krasseste diagnose wo gibt ?

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submarine
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krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Do 3. Mär 2011, 19:51

Hola

ich habe ja jetzt Frührente, zumindest bis auf weiteres. Um die Frührente nicht wieder aberkannt zu werden (da zunächst nur bis 3/2012 bewilligt), wurde mir vom soz-psych. Dienst empfohlen einen Facharzt hier in meiner neuen Zwangs- Wahlheimat aufzusuchen. Hab ich gemacht, hab dem Dottore auch eine ausführliche fachärztl. Stellungnahme mitgebracht, da stand "symptomarme Psychose" druff. Trotzdem wollte der Kittelknilch bei mir nur eine soziale Phobie oder sowas um den Dreh rum diagnostizieren. :-k

Das ging mir damals bei der Gutachterin der Arbeitsagentur übrigens genau auch so. Die hatte auch meine ganze Krankengeschichte vorliegen (inkl. lustige Diagnosen wie Hebephrenie, Paranoide Schizophrenie etc.), und dennoch wollte die gnädige Frau lediglich eine "Persönlichkeitsakzentuierung" bei mir festgestellt haben. Die wollte sogar dass ich ihr merkbefreites Gutachten selber bezahle, nachdem ihr klar wurde dass ich lieber auf das mir zustehende Alg 1 verzichte als nach einem halben Jahr in eine "RPK" zu müssen. In so einem Laden hatte sich damals meine Freundin umgebracht, und ich selber beging einige Monate nach meiner Entlassung seinerzeit ebenfalls einen Suizidversuch, aber das ist eine andere Gechichte, jedenfalls kann ich erneut auf sowas wahrhaftig verzichten.

Wie dem auch sei, der Facharzt in meiner neuen Zwangswahlheimat bekam dann aber doch plötzlich einen schmalen Schuh, als ich ihm meine amts- und gerichtsärztlich festgestellte aktuelle Diagnose aufsagte: "F 21 chronifizierte schizotype Störung". Danach schaute er mir ins Gesicht als wolle er mir ohne Worte sagen dass ich nur mehr wenige Monate zu leben hätte, oder sowas in der Richtung.

Jetzt die Frage: Gibt es einen nennenswerten Unterschied zwischen
symptomarme Psychose,
Hebephrenie,
chronifizierte schizotype Störung
und vielleicht noch Simplexschizophrenie, oder ist das alles das ähnliche im T-Shirt, allenfalls etwas andersgelb ?

Gibt es überhaupt eine chronifizierte schizotype Störung, oder andersrum gefragt, ist das nicht eine Tautologie, ich meine ist das nicht dieselbe Aussage doppelt gemoppelt ? Oder hängt das vom psychologischen Weltbild ab. Will der Dottore damit in Wirklichkeit nur unmistverständlich aussagen wie schlimm ich dran bin, also nicht dass ich abermals versehentlich als lediglich etwas schüchterner Bubi eingestuft werde, dem man bloß "Hausaufgaben" aufgeben, staatlch privilegierte Drogen (sog. Medikamente) verkaufen und gediegen in den Allerwertesten hineintreten muss, dann geht das schon wieder?

Gibt es eigentlich eine krassere Diagnose als die meinige, was sagt ihr ? Was ist die krasseste Diagnose die es derzeit gemäß Diagnoseschlüssel gibt ?

submarine
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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Do 3. Mär 2011, 20:08

naja, Dank schon mal für die Meinungsäußerung. Schön wär´s ja, wenn das alles so einfach wäre wie du es hier machst. Aber so ganz daneben liegst du ja gar nicht mal. Trotzdem, mehr als wie ein mittelprächtiger Rap isses dann auch wieder nicht. An deiner Defi für "Psychose" wirst du aber dann doch noch etwas arbeiten müssen.

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Do 3. Mär 2011, 20:22

wAS IST DEN FÜR dICH DIE RICHTIGE
Definition von einer Psychose ist doch stimmen hören, dinge sehen, die es nicht gibt oder Wahn ist doch so was sagst Du dazu lieber Mensch?
naja, es gibt eben offiziell auch negative oder Minus-Symptome, oder eben ganze "Symptomarme Psychosen", das sind quasi Psychosen ohne Halluzinationen. Ob das überhaupt Psychosen sind scheint teilweise Ansichtssache zu sein, insbesondere zwischen Psychologen und Psychiatern. Es ist vielleicht bezeichnend dass bei mir die Psychologen eher auf Borderline oder schizoid getippt haben, die Ärzte dagegen das Ganze als Psychose abgerechnet haben, das mag sich vielleicht aber auch aus den Sachzwängen bei der Abrechnung mit den Kostenträgern ergeben haben, kein Plan.

