Zwangsmaßnahmen sind häufig Machtmissbrauch

Aron
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Zwangsmaßnahmen sind häufig Machtmissbrauch

Beitragvon Aron » Do 28. Apr 2005, 17:44

Wie oben bereits bemerkt, handelt es sich bei den Zwangsmaßnahmen meistens um Machtmissbrauch und inhaltslose Machtkämpfe eines unqualifizierten Personals. Darüber hinaus dienen Zwangsmaßnahmen meistens dem ausagieren latenter Aggressionen der Mitarbeiter.

Gestern noch lief ein Beitrag bei Arte, in dem ein Patient des LKH Lüneburg berichtet bei seinem Benzoentzug fixiert worden zu sein. Er insistierte etwas zu trinken zu bekommen, wobei er nichts dergleichen bekam. Nein, er bekam ein Schlag vom Pfleger, der ihm eine Spritze ins Bein rammte und drohte ihn in den Keller zu schieben, würde er was bzgl. des Schlags sagen.

Ich persönlich habe auf einer geschlossenen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Station miterlebt, wie ein Mädchen ungekonnt fixiert wurde (Arme verdreht), weil es einer Krankenschwester beim Tür zu machen des "Bunkers" noch ein Schlag mit gab. Die Kollegen sagten, schnell Tür zu. Und die, die den Schlag abbekommen hat wollte sich rächen und sagte, auf´s Bett (Fixierbett)! Es war offenkundig dass hier Rache praktiziert wurde. Und außerdem sollte nur der Arzt eine Fixierung anordnen.
Als das Mädchen dann auf dem Bett aufmuckte, stellte sich der Pfleger arrogant vor das Mädchen und sagte, leck mich.
Dann wurde der Arzt gerufen, der mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm ankam.
Die Mitarbeiter haben den Arzt dann überredet, dass die Patientin eine Spritze kriegen soll. Er zierte sich zunächst etwas. Schließlich lief ein alter Pfleger (der schon seit Jahren nicht mehr gespritzt hat) mit der Spritze über den Flur. In Begleitung des Arztes, der noch seine kleine Tochter auf dem Arm hatte. Der Pfleger sagte dann zu der Patientin, entweder spritze ich in den Hintern oder der Arzt ins Bein. Er hat also die fixierte Patientin erpresst. Eine "medizinische Maßnahme" sollte sogar noch missbraucht werden um Schmerzen zuzufügen.
Im übrigen wurde die Patientin vorher nicht gefragt, ob sie das Mittel oral nehmen würde. Es ging ganz klar darum die Spritze zu missbrauchen um Schmerzen zuzufügen. Um seine Aggressionen und Rachegelüste abzureagieren.

Außerdem ist sämtliches Pflegepersonal in einer Psychiatrie unqualifiziert. Eine Krankenpflegeausbildung die mit Realschulabschluss zugänglich ist, lächerlich. Das Personal hat überhaupt keine fundierten Kenntnisse der Psyche, der Philosophie und der Psychiatrie. Einfach nur billig. In vielen europäischen Ländern ist die Krankenpflegeausbildung immerhin auf Fachhochschulniveau.

Im übrigen hat auch ein Zivildienstleistender eigentlich keine Befugnisse Zwangsmaßnahmen beim Patienten mitzubegleiten/mitzuvollstrecken. Jedenfalls sollte es so sein.

Bei Zwangsmedikationen wird vor allem gerne Neurocil gegeben, dass super nebenwirkungsreich ist und auf den Kreislauf geht. Eine einzige Qual. Auch hier wird versucht, über diesen Weg Zwang/Macht und Leid auzuleben. Es ist klar, dass man kein (selten) Lorazepam spritzt, aber es gibt nebenwirkungsärmere Alternativen.

Die Psychiatrie ist ein einziger Machtkomplex, wo besonders sadistische Menschen die Möglichkeit haben, ihre Tendenzen auf sozial anerkannte Weise auszuleben (Sublimierung). Genial!

