Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

riccardo
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Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon riccardo » Fr 8. Aug 2014, 01:50

Hallo

Ich möchte ein paar Erfahrungen beschreiben die ich während meiner Aufenthalte in der Psychiatrie gemacht habe.

Dabei möchte aufzeigen das es Zwangsmaßnahmen gibt die nicht richterlich angeordnet werden und auch nichts mit körperlichen Zwangsmaßnahmen zu tun haben. In meinem Fall wurden subtilere Methoden angewendet. Es gibt Methoden psychischen Druck aus zu üben die einem Zwang sehr nahe kommen.


Ausserdem möchte ich die mögliche Befangenheit\Unsicherheit der Richter ansprechen die über eventuelle Zwangsaufenthalte bestimmen müßen.

Einmal habe ich mich freiwillig (auf Anraten meiner Eltern) in eine Klinik einweisen lassen. Ich wurde daraufhin in einer
"teil geschlossenen" Akutstation untergebracht auf der man nach Vereinbarung auch zeitlich beschränkten Ausgang erhalten konnte.
Natürlich mußte für diesen Aufenthalt eine Diagnose gestellt werden. Es sollte sich aber herrausstellen das eine solche erste Diagnose und ein freiwilliger Aufenthalt den weiteren psychiatrischen Werdegang erheblich beeinflussen.

Beim ersten Aufenthalt den ich auf Grund einer Panikattake angetreten habe ,dessen Inhalten wenig Beachtung geschenkt wurde
(die ich allerdings auch nicht wirklich formulieren konnte) wurde ich auf eigenen Wunsch hin aber gegen den Rat der Ärzte wieder entlassen. Ich muß dazu sagen das die Panikattake bereits nach wenigen Stunden und weitere Symptome nach ein bis zwei Tagen komplett abgeklungen waren und ich keine weiteren Symptome hatte ,die sich nicht durch die ungewohnte Umgebung hätten erklären lassen . Bestimmte Überzeugungen die zu diesem Zustand geführt hatten blieben in meinem Denken zwar erhalten, waren aber weder an meinem Verhalten noch an meinen Aussagen gegenüber den Ärzten zu erkennen. Ich war zu diesem Zeitpunkt wieder ein ganz gesunder Mensch ohne jede Gefahr für mich oder andere und ohne jegliche erkennbaren Symptome.
Trotzdem habe ich den Ratschlägen und Bitten der Ärzte drei Wochen lang Folge geleistet und habe mich beobachten lassen.
Eines Tages kam es zu einem Zwischenfall der dazu führte das ich die Klinik sofort verlassen wollte.
Ich hatte mir ein Skateboard mitbringen lassen und wollte während den sehr begrenzten Ausgangszeiten auf dem großen Klinikgelände ein paar Tricks üben. Das wurde mir allerdings untersagt. Nur während eines halbtägigen "Freigangs" sollte mir das Skateboard ausgehändigt werden ,so das ich mich etwas beschäftigen könnte. Ich hatte also einen Termin für einen halbtages Freigang ausgehandelt welcher auf einen "Freitag den 13." fiel. Als es soweit war und ich den Ausgang antreten wollte wurde mir das Skateboard ausgehändigt und in voller Vorfreude habe ich daraufhin einen Spass machen wollen und sagte zu der Ärztin :
"ein Freitag der 13. ist sicher ein guter Tag zum Skateboard fahren". Daraufhin wurde dies als Drohung ausgelegt mir etwas antun zu wollen (ohne irgendeine Vorgeschichte die dies hätte befürchten lassen müßen). Sofort wurde mir das Skateboard wieder weg genommen ,mein Halbtagesausgang wurde gestrichen und mir wurde für zwei Tage jeder Ausgang verwehrt. Das war der Anlass auf eine Entlassung zu bestehen.