Aber eigentlich wollte ich ja hier keine Erklärungen abgeben, sondern selber welche bekommen.

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon Mirjam » Fr 4. Mär 2011, 11:01

.......Unheilbar..... einmalig..... frühkindlich
Wie Vision schreibt
liegt (glaub auch ich) der Unterschied im Verlauf. S.o.
LG
Mirjam

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon Remedias » Fr 4. Mär 2011, 15:29

Die Schizotypie ist eine Persönlichkeitsstörung ( wie kann die chronifizieren, das müsste mir jemand erklären?) und als solche nicht heilbar.
Die krasseste Diagnose ist Hebephrenie und Schizophrenia simplex, weil sie so schlechte Prognosen haben. Ich kenne aber keinen, der das diagnostiziert bekommen hat, da halten sich die Ärzte wohlweislich zurück.

liebe Grüße Remedias

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon elmsfeuer » Sa 5. Mär 2011, 09:23

Hallo submarine,
ich denke auch dass es "die krasseste Diagnose" nicht gibt, denn gerade psychische Erkrankungen sind ja nicht "messbar".
Und wer will beurteilen, ob der depressive mensch "kränker" ist als der psychotische Patient oder der mensch mit Persönlichkeitsstörung? jeder geht durch seine eigene Hölle, und Leiden ist nicht vergleichbar.
Das sind meine Gedanken dazu, zu den einzelnen Krankheitsnildern hast Du ja schon von den anderen Usern gute Antworten bekommen :) und bei psychotischen Erkrankungen kann ich auch (glücklicherweise) nicht aus Erfahrung mitreden, also lasse ich es hier lieber :wink:
lg elmsfeuer

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon Remedias » Sa 5. Mär 2011, 13:24

Ich habe ja mit einer schizoaffektiven Erkrankung beides; also Depression und schizophrene Symptome, und von mir aus würde ich sagen, dass die schizophrenen Symptome für die Umwelt vielleicht am krassesten sind; dass ich aber die Depression als am schlimmsten, will sagen, quälend empfunden habe.

liebe Grüße Remedias

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Do 10. Mär 2011, 19:25

jo, Dank Euch für die vielen netten Antworten, den netten Link mit den Kurzerklärungen hab ich mir auch angekiekt.

Wo ist denn der nette Rapper hin? Naja, als Rapper lebt man halt gefährlich...

Dem Link nach würde ich bei mir selber eigentlich eine "Simplex" diagnostizieren, aber mich fragt ja keiner.
Ich hatte noch niemals Halluzinationen, auch keine noch so flüchtigen, und mein Verhalten ist für andere auch alles andere als exzentrisch, bizarr oder sowas. Mich halten sie alle bloß für schüchtern, unerfahren und irgendwie arrogant, aber meine innere Hölle sieht nur nicht keiner, sondern das glaubt mir auch kein Mensch wenn ich es zu erklären versuche. Die "Schizophrenen" auch nicht, übrigens. Die Negativ- und Residualsymptome hab ich dagegen alle, besonders die hebephrenen bzw. simplexschizophrenen.

Über die F21 Schizotype Störung hab ich mal ein Buch gelesen, geschrieben von einem Betroffenen (unter dem Pseudonym "Kurt-Heinrich Weshavel" oder so), da stand einiges drin was mir allerdings sehr die Augen geöffnet hat, was so innere Verhaltensanomalien bei mir angeht und meine Ichstruktur beschreibt (Pseudomutualismus, Ambivalismus, Satellitenstruktur, generalisierte soziale Phobie, Sich-nicht-Aufplustern-Können, exkorporiertes Sprach-Ich etc.)

