Meine Erfahrungen mit Fixierungen

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Stacheldraht
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Meine Erfahrungen mit Fixierungen

Beitragvon Stacheldraht » Mo 3. Sep 2007, 12:56

Hi!

Ich möchte kurz meine Psychiatrie Erfahrungen schildern und gerne eure Meinung dazu wissen...

Zuvor war ich bereits 4 Mal in der Psychiatrie (Kinder/Jugend). Da sie mich dann dort nicht einmal mehr zur Krisenintervention aufnahmen, kam ich in ein anderes Bundesland, zunächst auf die Kinder/Jugend mit der Diagnose Borderline. Am Nachmittag kam ich an und am Abend wurde ich fixiert. Es waren so viele neue Eindrücke, die ich verarbeiten musste, ich schlug mit dem Kopf mehrmals gegen die Wand. Es war damals meine 4. Fixierung, aber die erste ohne Sedierung. Ich bekam alles mit und lag die ganze Nacht wach. Die Gurte waren für kleine Kinder eingestellt, sodass ich ganz schief dalag und mir alles weh tat. Ich wurde in einen extra Raum reingeschoben ohne Sitzwachen oder dergleichen. Die Türe wurde zugemacht, so hatte ich auch keine Chance, dass mit jemand hört, wenn ich etwas brauchte. Bei den normalen Kontrollrunden durch die Zimmer haben sie dann auch kurz reingeschaut, also ungefähr 3 Mal in der Nacht für etwa 2 Sekunden.
Erst dort entwickelte ich eine extreme Fremdaggression. Für diese und auch für Selbstverletzungen und Tablettenverweigerung wurde ich fixiert. Unter tags unten in einem eigenen Raum (Türe zu, keine Sitzwachen, keine Möglichkeit, sich mitzuteilen), immer für mehrere Stunden oder im ersten Stock über Nacht. Ein einziges Mal bekam ich auf dieser Station eine Spritze. Ansonsten bekam ich alles voll mit.
Die Pfleger und Schwestern und Sozialpädagogen packten mich grob, beförderten mich aufs Fixierbett, befestigten die Gurte, schoben mich in den Raum, ließen ihre Kommentare ab und verschwanden. Nicht selten bekam ich einfach keine Luft mehr vor lauter Weinen und Schreien, ich hatte total die Panik. 2x kam es auch vor, dass sie mich vergessen haben!!!!! Seit dem wurden die Fixierungen noch schlimmer und ich hatte einfach kein Vertrauen mehr, dass sie mich irgendwann entfesselten.
Irgendwann war es ihnen zu blöd und ich kam eine andere Station. (geschlossene)
Dort war alles anders. Man wurde wirklich wegen allem fixiert, also wegen Selbstverltzungs-GEDANKEN, SM - Gedanken, wenn einem etwas runterfiel, man etwas kaputt machte, einen Sessen beseite stieß, laut wurde, frech war,... Und dann "hängte" man für mind. 12 Stunden. Sedierung war auch nicht üblich. Allerdings habe ich in den letzten Monaten meines Aufenthaltes so arg geschrien und herumgebrüllt, wenn ich fixiert war und auch während der Fixierung Fußtritte verteilt, sodass ich meist aus Routine gespritzt wurde. Aber irgendwie war ich dann noch munterer, ich schrie die ganze Nacht meist durch! Als Strafe bekam ich dann meist einen Schultergurt. Man blieb im Zimmer (8 Betten) oder wenn man sich dann aufführte, auch in einen anderen Raum oder am Gang, aber nachschauen kommt keiner und wenn man was braucht (zb die Schüssel wenn man aufs Klo muss) hat man Pech gehabt.
Aber das einzige "gute" an dieser Station war, dass man genau wusste, wenn man das und das tut, passiert dieses und jenes. Das war auf der Kinderstation nicht so, da wurde immer anders gehandelt. Manchmal durfte man sich verletzen, manchmal nicht usw. Auf der Geschlossenen kannte ich mich aus, was jedoch auch nicht verhinderte, dass ich dort insgesamt über 100 Mal fixiert wurde (mitgezählt).