Ein halbes Jahr später hatte ich einen Zustand der Erregtheit und Angstzustände die aber keineswegs unkontrolliert verliefen.
Allerdings hatte ich in einem Gespräch mit meiner Mutter eine Formulierung verwendet "das man unter bestimmten Umständen einfach nicht leben kann" . Das war in diesem Falle nicht annähernd eine direkte Selbstmorddrohung sondern in einem Kontext zu verstehen. Auch vorher gab es meinerseits keine ausgesprochenen Selbstmordabsichten gegenüber einem Menschen.
Meine Mutter hatte mich aber dazu überreden können in die psychiatrische Ambulanz zu fahren um dort ein kurzes Gespräch mit einem Psychiater zu führen und mir eventuell Beruhigungsmittel verschreiben zu lassen. Als wir in der Ambulanz angekommen waren (welche sich auf dem Gelände der psychiatrischen Klinik befindet) wartete dort schon ein Arzt auf mich. Ich war zu dieser Zeit ruhig und nicht im geringsten aufgeregt. Der Arzt behauptete auch wieder ein kurzes Gespräch mit mir führen zu wollen allerdings sei das Ambulanzgebäude bereits zugeschlossen. Ich sollte mit ihm und meiner Mutter in ein anderes Gebäude um dort in einem Gesprächszimmer das Gespräch zu führen. Wir gingen gemeinsam in ein Gebäude. Ich war weiterhin ruhig und nicht aufgeregt. Tasächlich gingen wir dort in ein Zimmer um das Gespräch zu führen, in dessen Verlauf ich aber nicht viel zu sagen hatte\wollte und auch angebotene Medikamente (Neuroleptika) habe ich abgelehnt. Als das Gespräch beendet war gingen wir auf den Flur . Meine Mutter und der Psychiater verließen blitzschnell das Gebäude durch die Hintertüre der Küche und ich Stand im Flur vor verschlossenen Türen einer geschlossenen Akutstation.
Auch in diesem Moment habe ich mich sehr zusammen gerissen und blieb ruhig. Ich wurde einfach in die Station gelockt und eingesperrt ! Auf mein Verlangen das Gebäude zu verlassen wurde mir gesagt die Polizei wäre aus anderen Gründen gerade im Hause und würde mich gleich besuchen kommen. Eine halbe Stunde später kam tatsächlich die Polizei. Diese konnte an mir definitiv keine Symptome oder Gefährdung feststellen und trotzdem haben sie per Paragraph eine NACHTRÄGLICHE Einweisung verordnet.

Ein Richter sollte dann am nächsten Tag entscheiden wie weiter zu verfahren ist.
Wegen eines Unfalls (keine absichtliche Verletzung) kam es aber nicht dazu. Ich mußte in ein Krankenhaus weil ich mir die Hand aufgerissen hatte. Aus dem Krankenhaus wurde ich dann wenige Tage später (es war eine schwere Verletzung) wieder von der Polizei abgeholt und in die Psychiatrie verfrachtet. Und das ohne richterliche Anordung. Meine Verletzung ,Verbandswechsel und Antibiotika Behandlungen wurden dann in der Psychiatrie durchgeführt. Dies hatte zur Folge das das dortige Personal diesen Behandlungen nicht wirklich gewachsen war und mir unter anderem zur Infusion der Antibiotika den Arm völlig zerstochen haben.

Um auf das eigentliche Thema zurück zu kommen. Der weitere Aufenthalt in der Klinik fand "gezwungenermaßen" "freiwillig" statt.
Diese Vorgehen begegnete mir zu diesem Zeitpunkt das erste mal, sollte sich aber noch öffter auch im Falle von anderen Patienten zeigen.
Man bestand auf eine "freiwillige" "Einwilligung" zum Verbleib in der Klinik. Ansonsten drohte man mir mit dem Erscheinen des Richters dessen Anordnung mich sehr viel länger in der Klinik halten würde. Bei "freiwilligem" "Einverständniss" läge es dagegen im Ermessen des behandelden Arztes wann ich entlassen werde. Dieser "erzwungene" "freiwillige" Aufenthalt sollte mehrere Wochen andauern obwohl an mir keine Auffälligkeiten zu erkennen waren ausser der Tatsache das ich auf Medikamente verzichtete. Es wurde mir auch ganz deutlich gesagt : das wenn ich keine Medikamente nehme (obwohl keine Symptome existent waren ausser der Vorgeschichte) man mich auch nicht gehen lasen würde.

Tatsächlich ist es aber wohl so das auch bei einer Anordnung des Richters der behandelde Arzt das letzte Wort hat und es demnach auch dann möglich ist entsprechend früher entlassen zu werden.

