Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Hier ist Platz für alle speziellen Fragen und Beiträge zum Thema Psychotherapie
mamschgerl
Beiträge: 1104
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon mamschgerl » So 30. Sep 2018, 15:54

...übrigens schließe ich mich Laura an, nur in meiner auf des Trolls geschriebenen Texte üblichen Art:
mit dem schlafenden und schnarchenden smiley, der leider nicht mehr bei mir anzeigt wird... :shock:

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon Laura » Di 2. Okt 2018, 12:26

gelöscht, liegt's an der neuen Forensoftware oder am Comper, dass bei immer was hängt, wenn ich z. B. einen Beitrag abschicken will?
Zuletzt geändert von Laura am Di 2. Okt 2018, 13:24, insgesamt 3-mal geändert.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon Laura » Di 2. Okt 2018, 13:05

Ja ja, lauter geile Groupies, die fluuu an die Wäsche gehen wollen...das wäre ihm wohl lieber als sich vor lauter Selbstheilungseifer Arthrose in den Handgelenken einzuhandeln...Unbeliebtheit tut ihm gut, das sagt ja vor allem er selber, also lieber nicht zu früh freuen, dass er nicht schon bald wieder hier auf der Matte stehen könnte. Aufdringlich sind wir ja wohl wahrlich nicht ihm gegenüber, aber wenn er uns denn so zuwider findet in unserer angeblichen Aufdringlichkeit, so hat er doch bisher alles daran gesetzt, dass ihm diese "Aufdringlichkeit" auch ja nicht entgeht. lol, er drängt seit Jahr und Tag aller Welt seine Homepage, seine E-Mail-Adresse, seine Handynummer und seine Adresse (wenn es denn wirklich seine Adresse ist) nur so auf und keine Sau meldet sich bei ihm! :mrgreen:
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon Laura » Di 2. Okt 2018, 15:14

Hallo irgendsojemand und mamschgerl!

Ihr habt ja netterweise nachgefragt, warum ich denke, dass andere denken, dass meine Probleme nur Pille-Palle seien. So ganz ausführlich möchte ich da nicht drauf antworten, weil sonst wieder nur zuviel von meinem angestauten Ärger hochkommen würde.

Aber wenigstens so viel zu dem angesprochenen Thema: Ich glaube, angefangen hat das bei meinem Eltern, denen einfach nichts zu meinen kindlichen Problemen einfiel oder zumindest nichts Sinnvolles und sie diese daher als Nichtigkeiten abtaten, wobei ich als Kind aber spürte, dass meine Mutter auch so ihre argen Probleme mit ihren Mitmenschen hatte und da auch keinen Rat für sich wusste.


Was professionelle Helfer angeht, so habe ich im engeren Sinne von Psychotherapeuten eigentlich nur zwei erlebt und von denen hat mich der eine doch wenigstens ernst genommen. Die spätere Psychotherapeutin hatte einfach nur eine schlecht laufende Praxis, weil sie eine schlechte Therapeutin war, hatte mich "gnädigerweise" als Klientin aufgenommen und wollte halt einfach nur Geld von der Krankenkasse, was ja nicht mehr von ihrer Leistung abhing, sobald ihr ein Klient ins Netz gegangen war.

Wenn ich sage, dass ich häufig von professionellen Helfern abgewimmelt werde, weil ihnen meine Probleme nicht spektakulär genug erscheinen, dann bezieht sich das eher auf Mitarbeiter in ambulanten "Massenbetrieben" wie z. b. dem telefonischen Krisendienst meiner Stadt. Und die schlechten unter ihnen scheinen es nur so darauf anzulegen, dass ein Anrufer nach dem anderen irgendwann nur noch auflegt, sobald einer dieser schlechten Mitarbeiter sich am Telefon meldet. Dann bekommen sie ihr Geld in gemütlicher Heimarbeit, ganz ohne so 'nem "doofen Psycho" zuhören zu müssen. Dann können sie ja immer noch sagen, die Anrufer würden sich ja nur nicht nicht helfen lassen wollen....

