Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

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submarine
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Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon submarine » Sa 27. Aug 2011, 21:57

Servus allerseits,

mein Vater hat mich, als sehr kleines Kind mehrmals schwerwiegend misshandelt und das Ganze vor der Familie und vor den Behörden mehr oder weniger geheimzuhalten versucht.

Als ich Anfang 20 war, schickte er mich zum "Untersuchenlassen" in die Klapse, weil er mich irgendwie loswerden wollte. Der überweisende Facharzt beauftragte die Psychiatrieärzte damit, herauszufinden, ob es bei mir um Borderline oder Schizophrenie gehe.

Die Psychiater in der aufnehmenden Allgemeinstation tippten aber auf Kindesmisshandlung und wollten, dass ich entweder meinen Vater anzeige oder mich woanders hin überweisen lasse, weil sie für Fälle wie mich nicht asugebildet seien.
Das lehnte ich aber beides ab, weil ich zu traumatisiert war, Angst vor den Ärzten hatte, nicht zurück zu meinem Vater wollte aber mich an seine Misshandlungen auch nicht explizit erinnern konnte.
Da ich auf Entlassungsankündigen durch die Ärzte mit Suiziddrohungen reagierte, wurde ich dann wie ein Schizophrener behandelt, stationär und ambulant, etwa 10 Jahre lang.

Meine Frage hier iist einfach nur, ob ich damals als Patient einen Rechtsanspruch auf eine differentialiagnostische Untersuchung gehabt hätte, ob eine Überweisung dazu gehört hätte, und ob somit formal gegen meine Patientenrechte verstoßen wurde.

Grüße
Submarine

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fluuu
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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon fluuu » Di 30. Aug 2011, 10:29

Du wirst Dich ewig im Kreis drehen wenn Du versuchst Andere für Deine Biographie und Deine Gene schuldig sprechen zu wollen.
Selbst wenn es gelingt und sie verurteilt werden, Deine kranke Seele und Deine Schmerzen bleiben die Selben.
Gehe mit Dir selbst ins Gericht, Du bist alt genug und hast die alleinige Verantwortung für Dein Dasein außer es gibt einen
gesetzlichen Betreuer der bei der Organisation hilft.
Nur Du kannst Dich selber frei sprechen und den Schuldspruch in einen Freispruch umwandeln.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon Remedias » Di 30. Aug 2011, 12:10

Hallo, submarine,
natürlich hättest du das Recht auf eine Diferentialdiagnose gehabt. Aber DU hättest dich darum kümmern müssen. Kein Facharzt der Welt sagt dir: "Ich glaube, Sie haben das und das und es fällt auch in mein Fach, aber ich bin vielleicht zu doof um das Richtige zu diagnostizieren und deshalb ist es besser, Sie konsultieren noch einen Kollegen."
Nein, du musst die zweite Überweisung vom Hausarzt holen, dir einen neuen Psychiater suchen und dich nochmals untersuchen lassen.
Du warst schon fast zwanzig, also volljährig. Also kannst du deine Eltern auch nicht in Anspruch nehmen.
Du hast selbst deine Zuflucht in der Psychiatrie gesucht, indem du dich hast wie ein Schizophrener behandeln hast lassen, und jetzt machst du ihnen Vorwürfe, dass sie dich 10 Jahre dabehalten haben.
Versteh ich nicht.
Grüße Remedias

submarine
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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon submarine » Mi 31. Aug 2011, 20:14

Hallo, submarine,
natürlich hättest du das Recht auf eine Diferentialdiagnose gehabt.