Dazu muß man noch sagen das es sich in der Praxis ja wohl so verhält ,das ein Richter weder objektive Kenntnisse über eine Vorgeschichte hat, noch ausreichende Medizinische Kenntnisse um zwischen dem Verhalten und Darstellungen des Patienten und denen des Arztes tatsächlich eine unbefangene Entscheidung treffen zu können. Auch während des Gesprächs mit dem Richter war ich vollkommen ruhig (und das ohne Medikamente). Es ist doch vollkommen klar das der Richter schon alleine aus Angst eine falsche Entscheidung zu treffen, die in einigen Fällen eventuell das Leben des Patienten gefährdet, quasi immer den Darstellungen und Empfehlungen des Arztes folgen wird. Desweiteren sind es wenige Richter die in diesem Bereich tätig sind was auch bedeutet das sich zwischen den Ärzten und dem Richter ein "Bekanntheitsverhältniss" entwickelt das eine unbefangene Beurteilung seitens des Richters unmöglich macht.

Ein Verfahrenspfleger ist bei diesen Anhörungen zwischen Patient ,Arzt und dem Richter nicht anwesend. In meinem Fall hatte der Verfahrenspfleger erst in der dritten Woche des Aufenthalts Zeit mich anzuhören!

Ein drittes mal verlief ähnlich wie der zweite Aufenthalt. In einem aufgeregten Gespräch mit meiner Mutter, in dem ich laut aber weder agressiv noch drohend gegenüber mir oder anderen war , wurde die Polizei (angeblich von einem Nachbarn) gerufen.
Beim Eintreffen der Polizei war ich zwar müde aber weder unter Drogen noch agressiv oder aufgeregt. Ich war vollkommen beherrscht. Doch anstatt mich wegen Ruhestörung des Hauses zu verweisen oder mich eine Nacht in die Polizeizelle zu sperren wurde ich auf Verlangen meiner Mutter (ich selbst war zu dem Zeitpunkt 26 Jahre alt) mit Hinweis auf eine psychiatrische Vorgeschichte wieder in die Psychiatrie verfrachtet.
Dort erschien am zweiten Tag der Richter. Wieder war ich in keiner weise aufgeregt oder emotional geladen. Und auch die Inhalte der Gespräche mit meiner Mutter und des Streits blieben vollkommen aussen vor. Trotzdem wurde alleine auf Grund einer sehr fragwürdigen psychiatrischen Vorgeschichte und alleine auf Anraten des Arztes ein Zwangsaufenthalt über 6 wochen angeordnet. Der Verfahrenspfleger kam dann in der dritten Woche! und lies sich noch eine weitere Woche Zeit sich "Gedanken" über meinen Fall zu machen. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich dann aber vom Arzt entlassen. Auch in diesem Fall waren ab der ersten Stunde ,ausser der Vorgeschichte, keine Symptome existent die sich nicht direkt mit der unfreiwilligen Gefangenschaft in sehr ungewohnter Umgebung zurück führen ließen und selbst diese waren nach wenigen Tagen vollkommen verschwunden. (Man könnte fast meinen das die Ärzte die relative Gelassenheit sich in einer solchen Zwangssituation zu befinden als Symptom gewertet haben) Tatsächlich wurde aber schnell klar das der Arzt die angeordneten sechs Wochen eigenmächtig verkürzen kann. Und wieder ging es ausschließlich darum das ich Medikamente nehmen sollte. Erst dann wäre der Arzt bereit mich früher gehen zu lassen. Nochmal es waren definitiv KEINE Symptome feststellbar ausser der Vorgeschichte die stark durch die Erzählungen meiner Mutter und die einmalige freiwillige Einweisung meinerseits und der damals gestellten Diagnose geprägt waren.

Bei alle dem muß man dazu sagen das die ursächliche Aufgeregtheit und das die emotionale Aufgeladenheit meinerseits im Verlauf des ersten Aufenthalts nach ca. 1-2 Tagen ,beim zweiten und dritten Aufenthalt schon vor der Einweisung (ohne Einnahme von Medikamenten) in einen vollkommen "normalen" Zustand ohne jede Aufregung ,Gereiztheit ,Drohung oder sonstige Auffälligeiten abgeklungen waren. Die einzigen erkennbaren Symptome waren eventuell Schlafstörungen die auf den erzwungenen Aufenthalt und die Umgebung zurück zu führen waren und von mir nicht mit Medikamenten bekämpft wurden.

