noch ein Versuch

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deepnight
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noch ein Versuch

Beitragvon deepnight » So 12. Feb 2006, 10:41

Hallo,

ich bin zur Zeit auf der Kippe zur Psychose hin. Es fing damit an, daß ich nach einem halben Jahr kreativer Sperre wieder angefangen habe zu malen. Vor etwa einer Woche bekam ich das innere Bild, daß ich einem ruhenden,"toten" Gewässer geglichen habe, in dem nun eine Pumpe anfängt zu arbeiten (auch körperlich hatte ich das Gefühl von Schwerarbeit) , das Gewässer in Bewegung gerät und auch Luft und Sauerstoff hinzukommt. Mein Kalorieengrundumsatz hat sich erhöht, ich muß teilweise hochkalorisch essen, um nicht zu schnell abzuhemen. Ich schlafe nicht mehr 12 Stunden am Tag (mit Mittagsruhe) sondern komme höchstens auf 8 Stunden (heftige, wirre Träume).

Ich habe psychotische Wahrnehmungen, die ich als solche erkenne, etwa das fast sinnlich wahrnehmbare Gefühl, jemand, den ich kenne, will mir etwas vermitteln. Mir ist klar, daß das mit der realen Person nichts zu tun hat und daß hier keine Telepathie im Spiel ist. Mir ist auch kalr, daß dies nicht sein sollte.

Bevor ich bereit bin, psychiatrisch zu intervenieren, gehe ich heute zur Heilpraktikerin und will erstmal probieren, was sie mir rät. Ich habe Angst vor der Brachialität des psychiatrischen Eingriffs, bei dem ja immer nicht nur der gewünschte Effekt auftritt, sondern auch eine Menge Unerwünschtes. Naja, wenns nicht anders geht, werde ich meinen Kopf wieder für den Holzhammer hinlegen. Aber ich werde wenigstens probieren, obs auch anders geht.

Gruß, Helene
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moni
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Beitragvon moni » So 12. Feb 2006, 14:33

Liebe Helene

Ich drücke dir fest die Daumen, dass die Heilpraktikerin dir auf die sanfte Art weiterhelfen kann, so dass du dich bald wieder wohler fühlst und der Holzhammer bleiben kann, wo er ist.

Alles Gute dir und liebe Grüsse

moni
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deepnight
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Beitragvon deepnight » So 12. Feb 2006, 17:36

Hallo moni,

vielen Dank für deine lieben Wünsche. Ich komme gerade von der HP zurück. Sie hat im Wesentlichen einen Punkt im Nacken links behandelt, wo sie eine Blockade unabhängig davon, daß ich sie da auch spüre, gespürt hat. Ich fühle mich wohler, es ist Spannung raus, bzw. rechts und links sind ausgeglichener. Mal sehen, wie ich die Nacht schlafe.

Lieben Gruß, Helene
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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mo 13. Feb 2006, 09:37

Hallo,

gestern, als ich von der HP nach Hause ging, säumten ungewöhnlich viele Raubvögel den Weg. Ein Mäusbussard saß ganz gelassen auf einer Laterne und schaute, selbst als Leute interessiert stehen blieben, um ihn sich aus dieser ungewöhnlichen Nähe anzuschauen. Ich hatte das Gefühl (psychotisch, ich weiß), da ist etwas, das auf mich aufpasst. Vor kurzem hatte ich einen Raubvogel gemalt, vielleicht mein "Krafttier".

Der Schlaf in der Nacht war qualitativ besser, aber um 5 Uhr war ich wach und es arbeitete in mir. Konnte dann aber wieder loslassen und gegen 6 Uhr unruhig weiterschlafen bis 8.30 Uhr. Vorerst bleibe ich bei der Behandlung durch die HP.

Selbst wenn ich "richtig" psychotisch werden sollte, will ich diesmal nicht in die Klinik gehen, sondern es zu Hause durchstehen. Mir wird schon übel, wenn ich an diese Weiber in der Klinik auf der Privatstation denke, wie sie da im Flur hocken und die MitpatienInnen begutachten. Welche Kleidung, welcher Schmuck und nur negative, lieblose Gedanken. Das muß ich mir nicht antun, wenn ich verletzlicher werde. Und das Pflegepersonal hat eh keine Zeit und es ist so würdelos, um jede Zuwendung betteln zu müssen. Und für den Chefarzt bin ich kein Mensch, der um sein seelisches Überleben kämpft, sondern ein Symptomträger... Nein.

