Neuroleptika

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Xcat
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Beitragvon Xcat » Sa 23. Aug 2008, 12:38

Nur, die Frage ist, wie überzeuge ich einen Psychiater, der mir immer sagt, die Angst kommt von der Krankheit und nicht von der Medikation?
Hallo Remedias,

warum machst du kein Deal mit ihm, unter dem Motto setzen wir Abilify doch ab, ersetzen wir es ev. durch etwas anderes, und dann werden wir schon sehen obs an Abilify lag. Normalerweise mögen Ärzte ja die Try&Error-Methode.

LG Tom
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Remedias
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Beitragvon Remedias » Sa 23. Aug 2008, 14:02

Normalerweise mögen Ärzte ja die Try&Error-Methode.

LG Tom
Das werde ich auch versuchen. lieber Gruß Remedias

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Beitragvon Xcat » Sa 23. Aug 2008, 14:10

Schön, Remedias, ich hoffe es wird dir anschließend besser gehen :)

LG Tom
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5D-Cube
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Re: Neuroleptika

Beitragvon 5D-Cube » Di 24. Sep 2013, 01:16

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Re: Neuroleptika

Beitragvon Remedias » Di 24. Sep 2013, 10:22

Hallo Anna,
schön dass Du die älteren threads wiederbelebst :)
deine Erlebnisse kann ich so unterschreiben.
Die erhöhung der Konzentrationsfähigkeit wurde mir von Psychiatern auch so angepriesen. Da NL Dopaminantagonisten sind, kann das aber gar nicht möglich sein: Googel mal, welche Aufgaben Dopamin fürs Denken erfüllt!
Ich saß nur noch lethargisch auf dem Sofa, fehlt nur noch, dass ich gesabbert hätte :evil: alle Denkprozesse sind quälend verlangsamt, ich kenne auch niemanden, der unter Neuroleptika ein Studium durchgezogen hat....
ich habe für mich beschlossen, was für Neuroleptische Behandlung gilt:
- sehr niedrig dosiert, also beispielsweise 2,5mg Haldol am Tag, 150 mg Seroquel, höchstens 5 mg Abilify
- Dauer: Tage bis (höchstens!) mehrere Wochen.
Alles andere erfüllt in meinen Augen einen straftatbestand.

liebe Grüße Remedias

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Re: Neuroleptika

Beitragvon 5D-Cube » Di 24. Sep 2013, 22:52

Atypische Antipsychotika könnten meiner Meinung nach schon konzentrationsfördernd wirken. Nämlich einerseits über die beruhigende Wirkung.

Und wenn man weniger Einfälle hat, dann kommen einem nicht so viele gedankliche "Querschüsse" in den Weg, die ablenken könnten. Das ist aber nicht Sinn der Sache. Da kann man genausogut Unkrautbekämpfung durch Betonieren betreiben

Oder anders ausgedrückt, Durcheinander wird gegen Stumpfsinn getauscht, gewinnt man da etwas dabei ?
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Re: Neuroleptika

Beitragvon Remedias » Mi 25. Sep 2013, 11:38

[/b]Da kann man genausogut Unkrautbekämpfung durch Betonieren betreiben

Oder anders ausgedrückt, Durcheinander wird gegen Stumpfsinn getauscht, gewinnt man da etwas dabei ?
Ein schönes Bild. Außerdem hindern einen Nl daran, herauszufinden, was einem die Psychose sagen will.
Die Autorin und Psychotikerin Dorothea Buck drückt das so aus: "Neuroleptika gleichen einem König, der den Überbringer einer schlechten Botschaft köpfen lässt."
Damit ist das Problem nicht gelöst. Ich habe allerdings viele Jahre gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Und nun gehe ich den Weg, mir die Botschaft anzusehen. Es ist ein sehr gefährlicher, unsichetrer, schmerzhafter Weg. Und doch ist es der einzig mögliche und lebenswerte.
liebe Grüße Remedias

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Re: Neuroleptika

Beitragvon cake » Mi 25. Sep 2013, 16:08

Damit ist das Problem nicht gelöst. Ich habe allerdings viele Jahre gebraucht, um zu dieser Erkenntnis zu kommen. Und nun gehe ich den Weg, mir die Botschaft anzusehen. Es ist ein sehr gefährlicher, unsichetrer, schmerzhafter Weg. Und doch ist es der einzig mögliche und lebenswerte.
Das sagst was so wahres Remedias- und ich freue mich, dass es Dir so immer besser gehen wird.Bild
Ein Kompromiß, das ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, daß jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. (Ludwig Erhard)

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Re: Neuroleptika

Beitragvon 5D-Cube » Sa 16. Nov 2013, 00:34

Die Autorin und Psychotikerin Dorothea Buck drückt das so aus: "Neuroleptika gleichen einem König, der den Überbringer einer schlechten Botschaft köpfen lässt."
Damit ist das Problem nicht gelöst.
Antidepressiva machen ja auch genau das, sie köpfen den Überbringer der schlechten Botschaft.*
Aber irgendwie ist die Botschaft, die einem die Depression bringen will, noch schwieriger zu entschlüsseln als die Botschaft einer Psychose, oder ??
Und die Botschaft, die psychosomatische Beschwerden bringen, irgendwie ist das am Allerschwierigsten zu entschlüsseln. Ständig Kopfschmerzen ohne offensichtlichen Grund dafür.... ich hasse es. Schmerzmittel wirken schon lange nicht mehr.

