diagnoseverfahren schizoid unklar

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struppi
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diagnoseverfahren schizoid unklar

Beitragvon struppi » Di 26. Okt 2010, 16:40

Hallo,
wurde mit psychosomatischer Schmerzstörung in die Reha überwiesen. Dort habe ich in der 1. Woche Fragebögen ausgefüllt, die mir völlig unspezifisch vorkamen.
Obwohl ich im telefonischen Vorinterview, im Fragebogen sowie im Lebensbericht angab, Gewalterfahrungen gehabt zu haben, hiess es von der Therapeutin, ich hätte gar keine erlebt und die wahre Ursache für meine Beschwerden sei meine Arbeitslosigkeit, denn sie wüßte aus Erfahrung, dass Arbeitslose mit ihrer Zeit nichts sinnvolles anzufangen wissen und es ihnen an Bildung mangele (habe 2 Diplome). Dabei hatte ich ihr aber erzählt, dass ich a) meinen Beruf weiter ehrenamtlich ausübe und b) die Reha extra so gelegt habe, dass sie mit Auslaufen der befristeten Stelle beginnt, um möglichst wenig zu versäumen.

In der letzten Woche habe ich dann einen Fragebogen ausgefüllt, in dem das Verhalten meiner Eltern und meine Reaktion darauf im Alter von 10 - 12 abgefragt wurde. Ich beantwortete die meisten mit "unterwürfig". In meine Antworten floss viel von den Erfahrungen der ersten 5 Reha-Wochen ein, in denen absoluter Gehorsam gefordert wurde, zu Beginn wären sie sicher anders ausgefallen.
Nun habe ich die Diagnose "schizoide Persönlichkeitsstörung".
???
- Warum ist nur das Verhalten im Alter von 10 -12 ausschlaggebend, spielen die folgenden 30 Jahre keine Rolle?
- Wieso ist Unterwürfigkeit typisch für schizoide PS und nicht für dependente/depressive?
- Als Begründung wurde auch mein Schutzwillen angeführt. Wieso darf man sich nicht schützen? Zwei Therapeutinnen hatten mir vorgeworfen, dass ich mich nicht schützen konnte während der Gewalterfahrungen, ich gebe selbstkritisch zu, dass ich das nicht kann und prompt habe ich eine Persönlichkeitsstörung?
- Ich hätte kein Interesse an sozialen Kontakten und das wäre typisch. Dabei habe ich jedes Wochenende dort angeboten, gemeinsam mit anderen etwas zu unternehmen bzw. war fast jeden Abend im Gruppenraum (nur waren die Interessen, Altersklassen, Sozialisation doch sehr unterschiedlich, so dass sich kaum Gemeinsamkeiten ergaben. Strickmuster und Torte essen waren nicht mein Ding, Wandern und Sport nicht das der anderen.)

Danke für Feedback,
struppi

sky
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Re: diagnoseverfahren schizoid unklar

Beitragvon sky » Di 26. Okt 2010, 19:46

hallo struppi,

ich würde mal sagen, wenn jemand hinkt und der arzt ihm sagt, daß er hinkt, dann soll er doch einfach aufhören zu hinken, wenn er der überzeugung ist, daß er nicht hinkt.

viele grüße, sky
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struppi
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Re: diagnoseverfahren schizoid unklar

Beitragvon struppi » Mi 27. Okt 2010, 13:46

Nur, dass der vermeintlich Hinkende vielleicht Zahnschmerzen hat und immer noch keine HIlfe...

struppi
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Re: diagnoseverfahren schizoid unklar

Beitragvon struppi » Do 28. Okt 2010, 16:52

Hast Du jetzt was zu wörtlich genommen? Der "Zahnwehkranke" kann ja nicht zum Zahnarzt, weil er ja angeblich hinkt und schon vergeblich beim "Hinkearzt" war, der aber laut Diagnose angeblich zuständig wäre.
Auch war mein Ausgangsproblem, dass ich der Meinung bin, meine schizoiden Verhaltensweisen wurden mir erst während der Therapie antrainiert. Was soll es sonst sein, wenn man sich die Empathie wegmeditieren soll? Clearing?

Ambra
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Re: diagnoseverfahren schizoid unklar

Beitragvon Ambra » Mi 3. Nov 2010, 01:28

Hallo Struppi,

habe Dir eben in einem anderen Strang geantwortet.

Zu dem hier angesprochenen Problem: Hast Du mal in der einschlägigen Literatur oder im Internet unter "schizoide Persönlichkeitsstörung" nachgesehen, ob die dort genannten Merkmale vielleicht auf dich passen?

Habe ich kürzlich getan - Bingo! Ich würde seither keinem widersprechen, der mir nahebringen wollte, ich sei schizoid. (Ist doch nichts Despektierliches, vielmehr: Ist die Ursache der eigenen Problematik erst einmal erkannt, lässt sich ja vielleicht das eine oder andere ändern, nicht wahr?)

Ich glaube übrigens nicht, dass sich Schizoidie antrainieren lässt - die bekommt man wohl eher in die Wiege gelegt.

Dass man Sozialkontakte in der von Dir geschilderten Weise hat, steht nach meiner Auffassung nicht im Widerspruch zur schizoiden Persönlichkeitsstörung. Wieviele wirklich intensive Sozialkontakte, also echte Freundschaften hast Du? (Diese Frage sollst Du nur Dir selbst beantworten, nicht etwa mir - wer wäre ich!) Damit sind Personen gemeint, denen Du absolutes Vertrauen entgegen bringst. Eine, zwei? Oder etwa gar keine, weil Du von Natur aus gegenüber der Aufrichtigkeit anderer misstrauisch bist?


Gruß
Ambra

struppi
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Re: diagnoseverfahren schizoid unklar

Beitragvon struppi » Di 16. Nov 2010, 12:20

Hallo ambra,
will nicht widersprechen wegen Stigmatisierung, sondern weil Behandlung nicht passt, wenns nicht stimmt und am eigentlichen Problem vorbeigeredet wird.
Sozialkontakte? Ich finde den Fragebogen "würden Sie ihrem Nachbarn den Schlüssel zum Blumengiessen geben?", voll daneben. Einem friedlichen in einer Villengegend jederzeit (da wo die Ärzte wohnen, die einen so etwas fragen), meinem ehem. Nachbarn, der zwei Kinder missbraucht hat, nicht. Ach wie bin ich doch misstrauisch und behindertenfeindlich. Aber Ökonomie spielt keine Rolle und Entspannung funktioniert umgebungsunabhängig, sagte die Oberärztin, setze sich in ihren BMW und brauste davon.


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