Deren Wortlaut bezüglich meiner angesprochenen Probleme ist natürlich nicht "Pille-Palle", sondern eher "Deswegen müssen sie doch nicht hier anrufen!" oder aber auch "Ich habe das Gefühl, sie wollen mich verarschen".

Tja, zum Teil ist es aber auch einfach nur mein persönliches Pech, dass sich meine chronisch schlechte Gemütsverfassung nicht so deutlich in meinem Gesichtsausdruck oder auch in meiner Stimmer niederschlägt. Ich will aber dennoch nicht mit Ratschlägen bombardiert werden, schon gar nicht mit welchen, die sowieso nicht hinhauen. Und wenn ich denn über meine spektakuläreren Probleme reden wollte, so wäre es auch nur mein persönliches Pech, dass mir diese nicht geglaubt werden. Aber es gibt immer noch verdammt viele professionelle Helfer, die ihre Aufgabe so auffassen, dass sie nun mal Ratschläge geben müssten, um helfen zu können und die Klienten diese Ratschläge befolgen müssten, damit alles wieder paletti ist. Ich könnte es ja beispielsweise mit Sport versuchen oder mir eine schöne CD auflegen...

Ansonsten geht es ja auch nicht so sehr um "konkrete Probleme" und "konkrete Situationen", sondern um das konstant schlechte Lebensgefühl. Man kann "Pille-Palle" ja benutzen, um überhaupt ein persönliches Gespräch zu bekommen. Aber ausgerechnet den Nullen ist das halt nicht gut genug. Die warten nur darauf, dass da endlich mal jemand anruft, dem sie einen Rettungswagen vorbeischicken können. Und dem hätten sie dann das Leben gerettet, ebenfalls ohne sich mit dessen "Pille-Palle" befassen zu müssen.


Besser als Scheiße ist ja auch irgendwie alles andere....
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
Beiträge: 1104
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon mamschgerl » Di 2. Okt 2018, 16:13

Tja, mit dem Lebensgefühl, welches eigentlich im herkömmlichen Sinne keins ist, ist das so eine Sache...das hat bis jetzt keiner von den Ärzten oder Therapeuten verstanden und aus diesem Grunde, denke ich, waren sie genervt, eben weil sie das nicht verstanden haben.
Aber, Laura, mich nervst du nicht :mrgreen:
Ich glaube zwar nicht, daß wir ähnliche Lebenserfahrungen haben, aber eins denke ich schon, daß das Verständnis für den anderen schon vorhanden ist ( hoffe ich doch...).
Übrigens: am Donnerstag treffe ich wieder meine alte Therapeutin, weil ich noch einen Abschlußbefund will. Sie braucht aber dafür meine KK-Karte, damit sie den in Revhnung stellen kann, sonst müsste ich dafür privat bezahlen, nett, oder? Aber was ich erzählen wollte, war eigentlich was anderes...bei dem Telefonat liefen mir wie auf Knopfdruck die Tränen aus den Augen, ich kam mir wieder völlig hilflos, klein und unnütz vor. Was sagt das über den Erfolg oder Mißerfolg der Therapie aus?
Auf eure Meinungen bin ich gespannt.
L.G. mamschgerl

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon irgendsojemand » Mi 3. Okt 2018, 16:01

Was sagt das über den Erfolg oder Mißerfolg der Therapie aus?
Auf eure Meinungen bin ich gespannt.
L.G. mamschgerl
...hm... dann ist das wohl nicht so toll gelaufen....

@Laura: bei mir hängt die Technik auch, wenn ich Texte bearbeiten will... geht nur von Zeit zu Zeit
Falls du etwas davon raus lassen magst - was war denn z.B. so ein Pillepalle Thema für einen Therapeuten?

