Jonas im Wal

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hexler
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Jonas im Wal

Beitragvon hexler » Mi 19. Mai 2010, 16:46

Die Geschichte von Jonas im Wal beschäftigt mich schon lange. Es gibt ein orientalisches Sprichwort, das heißt, wenn jemand verwirrt ist: "er ist im Bauch eines Fisches". Alle gängigen Interpretationen von "Verschlingungstheorie" sagen mir nichts.
Die Geschichte:
Jonas bekam eine Auftrag von Gott (ich glaube an Ihn), führte ihn aber nicht aus. In der Folge wurde er von einem Fisch verschlungen. Das bedeutet:
1. Er war in Dunkelheit, aber vor dem Ertrinken sicher.
2. Wasser ist ein Symbol des Unbewußten (oder ist es das Unterbewußte?), aber das Meer ist auch ein Symbol des Göttlichen.
Er war also vom Göttlichen umgeben und trotzdem davon abgeschnitten. Nach drei biblischen Tagen wurde Jonas wieder ausgespien.
Könnte man sagen: Weil Jonas ungehorsam war, stürzte Gott ihn in eine Psychose? Nach drei Jahren bekam er noch einmal eine Chance und führte den Auftrag aus. Ich sehe in dieser Geschichte auch eine Parallele zu den Schamanenkrankheiten. Wenn ihr dazu eine Meinung habt, dann schreibt bitte eine Antwort.

hexler
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon hexler » Fr 21. Mai 2010, 10:16

Ehrlich gesagt, wollte ich in diesem Beitrag nicht über das Gottesbild schreiben. Es ging mir vielmehr darum, von einem Experten zu erfahren, ob diese Interpretation nicht einleuchtender ist, wie diese Verschlingungstheorie. Im übrigen:
Wenn du unter http://www.schamanenschule.de/glr_initiation.htm das Kapitel "Schamanenkrankheit" aufrufst, wirst du merken, daß die Schamanen so einen Zustand nicht als Bestrafung empfinden.

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Laura
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon Laura » Fr 21. Mai 2010, 15:45

Hallo hexler!

Die Geschichte mit Jonas und dem Wal haben wir mal in der Schule im Religionsunterricht besprochen. Unsere Religionslehrerin erklärte sie uns unter dem Stichpunkt coincidentia oppositorum (Zusammenfall der Gegensätze), was sich darauf bezog, dass Jonas erst an seinen persönlichen tiefsten Punkt kommen musste, um wieder hochkommen zu können.

Dass Krankheiten die Folge von unmoralischem Verhalten sind, glaube ich nicht unbedingt. Vielleicht in einigen Fällen - zumindest wurde über Hildegard von Bingen gesagt, dass sie ihre Krankheiten bekam, wenn sie einem "Auftrag Gottes" nicht sofort folgte - aber generell ist Krankwerden m. E. nach nicht an die Beziehung zu Gott gekoppelt. Es gibt einfach zu viele Menschen, die sowohl gottesgläubig als auch nett sind und trotzdem krank werden, als dass dieser Rückschluss so pauschal anwendbar und zuverlässig wäre.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

hexler
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon hexler » Fr 21. Mai 2010, 22:36

Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, daß Schamanen so einen Zustand nicht als Strafe ansehen. Wenn Jonas ein Prophet war, hatte er auch die Bedingungen eines Schamanen. Über die Möglichkeit, daß Jonas aus Feigheit sich einer Gefahr nicht stellte und er, da er anscheinend ungenügend vorbereitet war, durch die darauffolgenden Ereignisse wie ein Schwert im Feuer gehärtet wurde, kann ich nur spekulieren. Vielleicht war es ja keine Psychose, vielleicht war es eine Nahtoderfahrung. Licht in diese Geschichte könnte jemand bringen, der etwas Ähnliches heutzutage erlebt hat.

spiriphysiks
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon spiriphysiks » Sa 22. Mai 2010, 07:10

Psychologisch gesehen, könnte man z.B. folgendes interpretieren: Gott steht hier in dem Fall für das strenge Über-Ich. Man hat etwas getan, das das Gewissen als unredlich erachtet und es bestraft einen deswegen. Der Wal steht für einen Gefühlskerker, oder auch für einen Abwehrmechanismus. Die Abwehr hat zwar einen Vorteil. Man wird vor dem Meer geschützt, ist somit aber auch den positiven Möglichkeiten des Meeres (Nahrung, Weg nach Hause,...) abgeschnitten. Sprich, ohne seine Gefühle, kann man keine schlechten Erfahrungen sammeln, dafür aber auch keine Positiven. So gesehen, geht es in dieser Geschichte um die Angst vor dem eigenen Unbewussten, ob Wünschen, Gefühlen oder ähnlichem.

hexler
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon hexler » Sa 22. Mai 2010, 18:57

Was lernen wir daraus? Auf die Schnelle gesagt, lerne ich daraus, die dunkle Zeit durchzuhalten. Eine mühsame Zeit ist mit einer Pilgerreise, z.B. auf dem Jakobsweg zu vergleichen. Eine Bemühung kann so manchen therapeuten ersetzen.

hannah_ut
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon hannah_ut » Mo 22. Feb 2016, 11:08

Mein Vater ist vor ein paar Tagen an den Folgen seiner Demenzerkrankung gestorben. Er war Künstler und Lebzeiten sehr intuitiv. In der Zeit vor der dramatischen Verschlechterung seiner Demenz, vor etwas über 3 Jahren, war er besessen von der Idee eine kleine liegende Figur, kauernt wie ein Embryo, noch mal in Bronze abgießen zu lassen. Er selbst sagte, es sei Jonas im Wal. Die Brozeversion wurde nicht realisiert, dennoch ist dies seine letzte plastische Arbeit. "Im Bauch eines Fisches" passt sehr gut zu seiner Verwirrung, seiner Demenz. Verschlossen sein, in sich selber gefangen sein, nicht im-Leben stehen, aber Geschützt sein im Bauch des Wals, geborgen-sein im göttlichen Meer ist ein sehr schönes Bild. Ich war bei seinem Tod dabei und empfand seinen Sterbeprozess wie eine Geburt. Ich weiß, dass es ihm jetzt gut geht, und er seine Krankheit überwunden hat. Wie Jonas ist mein Vater nach den vergangenen 3 Jahren aus seinem Wal-Gefängnis befreit.

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fluuu
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Re: Jonas im Wal

Beitragvon fluuu » Mi 24. Feb 2016, 11:19

Ja der Tod verändert vieles, ganz ohne Frage und wer sich in die Geborgenheit von Abhängigkeiten begibt kann einen gewissen
Schutz genießen ist aber auch fast handlungsunfähig wie ein Embryo im Bauch der Mutter oder ein Jonas im Bauch des Wals.
Im Zustand einer akuten psychischen Krise wie eine Psychose z.B. kann so ein Schutz in Abhängigkeit das Überleben ermöglichen.
So gesehen ist die Handlungsunfähigkeit eher förderlich für die Behandlung der Krise und der Verzicht auf Freiraum macht Sinn.
Lieber eine Zeit lang im dunklen Wal (Depression, Wahn, Halluzination) als im Freiraum des Unbewussten (Meer) ertrinken (Tod).
gruß fluuu

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