Gruß, Helene
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moni
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Beitragvon moni » Mo 13. Feb 2006, 11:17

Liebe Helene

Dein letztes Wort - Nein - klingt für mich wie ein Ja zu dir selbst. Das gefällt mir ... und ich wünsche dir, dass es dir die Energie gibt, die du jetzt brauchst.

Auch die Vorstellung, dass etwas auf dich aufpasst, ist irgendwie schön. Ich habe einen indianischen Freund; er ist Musiker/Künstler und mein Djembe-Lehrer. In unregelmässigen Abständen gehe ich zu ihm nach Hause für eine Privatstunde. Bevor wir trommeln, trinken wir immer etwas zusammen und reden; oft auch über Krafttiere, die in seinem Glauben einen festen Platz haben. Er hat zwei - Wolf und Adler; beide hat er sich auf den Körper tätowieren lassen. Im Grunde genommen begreift auch er sie als seine Beschützer; sie geben ihm Kraft und Ruhe.

Schutz - Kraft - Ruhe ... woher sie auch immer kommen mögen - ich wünsch sie dir weiterhin!

Liebe Grüsse

moni
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baba
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Beitragvon baba » Mo 13. Feb 2006, 21:41

Liebe helene

viel kraft. sorry mir fehlen die richtigen worte. Ich möchte mich moni anschliessen.

häb sorg!

gruss
baba

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Laura
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Beitragvon Laura » Mo 13. Feb 2006, 23:35

Liebe Helene,

Rosen statt Psychosen!!!

Ja, ich weiß schon, wenn das so einfach wäre...

Sei jetzt ganz besonders nett zu Dir und stress Dich auch nicht mit dem Abnehmen!

lg

Laura
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deepnight
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Beitragvon deepnight » Di 14. Feb 2006, 09:37

Hallo,

ich danke euch allen sehr für eure guten Wünsche, das bedeutet mir sehr viel. Meine Situation ist gerade eigentlich optimal. Ich habe Kontakt zu einer sehr kompetenten Kunsttherapeutin, die mir riet, vorerst bei kleinen Formaten zu bleiben (ist weniger anstrengend und überschaubarer) und auch jetzt einen Motivwechsel vorzunehmen, also etwas Äußeres - aus der Realität - zum Malanlass zu nehmen.

Die HP spritze mir gestern Neurotropan in die Vene, worauf ich schon während des Spritzens heftig reagierte. Dann nehme ich noch ein hochdosiertes Baldrianpräperat. Ich habe 8 Stunden geschlafen, die Schlafqualität war gut, aber ich bin häufig durch Geräusche etwa der Hunde aufgewacht. Psychotische Phänomene bemerke ich keine mehr. Der BZ steigt wieder, war sehr niedrig die letzten Tage, und ich nehme wieder
leicht zu.

Die HP sagte, wir können froh sein, daß es die Neuroleptika (auch Antibiotika und Kortison) gibt und ich soll auch unbedingt darauf zurückgreifen, wenn sie mir nicht helfen kann. Es geht also gewiss nicht um ein Entweder - Oder, sondern darum, einen individuellen Weg zu finden.

LG Helene
Zuletzt geändert von deepnight am Sa 18. Feb 2006, 19:52, insgesamt 1-mal geändert.
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deepnight
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Beitragvon deepnight » Mi 15. Feb 2006, 09:02

Hallo,

mir gehts reichlich beschissen, aber ich habe 8 Stunden wirklich gut geschlafen und damit denke ich, daß ich noch ausreichend geschützt bin, die Gefühle auszuhalten.

Meine Bilder der letzten Zeit (ihr könnt sie auf meiner HP unter "aktuelle Bilder" sehen) rufen bei einigen Menschen aus meiner engeren Umgebung heftige Abwehrreaktionen hervor. Und zwar wegen der Inhalte. Ich selber empfinde es so, daß ich nur die andere Seite des Sanften und Heiligen gemalt habe, das Kriegerische und Dämonische. Nichts vor dem man Angst haben müßte. Wie F.E. zu bemerken pflegt, die Medaille hat zwei Seiten. Mir macht es sehr zu schaffen, daß so viele Menschen diese andere Seite so hefig ablehnen und empfinde es so, als dürfe ich selber diese Seite in mir nicht haben.

Gruß, Helene
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Beitragvon deepnight » Mi 15. Feb 2006, 13:55

Hallo Dussel,

habe herzhaft gelacht über die Szene auf dem Flohmarkt, wo die Leute fragen, was der Wechselrahmen kostet. Danke dafür.