...ich habe gestern Abend zum ersten Mal in meinem Leben ein Schlafmittel genommen. Zopiclon.
Ich glaube, mein Hirn reagiert irgendwie auf manche Stoffe nicht so dolle :-(
Ich habe es eine Stunde vorm ins Bett gehen genommen. Hab gar nichts davon bemerkt. Bin aber gut eingeschlafen. Allerdings war ich nach drei Stunden wieder wach... so ein Rotz. Dann hab ich die zweite Hälte der Tablette genommen (hatte aus Angst es erstmal mit 1/2 probiert) und schlief wieder für 2, 3 Stunden. Und dann war wieder wach angesagt :-(

mamschgerl
Beiträge: 1104
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon mamschgerl » Do 4. Okt 2018, 08:10

@irgendsojemand
Hm, diesen Rhythmus habe ich auch ohne Schlaftabletten, alle 2 bis 3 Stunden wache ich auf :shock:
In puncto Therapie gebe ich dir recht, da ist was nicht so doll gelaufen...die letzten Stunden haben übrigens fast nur noch tiefe Niedergeschlagenheit und Trübsinn hervorgerufen, weswegen ich dann die Therapie ja auch beendet habe, nach übrigens fast 4 Jahren...wobei ich betonen möchte, daß von der menschlichen Seite das ganze ziemlich in Ordnung war, nur eben vom therapeutischen Standpunkt betrachtet nur Verschlechterung brachte. Schade drum...ich hoffe nur, daß ich mich heute Mittag emotional etwas unter Kontrolle habe...

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon irgendsojemand » Do 4. Okt 2018, 17:54

weswegen ich dann die Therapie ja auch beendet habe, nach übrigens fast 4 Jahren...wobei ich betonen möchte, daß von der menschlichen Seite das ganze ziemlich in Ordnung war, nur eben vom therapeutischen Standpunkt betrachtet nur Verschlechterung brachte. Schade drum
Oh, das ist übel, und dann auch noch so eine lange Zeit...
Bei mir waren es auch über 3 Jahre.

Und auch bei mir war es manchmal menschlich eigentlich in Ordnung. Ich glaube keinesfalls, dass der Thera ein "böser" Mensch war. Nein, eigentlich war er wirklich ein ganz liebenswerter. Glaube ich. Aber vielleicht stimmt das auch nicht. Das ist ja mit der Rotz, dass ich jetzt viel weniger als früher weiß, was ich von anderen Menschen halten soll.
Aber ich glaube auch, dass der Thera einfach als Mensch überreagiert hat teilweise, so wie er es als Therapeut nicht hätte machen sollen. Auch aus seinen eigenen Anteilen wo er selbst speziell war. Z.B. auf Kritik ziemlich angedröselt zu reagieren und manchmal sehr überzeugt von sich zu sein. Und dann irgendwie auch wieder gar nicht überzeugt von sich. Glaube ich. Keine Ahnung.
Und dann halt noch die abgedrehte Methode.
Manchmal denke ich, wenn es eine ganz normale Therapie gewesen wäre, dann hätte da etwas ganz tolles bei rauskommen können. Dann wäre es vielleicht gar nicht so eskaliert. Auf der istdp homepage steht, die Therapie wäre sehr schwierig, weil sie auch dem Therapeuten gnadenlos den Spiegel vor die Nase hält.

mamschgerl
Beiträge: 1104
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon mamschgerl » Do 4. Okt 2018, 18:54