Während des Aufenthalts gab es einige Vorfälle die ich auch kurz ansprechen möchte. Da man mich nicht zwagsmedikamentieren wollte\durfte versuchte man auch das durch indirekten "Zwang" ,durch psychischen "Druck" zur "Freiwilligkeit" zu erreichen. Einerseits dadurch das man mir sagte "entweder sie nehmen Medikamente oder ich lasse sie nicht gehen".
Darüber hinaus kam es aber auch einmal vor ,das ich mich in einem der wöchentlichen Gespräche mit den Ärzten weiterhin ruhig und besonnen geweigert hatte Medikamente ein zu nehmen. Daraufhin wurde die gesammte Besatzung , also alle Pfleger von zwei verschiedenen Stationen zuammengerufen (wie es sonst nur in extremen Situationen von Gewaltausbrüchen üblich zu sein schien) die sich im Flur um mich herrum auf stellten. Ich saß ruhig auf einem Stuhl und war gelassen .Ich riss mich zusammen wie es in einer solchen Situation einem jeden gesunden Menschen gerade möglich ist.
Teilweise krempelten sich die Pfleger (ca.10st. an der Zahl) schon die Ärmel hoch und forderten mich auf jetzt endlich das Medikament zu schlucken (Neuroleptika). Ich weigerte mich weiterhin ganz ruhig und so gelassen wie möglich dies zu tun. Nach etwa fünf Minuten Umzingelung von Zehn Plegern klingelte bei einem plötzlich das Telefon und man sagte mir der Arzt habe es sich jetzt anders überlegt und die Zehn Pfleger verschwanden wieder auf ihre Stationen.

Das letzte was ich erzählen möchte sind zwei Vorfälle von willkürlichem Verhalten seitens der Pfleger.
Einmal bin ich zu einem späten Zeitpunkt eingewiesen worden und hatte den Tag über nichts gegessen.
Auf der Station war das Abendessen bereits beendet. In der Küche stand ein Pfleger direkt neben den Körben voller Brot und auch die Butter und der Aufschnitt lagen noch nicht eingeräumt auf den Tischen der Küche.
Auf meine Frage nach etwas zu Essen und meiner Erklärung noch nichts gegessen zu haben sagte der Pfleger mir das es unmöglich sei ausserhalb der Essenszeiten etwas zu bekommen. Er stand während dessen in greifbarer Reichweite des gesammten Abendessens! Auf Bitten und Betteln meinerseits bekam ich dann EINE Scheibe trockenes Brot in die Hand wobei mir auf weitere Fragen weder Butter noch Aufschnitt gegeben wurden.
Statt dessen sollte ich mir doch bitteschön ein Einschlafmedikament geben lassen.

Ein weiterer Vorfall betrifft die "Bestrafung" von Fehlverhalten auf Station. Morgens wird immer eine Morgenrunde abgehalten in der die Patienten vom vorherigen Tag und ihren Plänen erzählen sollen. In 99% der Fälle wird ein zu spätes Eintreffen zu diesen Gesprächen nicht bestraft.
In meinem Fall (ich kam zum ersten mal fünf Minuten zu spät zur Morgenrunde) hatte ein Pfleger gerade schlechte Laune und strich mir daraufhin meinen tages Ausgang. Vollkommen willkürlich und im Umgang mit Psychiatriepatienten darüber hinaus absolut schändlich.

Um es nochmal in wenigen Punkten zusammen zu fassen.