hallo Remedias

weiß du das sicher oder ist das dein Empfinden ? Die Frage ist wichtig. Die Unterscheidung auch.
Aber DU hättest dich darum kümmern müssen. Kein Facharzt der Welt sagt dir: "Ich glaube, Sie haben das und das und es fällt auch in mein Fach, aber ich bin vielleicht zu doof um das Richtige zu diagnostizieren und deshalb ist es besser, Sie konsultieren noch einen Kollegen."
doch, das haben die sinngemäß gesagt, das war aber eine allgemeinpsychiatriche Station einer Nervenklinik, kein niedergelassener Arzt. Dass ich aufgrund der Traumatisierung und der Erpressung durch meinen noch lange unterhaltspflichtigen Vater eigentlich gar nicht geschäftsfähig war, und es daher auch keine Rechtsgrundlage für eine Behandlung und vor allem Abrechnung gab, weil man mich auch nicht entmündigen lassen konnte, haben mir die Ärzte selber gesagt, zumindest habe ich das im Nachhinein so verstanden. Damals habe ich das alles überhaupt gar nicht kapiert, so gesehen verstehe ich auch dein Unverständnis #-o
Nein, du musst die zweite Überweisung vom Hausarzt holen, dir einen neuen Psychiater suchen und dich nochmals untersuchen lassen.
Du warst schon fast zwanzig, also volljährig. Also kannst du deine Eltern auch nicht in Anspruch nehmen.
du verstehst das irgendwie falsch. Genauer lesen hilft.
Du hast selbst deine Zuflucht in der Psychiatrie gesucht, indem du dich hast wie ein Schizophrener behandeln hast lassen, und jetzt machst du ihnen Vorwürfe, dass sie dich 10 Jahre dabehalten haben.

das war klar dass man das so missverstehen konnte, daher hab ich das Wort "formal" so betont, im Eröffnungspost. Ich mache denen keine Vorwürfe, mir geht es heute darum ob bestimmte Leistungsansprüche damals nicht erbracht werden konnten, und sich daraus gegenwärtgie Ansprüche ableiten lassen, denn theoretisch habe ich Anspruch auf medizinisch motwendige Behandlung nach den Regeln der Kunst, und die habe ich damals aufgrund der Umstände wohl nicht erhalten können. (Und mich erst recht nicht "darum kümmern können", wie du denkst, denn wenn ich dazu imstande gewesen wäre hätte ich es gemacht, oder bin ich dumm?).

Das Problem heute ist, dass die damals mit faschen Diagnosen abrechnen mussten, um das Ganze überhaupt von der Kasse bezahlt zu bekommen (sonst hätten die Ärzte quasi meine Behandlung selber finanzieren müssen, oder selber gegen meinen Vater prozessieren müssen, auf eigene Kosten, denn der wäre eigentlich beteiligungspflichtig gewesen, forderte dafür aber Beweise und drohte seinerseits den Ärzten mit dem Anwalt). Und deswegen ist die Frage nach dem formalen Anspruch auf differentialdiagnostische Untersuchung inkl. Überweisung für mich wichtig, denn da diese nachweislich nie stattfand, könnte sich daraus eine Argumentationsgrundlage ergeben, im Idealfall sogar für die Forderung nach Beweislastumkehr für die Rechtmäßigkeit der erbachten Leistungen und deren Abrechnung. Denn dann hätte es klare Anzeichen für das Vorliegen einer Psychose geben müssen, und das könnte ggf. mit Zeugenaussagen angefochten werden, vielleicht sogar mit Zeugenaussagen von behandelnden Ärzten.

Grüße
Submarine

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Remedias
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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon Remedias » Mi 31. Aug 2011, 21:17

Hallo, Submarine; deine Fragen sind verzwickt und von juristischen Laien vermutlich nicht zu beantworten. Hast du es schonmal in einem Rechts- oder Anwaltforum versucht?

liebe Grüße Remedias

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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon Remedias » Mi 31. Aug 2011, 21:17

doppelt, sorry

submarine
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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon submarine » Mi 31. Aug 2011, 21:36

Hallo, Submarine; deine Fragen sind verzwickt und von juristischen Laien vermutlich nicht zu beantworten. Hast du es schonmal in einem Rechts- oder Anwaltforum versucht?

liebe Grüße Remedias
hallo

eigentlich schon, aber das war ein Schlag ins Wasser. Die helfen einem nur, wenn man stinkreich, gerissen und gewieft ist und durch fieses, trickreiches Prozessieren immer noch reicher werden will. Mit sowas kennen die sich bestens aus. Über so arme Psycho-Würstchen wie mich machen die allenfalls Witze oder klopfen einem väterlich grinsend auf die Schulter :silly:

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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon deinemudda » Di 6. Mai 2014, 18:01

Hallo,

ich bin kein Anwalt - ergo keine rechtsverbindlichen Informationen.