Während der Fixierung wurde ich nicht nur beschimpft, sondern auch von den Pflegern geschlagen (!!) und von den Ärzten angespuckt.
Die Patientenanwälte glaubten uns (es ging ja nicht nur mir so) nicht oder sie hatten einfach kein Sagen dort, ich weiß nicht.

Auch wenn ich nicht suizidal war, hab ich während einer Fixierung immer vom Tod geschwärmt. Es ist ja nicht so, dass man einfach ein paar Stunden im Bett liegt. Es ist entwürdigend und nicht nötig, schließlich arbeiten sie auf Borderline Stationen auch ohne die Scheiß Gurte. Und wenn man über Monate lang meist täglich brutal fixiert ist, verschwindet sogar der allerletzte Lebenswille.

Das sind meine Erfahrungen!
Ich denke, mein Therapeut wird mehr mit mir an diesen Erlebnissen arbeiten müssen als an meiner unschönen Kindheit.

Liebe Grüße
Stachel

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Remedias
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Beitragvon Remedias » Mo 3. Sep 2007, 19:34

Meine Güte, @stachel, ich bin völlig sprachlos und emphört, wie man mit dir so umgehen konnte. Ich würde dich gern trösten weiß aber nicht wie.
Liebe Grüße Remedias

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Stacheldraht
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Beitragvon Stacheldraht » Di 4. Sep 2007, 11:02

Ich war total geschockt, als ich im Internet gelesen hab, dass Sitzwachen üblich sind! Und ob - wenn man schon fixiert - ein ordentliche Sedierung nicht sinnvoll wäre, darüer lässt sich streiten. Mir wäre es lieber gewesen, nichts oder nicht so viel mitzubekommen.

Ich weiß noch, als ich die ersten 3x fixiert wurde in einer anderen Psych als im ersten Beitrag geschrieben, bin ich einmal mit einer Hand rausgeschlüpft und die Schwester sagte daraufhin, dass sie als Strafe die ganze Nacht nicht nach mir schauen würde. Und so war es auch. Ich wollte nur sterben.

Die letze Fixierung, die ich wieder in einer anderen Psych hatte, war nicht so schlimm. Es war ohne Gewalt und mit 10-15minütigen Kontrollen. Dennoch weinte ich wie ein Schlosshund und hatte Panik, wahrscheinlich wegen der Vorgeschichte.

Lg
Stachel

Lazarus
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hi

Beitragvon Lazarus » Do 6. Sep 2007, 11:19

hab Dir Pn geschickt - woher kenn ich das nur...?Gruss lazarus

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Beitragvon Stacheldraht » Do 6. Sep 2007, 13:01

hi @lazuarus, ich hab leider keine pn bekommen :?:
vielleicht kannst das nochmal schicken!

lg stachel

Maulbeere
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Beitragvon Maulbeere » Di 4. Mär 2008, 18:22

Ich hatte auch ähnlich Erfahrungen!

Das ist ja das Schlimme was ich immer wieder betone!
Nirgendwo anders wäre es möglich Menschen derart zu quälen! Aber Psychiater müssen nie befürchten, dass die dafür zur Rechenschaft gezogen werden! Das ist sonst niegendwo so!
Psychiater können sich auch erlauben Menschen zu schlagen, anzuspuken, wie es bei Stacheldraht war, usw.


Aus der Psychoanalyse (Marc Rufer) ist erkennbar, dass gerade Menschen die machtbessesen sind ,den Beruf des Psychiaters wählen. Auch der Beruf des Polizisten werden gerne von machtliebenden Menschen gewählt, aber vor allem die des Psychiaters , manchmal auch des Psychotherapeutens!