1.
Auch freiwillige Einweisungen können nachträglich (selbst in nicht schwerwiegenden Fällen) in Zwangsaufenthalte gewandelt werden.
Polizei und Richter unterliegen dabei der Angst einen Fehler zu begehen.
Polizisten können sich selbst dann dazu gezwungen fühlen jemanden festhalten zu lassen , wenn es ihnen mit ihrem (dem Berufsstand entsprechend) auf Beobachtung geschulten Auge , im Moment der Entscheidung eigentlich auffallen müßte das jemand ohne jede Berechtigung in einem Gebäude eingeschlossen wurde und sie erst im nachhinein gerufen wurden. Wohingegen sie in drei Minuten Gespräch ohne jede Möglichkeit zur Beurteilung der Ausgangssituation alleine auf den Rat des Arztes hören. Der Arzt erklärte sich in dem Fall aber auch nur in wenigen Sätzen. Und Zack Klappse zu.
Polizisten sind wenn der Verlauf der Einweisung in dieser Reihenfolge abläuft befangen und haben Angst in ihrer Verantwortung falsch zu entscheiden ,sie glauben alleine dem Arzt. Dieser braucht sich dabei auch nicht lange zu erklären.

2.
Richter bauen ein gewisses "Bekanntschaftsverhältniss" zu den behandelden Ärzten auf und sind deshalb in gewisser Weise befangen.
So wird die Entscheidungsfindung zur Routine.
Es ist zwar nach zu vollziehen das die Anliegen des (dem Richter bekannten) Arztes sehr viel mehr Gewicht bekommen als die Darstellungen des Patienten. (Auch wieder aus reiner Vorsicht und Angst in der eigenen Verantwortung einen Fehler zu begehen. Richter haben nun mal Jura und nicht Psychologie studiert) Trotzdem ist das eine Vorgehensweise die Entscheidungen des Richters
als rein proforma erscheinen lassen denn letztlich hat der Arzt sowohl auf die Anordung sowie auf die vorzeitige Entlassung fast vollständigen bestimmenden Einfluss.

3.
Es gibt durchaus "unterschwelligen" "subtilen" Zwang in Form von psychologischem Druck oder an Erpressung grenzende Hinhaltetaktiken. Das betrifft einerseits den schein "freiwilligen" Aufenthalt mit Androhung des "befangenen" Richters.
Sowie die beschriebene Ausübung von psychischem Druck um die scheinbar "freiwillige" Medikamenteneinnahme zu erreichen.

4.
Jeder Anflug von Humor oder Ironie kann in der Psychiatrie ungeahnte Folgen haben.

5.
Es ist durchaus möglich das Pfleger "Strafen" \ Sanktionen sehr willkürlich anwenden.Und das passiert auch (zumindest in meinem Fall)


Ich möchte die Psychiatrie nicht grundsätzlich anzweifeln aber das sind Erfahrungen.die ich machen mußte.

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Re: Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon fluuu » Fr 8. Aug 2014, 12:49

Gut, dass Du Dir das alles mal von der Seele geschrieben hast, ansonsten ist Psychiatrie immer Zwang, niemand holt sich freiwillig eine psychische Störung
und selbst die Simulanten die nur Obhut und Zuwendung wollen in der Klinik handeln unter einem gewissen Zwang und leiden an ihrem Bedürfnis.
Psychische Störung und die Behandlung in der Psychiatrie sind zwanghafte Prozesse im Gehirn.
Komisch, dass Du nicht ein Wort über die Vorgeschichte Deiner Erkrankung formuliert hast. Warum neigst Du zu Panikattacken? Um welche Angst geht es?
Auch krankhafte Ängste bringen zwanghaftes Verhalten mit sich, deren Behandlung geht nicht mit Wattebausch.
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riccardo
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Re: Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon riccardo » Fr 8. Aug 2014, 15:34

Ich habe deshalb nichts über meine Probleme geschrieben weil es kaum möglich ist das zu beschreiben. Wenn ich es versuchte würde dies mindestens nochmal doppelt so viel Text brauchene wie der den ich hier geschreiben habe.

Es geht darum das sich einige Menschen in den Kopf gesetzt haben einen "sehr speziellen" Umgang an mir auslassen zu müßen.
Das reicht über das Eindringen in meine Wohnung bis hin zu einem unbeschreiblichen Umgang auf zwischenmenschlicher Ebene.
Das was da vorgefallen ist kann man nicht so einfach bennenen auch wenn das Wort Stalking in dem Zusammenhang nicht ganz unangemessen ist.
Jedenfalls bin ich mir sicher das es ganz real existierende und vorsätzlich herbeigeführte "Umgangsformen" sind die KEIN
noch so gesunder Mensch ohne tiefgreifende Folgen übersteht.