Meiner ungefragten Meinung nach ist "F21 chronifizierte Schizotype Störung", "Symptomarme Psychose" und Simplexschizophrenie ein und dasselbe. Die F21 ist ab einem bestimmten Alter wohl automatisch "chronifiziert" weil sie kaum heilbar ist, von daher eine doppelt gemoppelte Aussage, und was langfristig hinten dabei herauskommt, ist mit Hebephrenie-Endzustand, symptomarmer Psychose und Simplexschizophrenie identisch. :idea:

Ob F21 eine Persönlichkeitsstörung ist oder zu den Psychosen zählt, scheint mir unwichtig, sonst könnte man nämlich Hebephrenie und Simplexschizophrenie ebenfalls zu den Persönlichkeitsstörungen zählen. Das Differentialkriterium ist wohl das Vorhandensein von "formalen Denkstörungen", aber wie soll man sowas bei einer Satellitenstruktur überhaupt definieren und vor allem nachweisen ?
Wenn die eigentlichen (affektinkludierenden) Ichfunktionen aus existenzieller Menschenangst abgespalten werden müssen und nur noch ein entkörperlichtes, panisches, mit der eigentlichen Person nicht identisches Pseudo-Sprach-Ich kontrollierte logische Operationen ausführt, wie will man da dann formale Denkstörungen definieren und deren Vorhandensein beweisen ?

Was bleibt ist das Abspalten bzw. Dissoziieren selbst als fehlangepasste "Ichfunktion", aber wie will man ermessen ob das überhaupt eine fehlangepasste Funktion und nicht eine Simulation ist, wie kann man wissen wie fehlerhaft die darunter verborgenen eigentlichen kognitiven Operationen nun ungefähr sind ? Oder ob sie in Wirklichkeit vollkommen intakt sind und der Patient nur ein megaschlauer Filou ist, der die Ärzte narrt, um an das Geld seiner Altvorderen oder an eine lebenslange Opfer-Staatsrente zu kommen?

Und wie will man, wenn die Familie des Patienten die Äzteschaft belügt, und schon immer belogen hat, vom Kinderazt an, weil sie ihre Interna für Privatsache hält, im Nachhinein ermessen ob die Störung des Patienten gemäß Ätiologie und Nosologie nun frühkindlich entstanden ist (also "neurotisch" bzw. "Persönlichkeitsstörung"?), dem Verlauf nach einer schizophenen "Psychose" zuzuordnen ist, oder traumatisch ist (d.h. Effekt von frühen "Kindesmisshandlungen") ist? Oder alles zusammen ? Oder nichts von alledem ?

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Mo 14. Mär 2011, 21:52

Es gibt ein tolles Buch:
Irren ist menschlich
http://www.amazon.de/Irren-menschlich-L ... 3884144006
ach, das gibt´s auch noch :mrgreen: Das war ja schon in den 80ern ein reichlich alter Hut, dabei gar nicht mal so gut.
bemerkt, wieviele Anteile einer "Störung"in jedem von uns vorhanden sind......
genau das hab ich als die Schwäche des Buches empfunden. Ich dachte dabei, das ist wie Horoskope lesen, da könnte alles oder nichts auf einen selber zutreffen..
Störung xyz = Therapie resistent u.s.w. = keine Kostenübernahme = austherapiert
interessante These, muss ich mal drüber nachdenken... zumal in Bezug auf meine derzetige Diagnose (s.o.)

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Mo 28. Mär 2011, 17:58

Mir hat das Buch deshalb gut gefallen, weil es mir genau vorgezeigt hat, wie sehr ich die einzelnen Anteile in mir trage...welche dann eben extrem ausschlagen können und mir zu zum Hinderniss werden...