Mit 20 bist du volljährig. Man hätte dich dort direkt überweisen sollen. Ein Arzt kann eine Behandlung (außer Notfall) ablehnen. Im Sinne deines Wohls wäre es spätestens nach dem Suizidversuch - was jedem Idioten klar sein sollte, richtig gewesen, dich wo anders entsprechend untersuchen zu lassen.

Eine Alternativdiagnose zur Abrechnung ist Versicherungsbetrug (schwere Straftat), abgesehen davon, dass ich davon ausgehe, dass du nicht direkt eingewilligt hast alles mögliche zu schlucken. In diesem Falle käme strafrechtlich Körperverletzung noch dazu.

Zivilrechtlich hat deine Krankenkasse einen Schadensersatzanspruch gegenüber der Klinik, das rechtfertigt jedoch keinen Schadensersatzanspruch gegenüber dir, sofern du dich nicht so mit der Klinik abgesprochen hast oder aktiv Symptome simuliert hast. Sofern du nicht rechtsschutzversichert bist, empfehle ich dir folgendes:

- Antrag auf Beratungshilfe beim nächsten Amtsgericht (Hast du kein/ein geringes Einkommen und weniger als 3000€ auf der Kante liegen, zahlt man dir den Anwalt).

Du gehst zu einem Fachanwalt für Medizinrecht mit dem Beratungsschein, zahlst 10€ (damit sind die Anwaltskosten abgegolten) und besprichst das mit dem. Zusätzlich würde ich an deiner Stelle der Krankenkasse davon berichten (am besten nachdem du mit deinem Anwalt drüber geredet hast). Zusätzlich würde ich eine Strafanzeige gegen deinen Vater sowie eine Zivilklage einreichen. Das Gericht bestellt dann in diesem Fall einen (unabhängigen) Gutachter. Unterhalte dich aber vorher zuerst mit deinem Anwalt, dann ggf. mit einem Therapeuten, weil das sehr nervenaufreibend werden kann und dann mit der Krankenkasse. Unter dem Strich kann folgendes passieren:

Strafrechtlich:
- Körperverletzung gegenüber der Klinik
- Versicherungsbetrug durch die Klinik
- Diverse Strafttaten durch deinen Vater.


Zivilrechtlich für dich:
- Schadensersatz gegenüber der Klinik
- Schadensersatz gegenüber deinem Vater

Zivilrechtlich für deine Krankenkasse:
- Schadensersatz von Vater und von Klinik


Es handelt sich um sehr, sehr, sehr viel Geld - folglich kann das hässlich werden. Wenn deine Beschreibung stimmt und du Recht bekommst, werden nämlich sämtliche Arzt- und ggf. Berufsunfähigkeitskosten sowie Kosten für Einschränkungen (z.b. freizeittechnisch) zuzüglich Ersatz für das erlittene Leid (vergleichsweise gering) erstattet. Wir sprechen hier von einem 6 bis 7 stelligen Betrag in Euro.


Liebe Grüße
Deine mudda

Leonardo
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Re: Patientenrecht: Differentialdiagnose erstellen?

Beitragvon Leonardo » Fr 6. Jun 2014, 05:34

... ein fundierter Beitrag von Dir, modda. Alle Achtung! Bleib` bitte dem Forum erhalten.

Viele Grüße
Leo
Bin seit Anfang 2004 in d. Forum, im April 2011 (aber nur für Stunden, g*) rausgemobbt worden! Fast 4000 Beiträge sind damit für immer verschwunden. Für zahlreiche von mir eröffnete (sinnvolle) rudimentäre Themen-Threads bin ich nicht verantwortlich!


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