Meine Erklärungsmodelle für das was da geschieht haben mir unter anderem Ängste bereitet, was für mich auch aus heutiger Sicht eine naheliegende ,wahrscheinliche,vorhersehbare , "angemessene" und relativ "normale" Reaktion auf die Ereignisse war.

Das man bestimmte Probleme nicht mit Watte behandeln kann dem würde ich zustimmen. Mit Watte kann man sich höchstens die Ohren sauber machen. Ich weis nicht was du unter "Watte" verstehst aber wenn du von Watte sprichst dann muß ich sagen das man mit dem "Hammer" garnichts Therapieren kann.
Wenn ich den Begriff "Watte" in diesem Kontext betrachte dann würde ich sogar behaupten das alle diese "Hammermethoden" letztendlich doch auch nur darauf abzielen den Patienten in "Watte" zu packen. Mit dem Hammer der Willkür und psychologischem Druck sowie der Chemischen Keule wird versucht jemanden gegen seinen Willen in Watte einzuwickeln so das er kein Problem mehr darstellt.
Was das für die Problematik des Patienten betrifft sei mal dahin gestellt vielleicht hilft es bei einigen krankhaften Erscheinungen
sich in Watte zu packen. Tatsächlich ist es aber so das die genannten Hammermethoden wie Zwangseinweisungen und Medikation
ursächlich dafür sein können sich derart einzuwickeln zu müssen . Ohne Zuhilfenahme von entsprechenden Mitteln ist nämlich alleine schon der Umstand unfreiwillig, in ungewohnter und mit unter sehr belastender Umgebung einer Akutstation "Gefangen" zu sein, extrem schwer zu ertragen. So wie ich es mitbekommen habe sind es unter anderem die Abläufe auf einer solchen Station die ohne entsprechende Medikamente zur unterdrückung von Emotionen und Bedürfnissen nicht funktionieren könnten.

Wer kann sich schon ohne weiteres aus seinem gewohnten Umfeld entrissen, in ein System eingliedern ,das von heute auf morgen einen ungewohnten Schlafrhythmus, ungewohnte Essgewohnheiten, einen auferzwungenen Tagesablauf ,ein Zusammenleben mit fremden (mehr oder weniger "kranken") Menschen auf engstem Raum, und darüber hinaus den Entzug der Freiheit abverlangen\erzwingen ?
Wer da keine Syptome entwickelt der ist entweder überdurchschnittlich anpassungsfähig, in den meisten Fällen sind die Leute aber mehr oder weniger labil (was durchaus auch ohne schwerwiegende Erkrankungen menschlich ist) und werden zusätzlich diesen Bedingungen ausgesetzt (ohne eine Gefahr für sich oder andere darzustellen). Freiwillige Aufenthalte sind eine andere Sache .
Und selbst dann braucht es eine längere Zeit sich an die Gegebenheiten anzupassen oder zu gewöhnen was sich wiederum in Form einer "Symptomatik" wiederspiegelt. Tatsächlich sind die Bedingungen auf diesen Stationen auch aus technisch\organisatorischen Gründen oder begrenzten Mitteln so wie sie sind . Alleine schon diese Umstände verlangen vom Patienten sich irgendwie zu umhüllen um diesen Extremen nicht derart ausgeliefert zu sein als das sie mehr Schaden anrichten als sie gut zu machen im stande wäre. Und in den aller meisten Fällen geschieht dies durch Medikamente.
Von der tatsächlichen "medizinischen" Behandlung und Therpie unter Ärztlicher Leitung mal ganz abgesehen (diese sind auf Akutstationen nämlich Nebensache).
Tatsächlich könnte man die Tatsache in eine scheinbar "abschirmende" Umgebung verbracht zu werden und dort ruhig gestellt zu werden nichts anderes als (unter Umständen mit dem Hammer) in Watte gepackt zu werden ansehen.

Das fällt mir gerade dazu ein ... vielleicht kommt noch mehr

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Re: Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon riccardo » Fr 8. Aug 2014, 18:19

Ich möchte die Psychiatrie damit aber wirklich nicht grundsätzlich in Frage stellen oder in ein extrem schlechtes Licht rücken.