*Und die Wirkung von Antidepressiva lässt mit der Zeit nach, nach spätestens 10 Monaten ist da fast nichts mehr übriggeblieben und es geht einem so schlecht wie vorher.
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Re: Neuroleptika

Beitragvon fluuu » Mo 18. Nov 2013, 11:19

Wenn man in der Lage ist die Botschaft der psychischen Störung als eine Form der inneren seelischen Empfindung zu deuten
und weniger als einen äußeren Umstand ist es nicht mehr so schwer der Sache auf den Grund zu gehen.
Falls man das mit sich alleine noch nicht bewältigt gibt es Therapeuten die dabei helfen, sie sind in seelischen Dingen bewandert.
Familienangehörige und Verwandte sind dafür nicht so gut denn sie haben oft die selben seelischen Nöte und können damit
nicht frei umgehen. Hilfe bekommt man am besten von Vertrauenswürdigen Menschen die sich mit seelischen Dingen auskennen
und nicht die selben Probleme haben wie man selbst oder diese Probleme erfolgreich bewältigt haben.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Re: Neuroleptika

Beitragvon 5D-Cube » Di 17. Dez 2013, 01:22

nächster Post mache ich, damit ich von woanders darauf verlinken kann (vielleicht kommt ja auch mal wieder ein bißchen Leben ins Forum, wenn ein paar Leute auf diese Internetseite hier aufmerksam werden)
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Re: Neuroleptika

Beitragvon 5D-Cube » Di 17. Dez 2013, 01:23

Antipsychotika (erst Seroquel, später Abilify) waren die scheußlichste Drogenerfahrung meines Lebens.

Scheußlich... Unter Seroquel hatte ich KEINE Einfälle mehr. Ich habe mich gefühlt, wie wenn mein Gehirn und mein Geist in Ketten liegt, ich habe mich gehemmt gefühlt und das Denken war verlangsamt, es war schrecklich. Die Bezeichnung "chemische Zwangsjacke" trifft es sehr gut.

Und Abilify hat mir eine fürchterliche Freudlosigkeit verursacht (wird auch Anhedonie genannt). Egal was ich gemacht habe, ich hatte absolut KEINE Freude daran. In meinen schwerst depressiven Zeiten war es nicht so schlimm. Ich habe mir geschworen, nie wieder NL anzurühren. Ich finde es erschreckend, wie ein Medikament einem so sehr Kreativität und Individualität, Lebendigkeit und Initiative wegnehmen kann und das ohne müde zu machen. Ich war nämlich nicht müde davon. aber ansonsten waren die "Antipsychotika" lähmend in jeder Hinsicht.

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Seroquel zur Behandlung von Konzentrationsproblemen

Weil es gegen Konzentrationsprobleme helfen kann, habe ich 7 Wochen 600 mg Seroquel Prolong genommen. Ich hatte KEINE Einfälle mehr und unter diesem Zustand habe ich sehr gelitten. Die Müdigkeit ist nach 10 Tagen weggegangen, der Mangel an Einfällen nicht. Das Absetzen war eine Befreiung.

Klaus Windgassen im Deutschen Ärzteblatt, Heft 48/2004: „Unter klassischen Neuroleptika können sich sogar im Gegenteil psychische Veränderungen einstellen, die hiervon [von der Negativsymptomatik] oft kaum zu unterscheiden sind und deshalb auch als sekundäre Negativsymptomatik bezeichnet werden. Die Patienten können unter einer durch Neuroleptika induzierten affektiven Verarmung leiden, häufiger noch stellt sich eine VERLANGSAMUNG KOGNITIVER PROZESSE oder ein VERLUST VON SPONTANITÄT UND EINFALLSREICHTUM ein. Diese Begleiteffekte neuroleptischer Therapie sind zwar (ebenso wie in der Regel die körperlichen Nebenwirkungen) vollständig reversibel, können aber den Patienten erheblich belasten. “

Ganzer Artikel unter www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=44493

Ich weiß nicht, ob Seroquel zu den klassischen Neuroleptika gehört. Auf jeden Fall beschreibt das GROSSGESCHRIEBENE genau, wie Seroquel bei mir gewirkt hat.

Ob mir Seroquel bei der Konzentration geholfen hat, kann ich nicht sagen. Ich habe nach dem Absetzen keine Konzentrationsprobleme bekommen, bis heute (4 Jahre später) nicht.