Ganz bedenklich ist auch, dass auch die in der Psychiatrie arbeitenden Menschen hohere Neurotizitätswerte aufweisen. So sind im sozial/medizinischen Bereich die höchste Suchtraten unter allen Berufsgruppen zu verzeichnen.
Und auch sonst sind die Menschen dort nicht besonders integre. Nicht besonders intelligent, erfolgreich oder sonstiges.

Das Ganze wird auch deutlich, wenn man mal nach der Affinität bestimmter Menschen bzgl. diesen Bereichs fragen würde.

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Franz Engels
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Beitragvon Franz Engels » Do 28. Apr 2005, 18:09

Hallo Aron

Schlimm, was Sie da berichten. Und Sie sind sicher, dass das überall so ist?

Freundliche Grüße

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Beitragvon Aron » Do 28. Apr 2005, 18:47

Hallo FE

ich denke, dass es in den meisten Psychiatrien ähnlich zugeht. Was anderes sind wohl die privaten, verhaltenstherapeutisch ausgerichteten Kliniken. Vermutlich wird es auch auf offenen Stationen humaner zugehen. In geschlossenen Stationen ist schon das ganze Flair provozierend. Ein super strenges Regelwerk, absolute Kontrolle. Das kann bei einigen Mitarbeitern zum Höhenflug führen (und führt es auch wohl).

In durchschnittlichen Psychiatrien wird es aber wohl so oder so ähnlich zugehen. Ein Patient wurde mit dem Fixierbett auf den Flur gestellt (dann können es wenigstens alle sehen). Ich berichte hierbei aus drei verschiedenen Psychiatrien (ich war aber nicht in allen). Nicht umsonst gibt es eine sehr aktive/vitale Antipsychiatriebewegung. Aus der Psychiatrie in Bayern "Haar" hört man auch nur schlechtes.

Das wird wohl einen Effekt haben: Integre Therapeuten und Ärzte werden sich auf Dauer nicht in ein derartiges System begeben und lassen sich lieber privat nieder, wo sie nicht Gefahr laufen, sich in einem inhumanen und unfachlichen System (moralisch) schmutzig zu machen. Und so wird sich auch weiterhin gehäuft eine unliebsame Ärzte- und Therapeutenschaft den Haufen unqualifizierten Pflegepersonals anleiten...


Freundliche Grüße

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Beitragvon Franz Engels » Do 28. Apr 2005, 19:57

Guten Abend Aron

Ich teile Ihre Meinung, dass psychiatrische Kliniken und überhaupt das psychiatrische System (wie jedes System überhaupt) Macht ausübt und es wohl viel zu häufig zu Machtmißbrauch kommt. Dieses Problem habe ich immer gesehen, aber durch die Diskussionen hier im Forum bin ich inzwischen noch viel stärker dafür sensibilisiert. Was hier und andernorts seltener thematisiert wird, ist die Gewalt, unter der auch die "Mitwirkenden", also die Professionellen innerhalb einer solchen Institution stehen. Es gibt sicher Therapeuten und Pflegekräfte, die das besser wahrnehmen und auch verletzlicher sind als andere. Vielfach habe ich auch leidende Helfer gesehen, die gar nicht erkannt haben, dass es ihnen nicht gut geht oder zumindest nicht wußten warum.

Gewalt in der Psychiatrie geht aber, und das finde ich wichtig, nicht in erster Linie von "der Psychiatrie" oder "den Professionellen" aus. Gewalttätig ist vor allem die psychische Störung selber, weil sie mehr oder weniger Besitz ergreift vom Betroffenen, ihn in seinem Sein und in seinen Grenzen verunsichert und dann auch zu Grenzüberschreitungen im sozialen, beruflichen und sonstigen Umfeld führt. Diese Grenzverletzungen, die durch die Krankheit selber hervorgerufen werden und die die Tendenz haben, sich zwischenmenschlich auszubreiten (auch Angehörige, Freunde, Fremde zu verunsichern und in Frage zu stellen), lösen naturgemäß den Impuls aus, Grenzen dagegen zu setzen. Niemand wird einfach so von sadistischen oder machtlüsternen Psychiatern oder Pflegern in die Psychiatrie geholt. Immer findet zuvor eine massive Grenzverletzung statt, die durch die Wirkung der Krankheit/Störungt hervorgerufen wurde und im Moment des Geschehens zu einer teilweisen oder vollständigen Kontrollunfähigkeit des Betroffenen geführt hat. Wenn wir über Gewalt in der Psychiatrie reden, müssen wir m. E. deshalb immer auch über die Gewalt der Krankheit sprechen und nach alternativen Möglichkeiten suchen, diese zu begrenzen!

