Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

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clodiah
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Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

Beitragvon clodiah » Do 6. Nov 2014, 16:11

Hallo allerseits, ich bin ganz neu hier und auch kein Forenspezialist. Aber aufgrund meiner momentanen Situation und der Ratlosigkeit meinerseits bin ich über Google hierher gekommen und möchte hier versuchen, einen Hinweis zum Umgang mit meinem Problem zu erhalten. Mein Mann macht seit einem Monat diese intensive Kurzzeittherapie, zu welcher ich ihn bestärkt hatte, da doch einige Schieflagen in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen wie auch in unserer herrscht.
Über die Therapiesitzungen an sich erzählt er nichts zu hause, was vollkommen in Ordnung ist. Allerdings ist von Beginn an zu merken, wie unbeschreiblich aggressiv und wütend er nach diesen zum Teil 4 Stunden dauernden Sitzungen ist.
Leider ist es nach der zweiten Sitzung hier zuhause dermaßen eskaliert, dass selbst die Polizei ins Haus kommen musste, um die Situation zu entschärfen.Ich habe mich aus diesem Grunde etwas eingelesen in diese Therapieform und verstanden, dass es in dieser Therapie zentral um Wut-und Schuldgefühle des Patienten geht, die es aufzubrechen und auszuleben (in Gegenwart des Therapeuten) gilt. Auf der Seite der IS TDP Gesellschaft fand ich nun den Hinweis, dass Therapeuten den Patienten eindringlich erläutern, nach der Therapie auf keinen Fall unausgelebte Wutgefühle am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft auszuleben.Aber genau das scheint bei meinem Mann der Fall zu sein. Seine Kommunikation mit mir ist von Sitzung zu Sitzung mehr geprägt von gewaltsamer Verbalisierung, hoch aggressiv, wird nur von den Worten Schuld, Wut, Rechthaben geprägt, gestern sagte er sogar, ich hätte kein Recht, meine Meinung ihm gegenüber zu äußern und solle verschwinden aus seinem Leben...und ER sei weder aggressiv noch wütend.Dann meinte er noch, ich müsse dringend an meiner Beziehung zu meinen toten Eltern arbeiten und mein Wutpotenzial behandeln lassen....???????? Als ich sagte, nicht ICH sondern ER mache doch diese Therapie, ist er vollkommen ausgerastet und hat eine Tür aus dem Rahmen getreten.
Ich weiß nicht weiter. Jedesmal, wenn er zur Sitzung geht, bekomme ich bereits Angstgefühle vor seinem Nach-Hause-Kommen. ich denke, da läuft eventuell etwas schief und frage mich jetzt, was ich tun soll? Kennst sich hier irgendjemand mit dieser Therapieform aus? hat jemand Ähnliches erlebt? Sollte ich Kontakt zur Therapeutin aufnehmen? Ich habe bereits für mich ein Gespräch mit einer Tiefenpsychologin gesucht die meinte, es sei kritisch und er würde seine Themen eventuell auf mich projezieren? Was sollte ich tun?
Ich freue mich über Ratschläge, Anregungen, Hilfestellung und eine offene und konstruktive Meinung.
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fluuu
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Re: Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