Ich hatte es auch Anfang der 80er gelesen und kürzlich noch mal rausgekramt...es ist zumindest ein Versuch "zu verstehen"! :wink:
für mich erschien das damals als ein Sammelsurium von verwirrendem Suggestiv-Gebrabbel. Was ich gebraucht hätte, wäre Rationalität und Kausalität gewesen, was ich bekam, glich eher frühmittelalterlichen Beschwörungs-Zaubersprüchen. Ich versuchte mich wacker da durchzuarbeiten, aber eigentlich nur weil ich rausfinden wollte warum in Gottes Namen man mir dieses Buch empfohlen hatte. Ich bekam es während meiner Psychiatrie- oder Rehaaufenthalte empfohlen, aber es stiftete nur Verwirrung und irgendwann warf ich es einigermaßen frustriert weg #-o
Falls du magst, kannst du deine Gedanken der These gerne mitteilen! :D
Meine Gedanken sind, vereinfacht gesagt:
Da die Ärztin des Stadtsozialreferates ("symptomarme Psychose") und der Gerichtsgutachter der Rentenversicherung ("chronifizierte schizotype Störung") die einzigen waren, die nicht unmittelbar dem Kommerzsystem der Pharma- und Wohlfahrtswirtschaft unterworfen sind, stammen von ihnen auch die einzigen fairen Diagnosen.
Alle anderen (die ganzen grinsenden Arbeitsagentur-Amtsärzte, Diakonie-Sozialfuzzies sowie die von letzteren "uneigennützig" empfohlenen Doktoren, und natürlich die Myriaden in ihren Praxen sitzenden und auf Beute lauernden, privatwirtschaftlich-kapitalakkumulierenden niedergelassenen Therapeuten und Ärzte) stellen Diagnosen und bahnen "Behandlungen" (=Misshandlungen) an, für die man sie wegen Kompetenzüberschätzung und Körperverletzung mit potenzieller Todesfolge anzeigen müsste, aber aufgrund der Beweis- und Ermessenproblematik nicht kann.
Unter einer fairen Diagnose verstehe ich eine, die das Patientenwohl und den erklären Patientenwillen, die tatsächliche medizinische Notwendigkeit und die langfristige Wirtschaftlichkeit (aus Sicht des Gemeinwesens bzw. auch der Solidargemeinschaften) im Auge behält, und zwar nicht nur theoretisch sondern wirklich. :shock:

Langer Rede kurzer Sinn: Ich interpretiere meine aktuelle Diagnose - falls sie denn bei der nächsten möglicherweise fälligen Rentenbegutachtung bestätigt werden sollte - so, dass ich "therapieresistent" bzw. "austherapiert" bin und man mich einfach in Ruhe lassen sollte, statt mir weiter irgendwas aufs Auge zu drücken, Arbeit, Reha, Berufsfindung, Medikamente, Behandlung usw., was einen Haufen Geld kostet und alles nur noch immer schlimmer machen würde.
Ich melde mich dann schon wenn ich was brauche, und das bedeutet dass ich ein Quäntchen Vertrauensvorschuss benötige. Aber die Kommerzkittel verlangen ja immer Vertrauen, statt welches zu schenken.

Der Fehler im System ist grundlegend und fatal: Wenn man etwas braucht, glaubt oder versteht einen keiner, und wenn man etwas kriegt, dann entweder das wonach man nicht gefragt hatte oder dann, wenn man es nicht, oder nicht mehr, braucht. :cry: Falls ich es geschafft haben sollte diesen Fluch endlich zu besiegen schlage ich drei Kreuze, aber glauben tu ich das erst wenn ich es sehe. Bis dahin wrde ich mich nolens volens weiter auf einen Prozess vorbereiten, gegen meine Familie, gegen die Psychiatrie, gegen die Diakonie, gegen den Staat, gegen die ganze Welt, und parallel dazu meinen Suizid vorbereiten, si vis vitam para mortem. Es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen, und diese Welt ist voller Knechte. :evil:

Aber sonst geht`s mir noch gut, Danke. :mrgreen:
Zuletzt geändert von submarine am Mo 28. Mär 2011, 18:10, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon Remedias » Mo 28. Mär 2011, 18:08

Hallo submarine,
ein Satz von deinem Schreiben beunruhigt mich, und zwar wo du davon sprichst, den Suizid vorzubereiten. Wenn Du nix anderes mehr denken kannst, brauchst du Beistand und zwar nicht nur hier sondern im RL.

liebe Grüße Remedias

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Mo 28. Mär 2011, 18:17

Hallo submarine,
ein Satz von deinem Schreiben beunruhigt mich, und zwar wo du davon sprichst, den Suizid vorzubereiten. Wenn Du nix anderes mehr denken kannst, brauchst du Beistand und zwar nicht nur hier sondern im RL.

liebe Grüße Remedias
ich hab von vorbereiten geschrieben, also ist es nicht akut und liegt somit außerhalb des Geltungsbereiches des PsychKG und der Zuständigkeit der "Helfer". Anders gesagt, es ist meine Privatsache, aber darum geht es ja in diesem Forum, wofür soll es sonst gut sein. Freud hat sich übrigens auch suizidiert und von ihm stammt auch das lateinische Zitat in meinem Post. Ich halte immer mehr von Freuds Theorien und Metaphern, je mehr ich von "Psycho" zu verstehen beginne, oder verstehen zu beginnen glaube. Ohne die Waffe "Selbstmord" wäre ich in meinem Leben niemals weiter gekommen. :roll:
Kampf !

