Welche Diagnose könnte das sein?

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Dolorosa
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Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon Dolorosa » Mo 15. Feb 2016, 23:02

Welche Diagnose könnte das sein?
Ich leide schon seit vielen Jahren phasenweise an einer schrecklichen Idee. Ich möchte nicht detailiierter darüber schreiben, da mich das immer Irre macht. Nur so viel, ich befürchte an einem schrecklichen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Aber ich habe keinerlei Erinnerung daran, ich weiß auch weder Ort, Datum, Uhrzeit und die Namen der Geschädigten, ich habe von diesem Verbrechen auch nur gehört nichts gelesen. Mir kam jetzt wo es mir wieder schlecht ging auch der Gedanke, ob ich mir das vielleicht nur ausgedacht habe, dann dachte ich, daß könnte man auch als neue Variante einer Unschuldigkeitsmutmaßung meinerseits deuten. Auf jeden Fall, ist es abartig anstrengend, es fühlt sich an wie ein Gedanken Dauerlauf, es hört nicht auf. Wie lange kann so was noch dauern? Könnte man das als Zwangsgedanken bezeichnen?
Wie kann ich mich da selbst therapieren?
Viele Grüße Dolorosa
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Laura
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Re: Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon Laura » Do 18. Feb 2016, 11:05

Hallo Dolorosa!

Für mich klingt aus Deinem Beitrag das heikle Thema der Gerechtigkeit heraus. Du bist mit einem Rätsel beschäftigt, dass Dir noch vor seiner Auflösung vermutlich viele Kräfte raubt. Du kannst Dich vorläufig nur fragen, was Du trotz dieser Bürde aus Deinem Leben machen kannst. Ob Du auf leisen Pfoten tatsächlich von einer zurückliegenden Schuld heimgesucht wirst oder Dich in aller Unschuld schuldig fühlst, könnte Dir nur eine allwissende Instanz beantworten. In beiden Fällen stehst Du aber mitten im Leben und in beiden Fällen solltest Du an Chancen für Dich glauben und sie sinnvoll zu nutzen wissen.

Was "Selbsttherapie" angeht...nun ja, einiges an der Heilung ist ein "Selbstkostenanteil". Zum Beispiel kann man sich mittels "Selbsttherapie" dahin bringen, sich anderswo überhaupt erst öffnen zu können, um dann sein Vertrauen wiedererlangen zu können. Da kein Lebewesen eine Insel ist, dient auch eine Therapie dazu, dass man wieder auf seine Mitmenschen zugehen kann, sogar dann, wenn das eigentliche Leiden noch nicht ganz verschwunden ist.

Du hast mal erzählt, dass Du Psychoprofis in Deiner Verwandschaft hast und Dich deren Verhalten Dir gegenüber auch nicht gerade an die besondere Integrität von professionellen Helfern glauben lässt. Andere Leute bekommen aber aus ganz ähnlichen Gründen wenig Unterstützung aus ihrem engsten privaten Kreis und müssen sich dann auch "ersatzweise" ihre Vertrauensperson(en) suchen und sich in eine "Rolle" hineinbegeben. Es ist nicht gesagt, dass man dabei immer nur Enttäuschungen erlebt. Sogar ich habe dabei nicht immer nur Enttäuschungen erlebt, und ich gehöre nun wirklich zu den misstrauischen Leutchen dieser Welt.

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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fluuu
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Re: Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon fluuu » Fr 19. Feb 2016, 14:03

Hallo,
es gibt keine Diagnose auf Distanz, da wäre der Gang zum Arzt des Vertrauens unausweichlich.
Es ist schwer hier auf Textbasis mit einem womöglichen Wahn umzugehen, man könnte ihn verstärken oder fördern
aber abmildern geht kaum. Deshalb ist ein Gespräch darüber unter vier Augen sinnvoll. In einer Online Beratung
wäre dieser Schutz gewahrt den es hier im öffentlichen Forum nicht gibt und deshalb ist das Thema hier schwierig.
Selbst wenn es Zwangsgedanken sein sollten, sie lassen sich hier im Forum nicht behandeln.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

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Remedias
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Re: Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon Remedias » Fr 19. Feb 2016, 18:43

Hallo Dolorosa,
es könnte ein Zwangsgedanken sein. Gegen einen Wahn spricht, dass du ja weißt, dass es nicht stimmt. Aber auch ich würde sagen: AzA (ab zum Arzt)
Gruß

Dolorosa
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Re: Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon Dolorosa » So 21. Feb 2016, 02:10