Na super...und dann geht man damit auf die Patienten los...aber das finde ich jetzt interessant, daß du schreibst, du wüsstest so gar nicht mehr die Menschen einzuschätzen, das Gefühl dafür habe ich auch fast verloren, dabei war das früher eher eine meiner Stärken...die Therapie, die Medikamente, die Klinikaufenthalte, die vielen Ärzte und Therapeuten, die haben mich schon ganz schön durcheinandergebracht und ziemlich verunsichert...irgendwann habe ich auch das eigene Urteilsvermögen in Frage gestellt, das fand ich ganz schön heftig. Wenn einem ständig vorgehalten wird, daß alle Reaktionen und Befindlichkeiten auf die Diagnosen zurückzuführen seien bzw diese nur bestätigten, da glaubt man am Ende, man bestehe nur noch aus psychischen Störungen...aber ich denke, ich habe noch rechtzeitig die Kurve gekriegt, immerhin gibt's da noch diesen Trotzkopf in mir, der sich einfach weigert, sich auf die Krankheiten reduzieren zu lassen, schließlich bin ich selbst auch noch da.
Heute war ich ja bei meiner ehemaligen Therapeutin...und es kam genauso, wie ich befürchtet habe: kaum, daß sie mich nach meinem Befinden gefragt hatte, strömten die Tränen nur so aus mir raus, ich war danach richtig sauer auf mich, weil ich mich so gar nicht unter Kontrolle habe...da hilft das Wissen, daß es sich hierbei um ein typisches Symptom handelt, auch nicht weiter...egal, das ist jetzt nun mal so...

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon irgendsojemand » Do 4. Okt 2018, 20:30

irgendwann habe ich auch das eigene Urteilsvermögen in Frage gestellt, das fand ich ganz schön heftig. Wenn einem ständig vorgehalten wird, daß alle Reaktionen und Befindlichkeiten auf die Diagnosen zurückzuführen seien bzw diese nur bestätigten, da glaubt man am Ende, man bestehe nur noch aus psychischen Störungen...aber ich denke, ich habe noch rechtzeitig die Kurve gekriegt
Ja, finde ich auch! Ich unterschreibe, dass ich durch die Therapie ziemlich verloren habe, auf mich selbst zu vertrauen, meiner Wahrnehmung.
Und das empfinde ich auch als ziemlich "groß". Das ist, als wenn ein ganz gewichtiger Teil von einem selbst auf einmal weg ist und übrig bleibt was weiß ich was. Manchmal frage ich mich, ob das überhaupt noch ich bin... Aber auch hier: eigentlich weiß ich schon, was ich wahrnehme und eigentlich glaube ich es auch und das z.T. sogar sehr überzeugt. Und gleichzeit ist dieses ständig "ist es wirklich so? ja, ist es... ! echt?" Klingt vielleicht paradox, ist aber so. Das ist als wenn ich gezwungen werde ständig an allem und jedem zu zweifeln und das ist echt nicht gut!
So geht es mir aber erst seit der istdp Therapie. Aber die halten einem ja auch ständig die anscheinend falsche Wahrnehmung vor, eigentich finde ich es schon schier normal, dass es jetzt so ist, in vorigen Therapien ist mir sowas nicht ein einziges Mal gesagt worden, sondern sogar eher das Gegenteil.

Ich liege übrigens eigentlich auch meist richtig mit dem einschätzen von Menschen (früher auch) und auch, dass ich früh wahrnehme, wenn es jemandem z.B. schlecht geht. Oft schon, wenn andere das an diesem Menschen noch gar nicht bemerken.
Nur - jetzt frage ich mich ständig, ob das auch so stimmt. ...der andere könnte ja doch auf einmal "mutieren"... von nett zu nicht nett... von vertrauenswürdig zu nicht vertrauenswürdig.

Vor der Therapie habe ich weniger nachgedacht, aber irgendwie war ich mehr ich selbst, so ist mein Gefühl dazu. Und ich war um einiges zufriedener.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon Laura » Sa 6. Okt 2018, 12:41

Hallo irgendsojemand!

Du hast mich danach gefragt, dass ich mal ein Beispiel für so ein "Pille-Palle"-Thema nennen soll. O. k., ich schicke nochmals voran, dass mir das nicht mit einem ausgebildeten Psychotherapeuten passiert ist, sondern am Telefon bei einem telefonischen Krisendienst, in dem die Mitarbeiter hauptberuflich in der Psychiatrie oder Gemeindepsychiatrie arbeiten, meistens entweder als Sozialarbeiter oder Krankenpfleger.

