Was passiert bei Therapieverweigerung?

cake
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon cake » Mi 22. Feb 2012, 18:40

Nun ich frage mich- was möchtest Du denn verweigern? :wink:
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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Natalie
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon Natalie » Do 23. Feb 2012, 09:04

Wenn du selbst noch als zurechnungsfähig giltst und niemand in irgendeiner Weise dein Vormund ist oder du eine Patientenverfügung unterschrieben hast passiert nichts. Mann muss dann deinem Willen nachkommen und darf dich zu nichts zwingen was du nicht willst.
Wenn aber etwas vorliegt kann man dich dazu zwingen.

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fluuu
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon fluuu » Do 23. Feb 2012, 11:26

Hallo,
wenn jemand Patient in einer Psychiatrie ist liegt wahrscheinlich eine psychische Störung vor
und dann sind die therapeutischen Maßnahmen grundsätzlich sinnvoll auch wenn einem etwas
gerade nicht so zusagt oder gerade dann.
Viele Therapiemaßnahmen in der Psychiatrie dienen zur Beschäftigung um die Zeit zwischen
den wichtigen Arztvisiten, Gruppentherapien und Einzelgesprächen zu füllen.
Eine Verweigerung bringt zusätzlichen Konfliktstoff auf die Station denn es geht um die Gruppe
der Patienten im Miteinander und da führen Sonderbehandlungen zu Reibereien untereinander.
Jedoch ab einen gewissen Punkt der Entwicklung in der Psychiatrie sind Widerstand gegen die
Mitarbeiter auf Station insbesondere Ärzte und Therapeuten durchaus angebracht.
Es zeugt von selbstständiger Verhaltensweise und führt eher zur Entlassung als vorbeugender
Gehorsam zu versuchen es immer allen Recht zu machen.
Mal etwas verweigern kann durchaus sinnvoll sein, es führt zu Gesprächen im besten Fall in
denen dann die Verhaltensweisen ausgehandelt werden.
gruß fluuu

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Klaus W
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon Klaus W » Do 23. Feb 2012, 13:45

Hallo!

Bevor ich zu meiner Frage komme,möchte ich euch alle begrüssenWas passiert in der Psychiatrie wenn man Therapien verweigert?Auf Antworten würde ich mich freuen.

Gruß,FlorianD
In welcher Situation bist Du denn. Grundsätzlich sind nur Behandlungen sinnvoll, die man will und denen man zustimmt. Alles andere bleibt zwangsläufig wirkungslos. Bist Du allerdings in einer Lage, in der Du schon nicht mehr frei entscheiden kannst, ist es das Beste für Dich den Ärger zu schlucken, und einfach zu tun was man von Dir will. Je mehr Du Dich wehrst und protestierst, um so mehr Zwang wird angewendet. Alles schön mitmachen, immer ja sagen, dann besteht keine Handhabe, und man kommt am schnellsten wieder raus. Ja nicht versuchen, den Pflegern ihre Fehler oder ihre Arroganz vorzuhalten, die man vielleicht sieht. Dann läuft man in Gefahr, innerlich gebrochen zu werden. Es wäre das Dümmste was man nur tun kann, in einer Situation in der man machtlos ist Zorn zu entwickeln.
Mit den richtigen Worten kann man alles sagen, mit den falschen Worten nichts.

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fluuu
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon fluuu » Fr 24. Feb 2012, 11:48

Da bleibt ein Schmunzeln nicht aus dieser ironischen Äußerungen wegen,
im Grund stimmt es, es ist in der psychiatrischen Institution per Miniatur
fast genauso wie in der Gesellschaft insgesamt.
Wer die Kraft und Power hat der Macht gegenüber zu Opponieren soll es tun,
es können neue, bessere Dinge entstehen aber wer die Kraft nicht hat und
es trotzdem versucht erleidet automatisch Schiffbruch und muss noch üben.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon Remedias » Fr 24. Feb 2012, 21:18

Wenn man freiwillig in der Psychiatrie ist und beispielsweise Medikation verweigert, wird man nach 4 Wochen entlassen, da die Krankenkassen die Behandlung nicht mehr finanzieren.
Ähnlich wird es auch mit der Verweigerung anderer Therapien sein.

Ist man mit richterlichem Beschluss dort, also mit einer Zwangseinweisung, ist eine Zwangsmedikation jetzt nicht mehr so einfach zulässig; dazu gibt es neue Gerichtsurteile von 2011.
Und zu anderen Therapien kann man einen Zwangseingewiesenen sowieso nicht zwingen.
Alles schön mitmachen, immer ja sagen, dann besteht keine Handhabe, und man kommt am schnellsten wieder raus.
Ja, so sehe ich es auch; das Sich- Verweigern wird dann dahin interpretiert, dass der Patient eben noch schwer krank ist - dann gibt es erstmal eine Verlängerung.
Eine Verweigerung bringt zusätzlichen Konfliktstoff auf die Station denn es geht um die Gruppe
der Patienten im Miteinander und da führen Sonderbehandlungen zu Reibereien untereinander.
Manchmal führt es auch zur "Mit- Rebellion" der Mitpatienten :wink:

liebe Grüße Remedias

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fluuu
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon fluuu » Mo 27. Feb 2012, 10:35

