Fixierung und Zwangsmedikation

Rina
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Fixierung und Zwangsmedikation

Beitragvon Rina » Sa 29. Okt 2005, 21:52

Hallo, ich arbeite an einem Projekt (siehe Eintrag Parallelwelten).

Ich habe mich gefragt: Ist es üblich, jemanden zu fixieren. Befindet sich dann auch solange eine Schwester im Raum oder wird man (in der Praxis) auch allein gelassen. Was ist mit Menschen, die ihre Probleme/ Ängste mit selbstverletzenden Verhalten bewältigen - wird dies bei der Fixierung berücksichtigt?

Und wie sieht es mit Zwangsmediaktion aus?

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Kratz
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Beitragvon Kratz » So 30. Okt 2005, 08:56

Grüß Dich Rina,

Fixierungen sind dann üblich wenn extreme oder als extrem empfundene Grenzüberschreitungen stattfinden. Dabei sollte nicht unberücksichtigt bleiben wie man im Vorfeld solche Situationen vermeiden könnte.
Wie man Fixirungen handhabt ist auch Unterschiedlich in den einzelnen Häusern.
Es ist zwar Vorschrift - inzwischen Gottseidank - dass bei notwendigen Fixierungen Sitzwachen für die Dauer der Fixierung gestellt gestellt werden müssen, aber das ist nicht überall so.
Ich habe Häuser erlebt in denen man allein in eine mit Kamera Dunkelkammer geschoben wurde, gelegentlich auch zu zweit. Wenn der spezielle Fixierraum besetzt war.
Dabei wird oft genug nicht die Situation des Erkrankten berücksichtigt.
Klasse einen total Paranoiden allein dem Wahn überlassen abgespritzt in die Dunkelkammer zu schieben.
Kann mich an einen Fall erinnern bei dem der Fixierte sich selbst - um Aufmerksamkeit zu erhalten - immer wieder den Kopf gegen die Wand geschlagen hat, leider hats gedauert bis es bemerkt wurde.
Um Aufmerksamkeit zu erlangen urinieren und koten Fixierte auch ein, oder weil die körperlichen Notwendigkeiten nicht zur rechten Zeit erledigt werden konnten.
In anderen Kliniken greift man bei der Fixierung auf - zusätzlich zum normalen Personal -Sitzwachen zurück, die dann permanent zur Betreuung dem Fixierten zur Seite stehen.
Das kann die meisten auftauchenden Probleme bei notwendigen Fixierungen im Rahmen des Erträglichen halten.
Üblicherweise wird der Fixierte auch entsprechend ruhiggestellt, wenn nicht spezielle Gründe unnötig machen, epileptischer Anfall - Tremor bei Alkis usw.
Fraglich ist natürlich der Einsatz von Fixierungen zur Bestrafung und der einhergehende Machtmissbrauch, Aufhebung der Fixierung als Belohnung wenn der Erkrankte sich wunschgemäß verhält - nach einigen Tagen macht jeder Männchen.

Für mich ist eine Fixierung ohne permanente Sitzwache nicht nur kontraproduktiv und entwürdigend sondern schon nahe am Verbrechen, in meinen Augen eine erhebliche Verletzung der Sorgfaltspflicht dem Patienten gegenüber.

Gruß
Detlev

Rina
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Beitragvon Rina » So 30. Okt 2005, 13:06

Hallo das ist ja erschreckend. Wie siehtr es mit dieser Vorschrift aus, dass eine Sitzwache da sein muss. Gibt es konkrete gesetzliche Regelungen?

