Meine Gedanken zu Zwangsmaßnahmen

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fluuu
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Re: Meine Gedanken zu Zwangsmaßnahmen

Beitragvon fluuu » Di 8. Jun 2010, 19:11

Hallo,
Deine Gedanken sind gut, dass Du sie Dir überhaupt machst ist positiv, nenne es 'laut Denken'
und das führt oft zu einer klaren, kreativen Vorstellung und so zu einer Lösung.
Man kann nicht die ganze Welt auf einmal ändern aber man kann die eigene Haltung zu ihr
individuell verändern und gestalten.
Es gibt Gewalt, manchmal ist sie vorteilhaft und produktiv, oft ist sie grausam und zerstörerisch.
In der Psychiatrie in der die kranke Psyche behandelt wird spitzt sich dieser Zustand im Kopf oft zu
und die Gewalt entlädt sich. Darauf muss es eine Antwort geben die keine weitere Gefahr hervorruft.
Finde es beeindruckend in welcher Form Du Dir über so ein Thema Gedanken machst...
gruß fluuu

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Laura
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Re: Meine Gedanken zu Zwangsmaßnahmen

Beitragvon Laura » So 13. Jun 2010, 20:02

Hallo grau!

Ich finde Deine Gedanken ebenfalls sehr beeindruckend, besonders, weil Du beide Seiten - Angestellte wie Patienten - berücksichtigst. Spontan fällt mir zu der Frage, was eine kleine Besserung hervorrufen könnte, nur ein, dass es mehr Erfahrungsberichte von Psychiatrieangestellten geben sollte, die irgendwann selbst zu Psychiatriepatienten wurden. Ich schätze es so ein, dass diejenigen unter den Angestellten, die schon längst in einem Routinetrott drinstecken und halb abgestumpft sind, eher auf Erfahrungsberichte von ehemaligen Berufskollegen hören würden als auf die reine Patientenseite. Denn die krankgewordenen Angestellten würden beide Seite kennen und hätten sicher die besseren Argumente. Auch könnte dies sich sehr sicher fühlende Angestellte daran erinnern, dass es auch sie mal treffen könnte und sie wären dann vielleicht eher bereit, sich mal in die Lage eines Patienten zu versetzen.

Ansonsten scheint es schon winzig kleine Wunder zu wirken, wenn Psychiatriepfleger im Rahmen einer Fachweiterbildung mal ein Praktikum in der Gemeindepsychiatrie machen und Patienten, auch solche, die sie mal akut in der eigenen Klinik erlebt haben, im Normalzustand erleben. Wie ich so höre, sind manche richtig baff, wenn sie sehen, dass wir auch normal sein können! Das kann den Respekt nur erhöhen!

Ansonsten denke ich auch, dass es an den von Dir genannten Punkten liegt. Würde man mehr Geld für mehr Planstellen in den Kliniken bereitstellen, dann gäbe es auch auf den geschlossenen Stationen mehr Personal, das sich mehr um die Patienten kümmern könnte, sei es durch mehr Gruppenangebote oder durch Einzelgespräche, und sei es bloß Small Talk und im Raucherraum eine mitrauchen. Bislang haben eher Privatpatienten am wenigsten an der Psychiatrie auszusetzen, weil sie tatsächlich mehr Zuwendung von den Angestellten bekommen.

Auch wäre ein Abbau von all dem Bürokratiewust ratsam. Den halben Tag werden Krankenberichte verfasst und da kann sich eh nur was aus den Fingern gesogen werden, da ja oft nur minimale Gespräche mit den Patienten geführt werden und man so viel gar nicht von uns mitbekommt. Die Krankenkassen sollten darauf verzichten, alles so furchtbar genau wissen zu wollen. Das kostet nur Arbeitszeit, die eigentlich den Patienten zusteht.

Ich fände es auch gut, wenn zumindest die Pfleger das Mittagessen zusammen mit den Patienten einnehmen würden. Angenommen es würde zwanzig Jahre brauchen, bis diese dazu bereit wären. Dann würde es nochmal zwanzig Jahre dauern bis auch die erlauchten Ärzte dazu bereit wären. Sind wir denn so appetitverderbend? Müssen dauernd diese gewissen Unterschiede gemacht werden?

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


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