Hallo Ihr Drei Antworter,
ich habe es erst heute entdeckt, ich dachte das hätte garnicht geklappt mit dem Einstellen. Vielen Dank für Eure Antworten.
@ Laura
Deine Gedanken dazu bringen mich auch zum Nachdenken, über den Sinn dahinter. Obwohl ich soviel Psychotherapie schon hatte, ist dieses Syndrom immer wieder da und ich reagiere nur noch mit Angst,Abwehr, Geschirrabwaschmarathons mit ewigen Eiswasserspülungen der Gläser und Trinkgefäße und einem Durchsortieren des zu reinigenden Geschirrs und Vergessen der wievielten KlarKaltwasserabspülung und Sicherheitswiederholungen.
Leider hat mich mein damaliger Psychiater, der auch dieTherapie machte, sich das auch immer nur angehört ohne mir zu sagen was das sein könnte. Aber es war dann auch mal Jahre weg, nur noch eine Erinnerung ganz tief in mir.
Ich bete abends immer, das ich nicht immer daran denken muß, auch wenn ich es nicht vergessen kann.
Ich habe inzwischen sher vorsichtig meine Hausarzt anvertraut, das meine Psyche etwas streikt und er hat mir auf meinen Wunsch hin Opipramol gegeben.
@ fluuu
wahrscheinlich hast Du recht. Ich hoffe sehr das es kein Wahn ist, wichtig wäre die Diagnose schon damit ich einen Behandlungsweg finde und ich muß mir da echt wie Ihr alle hier sagt Hilfe holen.
@Remidias
Ich habe auch schon 5 Psychiater letzte Woche hier, kleine Großstadt, angerufen und bei 2 war ich persönlich in der Sprechstunde. Alle nehmen keine neuen Patienten an. Von meinem Hausarzt habe ich mir Opipramol geben lassen und es hilft mir wieder ein paar Stunden mehr zu schlafen. Aber ich darf nur 50 mg. nehmen weil ich manchmal so eine blöde Herzrhythmusstörung habe und die bei einer bestimmten Pulshöhe immer mit einer Kardioversion reguliert werden muß. Deshalb und wegen Nebenwirkungen( Grand Mal) bei vielen Neuroleptika ist die Psychopharmakatherapie auch noch sehr schwierig bei mir und wenn es irgendwie geht fast kontraindiziert.
Vielen Dank und allen viele Grüße
Dolorosa
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Laura
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Re: Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon Laura » Do 25. Feb 2016, 13:46

Hallo Dolorosa!

Vielleicht würde Dir ja ein Einlesen in die Begriffe "Pseudoerinnerung" oder "Erinnerungsverfälschung", bzw. "false memory" weiterhelfen. Bei Google finden sich da auf Anhieb nur Links, die auf recht spektakuläre Stories verweisen (falsche Opfer-Erinnerungen, die zu Justizirrtümern führen und dergleichen). In einem Uni-Bibliothekskatalog für den Fachbereich Psychologie würdest Du eventuell etwas Gescheites zu dem Thema finden, falls Dein Problem da überhaupt eingeordnet werden kann.

Deine Ablenkungsmanöver von Deinem Gedankenkarrussel sind sicher ermüdend. Manchmal ist Ablenkung aber das Einzige, was man kurzfristig machen kann, um sich Linderung zu verschaffen.

Für Deine Therapeutensuche wünsche ich Dir viel Erfolg. Du bist wahrscheinlich jemand, der in keine diagnostische Kategorie so richtig reinpasst. Aber soooo an die jeweilige Diagnose angepasst oder auch nur anpassbar sind die Therapieverfahren ja nun auch nicht. Da ist ein "Dingens" und vielleicht kann Dich eine neue Therapie von allzu vielen (vermutlich irrtümlichen) Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen entlasten und Dich vielmehr Deinen positiven Wert spüren lassen.

LG

Laura
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Re: Welche Diagnose könnte das sein?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Fr 15. Sep 2017, 20:51

Dieses Thema ist vermutlich nicht mehr aktuell. Trotzdem hab ich etwas gefunden, das in Hinblick auf die oben erläuterten Gedanken von Dolorosa vielleicht interessant sein könnten. (weiß nicht, ob so etwas zutreffen könnte bei der Thread-Eröffnerin) Es ist jedenfalls eine sehr interessante Doku bzw. Film über Generationsübergreifende Traumata:

https://www.arte.tv/de/videos/071389-00 ... umafolgen/
Manchmal ist mein Glas halbvoll,
manchmal ist mein Glas halbleer,
manchmal ist das Leben toll,
manchmal ist das Leben so besch*** wie ein verschissenes Katzenkisterl...


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