Deshalb gibt es vermutlich trotzdem die Tatsache, dass auch Menschen, die sich auf der machtausübenden Seite der psychiatrischen Institution wohl fühlen, auch solche, die sadistische sind und Befriedigung verspüren, wenn Patienten unter ihrer Macht leiden. Solche Menschen gibt es aber auch bei der Polizei, unter Richtern, in Kinderheimen, Schulen etc.. Deshalb würde niemand die Schule, das Gericht, die Polizei etc.. als Ganzes in Frage stellen.
Ich persönlich habe viel mehr ärztliche KollegInnen und PflegerInnen kennen gelernt, die den ausgesprochenen Wunsch hatten, eine gute Arbeit zu machen und ihren Patienten zu helfen. Viele haben dabei unzählige Überstunden gemacht und es in Kauf genommen, von der Klinikleitung (neuerdings Ökonomen) despektierlich behandelt und in ihrer Arbeit nicht verstanden zu werden. Es wäre m. E. sehr unfair, der Mehrheit der Professionellen sadistische Züge zuzusprechen. Und genauso wenig habe ich festgestellt, dass die meisten Professionellen keine Ahnung haben und unqualifiziert bin. Allerdings ist dieser Trend in Deutschland möglicherweise vorhanden, in der Schweiz sicher nicht! Hier ist die Ausbildung zumindest der Pflegekräfte bislang ausgezeichnet und spezielle af die Psychiatrie zugeschnitten. Solche Szenen, wie Sie sie beschreiben, habe ich auch persönlich nie in der Klinik erlebt.

Trotzdem, Ihre Kernaussage, dass in der Psychiatrie und v. a. in der Klinik, der Patient sehr ausgeliefert ist und häufig unter der Macht Einzelner zu leiden hat, finde ich richtig. Und in anderer Weise gilt das auch für die dort Tätigen. Und deshalb stimmt es zumindest auch für mich, dass ich die Institution verlassen und micht in eigener Praxis niedergelassen habe.

Freundliche Grüße

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Beitragvon Aron » Fr 29. Apr 2005, 15:39

Hallo FE,

ich vermute auch mal, dass das Personal in der Schweiz besser ausgebildet ist. In Deutschland ist es so, dass man eine durchschnittliche Ausbildung zum Krankenpfleger absolvieren muss (die jedem mit mittleren Bildungsabschnitt offen steht) und dann in der Psychiatrie aber auch in ganz normalen Krankenhäusern arbeiten kann.
Viele Patienten wissen mehr über ihre Krankheit oder Medikamente als das Pflegepersonal. In Deutschland sind die Erzieherausbildung als auch die Krankenpflegeausbildung nur unzureichend. Bezüglich der Erzieherausbildung wird auch überlegt, diese an die Fachhochschule zu verlegen.

Mir ist auch aufgefallen, dass psychische Störungen, vor allem frühe Störungen, Schizoidie (psychoanalytische Charakterstruktur), Psychosen und Borderline sehr effektive Maßnahmen sind, um den Betroffenen wahrscheinlich lebenslang leiden zu lassen. Wenn man sich die einzelnen Störbilder anschaut kann einem echt auffallen wie raffiniert sie sind und wie schwer es ist ihnen beizukommen.

Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen Psychiatrien. Mir wird dort aber meinem Erachten nach zu wenig professionell gearbeitet und das Setting ist häufig sehr defizitär. Auf geschlossenen Stationen werden die Patienten nur eingesperrt und sind sich den ganzen Tag so ziemlich selbst überlassen. Sie werden in ein ganz enges Regelkorsett geschnürrt, welches leicht zu Frustrationen/Aggressionen führt. Aber ich kann nachvollziehen, dass es für manche Patienten für einen bestimmten Zeitraum notwendig sein kann.

