Bin ich chronisch depressiv?

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Lala1984
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Bin ich chronisch depressiv?

Beitragvon Lala1984 » Sa 27. Feb 2016, 22:45

Hallo Leute,

Ich habe mal eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Vor 2 1/2 Jahren fing mein Leidensweg an. Ich bekam eine Panikattacke, Derealisation und Depersonalisation und darauf hin Depressionen. Ich kam in die Klinik und Mir ging es besser. Zu Hause begann ich eine Verhaltenstherapie und war medikamentös auf Zyprexa, Cipralex und Lamotrigin eingestellt. Meine Diagnose lautete generalisierte Angststörung (bestätigte sich nicht im weiteren Verlauf) und Depression. Naja, mit der Zeit kämpfte ich mich zurück ins (Arbeits-) Leben. Ich zog um und begann einen neuen Arbeit. Mehr und mehr distanzierte ich mich von meiner Erkrankung und richtete meine Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Dennoch wurde ich nie mehr die alte. Vielleicht erfüllte ich noch die Kriterien einer leichten Depression, konnte aber gut leben. Ich entschied mich das Zyprexa in einer Tagesklinik abzusetzen ( mehrere Absetzversuche zu Hause scheiterten). Anfangs lief noch alles gut, doch dann ging es nach und nach bergab. Schlimmer als je zuvor. Ich musste wieder in die Klinik. Entlassen wurde ich mit der Diagnose schwere rezidivierende depressive Episode. Ich bin eingestellt auf sertralin, ergenyl und Seroquel prolong wird eingeschlichen. Trotzdem geht es Mir noch Nicht gut. Meine Stimmung will einfach Nicht besser werden, meine Aufmerksamkeit ist wieder total auf die Erkrankung gerichtet und ich habe oft Angstzustände. Man sagte doch eigentlich, dass eine Depression vorübergeht. Bin ich therapieresistent oder gar chronisch depressiv?

Vielen Dank für eure Antworten.

LG Lala

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Remedias
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Re: Bin ich chronisch depressiv?

Beitragvon Remedias » So 28. Feb 2016, 16:04

Hallo Lala,
Ich entschied mich das Zyprexa in einer Tagesklinik abzusetzen ( mehrere Absetzversuche zu Hause scheiterten). Anfangs lief noch alles gut, doch dann ging es nach und nach bergab. Schlimmer als je zuvor. Ich musste wieder in die Klinik. Entlassen wurde ich mit der Diagnose schwere rezidivierende depressive Episode.
Mir ist Ähnliches passiert. Ich halte die schwere Depression in deinem Fall für ein Absetzsymptom. Neuroleptika bringen die ganze Hirnchemie auseinander. Selbst in Kliniken haben sie oft nicht viel Ahnung vom Absetzen und gehen IMHO viel zu schnell raus. Eine Faustregel lautet: 10% runter alle 6 Wochen.
Du kannst dir ausrechnen, wie lange das Absetzen dann dauert , du schreibst deine Dosis leider nicht dazu.
Ich bin eingestellt auf sertralin, ergenyl und Seroquel prolong wird eingeschlichen.
Jetzt nimmst du drei Psychopharmaka auf einmal. Keine Chance, dich zu erholen. Zumindest das Seroquel reicht durchaus alleine, du solltest auf einer Monotherapie bestehen.
Ich habe deine Medikamente mal spaßeshalber bei http://www.apotheken-umschau.de/Medikam ... kungscheck eingegeben und: "Sertralin - CT 100mg Filmtabletten" und "ERGENYL 150" haben bekannte Wechselwirkungen, das ist "doppel gemoppelt".....
Trotzdem geht es Mir noch Nicht gut. Meine Stimmung will einfach Nicht besser werden, meine Aufmerksamkeit ist wieder total auf die Erkrankung gerichtet und ich habe oft Angstzustände
Seroquel wirkt nicht wirklich antidepressiv. Bei mir verursachte es eher eine gleichgültige, gefühlsarme Stimmung. "Angst" war bei mir eine Neuroleptika- Nebenwirkung.

Was ich machen würde? - Nochmals die Medikation besprechen. Eventuell kommst du mit einer Minidosis Sero klar, 25 - 50 mg.
Den Rest SEHR langsam ausschleichen.
Eine ambulante Psychotherapie machen.

liebe Grüße Remedias

Lala1984
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Re: Bin ich chronisch depressiv?