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Lady_Darkness
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Beitragvon Lady_Darkness » Mi 26. Mär 2008, 17:16

hallo stachel

es hat richtig weh getan zu lesen was dir da passiert ist...
ich habe das zum glueck nicht durchmachen muessen, obwohl ich haeufiger ,,ausbrueche,, in der klinik hatte...aber wenn ich die kontrolle verlor (was nur ein mal passierte als ich um 50,-euro und ein armband meiner tochter erleichtert wurde, das pflegepersonal aber nichts unternahm) dann bekam ich sofort 50mg oinapan, mich hat es dann immer sofort umgehauen, da ich ja auch noch seroquel nehmen musste...nach den 50mg oinapan schlief ich dann einige stunden...als meine ,,ausbrueche, zu haeufig wurden (fast taeglich) wurde die seroqueldosis von 200mg auf 600mg erhoeht, aber an fixieren haben die nie einen gedanken verschwendet, zum glueck...
ich kann mir trotzdem irgendwie vorstellen wie es dir ergangen sein muss, dieses ausgeliefert sein, sich nicht wehren zu koennen, niemand da...sowas ist einfach nur schrecklich... :cry:

ich hoffe, dass du es schaffst dies zu verarbeiten *dich mal vorsichtig in den arm nehm*

lieben gruss

lady
Bezeichne einen lachenden Menschen nicht als froehlich; ich habe zu oft gelacht um nicht weinen zu muessen

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Beitragvon Psycodalik » Do 27. Mär 2008, 03:20

Ehrlich gesagt würde ich denen Ärzten und Pflegern mal schön das Auto zerkratzen, oder Scheibe einschlagen. Ich weiß das ist nicht besonders aggressionsfrei, aber ne kleine Abreibung haben sie verdient, so kannst du dich wenigstens ein wenig verdienen. Man sollte die mal fixieren. Ich finde dort müsste mal ein Journalist rein und sch kleine Wanzen anbringen und das dann mal richtig ans Licht bringen.


Gruß


I always tell the truth even when i`m lie

Talia
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Beitragvon Talia » Do 27. Mär 2008, 12:36

hallo Psycodalic
gerade die wut nach einer fixierung führt zur nächsten, deswegen bringt diese art der reaktion gar nichts,
weil fixierung eher zur bestrafung dienen und sehr selten nur zur sicherheit angewendet werden
obwohl es notwendig gewesen wäre hat man mich gerade wegen diesen dingen nicht mehr in die klinik bekommen
und als es doch soweit war kamen die nächsten willkürlichen fixierungen
da bleibt nur eins Keep Cool
auch wenn es fast unmöglich ist
gruß
Talia

Psycodalik
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Beitragvon Psycodalik » Fr 28. Mär 2008, 05:00

Hallo Talia,

ich meinte nicht, dass man dies zur Zeit des Aufenthaltes tun soll, das wäre ja mehr als dumm! Jeder kriegt, dass was er verdient und meine Meinung ist halt ,dass die das schon mal verdient hätten! Vor Gott sind wir am Ende alle gleich.

Ich wurde zwar noch nie fixiert, doch in der Kinder und Jugendpsychatrie als ich 17 war Wochenlang isoliert, d.h eingesperrt und zwar nicht in ein gewöhnliches Zimmer sondern eins das dem Knast gleicht. Mit Klo und einer Matratze, dazu abgegitterte Heizung und sonst nichts. Rein mit dir und zu, dass war deren dewiese! Tja dann habe ich einfach mal als ich die Gelegenheit hatte den Feuermelder ausgelösst. Riesen Alarm, ganze Psychtrie mega Signalhorn. Das hat gewirkt. Ich tat dies aus Protest!

Grüße

Talia
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Beitragvon Talia » Fr 28. Mär 2008, 09:39

Hallo Psycodalic,
meinst du TimeOut
find ich schrecklich, davon kriegt man nur Raumangst, helfen tut es nichts.
Aber was regst du dich auf?
Die Gedanken daran machen doch dich fertig und nicht die...denen ist es egal.
oder nicht?
Lieben gruß Talia

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Schwarzseher
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Beitragvon Schwarzseher » Mi 2. Apr 2008, 15:39

[...] <-- war mir doch zu krass, was ich geschrieben hab, deswegen entfernt.