Ich kannte aber einen Patienten, der musste 2 Wochen auf seinem Zimmer bleiben, weil er Mitpatienten geärgert hatte. Hierbei wurde das Ende der Isolation aber offen gelassen, der Patient war also gänzlich im Ungewissen.

Das größte Problem bleibt aber noch immer die Professionalität auf Seiten des Personals. Hierfür ist der intellektuelle Vorgang der Abstraktion (abstrahieren) notwendig, den son mancher Pfleger und so manche Schwester entbehrt. Wenn man dieses Prinzip einmal verstanden hat, dann ist es doch recht simpel. Dafür sind aber auch nicht alle offen.

Interessant finde ich verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Privatkliniken in denen man mit dem Patienten gemeinsam an deren Symptomatik arbeitet, der Therapeut also eher mehr so etwas wie ein Couch ist. Dazu muss man sagen, dass dies eben auch nur für bestimmte Störungsbilder möglich ist, die oben keine Erwähnung fanden.

Als Psychiater würde ich mich wahrscheinlich auch in eigener Praxis niederlassen, weil man dort eben nicht so leicht in irgendwelche Sachen hineingezogen werden kann. :wink:

Freundlich Grüße

Aron

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Fr 29. Apr 2005, 21:51

Grüß Dich Aaron,

deine Meinung über den Zustand der Psychiatrie in deutschland teile ich leider.
Ich denke wirklich Herr Engels da sieht es in den Schweizer Bergen schon besser aus.

Den Ansatz der privaten Kliniken - Therapheuten sozusagen als Couch halte ich für absolut richtungsweisend. das ist genau der Ansatz der viele Kranke aus dem Elend führen könnte, Helene nennt das Begleitung.
Dabei bin ich auch der Meinung das hier auch langjährig Erkrankte eine sinnvolle Aufgabe finden könnten - eben weil sie aus dem eigenen Erfahrungshorizont agieren können.

Aber in Zeiten des sozialen Abbaus und dem Verlust der gesellschaftlichen Ethik ist das nicht gefragt, da dienen die Psychiatrien mal wieder als Verwahranstalten - organisiert nach dem Prinzip der Qualitätssicherung im Sinne der Wirtschaftlichkeit und der Gewinnorientierung. Vorbei die Hoffnung der Siebziger.

Aber trotzdem darf man nicht aufgeben, sondern sollte den Dialog dort aufnehmen wo er hilfreich ist und gerne geführt wird.
Dazu ist hier möchte ich sagen ein Plätzchen - davon gibts leider wenig genug.

Gruß
Detlev

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rosa
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Beitragvon rosa » Fr 29. Apr 2005, 23:25

Hallo Herr Engels,

im grossen und ganzen bin ich in vielen Punkten des Beitrags Ihrer Meinung.
Und natürlich sehe ich es auch so, dass (in den meisten Fällen) wir Betroffenen selbst aufgrund ungelöster Probleme eine psychiatrische Praxis oder eine Klinik aufsuchen und natürlich diese zuerst mitgebrachten Probleme natürlich nicht durch psychiatrische Massnahmen entstanden sind.

Jedoch bereitet mir der nachfolgende Absatz Ihres Beitrages einige "Bauchschmerzen":

"... Gewalttätig ist vor allem die psychische Störung selber, weil sie mehr oder weniger Besitz ergreift vom Betroffenen, ihn in seinem Sein und in seinen Grenzen verunsichert und dann auch zu Grenzüberschreitungen im sozialen, beruflichen und sonstigen Umfeld führt. Diese Grenzverletzungen, die durch die Krankheit selber hervorgerufen werden und die die Tendenz haben....

/snip/

...Immer findet zuvor eine massive Grenzverletzung statt, die durch die Wirkung der Krankheit/Störungt hervorgerufen wurde und im Moment des Geschehens zu einer teilweisen oder vollständigen Kontrollunfähigkeit des Betroffenen geführt hat. Wenn wir über Gewalt in der Psychiatrie reden, müssen wir m. E. deshalb immer auch über die Gewalt der Krankheit sprechen und nach alternativen Möglichkeiten suchen, diese zu begrenzen!..."

