*lach*), bis ein Arzt das untragbar fand und auf ein anderes Neuroleptikum wechselte.
Aber auch mir hat man gesagt, dass läge daran, dass ich zu viel esse.
Aber das konnte gar nicht sein, denn ich bin essgestört und außerdem Vegetarierin und esse eben nicht viel.
Insgesamt habe ich einem Jahr 30 kg zugenommen.
Diabetes macht mir auch Angst. In der Klinik waren eine Menge Patientinnen, die Insulin spritzen mussten.
LG Remedias

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Re: re

Beitragvon Remedias » So 7. Jan 2007, 17:19

Roddick hat geschrieben:Hi¨!


Was denkt Ihr nun zu meiner Ausssage, dass viel zuviel auf den Botenstoff Dopamin geschaut wird als an anderen Orten im Gehirn? Das kann es doch nicht sein!!

Gruss Rod
@Roddick, die Dopamin-Störungstheorie ist im Moment die gängige Theorie, so wie es vielleicht zu Zeiten Freuds das Austragen innerer Konflikte war. Das Gelbe vom Ei ist es natürlich nicht, und in zwanzig Jahren gibt es vielleicht wieder ganz andere Erkenntnisse.
Vor kurzem las ich, dass es auch Medikamente gibt, die auf das Seratonin wirken....
Gruß Remedias

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Beitragvon hannah » So 7. Jan 2007, 17:56

Hallo,

Ja, es gibt einiges zu erforschen, aber auch eine große Lobby und allgemein Regelungen der Pharmaindustrie, die das Verhindern. Es zählt halt doch nicht immer der Mensch!

Es gibt bei schweren Zwangserkrankungen ja z.B. auch mechanische Hilfen, wie ein Gehirnschrittmacher. Da hab ich eine Doku drüber gesehen, der Schrittmacher wurde an einer bestimmten Stelle im Gehirn, die für die Zwangshandlungen verantwortlich sind, eingebaut und der Patient konnte fast ein ganz normales Leben führen.

Jedenfalls muss doch auch Schizophrenie und die daraus resultierenden "Wahnvorstellungen" und alles andere in einem gewissen Teil des Gehirns "abgehen". Vielleicht gibts da auch mal eine Operation, dann müsste man wenigstens nicht lebenslang Medikamente nehmen.

lg
hannah

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Beitragvon Remedias » So 7. Jan 2007, 18:08

Hat man früher nicht Leute bei Schizophrenie operiert, irgendwie die Gehirnhälften getrennt ?(ich weiß nichts Genaues darüber, klingt aber gruselig)
Oder Elektroschocks gegeben?
Gruß Remedias

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Anneliese
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Beitragvon Anneliese » Mo 8. Jan 2007, 21:23

Schneewittchen hat geschrieben: Die gab's schon mal, nannte sich Lobotomie und wurde mit dem Nobelpreis geehrt.

S.
Na toll
Die Lobotomie ist eine neurochirurgische Operation, bei der die Nervenbahnen zwischen Thalamus und Stirnhirn, sowie Teile der grauen Substanz durchtrennt werden. Sie wurde ursprünglich zur Schmerzausschaltung in extrem schweren Fällen angewendet, dann bei agitierten psychischen Erkrankungen wie Psychosen und Depressionen. Als Folge der Lobotomie tritt eine Persönlichkeitsänderung mit Störung des Antriebs und der Emotionalität auf.

Entwickelt von Moniz, der dafür 1949 den Nobelpreis für Medizin bekam.

Berühm berüchtigter Vertreter dieser OP war Walter Freeman. Er schrieb dazu: Die Psychochirurgie erlangt ihre Erfolge dadurch, dass sie die Phantasie zerschmettert, Gefühle abstumpft, abstraktes Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum schafft.

Ist das die Alternative? :shock:
Wer mit einem Baum sprechen kann, braucht keinen Psychiater. Nur meinen die meisten Menschen das Gegenteil.
(Phil Bosmans)

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Beitragvon hannah » Mo 8. Jan 2007, 21:43

Lobotomie hat nichts zu tun mit dem Gehirnschrittmacher bei Zwangserkrankungen. Oh mann, immer gleich alles ins Negative drehen, ja nicht konstruktiv denken...

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Di 9. Jan 2007, 10:28

@Hannnah, ich habe aber auch gleich an Lobotomie gedacht, als Du dass mit der Operation geschrieben hast...... :wink:
Du meintest aber vermutlich etwas ganz Neuartiges so wie den Gehirnschrittmacher.
Vielleicht werden aber auch die Neuroleptika dahingehend verbessert, dass sie keine Nebenwirkungen mehr haben.
Auf alle Fälle jagt mir alles, was am Gehirn herummanipuliert, seien es Operationen oder Eingriffe am Dopamin, Angst ein. Wir wissen einfach noch zu wenig darüber, wie ein Gehirn funktioniert.
So weiß man jetzt, dass z.B. Ritalin, das Tausende von hyperaktiven Kinder verschrieben bekommen, als Langzeitwirkung Parkinson verursacht. Na ich danke.
Gruß Remedias

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Beitragvon hannah » Di 9. Jan 2007, 11:19

Ich hab ja geschrieben, dass ich den Gehirnschrittmacher meine.

Mir wäre auch lieber, dass es bald Medikamente mit weniger Nebenwirkungen gibt. Ritalin ist auch ein Neuroleptikum und hat eben auch dieselben Langzeitfolgen wie andere. Ist Parkinson eigentlich dasselbe wie Dyskinesien?

lg
hannah

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Beitragvon Remedias » Di 9. Jan 2007, 11:27

Parkinson ist Schüttellähmung. Das sind meist die älteren Menschen, die so arg zittern.Hat aber auch etwas mit dem Dopamin zu tun.
Dyskinesien habe ich noch nie live gesehen. Wie äußern sie sich?

hannah
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Beitragvon hannah » Di 9. Jan 2007, 13:06

Ich hab mal einen älteren Mann mit Dyskinesien gesehen und mein Vater hat selbst Parkinson. Bei dem Mann mit den Dyskinesien hat wirklich alles gezittert, er hat ständig alles bewegt, aber unbewusst. Mir tat er sehr leid, aber die Therapeuten meinten, dass er das gar nicht so mitbekommt, dass man ihm das nur äußerlich ansieht.
Der Parkinson meines Vaters wird ganz gut behandelt, bei ihm zittern manchmal nur die Hände, mal mehr mal weniger. Gegen Parkinson kann man also schon was tun, aber ich glaub Dyskinesien sind dann nicht mehr behandelbar.


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