Vielen Menschen wird dort geholfen und die Methoden der Psychiatrien haben sich sicher in den letzten Jahrzehnten stark zum positiven geändert und entwikelt.
Trotzdem passieren eben solche Dinge. Das System macht es weiterhin möglich das Menschen dort durchaus Schaden nehmen (was sich nie ganz vermeiden lässt wenn Menschen mit Menschen arbeiten ).
Und nur weil sich etwas nicht gänzlich vermeiden lässt so kann man doch immer noch etwas verbessern oder versuchen auf Probleme hinzuweisen oder jemanden für diese zu sensibilisieren.
Ich habe die Erfahrung gemacht das man sich in meinem Umfeld dafür nicht so leicht sensibilisieren lässt.
Und in wie fern das für die Leser dieses Forums neue Erkenntnisse oder Einsichten bringt weis ich auch nicht.
Wie du schon sagtest geht es mir auch darum es mir von der Seele zu schreiben.

Ausserdem habe ja eher von "soften" (vielleicht woltest du darauf hinaus) Methoden gesprochen die trotzdem sehr belastend und schädlich sein können.(wer das als "softe" Methoden versteht der könnte genau so gut die bekannten Methoden des Mobbings oder Stalkings als "soft" beschreiben. An den wenigsten Arbeitsplätzen werden Kollegen im Büro am Stuhl gefesselt ...)
(aber vielleicht glaubt der eine oder andere auch das man mit Wattebäuschen niemanden sensibilisieren kann und deshalb müssen immer gleich Hammermethoden her) Ich verfüge nicht über die möglichkeiten jemandem mein Erleben in den Kopf zu hämmern ...
ich kann nur hier im Forum schreiben und hoffen das es wahrgenommen wird.

Auch wenn ich nicht fixiert wurde oder mit Zwangsjacke in der Gummizelle Elektroschoks bekommen habe heist das noch lange nicht das alles in ordnung ist.
Es gibt natürlich Leute die noch viel schlimmere Erfahrungen machen mußten. Es geht immer noch schlimmer ... aber muß das sein?

Zwangsmaßnahmen und die Entscheidung darüber gehören meines Erachtens sehr viel genauer überwacht und es muß bessere Möglichkeiten geben sich gegen diese zu wehren als die mit privaten Rechtsanwälten vor zu gehen , auf Verfahrenspfleger zu hoffen die sich wenig Mühe geben oder einmal die Woche für wenige Stunden eine Hotline der Psychiatrierfahrenen erreichen zu können.
Ich kenne mich rechtlich nicht besonders gut aus. Meine Erfahrung ist aber die ,das man auch von den Sozialarbeitern in der Hinsicht nicht zu sehr auf Unterstützung hoffen darf. (Ich war immer froh wenn ich draussen war und habe mich erstmal versucht auf andere Dinge zu konzentrieren und so geht es wahrscheinlich den meisten der in dieser Form Betroffenen)

Was ich beschrieben habe sind aber die Erfahrungen meines Lebens und die waren für mich schlimm genug.
Ich möchte nicht verleugnen das die Aufenthalte auch mir bestimmte "positive" Erfahrungen gaben.
Allerdings habe ich auch noch nicht alle negativen angesprochen denn mir ging es hier nicht darum nur auf der Psychiatrie herum zu hacken.

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Re: Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon fluuu » Mo 11. Aug 2014, 09:46

Was auch immer vorgefallen ist um eine psychische Erkrankung hervorzurufen, es war die innere Struktur der Persönlichkeit
notwendig um sie zum Ausbruch zu bringen und wer diese Krankheit heilen will sollte vor allem etwas an sich selbst ändern,
dem eigenen kranken Organismus und weniger versuchen die Psychiatrie zu verbessern um Linderung zu erreichen.
Eine psychische Störung kann man nur im Inneren, in der Psyche heilen und das Umfeld stellt Begleitumstände dar, mehr nicht.
Jeder Versuch die Mitmenschen so zu beeinflussen, dass sie sich verhalten damit man die eigene Störung nicht merkt,
muss der Gesundheit zu Liebe zum Scheitern verurteilt sein, denn es gilt das Krankhafte zum Gesunden zu führen
und nicht umgekehrt. Frei von Symptom sein ist dabei der erste Schritt.
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Re: Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon Remedias » Mi 13. Aug 2014, 17:56