Es geht ja in der Psychiatrie genau so wenig wie in der Gesellschaft um Rebellion
nur um die eigene Unzufriedenheit mit sich selbst nicht so sehr zu spüren.
Wenn gegen die Macht Opponieren, dann um sie zu übernehmen und das heißt zunächst
die Fähigkeit der absoluten Eigenverantwortung erlernen.
Manisches ich bin der Größte und mache Euch alle platt oder durch anderen Wahn erzeugt
im Krankenhaus oder in der Gesellschaft geäußert hilft nicht wirklich weiter.
Gegen den Arzt opponieren ist gut aber dann zeigen, dass man es ohne ihn für sich
besser kann als mit ihm und das ohne große Frustrationen aufzubauen.
Es geht weniger darum die Macht zu hassen oder abzulehnen, es geht darum die äußere
Macht nicht zu brauchen weil man für sich selbst die Macht hat.
Wenn das gelingt hat sich der Prozess von Gesundheit (Salutogenese) entwickelt.
Das geht durch kleine Übungen nicht immer irgendetwas von außen zu brauchen um
innerlich abgelenkt zu sein sondern sich still so aushalten wie man gerade ist in dem Moment.
gruß fluuu

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AlfredENeumann
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon AlfredENeumann » Fr 27. Okt 2017, 21:40

Hat jemand Erfahrungen, wie es bei einer Tagesklinik für Burnout und Depression abläuft ? Was muß man beachten, welche unterlagen werden gefordert, Welcher Zeitraum wird da angesteuert ? Völliges Neuland für mich, geht aber wohl nicht mehr anders ..... Ungute Vorstellungen Richtungen Bastelarbeiten usw. Danke im voraus !

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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon cake » Fr 27. Okt 2017, 22:38

Ungute Vorstellungen Richtungen Bastelarbeiten usw.
Musste grad schmunzeln sorry
Feinmotorik üben?
Ich denke Du kannst schon selbst auch etwas mitentscheiden.
Grüßle cake
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Remedias
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Re: Was passiert bei Therapieverweigerung?

Beitragvon Remedias » Sa 28. Okt 2017, 14:19

Hat jemand Erfahrungen, wie es bei einer Tagesklinik für Burnout und Depression abläuft ? Was muß man beachten, welche unterlagen werden gefordert, Welcher Zeitraum wird da angesteuert ? Völliges Neuland für mich, geht aber wohl nicht mehr anders ..... Ungute Vorstellungen Richtungen Bastelarbeiten usw. Danke im voraus !

Hallo Alfred

Dauer ca. 4 - 6 Wochen
Unterlagen : keine, die liefert dein einweisender Arzt
Dauer : von 8 -16 Uhr oder ab 9, also ungefähr ein normaler Arbeitstag

Mögliche Therapien ( das hängt aber von der Klinik ab und ob sie einen Therapeuten dafür haben, kann also sein, dass nicht alles angeboten wird):

Psychoeinzeltherapie ( 2-x mal die Woche )
- Gruppentherapie
- Männer- und Frauengruppe
- Soziales Kompetenztraining (SKT) mit Rollenspielen
- Psychoedukation = Information über Erkrankung, Schlafhygiene etc.
- Sporttherape evtl. aich Bewegungsbad
- Entspannung
- Ergotherapie (das ist das, was du mit Basteln meinst. ist aber nur halb so schlimm. Erstens ist es freiwillig und zweitens sehr vielseitig, von den Materialien her. Ich habe schon mit Peddingrohr, Leder und Holz gearbeitet und ich bin KEINE tolle Bastlerin vor dem Herren, doch ich stellte fest, dass es sehr entspannend ist und man hat nachher echt was Hübsches zuhause wie ein Serviertablett......dennoch: Wenn es dir gar nicht liegt, es ist freiwillig. )
- Kunsttherapie oder/und Gestaltungstherapie
- Computergestütztes Kognitives Training
- Pharmakotherapie ( Medikamente )
- Diagnostik
- Kochgruppe
- Ausflüge
- Soziale Beratung über Rente /Krankengeld etc. durch einen Sozialpädagogen
- Ernährungsberatung

Essen ist verschieden. Manchmal wird auch zusammen gefrühstückt, aber nicht überall. Manchmal kommt das Essen fertig vom Krankenhaus, manchmal gibt es Kochgruppen, die auch einkaufen, sich was überlegen und zusammen kochen. Das war oft lustig, weil zwischen "Dosenwürstchen und Kartoffelsalat aus dem Eimer" und dem veganen Fünfsternebuffet wirklich alles vertreten war. :D Es wird nicht langweilig , und ich wünsche dir viel Erfolg.

liebe Grüße Remedias

Weisst du schon, wohin es geht? Die website wird dir auch viele Infos geben können.


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