Aberkennung der Diagnose

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Sanne45
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Aberkennung der Diagnose

Beitragvon Sanne45 » Do 23. Apr 2015, 16:09

Hallo,
wir hatten heute in der KJP-Praxis das Abschlußgespräch bezüglich einer Entwicklungsdiagnostik. Die eigentliche Diagnose wurde bei meinem Sohn vor ca. 6 Jahren gestellt. Da es immer wieder zu Zwängen und impulsiven Kontrollstörungen in der Schule kommt, wollte die Schule eine Einweisung in die Tagesklinik.

Um diesem erstmal zu entgehen, haben wir nochmals einer Entwicklungsdiagnostik beim KJP zugestimmt.

Bei dem Gespräch kam allerdings heute heraus, daß K. sehr weit vom Cut-Off-Wert von Autismus entfernt liegt, d.h. kein Autismus bei ihm festgestellt werden konnte. Der Arzt, der die Diagnose damals bei meinem Sohn festgestellt hat, ist leider nicht mehr in der Praxis.

Ich frage mich nun, wie das zustande kam. Die eigentliche Autismus-Diagnose hat damals fast 1 Jahr gedauert und konnte laut dem Arzt wegen dem ADS nur schwer festgestellt werden. Nun wischt man die gesicherte Diagnose in gerade mal 2 Terminen mit je einer knappen Stunde vom Tisch.

Problem ist dabei, daß nun auch der Schulbegleiter am Wanken ist, denn ohne gesicherte Diagnose würde er vom Träger nicht mehr genehmigt werden, sowie auch alle anderen Therapien, die mein Sohn bisher in der Schule erhalten hat, wie Ergo, Logo, tiergestützte Therapie, Sozialkompetenztraining.

Ich hoffe, hier hat jemand einen hilfreichen Tipp für uns. Ich habe heute sofort alle Schweigepflichtsentbindungserklärungen gegenüber den Ärzten, der Schule und der Behörden zurückgezogen. Ich bin fassungslos und fühle mich der Bürokratie und des Sparprogramms hilflos ausgeliefert. :sad:
LG v. Sanne

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Remedias
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Re: Aberkennung der Diagnose

Beitragvon Remedias » Do 23. Apr 2015, 18:19

Hallo Sanne,

es ist leider so, dass man zu Leistungen des Gesundheitswesen nur mit bestimmten Diagnosen Zugang hat .
Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ihr ein drittes Gutachten braucht.


Alles Gute. Remedias

Sanne45
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Re: Aberkennung der Diagnose

Beitragvon Sanne45 » Fr 24. Apr 2015, 06:26

Ganz lieben Dank für die Antwort. Weiß jemand, ob eine Entwicklungsdiagnose ausreicht um die Grunddiagnostik auszuhebeln bzw. die gestellte Diagnose nichtig zu machen. Ich habe im Internet recherchiert und angeblich kann eine Diagnose nur ausgehebelt werden, wenn eine Alternativdiagnose gestellt wurde.
LG v. Sanne

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fluuu
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Re: Aberkennung der Diagnose

Beitragvon fluuu » Fr 24. Apr 2015, 11:06

Ich würde es so deuten, wenn nach einer erneuten Untersuchen die Diagnose zurückgezogen wird,
dann heißt das, dass die Erkrankung nicht mehr vorliegt, ein Grund zu Freude.
Ihr Sohn ist nicht autistisch, er hat wenn andere Störungen, das ist doch ein Erfolg.
Warum haben Sie ein Problem damit wenn man Ihnen sagt Ihr Sohn hat diese Krankheit nicht?
Es klingt fast so, als hätten Sie persönliche Vorteile bei einem schwer behinderten Kind.
Er hat keinen Autismus, eine schwere Störung und Behinderung der Persönlichkeit,
jetzt ist er frei davon, das sollte Sie als Mutter zur Hoffnung anregen, dass das Kind gesund wird.
Wer gesund ist und glücklich lebt braucht keine Leistungen von der Kasse, wozu auch.
Viele Menschen sind lieber gesund als Leistungen von der Krankenkasse beziehen zu müssen, oder?
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Sanne45
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Re: Aberkennung der Diagnose

Beitragvon Sanne45 » Fr 24. Apr 2015, 15:29

Ich könnte gut ohne Autismus-Diagnose leben und freue mich natürlich, wenn mein Kind gesund ist.

Problem ist, daß die Schule mit dem Kind nicht zurecht kommt und wir schon zum 3. Mal aus diesem Grund die Schule wechseln mußten. Die Lehrerin wollte für das kommende Jahr eine Schulbegleitung komplett für meinen Sohn beantragen. Dieses Jahr teilt sich mein Sohn mit einem anderen Kind den Schulbegleiter noch.

Und auch alle anderen Hilfen würden dann für meinen Sohn wegfallen, die ihm bisher sehr gut getan haben.
Das nur am Rande.


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