/snip/

Ich betrachte meine psychische "Störung" nicht als einen gewalttätigen Akt, sondern als eine sehr menschliche Reaktion auf eine unhaltbare Lebenssituation (zu deren Auflösung ich zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit sah) deren Äußerungen (i.d.R. Symptome genannt) im Moment nur noch nicht von mir selbst und meinem Umfeld verstanden wurden, was natürlich dann bei mir zu einem Erleben von Verwirrung und Grenzverunsicherung führte.

Nach Aufarbeitung dieser Probleme bin ich erstaunt, wie deutlich sich gerade in diesen Symptomen meine Wünsche (vor allem nach Veränderungen), meine Ärgernisse/meine Wut darüber (die ich nicht haben/zeigen durfte) aber auch in Ansätzen schon Lösungsmöglichkeiten ausgedrückt haben.

Wichtig war für mich während meiner gesamten Therapie (daraus resultiert sicher auch zu mind. 80% der Therapieerfolg), dass das, was ich erlebte nicht als eine gewaltsame psychische Störung betrachtet wurde, sondern als wichtige Lebensäußerungen. Meine sog. Symptome waren dort kein Störfaktor, sondern es war wichtig sie genau anzusehen, um herauszufinden, wie und was ich in meinem Leben ändern muss.
Ich habe mir auch nie ein Symptom z. B. durch eine Verhaltenstherapie abgewöhnt (hätte bei mir auch nicht funktioniert), sondern ich konnte genau eben diese Symptome kultivieren ggf. durch etwas Interessanteres ersetzen.

Auch dass ich heute nicht mehr so belastbar bin wie früher, empfinde ich persönlich nicht als (gewaltsame) Störung, was bei mir z. B. daran liegt, dass ich früher viel zu viel gemacht/gearbeitet habe.

Was mich besonders stört an Ihren o.e. Sätzen, dass durch den Krankheitsbegriff (eine "Verdinglichung") eine "Enteignung" des Innenlebens eines anderen Menschen ausgedrückt wird. Diese "Enteignung" erinnert mich in fataler Weise daran, was die Psychiatrie unter Symptomen 1. Ranges im Falle einer sog. "Psychose des schizophrenen Formenkreises" benennt. Wenn ich einfach mal 1 und 1 zusammenzähle und das mit dem Begriff "Fremdbestimmtheit" in Zusammenhang bringe, dann bleibt für mich die Feststellung, das man sich in der Psychiatrie ganz leicht (natürlich auf beiden Seiten) in einer unendlichen Schleife verfängt.

Gruss
rosa
"Die Denkgebäude müssen neu überdacht werden." M.Laval

Andreas
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Psychiatrie. Idealer Tummelplatz für "primitive Weiskit