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » So 10. Apr 2011, 18:59

Ich frage mich nur, warum man mir nicht damals, als mich mein Vater dazu zwang mich in der Klapse "untersuchen" zu lassen, sofort die Frührente (als Versichertenrente) gewährte. Da hätte man doch bloß damals schon eine geeignete Diagnose stellen müssen, dann wäre der existenzielle Druck, unter den mein Altvorderer mich gesetzt hatte (Angst vor Wehrdienst, Ausbildung und Arbeitenmüssen trotz Ichstörung und schwerer Sozialphobie) auf einen Schlag weg gewesen. Stattdessen sagten die ich solle meinen Vater selber anzeigen, ohne Beweise, ohne Zeugen und, aufgrund der existenziell ängstigenden Zwangslage auch ohne die Fähigkeit, mich überhaupt an meine Kindheit zu erinnern.

Man stellte mir nicht mal geeignete Fragen, stattdessen wurde ich von fremden Kittelträgern umzingelt und erneut in eine existenziell ängstigende Zwangslage hineingetrieben: Meinen eigenen Vater anzeigen müssen, also denjenigen, der mich erst in die Klapse gebracht hatte, auf eigene Faust anzeigen ohne genau zu wissen warum, ohne Vertrauen in die Ärzte und ohne Aussicht auf Erfolg, zumindest aus meiner damaligen Perspektive - oder in den sicheren Suizid entlassen werden !

Oder konnte man mir die Frührente damals nicht als Versichertenrente gewähren, weil ich bei demselben Vater damals noch mitversichert war ? Dieser also als Versichterer selber die Behandlung hätte zahlen müssen, als Schadensverursacher ? Aber was kann denn das Kind da dafür ??? Das kapiere ich bis heute nicht.

Mittlerweile, da ich durch die einstweilige Frührente etwas zur Ruhe kommen konnte, sind mir einige visionäre "Erinnerungsfragmente" an meine sehr frühe Kindheit gekommen, von denen ich alleine aber natürlich nicht wissen kann ob das nicht teilweise oder sogar alles "false memories" sind. Außerdem kann ich nicht ermessen wo nach heutigen oder damaligen (Ende der 60´er Jahre) Maßstäben die Grenze zur sogenannten Kindesmisshandlung (Strafgesetz) oder zum sog. tätlichen Angriff (Opferentschädigungsgesetz) liegt. Des weiteren kann ich mich auf meine Familienmitglieder als Belastungszeugen nicht verlasen, weil alle in die Angelegenheit selbst verstrickt sind, wenngleich aus jeweils ganz unteschiedlichen Gründen, und es außerdem außer dem Täter selbst (meinem Vater) gar keine direkten Augenzeugen gab bzw. nur Zeugen, die lediglich einen Teil mitgekriegt haben oder überhaupt nur die mündlichen Teilgeständnisse vom Täter selber kennen.

Es geht dabei zudem ausnahmslos um Taten, die man als arglosen Übermut, Dummheit oder allgemeines Züchtigungsrecht darstellen könnte, und die vom Täter auch so aufgefasst werden: Z.B. mich als Dreijährigen, gegen die ausdrücklichen Warnungen und Verbote der Mutter, im Morgengrauen aus dem gemeinsamen Kinderzimmer mit meiner Zwillingssschwester holen, mit ins Gebirge zum "Begsteigen" mitnehmen, dort jauchzend über einen schwindelnden Abgrund halten, mich danach in ein großes Vogelhaus stundenlang als "Strafe wegen unmännlicher Ängstlichkeit" einsperren, dann wieder ins Kinderzimmer werfen, mich zur "Beruhigung" immer wieder, über Jahre hinweg, gemeinsam mit meiner Zwillingssschwester in den Kleiderschrank, die Wohnzimmerkommode oder das Besenkämmerchen einsperren, erst rauslassen wenn wir still sind und dann beim Öffnen der Tür anschreien, und meinem älteren Bruder den Aufrtag geben, es ebenso zu machen wenn die Mutter nicht zuhause ist. Das Ganze wurde vor der Mutter weitestmöglich geheim gehalten, lediglich dass mein Vater mich mehrmals nachts aus dem Zimmer zum Bergsteigen entführte gab er später zu. Dass mein Bruder seine Geschwister immer in den Schrank sperrte weil er dies vom Vater so aufgetragen bekommen hatte, fand meine Mutter nur durch einen Zufall irgendwann heraus. Ferner wurde ich mindestens dreimal vom Vater ohnmächtig geschlagen, bevor ich vier war. Das meiste dieser "Tatsachen" (?) habe ich durch eine Kombination aus visionären Erinnerungsfragmentenw während nächtlicher Albträume...