Beitragvon Lala1984 » So 28. Feb 2016, 18:13

Vielen Dank für deine Nachricht. So etwas dachte ich mir schon. Hatte Zyprexa 5 -7,5 mg und das wurde innerhalb von drei Tagen abgesetzt. Allerdings ist das schon 6 Monate her. Zwischendurch würde noch Abilify ausprobiert ( half ganz gut), wurde dann aber auch wieder abgesetzt. Zwischendurch dann noch Solian und Risperdal, aber alles nicht wirklich lange. Auch das Lamotrigin wurde abgesetzt. Und halt der Wechsel von cipralex nach sertralin. Ich werde mit dem Arzt nochmal sprechen. Eine Sache, die noch auf ein Absetzsymptom hinweist ist, dass ich in der Klinik einmalig Zyprexa bekommen habe und fast alle Symptome weg waren.
Wie wäre es denn, wenn ich zurück zu meiner alten Medikation zurückgehe und dann gaaanz langsam ausschleiche? Wäre das eine Möglichkeit? Eine Psychotherapie beginne ich ab morgen.

Ps. Zur Zeit halte ich mich mit Tavor über Wasser, weil ich arbeitsfähig bleiben muss.

VG Miriam

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Remedias
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Re: Bin ich chronisch depressiv?

Beitragvon Remedias » Mo 29. Feb 2016, 10:17

Hallo Miriam,
Wie wäre es denn, wenn ich zurück zu meiner alten Medikation zurückgehe und dann gaaanz langsam ausschleiche? Wäre das eine Möglichkeit?
ja, das wäre unter Umständen die Möglichkeit. Vielleicht brauchst du auch nicht ganz zurück, du könntest wieder langsam aufdosieren und auf dem Niveau bleiben, bei dem es dir gut geht. Und dann wirklich langsam ausschleichen, damit deine Gehirnchemie hinterherkommt.
Tavor ist wegen des extremen Suchtfaktors keine langfristige Lösung, aber das weißt du bestimmt selbst.
Gruß Remedias

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fluuu
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Re: Bin ich chronisch depressiv?

Beitragvon fluuu » Mi 2. Mär 2016, 10:12

Hallo,
einen Fehler den ich aus Deinen Schilderungen heraushöre ist der Wunsch 'wieder ganz die Alte' zu sein, das ist verkehrt. Die Psychische Störung, die Depression hat Gründe im Leben warum sie auftaucht und ist ein Hinweis im inneren der seelischen Empfindungen etwas zu ändern um eben nicht die Alte zu sein die diese Störungen braucht. Deshalb ist Veränderung in den Gefühlsstrukturen dringen notwendig, Wohnung und Arbeit wechseln ist nicht das Selbe. Im Inneren muss sich etwas ändern damit die Störungen keine Notwendigkeit mehr haben, dafür kann der Wechsel im Äußeren manchmal hilfreich sein aber es geht nicht automatisch. Im Gegenteil, wenn im Äußeren alles neu ist und dadurch die Symptome zunächst abklingen ist der Anschein, alles ist in Ordnung groß aber er trügt. Das nur verdeckte Problem im Inneren ist nach wie vor da und bricht dann wieder überraschend aus und wirkt verheerend. Ein Absetzen weil ja alles in Ordnung scheint kommt zu der Situation hinzu und somit ist der Rückfall vorprogrammiert. Wer an einer psychischen Störung erkrankt hat Gründe die dazu führen und sollte einen Umgang damit erlernen denn so tun als wäre nichts kann nicht funktionieren, es bricht wieder aus.
gruß fluuu

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mamschgerl
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Re: Bin ich chronisch depressiv?