Hallo Ricardo,
ich gebe dir in einem Punkt Recht: in jeder Psychiatrie gibt es fähige und unfähige Mitarbeiter. Die Machtstrukturen, die fehlende Transparenz und die fehlende Kontrolle fordern geradezu zum Machtmissbrauch heraus. Was du geschrieben hast mit subtiler Androhung einer Zwangsbehandlung, Arbeiten mit Drohungen und Sanktionen kenne ich aus eigenen Erfahrungen, diskutiere das also nicht.
Dennoch gibt es in deinem Fall Ungereimtheiten.
Es geht darum das sich einige Menschen in den Kopf gesetzt haben einen "sehr speziellen" Umgang an mir auslassen zu müßen.
Das reicht über das Eindringen in meine Wohnung bis hin zu einem unbeschreiblichen Umgang auf zwischenmenschlicher Ebene.
Das was da vorgefallen ist kann man nicht so einfach bennenen auch wenn das Wort Stalking in dem Zusammenhang nicht ganz unangemessen ist.
Jedenfalls bin ich mir sicher das es ganz real existierende und vorsätzlich herbeigeführte "Umgangsformen" sind die KEIN
noch so gesunder Mensch ohne tiefgreifende Folgen übersteht.
Du weißt schon selbst, dass das voll paranoid klingt. Bei jedem Psychiater, dem du das erzählst, klingelt sofort die Alarmglocke "Psychose!" und dann wird man mit Neuroleptika abgeschossen. Dagegen sind Neuroleptika KEINE Medikamente für Panikattacken, da hätte man dir eher ein Benzo gegeben.
Also was ich meine ist, dass man dich wegen dieser Geschichte schlicht für psychotisch hält, egal ob du ängstlich, aufgeregt, wütend oder ruhig dich verhälst.
Wie kommst du da wieder raus?
- suche Zeugen
- bring Beweise, beim Eindringen ins Haus hilft beispielsweise eine versteckte Web- Cam.
- Mach eine Anzeige bei der Polizei gegen die betreffenden Personen - Stalking ist strafbar.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

riccardo
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Re: Zwangsmaßnahmen mal anders ... einige Erfahrungen

Beitragvon riccardo » Fr 15. Aug 2014, 03:28

ja ich weis das es paranoid klingt. Aber es gibt den Spruch
" nur weil du einen Verfolgungswahn hast heißt das noch lange nicht das du nicht verfolgt wirst ".
Ich bin mir sicher das bestimmte Dinge vorgefallen sind. Meine Spekulationen über die Zusammenhänge hören sich tatsächlich
sehr seltsam an. Ich merke immer mehr das es nicht möglich ist die Wahrheit dessen was da geschieht zu ergründen solange niemand gewollt ist mir zu helfen diese ans Licht zu bringen. Es gibt auch keine Beweise und das sammeln von Beweisen mit Kameras usw. ist sehr unrealistisch.
Ich bin mir sicher das mein Wahn aus einem wahren Geschehen resultiert. Sicher sind einige meiner Erklärungsmodelle für das was da passiert etwas abgehoben oder sehr schwer nach zu vollziehen. Mir ist das jetzt aber auch egal. Ich habe genug geredet und geschrieben war bei der Polizei,bei Ärzten, beim Pfarrer ,habe Briefe geschrieben und in Foren gepostet. Da es mir aber schlecht geht und ich so nicht leben kann nehme ich nun Medikamente. Abilify soll einigermaßen gut verträglich sein und ich hoffe das es das in meinem Fall auch ist, denn ich werde es ab jetzt einnehmen in der Hoffnung mit dem Geschehen in meiner Umwelt besser umgehen zu können, ganz egal was wahr ist und was nicht.
Mal sehen was es an meinem Denken ändert vielleicht schreibe ich aber nochmal einen Text zu meinem Problem und den Geschehnissen.
Jetzt ist aber erst mal chemie angesagt ...


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