Ich war einmal aus einer Begegnungsstätte zurückgekommen und hatte mich dabei mit einem anderen Besucher unterhalten, den ich vorher nicht gekannt hatte. Ich kam mit einem mulmigen Gefühl nachhause. Er hatte sich selber für die Heldentaten, die er angeblich vollbracht hatte beweihräuchert und noch andere Dinge aus seinem Leben erzählt, die nicht so ganz stimmen konnten. Vielleicht hatte er sogar darin gelogen, dass er beim Militär eine Kampfausbildung (nicht nur an der Waffe) erhalten hatte und nun selber Kampftrainer war. Er war bei alledem soweit sogar recht nett und ich wollte nach langer Zeit einfach mal wieder ein bisschen auf Englisch mit einem native speaker reden (er war Kanadier) und ich konnte ihm noch zu einem Büchlein verhelfen, damit er ein paar Standardsätze für Situationen wie beim Arzt oder an der Bushaltestelle etc. auf Deutsch lernen konnte, um während seines Aufenthalts in Deutschland besser zurechtzukommen.

Aber dass er halt so ein "fighter" war, selbst wenn er sagte, er würde seine Fähigkeiten nur dann zur Anwendung bringen, wenn es darum gehe, z. B. auf der Straße oder in der U-Bahn einen unschuldigen Wehrlosen vor den Angriffen eines aggressiven Täters zu schützen (z. B. einen Frau vor einem aggressiven Mann, durchaus auch vor dem aggressiven eigenen Ehemann) und dabei nur die Techniken anwenden, die nach deutschem Gesetz für eine Zivilperson zulässig seien, bekam ich auf einmal doch irgendwie Angst, dass er, wenn wir uns denn öfter über den Weg laufen würden, es ihm einfallen könnte, seine Kampfausbildung gegen mich zu richten. Also, diese Angst überkam mich einfach, die war halt da, auch noch als ich zuhause angekommen war. Vielleicht habe ich mir unnötig Sorgen gemacht und dieser Typ war eigentlich wirklich ein ganz Lieber (also ein fighter, auf auf der richtigen Seite). Aber wenn mich die Angst überkommt, dann überkommt mich halt die Angst, zumal so einiges aus seinen selbstschmeichlerischen Erzählungen nicht so ganz stimmen konnte.

Inmitten dieser Angst brauchte ich beruhigende Worte, rief den Krisendienst an, schilderte die frisch erlebte Situation, aber leider war ein sehr oberflächliches Madamchen am Apparat, das mir sagte, wegen solch einer Situation müsse ich doch nicht den Krisendienst anrufen.

Es hat noch ein paar andere solcher Situationen gegeben, auch bei Aufnahmegesprächen in der Psychiatrie ("Wegen sowas bekommen Sie schon eine Krise?!", dazu denke man sich einen gewollt spöttischen Blick von einem jungen und unerfahrenen Arzt, der in der Psychiatrie arbeiten darf, ohne überhaupt die Weiterbildung zum Psychiater abzuleisten, erzählt hatte ich von einer spöttischen Bemerkung eines Bekannten)

Was soll ich solchen Leuten denn bitteschön "bieten", wenn ich von meinen Problemen erzähle? Es ist unter professionellen Helfern bekannt, dass die Verletzlichkeit bei Psychotikern (und anderen psychisch Erkrankten) erhöht ist, aber wenn sie mal mit erhöhter Verletzlichkeit konfrontiert werden, wie sie auch durch banale Alltagssituationen hervorgerufen werden kann, ist die Angst uninteressant, weil die Situation, durch die sie hervorgerufen wurde, uninteresssant ist)

Muss jetzt hier am Comper Schluss machen.