Beitragvon Andreas » So 8. Mai 2005, 11:01

Hallo,

sicherlich wird gerade in der Psychiatrie auffallend viel Schindluder getrieben. Aber überproportional häufig, bei erwiesenen Behandlungsfehlern, ist nicht der primitive Machtmissbrauch, sondern fachl. Inkompetenz
vertreten. Die Psychiatrie ist ein weitaus komplexeres Thema wie bsw. Orthopadie oder Chirugie. In der Psychiatrie müßte ersteinmal, mit dem Patienten, sorgfältig und seriös recherchiert werden. Damit dieses ermöglicht werden kann, bedarf es kompetentes Personal. Das gibt es zwar auch, aber ein wiklichkompetenterr Arzt der auch tatsächlich etwas taugt würde, verständlicherweise, nicht für ca. 4500 Euro/Mon. im Klinikum intelektuell vergammeln. Diese findet man dann eher in der Forschung oder als niedergelassener Selbstständiger auf dem freien Markt.
Und dort gilt nun mal die "effektive Leistung". Würden die bildungsschwächeren Klinikärzte
ebenfalls nach Leistug honoriert werden, würde sicher so manch einer von denen versuchen, sein Bildungsniveau dem Marktbedarf anzupassen, falls er über ein dafür notwendiges Reservoir an entspr. Intelligenz verfügen kann. Eine psychiatrische Klinik ist nichts anderes wie ein "Sammelbecken verkrachter oder gestig beschränkter Götter in weis", die in vielen Fällen, ihre fachl. Defizide durch fragwürdige Experimente, versuchen unter den Tisch zu kehren. So nach dem Motto: ersteinmal "Schema F" ausprobieren.
Dabei sagt mir, als Bürger, das es am Menschen nichts zu experimentieren geben darf.
Jedenfalls nicht hier in Zentraleuropa im 21.Jh.
Seriöse psych. Diagnosen lassen sich ja nicht durch eine simple Blutanalyse oder Röntgen, innerhalb wenigen Momenten, erstellen und entsprechend therapieren. Und genau dort liegt der vermeintliche Schwachpunkt. Um zunächsteinmal sich selbst, vor eventuellen Ansprüchen Dritter, zu schützen oder sich ggf. später nicht rechtfertigen zu müssen, ist es das Bequemste den Patienten möglichst dauerhaft "ruhig zu stellen", sozusagen als Präventivmaßnahme (Vorwand)
den Klienten ersteinmal "außer Handlungsfähigkeit" zu setzen. Notfalls auch durch menschenunwürdige, erniedrigende, demütigende oder weitere unprofessionelle Maßnahmen. Mit richterlichen Beschlüssen usw.. Aber natürlich wollen sich die entspr. Richer auch nicht den vermenitlich unkalkulierbaren Risiken aussetzen.
So wird dann mal, völlig voreilig, ein Beschluß, mit sofortiger Wirkung, erlassen.
Also, ersteinmal ab in die Klape und ruhig stellen!! Und das alles mit amtl. Brief und Siegel.
Andreas

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Beitragvon Aron » So 8. Mai 2005, 15:43

Ein Klinikarzt in Deutschland verdient auf keinen Fall 4500 Euro netto pro Monat! Ärzte sind total unterbezahlt und bekommen ungefähr 2600/2700 Euro netto.

Andreas
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Mangelhaft motivirte Klinikpsychiarter/psychologen oder sons

Beitragvon Andreas » Mo 9. Mai 2005, 10:58

Sorry Aron,

natürlich gehe ich davon aus, daß sie es mindestens als Brutto, vor Steuer, erhaltenten.
Sollte es mit Deinen Informationen tatsächlich stimmen, bleibt die Frage offen, weshalb dieser Personenkreis überhaut noch soviel erzielt.

Ich denke das eine gewisse "Kapazität" auf diesem Fachgebiet, sich niemals gerechtfertigt mit einer geringeren Vergütung, zufrieden geben würde.
Viele dieser psychischen Klinikärzte sind froh, überhaupt irgendwelche "therapierten Projekte", wenn auch wenig effektiv und qualitativ minderwertig, abliefern zu können.(Pfusch am Patienten/Klienten).
Im Übrigen ist jedem Mediziner, bereits vor Berufseintritt, bekannt, welche Verdienstmöglichkeiten er später einmal erzielen kann.
Man kann doch nicht einen Beruf erlernen, nur weil es ihm persöhnlich momentan am ehesten zu liegen scheint. Und dann später feststellen, das der aktuelle Verdienst in keinem Verhältnis zum ehemals angestrebten Einkommen steht. Und den daraus entstandenen Frust, dann, an den Patienten, ablassen ist moralisch nicht zu rechtfertigen.
Allein diese Tatsache belegt doch das, die entsprechenden Ärzte, über keinerlei Moral und Anstand verfügen. Moralisch gesehen unterscheidet sich das heutige, teilw., stationäre Therapiemanagement unwesentlich von dem aus dem 3.Reich. Damals konnte man wenigstens noch argumentieren, das dienötigen Erhenntnisse noch "in den Kinderschuhen stecken". Das soll aber keineswegs bedeuten, das die früher nicht unmotivierter an eine Aufgabe, evtl. Herrausforderung, herrangetreten sind. Im Gegenteil. Außerdem verfügte man da noch nicht über die notwendigen Erkenntnisse, die eine effektivere Therapie, gewährleisten könnte.
Das ist heute ganz anders. Viele damals untherapierbare Symptome sind heute unter "Routine" zu verbuchen. Außerdem steht einem heutigen Psychologen ein so breites Spektrum an Informationen zu Verfügung, das dieser sich beinahe über jede Form der Behandlungsmöglichkeiten seriös informieren kann ( zum Wohle des Patienten und seiner nahestehenden Personen). Es steht heute einfach nur noch das zu erwartende "Materielle" im Vordergrund. Kein wirklicher Ehrgeiz,Moral und Anstand. Manchmal sogar kriminelle Energie oder vielfach Inkompetenz.
Andreas