Rina
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Beitragvon Rina » So 30. Okt 2005, 13:08

Ach so und dann gibt es doch diese Patientenverfügungen oder so. Man kann sich spezielle DInge wünschen, die je nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Ich habe gelesen, dass es im Herbst 2005 diesbezüglich gesetzluiche Regelungen geben wird? Hat jemand damit Erfahrungen?

schokoholikerin
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Hallo Rina ,

Beitragvon schokoholikerin » Di 13. Dez 2005, 03:38

ich arbeite seit 1998 als Krankenschwester in der Psychiatrie. Leider mußte ich schon mehrmals Patienten fixieren ----- ich meine wirklich leider! In unsere Klinik Ist es so, das jemand fixiert wird wenn eine eigen oder fremdgefährdung vorliegt. Ich habe nicht einmal erlebt das jemand ohne triftigen Grund fixiert wird. Wir haben selten eine Sitzwache dann bei dem Patienten er hat jedoch eine ständige Sichtkontrolle. Das bedeutet jedoch nicht,das wir sie in einen raum schieben und nur Videoüberwachen wie Kratz beschrieben hat. Sie liegen in "normalen" Patientenzimmer die dem Dienstzimmer angrenzen. Der einzige Unterschied ist, das ein Fenster zwischen Dienst- und Patientenzimmer ist. Und wir (das Pflegepersonal) sind verpflichtet eine [b]ständige Sichtkontrolle[/b] durchzuführen. Wir reagieren sofort wenn der Patient sich bemerkbar macht beziehungsweise kontrollieren die Fixierung und fragen den Patienten ob er Wasser lassen muß .... Ich für meinen Teil halte mich aus menschliche und recjtlichen Gründen daran. Ich möchte jedoch nicht behaupten,das alle Kollegen das machen. Es gibt überall "schwarze Schafe"
Vom Diensthabenden Arzt wird außerdem eine Ordnungsverfügung eingerichtet die schnellstmöglich auch am wochenende an das Ordnungsamt geht. Innerhalb von 24 Std kommt ein Richter zur Anhörung.Vielleicht konnte ich dir ein wenig weiterhelfen.
Gruß schokoholikerin

Tobias
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Beitragvon Tobias » Mi 14. Dez 2005, 06:31

Wenn über Psychiatrie gesprochen wird, sind Zwangsbehandlung und Fixierung immer wieder ein Thema. Wie muss ich mir als Laie eine Fixierung vorstellen? Wie lange dauert so eine Massnahme? Sind Zwangsbehandlungen mit Spritzen gleichzusetzen?

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Elliot
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Beitragvon Elliot » Mo 3. Jul 2006, 08:50

Guten Morgen!

Ich bin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie fixiert und medikamentös ruhiggestellt worden. Für mich war es schrecklich. Es kamen bestimmt 7 oder 8 Betreuer auch noch von anderen Stationen. Ich wurde sehr unsanft auf den boden gedrückt und gespritzt bis die das Fixierbett geholt hatten. Dann haben die mich zusammen, damit ich mich nicht wehren kann auf das Bett gedrückt und fixiert. Ab da weiß ich nicht mehr so wirklich viel, wer weiß, was die mir gespritzt haben :sad:
Da meine Bezugsbetreuerin Dienst hatte, saß sie dann die ganze Zeit neben mir und hat Schreibkram gemacht. Hin und wieder kam auch die diensthabende Ärztin und sah nach dem Rechten.

Das sind meine Erfahrungen.


Gruß
Elliot

lavida
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Fixierung im Bett und die Folgen...

Beitragvon lavida » Mo 6. Nov 2006, 11:11

Hallo,
ich wurde einmal im Bett an den Hand- und Fußgelenken fixiert und in den Wachsaal geschoben. Vom Personal kam alle 15-20 Min. jemand zum Nachschauen. Ich selbst hatte keine Möglichkeit, mich bemerkbar zu machen. Das Dienstzimmer war um die Ecke über den Flur weit entfernt.
Ich empfand diese Fixierung als das schlimmste, was man mir jemals angetan hat! Ich gebe zu, dass ich vollkommen ROT gesehen habe. Hatte ich mich vorher nur verletzt, so wollte ich mich nun endgültig umbringen. Kein leichtfertiger Entschluss, sondern pure Verzweiflung über diese Fixierung!
Ich wartete ab, bis die Schwester ihren Kontrollgang gemacht hatte, holte dann eine Rasierklinge hervor, befreite mich und richtete an meinem Hals ein großes Blutbad an. Ich traf die vena jug. ext. und was das bedeutet, wissen Fachleute schon. Nun, ich habe jedenfalls nur ganz knapp überlebt und war seit dem, das war vor über 10 J., nie wieder in einer geschlossenen Station. Meine Ärztin bewahrt mich davor. Sollte mir das noch einmal passieren, dann nur über meine Leiche. Ich bin normalerweise nicht suizidal, aber so etwas lasse ich nie wieder mit mir machen! Und es geht auch nicht darum, die Zeit einfach mal auszuhalten!
Gruß
lavida