Beitragvon mamschgerl » Mo 9. Mai 2016, 03:54

hallo lana,
die frage, ob du chronisch depressiv bist, kannst nur du selbst beantworten.
die diagnose schwere, rezedive depression bedeutet, daß du in deinem leben schon mindestens drei mal eine schwere depression haben musstest, das ist ein kriterium für rezediv...
chronisch depressiv zu sein bedeutet auch, ständig unterschwellig mies drauf zu sein.
ist das alles bei dir der fall? du schreibst, du hattest panikattacken, weswegen? es gibt soviele gründe für diese attacken und meistens sind depressionen eine begleiterscheinung von etwas viel tiefer liegendem.
hast du schon herausgefunden, ob es so ist und wenn ja, es für dich benennen zu können?
ich frage das nur, weil ich eigene erfahrungen mit depressionen habe, diese aber natürlich nie von fachleuten diagnostiziert werden konnten, da ich nie an psychische probleme gedacht hâtte bzw. mir nicht immer nach so einer episode hätte selbst helfen können. ( ...zurück ins arbeitsleben kämpfen und so...), wozu also an psychotherapie auch nur denken?
mein gynäkologe, der mich nach meiner totaloperation ( gebärmutterentfernung aufgrund bösartiger tumorbildung im gebärmutterhals, da war die -mutter schon weg aufgrund wochenlang anhaltender, schwerer und schmerzhafter blutungen ), bei dem ich nach meinem nervlichen zusammenbruch anklopfte, ob dieser zusammenbruch nachwirkungen von der op sein könnten, hat mich zum psychatrischen notdienst geschickt, da er glaubte, es handele sich um ein burn out.
die diagnose f 33.2 kam zuerst, in der klinik kam dann f 43.1 als ursache und auslöser der depressionen zutage.
für mich klingt alles schlüssig und plausibel, denn die ärzte benannten all das, was ich seit meiner kindheit durchmache. ich fühlte mich also bestätigt und versuche seitdem, gemeinsam mit therapeuten methoden zu finden, weiter zu leben.
wichtig aber war, daß niemand mir ratschlâge erteilte und über meinen kopf hinweg eine diagnose erstellte, die dann von mir als gegeben zu akzeptieren zu sein hatte und eigentlich nicht passte.
fühlst du dich denn bestätigt mit deiner diagnose? passt sie zu dem, was mit dir geschieht und geschehen sein muss?
hast du dich immer schon depressiv gefühlt und es nur nicht zu benennen gewusst?
dann kannst du dir deine frage beantworten, ob du chronisch depressiv bist oder episodenweise.
und ich persönlich glaube nicht an eine heilung, sondern lediglich daran, daß es phasen gibt, in denen sich die rezedive, schwere depression etwas zurückzieht, aber dennoch latent vorhanden bleibt. ob man es ohne medikamente schafft, diese phasen zu überstehen, kommt wohl auf die heftigkeit und die gefahr eines suizids an. sollte man dauerhaft und chronisch in diesem zustand sein, geht's wohl nicht mehr ohne pillen, aber auch das muss man selbst herausfinden.
bei mir ist die belastungsgrenze leider erreicht, da ich zu spät hilfe angenommen habe in einem zustand, in dem man mich auch in eine zwangsjacke hätten stecken können, es wäre mir egal gewesen in dem nebel, in dem ich mich befand und meine kraft, mich selbst durchs leben zu bewegen, nicht mehr vorhanden war.
als meine diagnosen gestellt wurden, fiel zumindest die last von meiner seele, allein damit zu stehen ( obwohl diese erkenntnis den zustand selbst nicht bessern kann ), ich fand mich wieder in den beispielen, an denen man die diagnosen festmacht und habe therapeuten und ärzte kennengelernt, die individuell auf einen eingehen, da diese selbst psychische krisen zu meistern hatten. wer eignet sich dazu auch besser? leider konnten diese aber auch nur bestätigen, daß es eine heilung in diesem sinne wohl kaum geben kann, nur linderung, mir hilft diese ehrlichkeit und offenheit sehr. würde jemand von heilungmöglichkeiten sprechen und ich wäre nicht in der lage, mich heilen zu lassen, müsste ich unter diesem druck des versagens ja vollkommen untergehen.
also nochmal, es gab nichts neues für mich, nur namen dafür, was ich schon von kindesbeinen an kenne.
würde ich mir deine frage stellen, könnte ich sie für mich mit ja beantworten.
ich hoffe, das war jetzt etwas hilfreich, wenngleich bestimmt nicht positiv hinsichtlich meiner meinung bezüglich deiner annahme auf heilung.
aber das ist meine meinung und gilt daher auch nur für mich.
alles gute

l.g. mamschgerl


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