Psychose vs. Asperger Syndrom

Hier können Sie sich austauschen zu allen speziellen Fragen und Unklarheiten in Diagnostik und Differentialdiagnostik, über ICD-10, DSM-IV, Tests, Interviews, Fragebögen etc.
Jonas
Beiträge: 292
Registriert: So 11. Sep 2005, 09:39
Wohnort: Im dunklen Forst

Beitragvon Jonas » Mo 1. Jan 2007, 02:59

Das Problem bei Asperger-Syndrom ist das, dass es bei deutschen Psychiatern praktisch unbekannt ist - und wenn sie es kennen, dann beziehen sie es automatisch auf Kinder, nicht auf Erwachsene. Um das also abzuklären, müsstest Du Dich an einen Asperger-/Autismus-Spezialisten wenden.

Problematisch ist ferner, dass die Asperger-Symptomatik sich praktisch kaum unterscheidet von der sog. Schizotypen Störung (so eine Art "Schizophrenie light") bzw. der "Schizoiden Persönlichkeitsstörung" (und einige Forscher halten diese drei Diagnosen ohnehin für ein- und dasselbe). Das einzig wirklich Typische, was Asperger von diesen anderen beiden Diagnosen unterscheidet, sind die seit der Kindheit bestehenden, obsessiv betriebenen "Spezialinteressen", also das Vernarrtsein in irgendwelche, auf die Umwelt oft merkwürdig, unverständlich und bei Kindern nicht altersgemäß wirkende Hobbys, häufig z.B. mathematischer Art. Der typische Asperger-Beruf ist der des Programmierers - den ganzen Tag vertieft in das Erstellen von Strukturen, logischen Programmabläufen usw. (bei eben gleichzeitig bestehenden Kontakt- und Kommunikationsstörungen). Asperger-betroffene Kinder fallen eben vor allem dadurch auf, dass sie keinen Kontakt zu anderen Kindern suchen, sich stattdessen viel lieber Tag für Tag von früh bis spät ihren "komischen" Interessen/Hobbys widmen.

Wenn sich bei Dir also solche Spezialinteressen finden, dann würde ich das wirklich mal von einem Autismus-Spezialisten abklären lassen, bevor Du aufgrund der Fehldiagnose Schizophrenie unnötigerweise auf eine Dauermedikation gesetzt wirst. Fehlen diese Spezialinteressen andererseits, dann wird die Diagnose schon schwieriger, denn auch viele junger Männer z.B., die im frühen Erwachsenenalter eine Schizophrenie kriegen, zeigen schon in der Jugend die gleiche autistische Introvertheit, wie eben Asperger-Betroffene ...

Eine Übersicht über auf Autismus spezialisierte Ärzte bzw. Kliniken/Zentren findest Du z.B. auf www.aspies.de
http://www.eigener-planet.de/

Jonas
Beiträge: 292
Registriert: So 11. Sep 2005, 09:39
Wohnort: Im dunklen Forst

Beitragvon Jonas » Mi 3. Jan 2007, 04:13

Roddick hat geschrieben:... Ich hab mühe mich abzugrenzen, die Gefühle anderer können mich enorm mitnehmen. ist das auch bei schizophrenen so?
Hallo Roddick,

nun, dass ist erst einmal bei Dir, Roddick, so, und dann bei allen anderen sensiblen Menschen auch :-) Krank ist so etwas nicht. Schizophren (akut) wäre es, wenn Du davon überzeugt wärst, Du könntest z.B. die Gefühle und Gedanken anderer steuern, oder Deine eigenen Gefühle und Gedanken würden umgekehrt von außen gesteuert, eingegeben, kontrolliert.

Ich kann niemandem eine Diagnose stellen und will das auch gar nicht, ich bin weder Psychiater noch Therapeut. Was hat Dich denn überhaupt in Behandlung gebracht, welche Probleme mit Dir selbst und anderen? Wie kam es zu der jetzigen Diagnose?

Ich war als Kind auch völlig versessen auf Geographie. Ich habe zusammengerechnet so viele Jahre über Karten und Atlanten verbracht, dass ich bis heute jede Stadt auf dieser Welt sofort lokalisieren kann, wenn ich nur den Namen höre :-)

LG

Jonas
http://www.eigener-planet.de/


Zurück zu „Diagnostik und Differentialdiagnostik“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast