Zwangsmaßnahmen sind häufig Machtmissbrauch

chris007
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Iso-Zellen

Beitragvon chris007 » Mi 18. Jan 2006, 20:10

Ich könnte ein Buch darüber schreiben, was ich von "Isolierungszellen" halte.

Eine kurze Antwort ist manchmal besser als tausend Worte: Ich halte von Iso-Zellen nichts aber auch gar nichts. Ich weiß, dass Patienten danach unter den traumatischen Erlebnissen noch lange zu leiden haben.

Der gesund Menschenverstand der Ärzte kann an manchen Orten, wo es in Psychiatrien Iso-Zellen gibt, manchmal völlig versagen.

Patienten werden mit Haldol o. ä. gespritzt, können sich danach in einem Zustand höchster innerer Unruhe befinden und sind dann auch noch ingesperrt. Niemand hört das arme Geschöpf, wie es schreit. Es vergehen Stunden, Tage, manchmal Wochen aber auch oft Monate oder sogar Jahre, bis ein sensibler Mensch die Geschehnisse verarbeitet hat. Menschen sind nun mal sensible Geschöpfe.

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deepnight
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Beitragvon deepnight » Do 19. Jan 2006, 00:07

Hallo,

eine Isolierzelle, also eine fensterlose Kammer ohne Einrichtung, mit einer Glühbirne beleuchtet, habe ich tatsächlich in einer modernen Psychiatrie gesehen: in einer Kinder- und Jugenpsychiatrie im Jahr 1997. Meinen Sohn hat man dort eingesperrt, als er aufgrund seiner psychotischen Gedanken wütend war. Seine Psychose hat man dort allerdings für eine emotionale Krise gehalten. Die man aber doch mit Haldol behandelt hat. Und als er vom Haldol EPS bekam, verweigerte man das Akineton mit dem Hinweis, das EPS sei psychisch. Das löst Vertrauen in die Psychiatrie aus, ungemein. Mir knotet sich immer noch alles vor Wut zusammen, wenn ich daran denke. Wir haben ihn da dann rausgeholt und erst nach einem halben Jahr zuhause wieder soviel Vertrauen aufbringen können, daß wir nochmal einen stationären Versuch in einer anderen Klinik gewagt haben. Wo es dann besser war, das will ich hier auch erwähnen.

Gruß, Helene
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sandra86
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hi

Beitragvon sandra86 » Di 7. Feb 2006, 03:41

@ Aron

Ich kann dir nur sagen: DU HAST IN ALLEM VOLLKOMMEN RECHT.

du sprichst mir total aus der seele.


war schon in verschiedenen kliniken und es war überall das gleiche.


gruß sandra
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wolfgang9086
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Beitragvon wolfgang9086 » Do 11. Mai 2006, 00:55

Mein mich ambulant behandelnder Psychiater war einst Oberarzt in einem Landeskrankenhaus. Er sagte mir, daß er dort den Dienst quittiert und sich niedergelassen habe, weil er mit der Gewalt in der Klinik nicht mehr klargekommen sei...
Das Problem Materie/Bewußtsein läßt sich nie lösen!

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hawk2
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Beitragvon hawk2 » Mi 17. Mai 2006, 17:37

mir ging es auch so als ich mal wegen depressionen ausgetickt bin kamen gleich zwei "Prügelknaben" (Laufwächter) und hielten mich fest. dann kam ein oberarzt und gab mir 200mg taxilan und ein tavor expide. aber da ich dass tavor nicht nehmen wollte drückten sie es mir so fest in den mund dass mir die zähne schmerzten.

ich sag nur : GEWALT IST KEINE LÖSUNG, SONDERN VERSCHLIMMERT NUR DEN ZUSTAND DES PATIENTEN ! ! ! ! !

wolfgang9086
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Beitragvon wolfgang9086 » Sa 20. Mai 2006, 23:29

Hallo hawk2,

das letzte Mal, als ich fixiert werden mußte, ließ ich mich widerstandslos "festnehmen", also wegtragen aufs Bett, bekam eine Injektion (NL) in die Armbeuge und sollte dann noch ein Beruhigungsmittel oral einnehmen, was ich aber verweigerte. Mir wurde es nicht gewaltsam verabreicht, zum Glück.

LG, Wolfgang
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LuckyLucke
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Politisches Problem...

Beitragvon LuckyLucke » Sa 26. Jan 2008, 13:44

Leider würde zum Beispiel in Zürich, Schweiz der Kapitalismus nicht gleichermassen gut funktionieren, wären wir "Spinner" ohne psychiatrischen Zwang. Wahrscheinlich gäbe es unsere Gesellschaft in der heutigen Staatsform auch nicht mehr lange.
Wir sind gute Konsumenten, die die restlichen nicht an selbem hindern dürfen.
Habe das Gefühl, Hochkulturen bringen auch sonderlich viel Irre hervor, so gegen das Klimax hin...
Will uns nicht überschätzen, doch wir sind unterdessen extrem viele hier... die zusammen täglich unsere Kapseln nehmen... um eine Revolution abzuwenden?... :wink:
Meine Fantasie: Alle Psychotiker wiedersetzen sich gleichzeitig der Therapie: das wäre der Anfang vom Ende. :cool: Es besteht dann noch die Exekutive als zweite Säule /Hüterin des Staates und der Macht.

Herzlichst und in Friede

M.M.

LuckyLucke
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Keine Gewlt mehr

Beitragvon LuckyLucke » Sa 26. Jan 2008, 15:02

Ne, da halte ich mich immer an Mahadma Ghandi.

Es gibt schönere Visionen.

Nach meinem Wissens (leider keine Quelle zur Hand) sind "Geisteskranke" nicht agressiver als der Durchschnitt.
Wahrschinlich mit Medikamenten einiges friedlicher.

Bin ein Hippiekind. Wenn schon, dann stelle ich mir manchmal eine Art "sexuelle Revolution", im Rahmen eines never ending Kulturanlasses vor...

:oops:
Irgend ein Gegengewicht zu dieser Umweltzerstörenden Kraft unserer Entwicklung bräuchte es schon.


Ich mag es, wenn ich meinen Körper pulsieren spüre.

Herzlichst

Lucky


P.S. Momentan lebe ich Straight Edge

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Xcat
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Beitragvon Xcat » Mi 30. Jan 2008, 12:49

Ach herrje Roddick, du bist ja heute mal wieder sehr Produktiv ;)

Was hast du denn?

LG Tom
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Beitragvon Xcat » Mi 30. Jan 2008, 13:00

Natürlich sind wir alle nur Menschen, mit positive und negative Eigenschaften.

LG Tom
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Hallo

Beitragvon LuckyLucke » Mi 30. Jan 2008, 13:28

Und somit scheint vieles gerechtfertigt... wie schön.

Leider ist die Psychiatrie in einem Gesamtpolitischen und Menschlichen Zusammenhang betrachtet vielleicht schlimmer als es der Holocaust war.
Man siehe Edmund Schönenberger.

Tja, das erzeugt Wiederstände, nicht?

Den Anderen geht es gut.

Die Machtfarge...

:razz:

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psychiatrie

Beitragvon sweetgirl-lullu89 » Do 6. Mär 2008, 14:10

hallo
ich hab da mal eine frage, vielleicht kennt sich ja jemand aus..
also ein freund von mir wurde letzte woche wegen angstzustände und drogenmissbrauch in die psychiatrie eingewiesen, die Ärzte haben ihn mit beruhigungsmitter vollgepumt.
was mich nun interessieren würde ist dürfen die ihn zwingen die beruhigungstabletten zu nehmen?
müssen sie ihn vorher fragen oder dürfen sie ihm die auch irgendwie einjubeln?
außerdem hat er ADHS, alos müsste er einiges bekommen haben... weiß vielleicht jemand welche beruhigungstabletten ein betreuer in der psychiatrie geben kann, bzw. darf?

ich danke euch schon mal im voraus.

ganz liebe Grüße

Luiza

LuckyLucke
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Hilfestellung zu Zwangsbehandlung

Beitragvon LuckyLucke » Do 6. Mär 2008, 14:50

Hi Sweety,
zuerst möchte ich wissen in welchem Land sich Dein Freund befindet.

Ich weiss vor allem über die Schweizer Gesetzesgrundlagen Bescheid.
Im Prinzip handeln die Pfleger in solchen Fällen im Auftage der Aerzte. Diese sind für die verschriebenen Medikamentationen verantwortlich. Ausnahmen bilden kleine Variationen in den Dosierungen und in Notfällen wo die Pfleger aus einer eigens dafür eingerichteten reserve gebrauch machen.

In der Schweiz gibt es einen Führsorgerischen Freiheitsentzug (FFE) und die Möglichkeit der Zwangsbehandlung. Beide Massnahmen müssen begründet werden. Damit sie Dir Auskunft geben bräuchtest Du eine offizielle Erlaubnis deines Freundes. Dies ist gut, denn ansonsten fallen die "Kompetenzen" meist zurück in die Hände der Eltern etc.
Bei beiden Massnahmen können sie einem einsperren und alles tun, was sie für richtig halten... Mit den Begründungen der Selbstgefährdung, Fremdgefährdung und der Verwahrlosung. Eines der drei reicht theoretisch.

Das Problem meineserachtens ist, dass es oft vorkommt, das die eingewiesenen Menschen in diesesn Umständen, vielleicht mit der Wirkung von Medikamenten, die stärker sind als bloss beruhigend, erst richtig durchdrehen... Ist ja klar: gefangen, zwangsbehandelt, mit unbekannten Nervenmedikamenten (auch persönlichkeitsverändernden ev. aber nicht unumkehrbar)gedämpft und mit all den anderen Schicksalen zusammen...
Dann erst werden die harten Mittel eingesezt.

Das beste ist, Du sagst deinem Freund er soll cool bleiben und sich schlau machen.

Für Deutschland: http://bpe-online.de/

Da gibt es eine Telefonnummer

sweetgirl-lullu89
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psychiatrie

Beitragvon sweetgirl-lullu89 » Fr 7. Mär 2008, 09:12

hi
erst mal will ich mich bei dir für die antwort bedanken, dann also er ist in deutschland stationiert... ich wer da mal anrufen vielleicht geben die mir ja noch mal auskunft...
aber weißt du welche tabletten verschrieben werden? und muss es einen anderen grund dafür geben- jetzt mal abgesehen von selbstgefährdung zb. das er aggressiv ist oder so? und angenommen er ist ganz ruhig dürfen die ihn dann trotzdem mit tabletten voll punmpen?

danke danke

liebe grüße
luiza

LuckyLucke
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Medis

Beitragvon LuckyLucke » Fr 7. Mär 2008, 10:15

Hi Sweety,
Wie alt ist dein Freund?

Sie wollen deinen Freund sehr wahrscheinlich resozialisieren. Weg von Drogen, ev. Kriminalität. Darüber sagst Du den Ärzten lieber nicht viel, falls es da etwas zu sagen gäbe.

Wenn es dein Freund schafft irgend einen regelmässigen Sport anzufangen, währe es wahrscheinlich sehr gut.
Ganz einfach: Kraftsport im Studio.
Ds würde auch der Arzt unterstüzten, könnte von dem auch ev. verschrieben werden.

Grüsse



Lucky
:lol:


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