Ich werd so was von wütend, wenn ich so was höre. Da kann man nur hoffen, dass die auch mal als Patient in die Psychiatrie müssen und von ihresgleichen genauso behandelt werden. Ich frag mich echt, wie solche Menschen - wenn man diesen Abschaum überhaupt als Mensch bezeichnen kann - in solch eine verantwortungsvolle Position kommen können. Da läuft was schief in dieser Gesellschaft. Und das ist nicht das einzige, was schief läuft.

Geht mir wirklich sehr nahe, was dir da angetan wurde. Zum Glück musste ich solche Erfahrungen nicht machen, aber falls es doch mal passieren sollte, weiß ich, dass niemand gegen meinen Hass ankommt...
Aus der Trübnis kam eine Stimme und sagte: "Lächle und sei froh, es könnte noch schlimmer kommen". Ich lächelte und war froh... und es kam schlimmer.

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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 6. Apr 2008, 17:32

Hallo Schwarzseher,

aus dem Verhältnis Text und Avatarbild geht eindeutig hervor, Du missbrauchst das Selsbtportrait von Helnwein um Deinen persönlichen Skandal anschaulich zu machen und dabei irrst Du, den Skandal den Helnwein meint, der ist Dir wohl so fremd wie die psychologischen Wissenschaften allgemein auch, bezieht sich auf die Psyche. Helnwein macht eine künstlerische Aussage mit seinen schmerzbeinhaltenden Bildern die richtig ist aber er meint den persönlichen Schmerz bei jedem selbst und keine Schuldzuweisung nach außen. Ansonsten ist es mir eigentlich wurscht...

gruß fluuu
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moni
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Beitragvon moni » So 6. Apr 2008, 18:10

Hallo fluuu

Woher nimmst du dir das Recht heraus, beurteilen zu können, was anderen fremd ist und was nicht? Woher willst du wissen, wieso jemand dieses und nicht jenes Bild als sein Avatar gewählt hat, und was es mit seiner Geschichte zu tun hat? Wie kommst du dazu, eine Avatarbildwahl gar als Missbrauch zu interpretieren?

Als Künstler, wie du dich selbst bezeichnest, magst du u.U. mehr über dieses Bild und seinen Autor "wissen" als andere. Trotzdem hast du da dran nicht die Rechte gepachtet - jeder ist frei, dazu zu denken, zu interpretieren und zu assoziieren, was er möchte, wenns darum geht, einen Bezug zu seinem eigenen Leben, zur eigenen Person zu schaffen.

Dass "es" (was überhaupt?) dir ansonsten eigentlich wurscht ist, ist kein Grund dafür, anderen respektlos zu begegnen. Eher einer, das Schreiben zu lassen.

Gruss

moni


Entschuldigung wegen des off-topic. Ich möchte hier jetzt auch nicht länger da drüber diskutieren, oder wenn, dann in einem separaten Thread.
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Hermann Hesse

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fluuu
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Beitragvon fluuu » So 6. Apr 2008, 18:25

...ach moni,

bin nicht von der Heilsarmee und versuche eines jeden Seelenheil durch Frömmigkeit zu erwirken.
Wenn Helnwein im Zusammenhang mit der Antipsychiatrie missbraucht wird schlage ich drein. Habe Helnwein studiert und lasse es nicht zu, dass seine skandalösen Bilder gegen die menschliche Psyche verwendet wird.

Da kannst Du alles Verstehend jammern so viel wie Du willst, die Antipsychiatrie habe ich mir als Feind ausgeguckt und wird bekämpft, gleichzeitig bekämpfe ich damit das Krankhafte in mir, in dem ich für eine saubere Psyche sorge mit Hilfe der Psychologie.

gruß fluuu
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