Psychotherapie und Buddhismus

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Christian
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Psychotherapie und Buddhismus

Beitragvon Christian » Mi 16. Aug 2006, 11:20

Eine Überlegung: Kann der Buddhismus heilen? Worin liegen die Unterschiede zur Psychotherapie? In wie weit kann die Lehre der Buddhisten eine Ergänzung zur Psychotherapie sein?

Viele Grüße

Christian

Jonas
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Beitragvon Jonas » Do 17. Aug 2006, 06:13

Buddhismus bzw. Meditation/Mystik einerseits und Psychotherapie andererseits haben ganz verschiedene Intentionen, weshalb man das meiner Meinung nach auch grundsätzlich trennen sollte. Psychotherapie will ein Ich, eine Persönlichkeit, wieder fit machen für den Alltag. Der Buddhismus wiederum stellt genau dieses Ich, diese Existenz, so wie wir sie normalerweise sehen und deuten, grundsätzlich infrage und hilft dadurch bei der Selbstfindung. Zur Selbstfindung in diesem Sinne braucht man aber psychische Stabilität, sonst geht das in die Hose.

Es gibt eine psychotherapeutische Klinik (Heiligenfeld in Bad Kissingen), die dennoch eine Symbiose aus Buddhismus und Psychotherapie versucht. Habe keine eigenen Erfahrungen mit der Klinik, kenne aber zwei Leute, die dort waren und denen das nicht viel gebracht hat - aber natürlich sind die Berichte von gerade mal zwei Ex-Patienten alles andere als repräsentativ.
http://www.eigener-planet.de/

Christian
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Beitragvon Christian » Do 17. Aug 2006, 08:49

Vielen Dank für die Antwort! Interessant für mich, dass es offenbar Versuche gibt in der Psychotherapie auf buddhistische Gedanken zurückzugreifen.

Den "Ich-Begriff" im Buddhismus verstehe ich als den Versuch die Abhängigkeit der Existenz des Selbst von vielen Faktoren (z.B. der Wahrnehmung, dem begrifflichen Denken, der Relativität des Daseins durch Veränderungen usw.) zu verstehen. Diesen Gedanken empfinde ich für mich persönlich als sehr beruhigend, wenn mich etwas belastet. Denn in der Analyse über die Abhängikeiten relativiern sich unangenehme Gefühle und Gedanken und verlieren somit ihre Absolutheit, weil ich dann im ruhigen Nachdenken über die Abhängigkeiten und Ursächlichkeiten mich und andere Menschen besser verstehe.

Was für mich nicht gut zusammen geht, ist der buddhistische Gedanke, dass Emotionen wie Wut nicht ausgesprochen und ausagiert werden sollten, weil sie sich so nur vertiefen würden. In der Psychotherapie sind ja aber gerade diese "schädlichen" unterdrückten Emotionen bedeutsam und heilsam, wenn sie bewusst nacherlebt und wiederbelebt werden dürfen. Im täglichen Zusammenleben, glaube ich auch, dass es nicht gut ist Wut auszuagieren.

Vielleicht ist der Buddhismus etwas für gesunde Meschen, die im oft ungesunden Alltag gesund bleiben wollen.

Grüße

Christian

Christian
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Beitragvon Christian » Do 17. Aug 2006, 12:31

Hallo Schneewittchen,

ja, buddhistische Gedanken und Einstellungen können Angst lösen und beruhigen bei einigen Menschen. Dann ist da ja auch noch die Meditation. Von ihr sagen die buddhistischen Lehrer, dass sie keine Entspannungstechnik sei. Viele Menschen erleben die Meditation (= ruhiges Verweilen) aber als ausgesprochen entspannend nach Abschluss der Meditation.

Ich glaube auch, negative Emotionen gar nicht mehr zu haben (das glingt ja sogar dem Dalia Lama nicht immer, schreibt er) oder sie so zu reduzieren, so dass sie in bestimmten Situationen gar nicht erst aufkommen, wäre nach dem Buddhismus der Idealfall. Negative Emotionen sind alle Emotionen, die Leidbringend und damit schmerzhaft für sich und andere sind.

Bin auch kein Experte; ich habe es kürzlich so verstanden aus den Übungen der buddhistischen "Ethik": wenn negative Emotionen auf kommen, dann solle man versuchen ein "Gegenmittel" einzusetzten.
Beispiel: kommt Zorn über einen Mitmenschen auf der uns verletzt hat, kann man sich das Gegenteil dieser Emotion, also die Sanftmut, vorstellen. Das gelingt zunächst dann, wenn man an die Sanftmut von Buddha als Vorbild denkt und sich seine Milde vorstellt. Weiter kan man noch versuchen das feindliche Verhalten eines Mitmenschen zu verstehen und es zu begrüßen als eine Gelegenheit sich in Geduld und Ruhe zu üben. Damit würde dann eine richtige Einstellung entstehen, die uns nicht in den Strudel schlechter Emotionen und Handlungen hineinzieht. Damit ist ein Mensch dann auch geschützt vor weiteren Schaden bei sich selbst und auch im Bezug auf den Schaden, den negative Emotionen bei anderen Menschen anrichten.

Habe es versucht :-) Das ist ganz schwer, aber manchmal gelingt es und tatsächlich ist dann zu spüren, wie die ganze Aufregung verschwindet. Möglicherweise ist das ein "verhaltenstherapeutischer" Ansatz.
Genau da ist für mich aber auch die Stelle, wo ich mich frage, ob das nicht alles viel zu kognitiv angelegt ist. Wie ist das mit den Gefühlen? Mitgefühl ist ja auch im Buddhismus etwas zentrales. Kann das über kognitive Fähigkeiten stimmuliert werden und so wirklich "im Herzen" wachsen? Oder bleibt es sozusagen ein aus der Vernuft hergestelltes nicht wirklich erlebtes Abbild eines Gefühls?

Grüße

Christian

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Laura
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Beitragvon Laura » Do 17. Aug 2006, 16:44

Hallo Christian!

Kennst Du die Zeitschrift "Connection"? Ist 'ne Art spirituelle Variante von "Psychologie heute" und es werden immer wieder verschiedene Religionen und Therapieformen beleuchtet. Vielleicht ein Tipp für Dich.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Christian
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Beitragvon Christian » Fr 18. Aug 2006, 08:57

Hallo Laura,

vielen Dank für den Tipp. Habe mir die Zeitschrift im Internet angesehen. Teilweise sehr anregend behandelteThemen, finde ich.

Grüße

Christian


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