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Beitragvon Kratz » Di 10. Mai 2005, 10:42

Grüß Euch Andreas und Aron,

Wieviel ein Klinikarzt verdient dürfte unwesentlich sein. mehr oder weniger Geld erhöht nicht fehlende Fähigkeiten.
Ich bin auch der Meinung, dass die Klinik für viele notwendiges Übel in der Facharztausbildung darstellt. Auch ich habe im Laufe der Jahre festgestellt , dass gute fähige Ärzte die Kliniken so bald als möglich verlassen. So bildet sich im Laufe oft eine äußerst ungesunde Situation heraus.
Trotzdem hat sich aus meiner Beobachtung in den letzten dreißig Jahren etwas bewegt, auch wenns wie üblich in Deutschland nur im Schneckentempo passiert.
Auch ich tue alles um einen Aufenthalt zu vermeiden - jedenfalls gibt hier in weitem Umkreis nur ein Haus in das ich mich freiwillig und gern begebe, aber eben weil ich dort genau das finde was ich bei Erkrankung brauche, fachliche Kompetenz in der Behandlung und menschliche Begleitung.

Gruß
Detlev

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Beitragvon Franz Engels » Di 10. Mai 2005, 18:15

Hallo Andreas
Ich denke das eine gewisse "Kapazität" auf diesem Fachgebiet, sich niemals gerechtfertigt mit einer geringeren Vergütung, zufrieden geben würde.
Sie meinen, Klinikärzte sollten konsequenter gegen die derzeit definitiv stattfindende Ausbeutung protestieren und sich verweigern, damit nicht der Eindruck entsteht, sie hätten ein höheres Honorar gar nicht verdient...?

Freundliche Grüße

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Zwang ist keine Hilfe

Beitragvon Nidhöggr » Di 14. Jun 2005, 21:59

Meiner Meinung nach ist das gesamte "moderne" Psychiatriesystem völlig veraltet. Ich bin selbst aufgrund einer diagnostizierten schizophrenen Psychose in eine Klinik eingeliefert worden und kann nur sagen, dass dies die schlimmste Zeit in meinem bisherigen Leben war. Die Ärzte haben sich aufgeführt wie Gott persönlich und wollten mir ständig ihre Meinung aufdrücken, was denn für mich am besten sei.
Ich denke, dass kein Arzt, und wenn er noch so lange studiert hat, sich wirklich vorstellen kann, was in einem Patienten mit dieser "Erkrankung" vorgeht. Sie denken, dass es für die Patienten am besten wäre, diese (oft auch gegen ihren Willen) mit Neuroleptika oder Beruhigungsmitteln zu behandeln. Das Personal ist generell oft total überfordert, auch psychisch. Ich kann nur sagen, dass ich an den Folgen der Medikamente (Dyskinesen, teilweise auch schwere Abhängigkeit) heute schwerer zu knabbern habe als an den "Psychosesymptomen" selbst.
Meiner Erfahrung nach sind Neuroleptika auch nur ein Beispiel, den Patienten weich zu machen. Ich finde, dass über die Nebenwirkungen und die Spätfolgen einfach zu wenig aufgeklärt wird. Zwangsmaßnahmen sind deshalb mittelalterlich, da sie beim betreffenden Patienten mehr Schäden hervorrufen können, als sie "verhindern".
Auch sind Zivildienstleistende in diesem Bereich völlig fehl am Platz, da sie oftmals mit den Situationen auf Station nicht umgehen können und meiner Meinung nach (zumindest aus meiner Erfahrung) die Patienten nicht verstehen und deshalb auch nicht in ihrem Interesse handeln können.
Jede Zwangsmaßnahme verdeckt nur ein ungelöstes Problem.
Früher war ich auch der Meinung, dass Menschen, die sich selbst gefährden, auch gegen ihren Willen behandelt werden sollten. Diese Meinung habe ich aufgrund meiner Erfahrungen heute geändert.
Ich finde es schade, dass viele Menschen in unserer Gesellschaft der Meinung sind, sie könnten über das Leben anderer urteilen und maßgeblich in deren Freiheit eingreifen, nur weil sie in den Augen der Allgemeinheit "nicht normal" sind.
Meiner Meinung nach sind ziemlich viele Menschen "nicht normal", wird Normalität doch von jedem Einzelnen unterschiedlich definiert.
Normal ist schließich nur, was die Mehrheit für normal hält.
Wir sollten lieber darüber nachdenken, wie wir Kranken helfen können, ohne sie zu verletzen oder einzusperren.