Shit, ich höre gerade dass das Intenetcafé schließt...
Zuletzt geändert von submarine am Di 12. Apr 2011, 19:04, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon Remedias » So 10. Apr 2011, 19:47

Hallo submarine,
deine Kindheit hört sich ja bescheiden an;
aber das war so in den Sechzigern/Siebzigern,
meine Eltern waren noch harmlos,
aber ich musste wegen einer Lungengeschichte in ein Heim mit zehn Jahren
und was da mit den kranken Kindern geschah
war misshandlung:
Nachts im Nachthemd auf den kalten Stein knien als Strafe fürs Schwätzen.
Früher wurde viel misshandelt.

liebe Grüße Remedias

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Re: krasseste diagnose wo gibt ?

Beitragvon submarine » Di 12. Apr 2011, 20:13

Hallo
das war so in den Sechzigern/Siebzigern
hm, naja... :-k
Wie auch immer, ich hab letztes Mal nur einen Teil geschrieben, ich war gerade mitten drin als das Internentcafé zumachte, ich wusste nicht dass die am Sonntag früher schließen.

Das Entscheidende waren wohl nicht nur die Misshandlungen, sondern eine Kombination aus mehreren Faktoren.

Da war einmal das Heimliche, also die Tatsache dass meine Mutter das alles zunächst gar nicht mitkriegte und sich nur wunderte dass ich auf ihre Zuwendungsversuche so seltsam reagierte. Diese Heimlichkeit der väterlichen Misshandlungen trieb einen Keil zwischen mich und meine Mutter. Ich hatte Angst vor meiner eigenen Mutter, aber ich konnte mich aus mehreren Gründen (die ich erst heute zu verstehen beginne) nicht erinnern wo diese Angst herkam, und das machte mir natürlich erst recht noch mehr Angst.

Dann die Tatsache dass mit mir niemand richtig redete, ich bekam alles nur indirekt mit, durch gelegentliche, aus jedem Zusammenhang gerissene, schwammige, für mich bis vor wenigen Jahren völlig rätselhafte Andeutungen aus ihrem Mund, komische Fragen, durch die angelehnte Türe zufällig durchgehörte Gesprächsfetzen zwischen meinen Eltern usw., alles Dinge auf die ich erst in den letzten Jahren begonnen habe mir einen Reim zu machen.

Der Mangel an richtiger Kommunikation mit mir führte dazu, dass ich alles auf mich bezog, mich schämte und Angst bekam. Und das dauernde Eingesperrtwerden mit der anhnungslosen, impulsiven Zwillingssschwester hatte zur Folge, dass ich erst recht immer wieder alles abspalten musste woran ich mich sonst vielleicht hätte erinnern können. Meine Schwester empfand das alles gar nicht als so schlimm, sondern machte im Gegenteil eine Art Spiel daraus, trieb mich immer wieder in ihre Späße und Ausgelassenheit hinein und guckte dabei zu, wie ich dann dafür geohrfeigt wurde. Sie konnte nicht ahnen wie es ist, als Dreijähriger mit dem siebenjährigen großen Bruder verglichen zu werden und zugleich für das Temperament der Zwillingsschwester, der man nicht entkommt, verantwortlich gemacht zu werden.

Das schlimmste aber war, dass meine Mutter selber ein schweres Kindheitstrauma hatte (Vater an der Ostfront gefallen, Kindheit in Bombenkellern, Heimatvertreibung und lange Flucht, vielleicht auch Vergewaltigungen, was den kleinen Kindern natürlich nicht erzählt wurde) und daher eine panische Angst vor dem Kinderarzt, weil sie unbedingt vermeiden wollte dass ein Psychologe in die Familie hineinkommt. Sie fürchtete dass der dann auch sie untersuchen würde, und sie wusste dass Psychologen so ein Trauma immer noch schlimmer machen, weil eine ihrer Schwestern damals eine psychologische Behandlung versucht hatte und damit ein Drama erlebte. Damals kannte man sich mit Traumabehandlungen ja auch noch nicht so aus wie heute, zudem waren meine Eltern mit ihren drei Kindern ziemlich arm und so hätte sich die Mutter nur eine Kassen-Behandlung leisten können.