Krümelchen
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Beitragvon Krümelchen » So 3. Dez 2006, 22:08

hallo zusammen,

mir erging es auch mehrmals so in der KJ Psychiatrie wurde ich regelmässig durch 7 betreuer gehalten und auf die matte gelegt und die spritzen mir die flüssigkeit hinein.. dort war es für mich mehr oder weniger noch zum aushalten.. meistens war es über nacht in der ich in der zelle bleiben musste.. und am nächsten tag war alles wieder i.o


in der erwachsenpsychi in der ich als timeout war von der kj wurde ich aber auch an ein bett gefeselt. mir tat es so weh, nur die erinnerungen jetzt noch da dran.. sie nahmen mir die kleider vom leib bis auf die Unterwäsche (sowohl frauen als auch männer) und legten mir so ein weissen kittel um mich und banden mir anschliessend die fussgelenke an Oberschenkel, Hüfte, Brustbein, kopf.. für mich war es so der horror.. ich musste da die offenen wunden noch nähen.. und dananach schlief ich recht lange.. ich war über 12 h so am bett bis jemand wieder kam und mich rauslies.. die stunden in denen ich wach war.. sind für mich heute noch da wie in der realität...

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Sheena
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Beitragvon Sheena » Mo 4. Dez 2006, 00:37

Hallo, bei mir kam am zweiten Tag in der Psychiatrie (ich wurde in der Nacht zuvor eingewiesen) die Ärztin ins Zimmer mit ca. 8 Leuten und wollte mich fixieren. Ich wurde vorher noch nicht einmal GEFRAGT, OB ICH ETWAS GEGEN EINE SPRITZE HÄTTE !!!!
Ich sagte was soll denn das und dass ich freiwillig meine Po-Backe hergebe bevor ich mich VERGEWALTIGEN lasse. In den nachfolgenden Tagen habe ich dem Chefarzt mitgeteilt, dass ich mich von dieser Ärztin nicht behandeln lassen werde, weil sie nach diesem Vorfall kein Vertrauen von mir genießt. Ich wurde fortan vom Chefartzt persönlich weiterbehandelt. Mit dieser Ärztin hatte ich nichts mehr zu tun.

Allerdings wurde ich in Amerika einmal fixiert, nachdem ich mein Behandlungszimmer verlassen habe und im Flur gesagt habe "I go home". Die waren nicht zimperlich mit mir und ich habe bittere Tränen geweint, weil das ganze für mich wie eine VERGEWALTIGUNG war.

Gruss, Sheena.

Paula Strassmann
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Patientenverfügung

Beitragvon Paula Strassmann » So 18. Nov 2007, 20:18

Hallo Rina
ich habe schon diverse Patientenverfügungen gemacht. Es ging dabei auch um maximal Dosierungen der Medikamenten. Als Folge wurden mir einfach keine Dosierungen mehr bekanntgegeben und ich wusste nie wirklich wieviel ich bekam, Mitspracherecht hatte ich keines. Es gibt immer Wege die Patientenverfügung zu umgehen und zu behandeln, wie man will. Eine Methode ist, die Patientin mit 2 Aerzten und einer Pflegerin ins Zimmer zu nehmen und zu bearbeiten um eine Einwilligung zu bekommen, man kann sich kaum wehren, da man ja unter Medikamenten steht und gaga ist. Es kommt wohl auf den Oberarzt an und die Klinik. Ich lebe in der Schweiz.
Paula
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fluuu
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Beitragvon fluuu » Mo 26. Nov 2007, 12:11

...was bringt es einen Hass gegen das Personal aufzubauen, wenn man womöglich wieder akut psychotisch in die Klinik eingewiesen wird?

gruß fluuu
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