Euch ein schönes Wochenende

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

mamschgerl
Beiträge: 1104
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon mamschgerl » Sa 6. Okt 2018, 14:29

@Laura,
wenn ein "normaler" Zeitgenosse, der nichts von den psychischen Problemen weiß, so reagiert, mag man das noch hinnehmen können. Wer kann auch schon nachvollziehen, daß so etwas wie bei dir Angstzustände hervorrufen kann? Wenn ich im Supermarkt mit Einkaufszettel vor den Regalen stehe und in Panik gerate, weil ich weder den Zettel verstehe geschweige denn, irgendetwas in den Regalen finden kann, dann versteht auch niemand, wieso man überhaupt a) das Geschriebene nicht verstehen noch b) etwas nicht finden kann bzw deswegen in Panik und Starre verfällt und zu allem Übel auch noch die Tränen fließen.
Aber ein Mensch, der für den psychiatrischen Notdienst arbeitet, der sollte sehr wohl wissen, daß aus einer Mücke ein Elefant entstehen kann oder schon entstanden ist und daß man alles dransetzen sollte, den wieder in eine Mücke umzuwandeln. Ein Armutszeugnis für diejenigen, die sich dir gegenüber so verhalten haben.
L.G. mamschgerl

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon irgendsojemand » Sa 6. Okt 2018, 16:31

@Laura, mamschgerl

Laura, das glaube ich dir, dass es gut möglich ist, dass bei solchen Themen so Reaktionen kamen, wie du sie erlebt hast.

Ich denke, irgendwo ist es auch menschlich, dass man Probleme (also vornehmlich die Probleme von anderen) bewertet. In schlimm, geht so oder pillepalle. Ich habe das auch gemacht und mache es auch heute noch, auch wenn ich nicht gut finde, dass ich das mache.

Aber ich sage mir auch immer, dass ich dazu eigentlich nicht das Recht habe. Denn nur weil es für mich selbst kein Problem ist, heißt das ja nicht, dass ein anderer nicht sehr darunter leidet. Ich leide ja nur nicht darunter, weil es eben kein Problem von mir ist.
Und gerade in der letzten Zeit leide ich selbst unter etwas, wo ich mich frage, ob mich das nicht bald in eine Klinik befördert oder zumindest in eine Krankschreibung, einfach weil ich es nicht mehr aushalte. Und ich bin mir sicher - da könnte es mir auch passieren, dass ein Therapeut zu mir sagt: Was!? Darum geht es ihnen so!?
Ja, tut es es, für mich ist es die Hölle.

Will sagen: diese Bewertungen finde ich menschlich. Aber es wäre schon schön, wenn einem bewusst ist, dass das nichts über den realen ( und bestimmt auch irgendwoher erklärbaren) Leidensdruch eines anderen aussagt.
Und wenn speziell Menschen, die beratend tätig sind, das nicht können... Puh... Schade auch... Dass das wütend macht, verstehe ich.

Ich kann dazu noch etwas erzählen:
Als Teenager schaute ich mal eine Talkschow an. Darin ging es um Ängste. Eine Frau erzählte von Agoraphobie. Ich weiß noch, dass ich mir dachte: "Die gehen nicht mehr aus dem Haus??? Warum das denn? Es passiert da draußen doch nichts! Der Himmerl fällt nicht runter, nichts passiert." - Nicht allzulange Zeit danach konnte ich es nachvollziehen, da es mich selbst erwischt hatte. Und prompt verstehst du es.

Und als ich ein einer Klinik war, gab es da eine Mitpatientin, die wirklich schlimmes erlebt hat.
Als ich davon das erste Mal hörte, wusste ich einfach gar nichts dazu sagen, so unfassbar war das, was sie erlebt hatte. Etwas, wo du dich fragst, wie ein Mensch das überhaupt durchstehen kann.
Und auf einmal kamen wir anderen uns ganz mickrig vor mit unseren Pillepalle Problemen. Ich finde, selbst die Thearpeuten haben diese Patientin anders behandelt als die anderen.
Man merkt ja schon, dass ich selbst es hier beim schreiben beurteile/bewerte. Und zwar in etwas schlimmes.
Und dennoch darf ich nicht vergessen, dass ganz unspektakuläres, scheinbar kleines, scheinbar nicht so brutales genauso schlimm sein kann... Es ist ja nur für den unspektakuär, dessen Problem es eben nicht ist und der nicht in der Haut und im Empfinden des anderes steckt.