Es war also abgemachte Sache unter den Eltern dass man nichts dem Kinderarzt erzählte, was ich aber erst seit kurzem allmählich zu kapieren beginne. Man erzählte nichts von dem Unfall, als ich mit 18 Monaten meiner Mutter mit einem Gegenstand in ihr einziges noch funktionierendes Auge stach, nichts von der Tatsache dass ich nach einer der Misshandlungen durch meinen Vater nicht mehr sprechen konnte und ich meine Mutter nur noch wie schockgefrostet anstarrte, nichts davon dass meine Mutter mich deswegen immer wieder schüttelte und kitzelte, bis ich mich endgültig aufspaltete und eine Art schizotype Satellitenstruktur entwickelte, damit sie sich einbilden konnte ich würde wieder sprechen, und endlich damit aufhört mich zu verniedlichen, zu schütteln und zu kitzeln.

Nichts wurde erzählt von meiner ererbten Sehachsenstörung, die bei meinem großen Bruder operiert wurde und bei mir geheimgehalten wurde. Nichts von meiner Phimose, die ich mir schmerzhaft selber wegmachen musste und auch nichts von meinem Bettnässen als größeres Kind, was zu so bohrenden Fragen, Vorwürfen, nächtlichen Heimsuchungen durch meinen Vater und Misshandlungen durch meine Mutter führte, dass ich es schließlich irgendwie zu unterdrücken lernte. Und auch nichts von meinen Suiziddrohungen als Dreizehnjähriger, die von meiner Mutter mit schallendem Gelächter quittiert wurden.

Was ich aber am allerwenigsten verstehe, ist, warum mir weder der Therapeut, zu dem ich als Siebzehnjähriger aus Angst vor dem Wehrdienst und vor den "Rauswurf"-Drohungen meines Vaters heimlich ging, irgendwelche derartigen möglichen Zusammenhänge erläuterte, noch die Ärzte in den Psychiatrien und die Mitarbeiter auf der Reha. Stattdessen erzählte man mir abstruse Theorien von einem mysteriösen Neurotizismus, von vorgeburtlicher Traumatisierung durch die Zwillingsschwester, blödsinnige Märchen von bösen Neurotransmittern, magischen genetischen Dispositionen (die aber noch kein Mensch je gesehen hat), man machte mir weis dass man meine Neuroleptika-Dosis erhöhen müsse wenn ich nicht zu allem Ja und Amen sage, dass mich meine Eltern überhaupt nichts angehen und dass ich letztlich ja sowieso paranoid sei. Dass es sowas wie Frührente für Leute wie mich überhaupt gibt, erfuhr ich erst vor einigen Jahren, ganz zufällig von einem flüchtigen Bekannten. Die Leute die mich jahrzehntelang behandelten, sagten mir davon nichts. Nie.

Im Gegenteil wurde mir, als ich um die Rente kämpfte, gesagt, ich sei ein "Betrüger", man versuchte mir erneut Neuroleptika zu verschreiben, nachdem ich Jahre gebraucht hatte um von dem Zeug auf eigene Faust dauerhaft loszukommen, man versuchte von allen erdenklichen Seiten mir abermals eine Psychotherapie aufs Auge zu drücken, meine ganzen Probleme als "Schüchternheit" zu bagatellisieren und den zermürbenden, krank machenden Arbeits- und Sozialzwang einfach zu belassen wie er ist. Das einzige was einen gewissen Eindruck zu machen schien war die Tasache, dass ich aus meiner minutiösen Suizidvorbereitung keinen Hehl machte, erkennbar bereit war, meinen Job, meine Wohnung und meine lächerlichen Ersparnisse zu verlieren und immer wieder klar machte, dass ich jeden anzeige der mir widerrechtlich nicht hilft, dass ich alle Wohlfahrtsverbände, alle Ärzte und auch meine Familie entweder vor Gericht bringe oder absteche wenn man mir keine andere Wahl lässt. Die haben alle nur darauf gewartet dass ich endlich was sage, weswegen sie die Polizei und die Männer in den weißen Turnschuhe hätten rufen können, aber den Gefallen tat ich ihnen nicht. Irgendwann durchschaut man das dreckige Spiel. Sympathischer wird es dadurch aber nicht. =;


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