Ich lebe lieber ohne Neuroleptika, als mit ihnen seelisch tot zu sein.

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Kratz
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Beitragvon Kratz » Di 21. Jun 2005, 19:14

Grüß Dich Nidhöggr,

Ich lebe lieber ohne Neuroleptika als seelisch tot zu sein.
Kann deine Meinung nur teilen.
Wenn Therapie nicht über ein medikamentöses Abdecken von Symptomen hinauskommt, entsteht jawohl gerade jene Drehtürpsychiatrie bei der jedem langfristig der Atem ausgeht.
Auch die beständige Beschneidung der Persönlichkeit ist ein großes Problem, jeder weiß besser was gut ist für einen Erkrankten, die eigenen Wünsche und Vorstellungen hinweggefegt mit dem Hinweis die Erkrankung lasse keine Wahl.

Ich muß gestehn ich bin heilfroh das mein Leben nach all den Jahren im inneren Kreis sich weit weg bewegt hat von Psychiatrie und all dem Krempel.

Gruß
Detlev

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not

Beitragvon jimmy » Fr 24. Jun 2005, 19:52

Hi,

befinde mich in einer schier unlösbaren Situation. Ich bin total am Ende, aber in eine Psychiatrie möchte ich nicht. Denn ich sehe es auch so, wie ihr, schließlich war ich so oft in Klinken und ich habe es immer wieder erlebt: Es geht nur um Macht und um Geld. Wenn man seelisch erkrankt, dann kann dir kein Therapeut helfen, nur Liebe - wie auch immer. Jede seelische Erkrankung ist für mich daraufhin zurück zu führen: auf den Mangel an Liebe. Das Schlimme ist, daß ich ganz allein dastehe und es niemand interessiert, ob es mir besser geht oder nicht. Da liegt es doch nahe, sich umzubringen. Denn es gibt keine andere Möglichkeit: niemals mehr in eine Psychiatrie. Aber in acht Tagen habe ich kein Geld mehr, keine Wohnung und keinen, der mir hilft, mit meiner inneren Qual klarzukommen. So geht es vielen, den sensibleren, aber die werden eben abgeschoben. Selbst wenn es in Psychiatrien nicht immer so zugehen muß, daß äußere Gewalt zugefügt wird, die nicht sichtbare schon. Leider gibt es niemand in der Politik, der sich dafür interessiert, daß alle Klinken strengen Qualitätskontrollen unterworfen werden müßten. Warum auch, Politiker haben ja auch nur ihre Macht und ihre Diäten in den Kopf. Und da steht dann keiner auf und sagt: So und nicht weiter! Was also soll ich tun? Was sollen die anderen tun, die in einer ähnlicheren Situation sind? Hätte ich Geld, würde ich nach Rom pilgern. Das wäre immer noch besser als mir anhören zu müssen, ich sei ein nicht Normaler. Gerade die Unnormalen sind oft die Normalen. Ich wünsche allen, die schlechte Erfahrungen in der Psychiatrie gemacht haben, Kraft und Klarheit, vor allem aber Liebe.

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