Und weil es so Spaß macht, ruft bestimmt kaum jemand beim Nottelefon oder so an.

mamschgerl
Beiträge: 1104
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon mamschgerl » Sa 6. Okt 2018, 19:07

Ja, das stimmt schon...ich habe vor meinem Zusammenbruch auch einige "Problemchen" nicht verstehen können, obwohl ich sagen muß, daß ich seltsamerweise bei anderen den Leidensdruck sehr wohl gesehen und gespürt habe, trotzdem ich nicht verstehen konnte, daß die Ursache solche Nachwirkungen haben kann, was verständlich ist, wenn man sich selbst nichts davon zugesteht. Doch angesichts des Leidens konnte ich nie den Kopf darüber schütteln und für mich denken: 'was stellt der/die sich so an?' So habe ich immer nur bei mir gedacht und verständnislos über mich den Kopf geschüttelt, wenn ich mir mal erlaubt habe, Gedanken wegen Überforderung oder auch Ängste zuzulassen.
Witzigerweise haben andere mir diesen Zusammenbruch vorhergesagt, aber ich habe kleinere Anzeichen und mittlere depressive Phasen, Panikattacken und dissoziative Momente, heftige körperliche Symptome etc einfach ignoriert, weil ich sie eben als lächerlichen 'Pillepalle' abgetan habe. Komisch, bei anderen - wie gesagt - hatte ich vollstes Verständnis für jedes noch so "kleine Wehwehchen", konnte nachempfinden, mitfühlen, nur bei mir selbst haben alle Antennen versagt, ich habe meine Krisen einfach nicht wahrgenommen.
Deswegen finde ich es umso ärgerlicher, wenn sich gerade das Fachpersonal so abwertend und ignorant gegenüber Hilfesuchenden in einer Krise ( für die Betroffenen ist es nun mal eine, sonst würden sie nicht anrufen, und das ist auch als solches verdammt nochmal ernstzunehmen ) äußert; jeder kann mal einen schlechten Tag haben, aber sowas geht gar nicht.

Benutzeravatar
Laura
Beiträge: 4454
Registriert: Sa 25. Sep 2004, 07:09

Re: Schaden durch ISTDP?, Intensive psychodynamische Kurzzeittherapie nach Davanloo

Beitragvon Laura » Sa 6. Okt 2018, 21:58

Och na ja, alles was ein Mensch tut, iss ja notgedrungen menschlich, das geht gar nicht anders. Ich bin schon längst ins Wanken damit geraten, anderen immer nur wunderbare Gründe für ihr Fehlverhalten mir gegenüber zuzugestehen. Ich merke, wenn mich etwas verletzt und nehme es inzwischen als Zeichen dafür, dass da nicht nur mit mir etwas nicht in Ordnung ist, sondern mit einfach allem, was für "normal" gehalten wird, etwas nicht in Ordnung ist. Ja, klar, ich kann nicht einfach so auf meinen Bedürfnissen bestehen, obwohl ich eigentlich nichts lieber tun würde. Bin ja nur ein besonders kleines Würstchen. und andere sind auch keine Genies oder einfach nur grottendoof. Übrigens hatte ich mich mit diesem Madamchen mal besser verstanden und da ging es auch um ein Thema, dass eher alltäglich war, aber damit konnte sie halt eher was anfangen, damit kippte ich ihr Wasser auf die Mühlen.

Ähm, ich denke schon, dass all die "Kollektion" meiner Ängste etc. schlimmeren Erlebnissen entspringen, als ich sie hier in meinem "gemütlichen Leben" je hatte. Aber ich kann es mir natürlich sparen, von Dingen aus einem "früheren Leben" zu erzählen. Zum Glück lässt mein Sozialarbeiter vom Betreuten Wohnen mich darüber reden.

Muss schnell weg. ciao
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.


Zurück zu „Therapieverfahren“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 5 Gäste