Ich habe das Gefühl, daß ich gerade viel über mich lerne, über das falsche und das wahre Selbst. Und ich bin froh, es bis hierher geschafft zu haben, ohne knallpsychotisch zu werden.

Grüßle, Helene
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Beitragvon deepnight » Do 16. Feb 2006, 10:02

Hallo,

ich habe mich entschlossen, doch auch psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zwar ist der Schlaf nach wie vor ausreichend, aber ich habe ein Gefühl von Nervenüberreizung, Spannungsgefühl und Schwierigkeiten, ganz da zu sein. Auch meine HP schätzt es so ein, daß da naturheilkundliche Mittel nicht ausreichen. Ich habe das Gefühl, mit meinen innerpsychischen Prozessen ein Stück weitergekommen zu sein, aber jetzt brauche ich Pause. Deckel drauf.

Grüßle, Helene
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Beitragvon baba » Do 16. Feb 2006, 10:58

Liebe Helene,

Ich finde deinen entscheid gut und besonnen. Vielleicht kann man noch das schlimmere abfangen.

Ich habe auch so up and downs erlebt, wo ich mich vor einer psychose gefürchtet habe und vielleicht auch schon leicht drin war. mir hat reden, problemlösen und vorübergehend dosis erhöhen geholfen.

viel glück und viel kraft für die nächste zeit.

lieber gruss
baba

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Beitragvon moni » Do 16. Feb 2006, 16:44

Viel Glück, Helene - und gute Erholung!
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Grenzenlos
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"Mehrere Selbste"

Beitragvon Grenzenlos » Do 16. Feb 2006, 21:09

Liebe Helene,

Ihre Beiträge schaffen es immer mal wieder mich so sehr anzusprechen, dass ich mich aufraffe und auch etwas schreibe.

Ich habe mir Ihre "aktuellen Bilder" angesehen. Sie gefallen mir gut. Ich kann gar nicht verstehen, dass jemand sie als bedrohlich empfindet. Ich finde sie noch nicht einmal besonders kriegerisch oder dämonisch. Sie haben mehr Spannung - es ist nicht mehr alles nur "heile Welt".

MIch spricht ihr Thema an, weil ich meine "Rückseite der Medaille" oft und gerade auch in letzter Zeit sehr stark spüre und nicht konstruktiv damit umgehen kann. Sie schreiben vom "falschen und wahren Selbst". Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass "mehrere Seelen ach in meiner Brust wohnen". Dass ich nicht "mehr wahr" bin, wenn ich "so böse" bin, aber auch nicht heuchle (falsch bin) wenn ich freundlich bin - ein kompliziertes Thema.

Ich glaube es ist wichtig, dass ich mich in allen meinen Teilen mir und meiner Umwelt zumute.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, dass Sie mit oder ohne Medikamente mit sich klarkommen.

Herzliche Grüße
Claudia

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Fr 17. Feb 2006, 08:04

Hallo,

mein Psychiater ist mal wieder nicht erreichbar, auf e-mail reagiert er nicht. Nun war ich gestern total planlos, welches meiner Medikamente ich wie erhöhen soll. Also bin ich zur HP und sie hat gependelt. *loool* mein Doc würd vom Glauben abfallen. Heraus kam, daß ich Seroquel, das ich zur Nacht nehme um 25 mg erhöhen soll, so daß ich jetzt 75 mg nehme. Das fühlt sich für mich absolut richtig an. Und ich hab auch wunderbar geschlafen, wenn auch wieder "nur" 8 Stunden. Dann hab ich noch 2 indianische Heilsteine bekommen, für jede Hand einen, die sehen toll aus, so richtig erdig, aber auch uralt und "weise". Sie vibrieren manchmal in der Hand, manchmal werden sie ganz heiß, dann wieder kühl...

Gut ist, daß meine Umgebung (Ehemann, Freunde) ganz locker und ehrlich mit mir umgehen. Ich bekomme zurückgemeldet, wie ich wirke und kann auch besprechen, was ich selber an mir wahrnehme. So hab ich eine gute Einschätzung, wie es mir geht.

Mit den Bildern ist es so, daß eigentlich nur einige Menschen aus meiner engeren Umgebung (Mutter, Schwester, ein alter Freund...) so heftig reagiert haben. Einer sagte: " Ich schütze mein Gemüt vor den Fratzen und Reptilienaugen", das war schon heftig. Für mich wurde sehr deutlich, wie und durch wen da Spaltungen in mir zustande gekommen sind. Und ich bin nicht mehr bereit, für das Bedürfnis nach Idylle bei diesen Leuten wesentliche Teile von mir zu verleugnen.

Gruß, Helene
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