Ich habe herausgefunden, was die Ursache für meine Konzentrationsprobleme war. Nämlich dass zu viele Sorgen mitgelaufen sind.
Sorgen bewusst machen ---> Sorgen bewusst zur Seite schieben, weil ich diese Tätigkeit jetzt machen will ---> ich kann mich einwandfrei konzentrieren.

Das Seroquel war einfach scheußlich, ich hatte KEINE Einfälle mehr. Wie viele Einfälle man ständig hat, das fällt einem erst auf, wenn das weg ist. Ganz abgesehen davon, dass ich in der Diplomarbeit in einem Arbeitskreis mitarbeiten will, der neue Geräte für die Analytik in der Chemie entwickelt, da muß ich doch eigene Ideen einbringen. Zu dem Zeitpunkt habe ich auch immer wieder mal an einem Chorsatz für zwei Gospel-Lieder geschrieben, für meinen Kirchenchor. Das ging unter Seroquel nicht mehr, ich hatte keine Melodien mehr im Kopf. Ein scheußlicher Zustand, sowas. Nie mehr Seroquel

Ich konnte unter dem Einfluss von Seroquel auch nicht mehr lachen. Die Runde hat gelacht und ich wusste genau, normalerweise würde ich mitlachen, aber es ging nicht. Es geht bei mir nicht unter dem Einfluss von Seroquel.
Ich habe wegen Seroquel unter Freudlosigkeit gelitten. Musik hat mir nichts mehr gegeben, Sex hat mir nichts mehr gegeben. Es war unter dem Einfluss von Seroquel allgemein schwierig oder unmöglich, positive Gefühle zu entwickeln. Schwieriger als in depressiven Phasen, die ich von Natur aus habe, da geht das immer noch besser und häufiger als unter dem Einfluss von Seroquel. Ich leide auch in depressiven Phasen unter Freudlosigkeit, aber nicht lückenlos. Es gibt immer wieder Lichtblicke, wo ich mich einwandfrei freuen kann. Die Freudlosigkeit, die mir Seroquel verursacht, ist lückenlos und deswegen schlimmer. Unter dem Zustand, den Seroquel mir verursacht, leide ich mehr als unter den depressiven Phasen.

Wegen der Freudlosigkeit habe ich noch 30 mg Citalopram dazu verschrieben bekommen. Aber das hat nichts genützt. Erst Seroquel absetzen hat genützt.

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Wegen meiner Beschwerden über Seroquel hat mich der Klinikarzt auf Abilify umgestellt. Das habe ich dann aber noch schlechter vertragen.

Eine Woche Seroquel-Washout, danach 10 Tage ohne Antipsychotika,
dann über 9 Tage einschleichende Einstellung auf Abilify 10 mg. Das Citalopram habe ich die ganze Zeit weitergenommen.

Hier der Erfahrungsbericht über Abilify:
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Abilify zur Behandlung von Depressionen und Konzentrationsproblemen

Ich habe 7 Wochen lang 10 mg Abilify/Tag genommen. Ich habe es nicht vertragen. Erst habe ich nur beim Joggen schlapp gemacht, 3 Wochen später konnte ich nicht mehr schwimmen, noch 1 Woche später war schon Treppe steigen anstrengend.

Ich habe mich deprimiert gefühlt, die Erhöhung der Citalopram-Dosis von 30 mg auf 40 mg hat nichts geholfen. (Citalopram ist ein SSRI-Antidepressivum) Ich habe an Interessensverlust gelitten und egal was ich gemacht habe, ich hatte keine Freude daran. Abilify® hat mir eine komplette Anhedonie verursacht, was zu völliger Antriebslosigkeit geführt hat. Es hat mich nicht müde gemacht, aber ansonsten war es lähmend in jeder Hinsicht.

Innerhalb von 3 Wochen nach dem Absetzen habe ich wieder Kraft und Kondition gekriegt, und Studieninhalte und Hobbys haben mich wieder interessiert und die deprimierte Stimmung ist weggegangen.

Ich bin mir sicher, dass der oben beschriebene Zustand durch Abilify® verursacht war, die Beschwerden sind mit dem Abilify® gekommen und nach dem Absetzen wieder gegangen. Ob mir Abilify bei der Konzentration geholfen hat, kann ich nicht sagen. Ich habe nach dem Absetzen keine Konzentrationsprobleme bekommen, bis heute (4 Jahre später) nicht.

Wie aus dem oberen Bericht zu ersehen, hat Abilify bei mir keinerlei antidepressive Wirkung, im Gegenteil.

Ciao Anna

P.S: die genannten Beschwerden sind schon beim Einschleichen des Medikaments aufgetreten. Schon ab 2 mg. Fälschlicherweise habe ich gedacht, das wäre die Depression und es wäre noch nicht genug Abilify.
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