Beitragvon fluuu » Fr 7. Nov 2014, 10:31

Hallo,
in einer partnerschaftlichen Beziehung wie auch in anderen Beziehungen gehören meistens immer zwei Menschen dazu und sie stehen in Wechselwirkung.
Da kann nicht einer eine Schieflage haben und in Therapie gehen um das zu behandeln und der Andere bleibt unbeachtet und unbehelligt.
Was ich damit sagen will, im Beziehungskonflikt gibt es zwei Täter und zwei Opfer, das wechselt sich ab, dem Täter ist Einhalt zu gebieten um das
Opfer zu schützen. Wer in eine Therapie geht arbeitet an sich aber das Problem des Anderen bleibt völlig unbehandelt, dieser Täter behält seine
freie Bahn ohne Einschränkung und das Opfer ist hilflos ausgeliefert. Dieses Ungleichgewicht wenn in dem Beziehungskonflikt nur einer versucht
sich zu helfen in der Therapie führt logischer Weise zu noch mehr Sprengstoff.
Deshalb liebe Frau sollten Sie sich Ihr eigenes Problem in der Beziehung bewusst machen und eventuell auch Hilfe in Anspruch nehmen.
Das Beste wäre natürlich nicht den aggressiven Mann in Therapie schicken in der Hoffnung es kommt ein braves und treues Lamm dabei raus,
sondern gemeinsam in eine Paartherapie gehen wo dann das Problem in der Beziehung an dem beide zu gleichen Teilen beteiligt sind,
behandelt werden kann. Liebe Frau, sie sind mindestens an 50% des Problems Ihres Mannes beteiligt, was erwarten Sie da?
Dass Sie in der Figur der Täterin völlig unbehelligt bleiben und den schwarzen Peter nur Ihrem Mann zuschieben können.
Das macht aggressiv verständlicher Weise und gerade in einer partnerschaftlichen Beziehung bei der wie der Name schon sagt es um Partner
geht, der Gewinn wird geteilt aber der Verlust auch und nicht Einer muss zahlen und der Andere wiegt sich im Unschuld.
Wie gesagt, zwei Täter und zwei Opfer, jeder zu gleichen Teilen, das ist partnerschaftliche Beziehung.
Wenn Sie also die Aggressivität Ihres Partners sich gegenüber verhindern wollen, in der Therapie wird sein Selbstbewusstsein und das Hinstehen
für sich selbst geweckt, dann erkennen Sie Ihre 50% am Untergang der Beziehung an und sagen Sie es ihm.
z.B. Ich bin doch genauso beziehungsunfähig wie Du und kann es auch nicht besser, lass uns das Beste daraus machen und wenn es das
Ende der Beziehung bedeutet lass es uns vernünftig organisieren ohne Mord und Totschlag.
gruß fluuu

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clodiah
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Re: Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

Beitragvon clodiah » Fr 7. Nov 2014, 11:12

Erst einmal Danke für die Antwort.
Grundsätzlich haben Sie natürlich recht...wenn es eine Paartherapie oder eine Therapie zur Behebung UNSERE Probleme gegangen wäre. Aber mein Mann hat sich für diese Therapie entschieden, da er ein massives Problem mit seinen Eltern hat, keinen Kontakt zum Vater, zu seinem Sohn aus erster Ehe keine Bindung, eine zerstörerische Beziehung zur Exfrau, Kommunikationsprobleme im Job....mich hat er ganz aussen vor gelassen. Er hat den Anspruch an die Therapie, SEIN Problem zu lösen, das er zwar bemerkt, aber noch nicht mal benennen kann -ausser, dass er zu oft zu Lügen und Unwahrheiten greift.
Hätte eine Paartherapie im Raum gestanden, so wäre das selbstverständlich ein Zusammenwirken.
Nun behandelt er -wie er selbst sagt- ohne MEINE gewünschte Einbeziehung SEINE Themen, will auch nicht, dass ich aus der Therapie irgend etwas erfahre (ich darf auch nicht fragen) und DAS ist das Problem! Wenn er mich nicht einbeziehen will, weil er sagt, es sei SEIN Ding, was soll ich da machen?
Mir ging es jetzt primär um meine Reaktion und auch meinen Schutz, denn ich habe das Empfinden, dass bei ihm Dinge aufbrechen, mit denen er nicht klar kommt und diese (anzunehmender Weise) in der Therapiesitzung nicht rauslässt - aber dann zuhause. Darum ging es mir.Und um Missverständnissen vorzubeugen: ER hat sich für diese Therapie entschieden nach Ratschlag einer seiner bekannten, ich habe ihn bestärkt - NICHT GESCHICKT, das steht auch nirgends -was für ein Unsinn. ich sehe seine Probleme, die dann eben auch bei UNS aufpoppen, aber ich kann sie für IHN doch nicht lösen, sondern an seiner Seite stehen.
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Re: Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

Beitragvon fluuu » Mi 12. Nov 2014, 12:08

Diesen Trugschluss aus alten Zeiten, Sigmund Freud mit der Psychoanalyse konnte es noch nicht wissen, dass Aufarbeitung
der Vergangenheit nicht automatisch Lösung der Gefühle in der Gegenwart bedeuten, beherzigen heute viele therapeutische Angebote.
Sie als Ehefrau sind die aktuelle Beziehung schlechthin, in Sie werden viele vergangene Beziehungen ihres Mannes projiziert
und deshalb wäre die Therapie an dieser Beziehung, sie führt ja zu den praktischen Affektivitäten, so wichtig.
Er ist in dem Zusammenhang zu Ihnen aggressiv, nicht zu seinen inzwischen toten Familienangehörigen.
Wenn ich etwas über die Entwicklung Ihres Mannes gegenüber Frauen, seiner Mutter usw. wissen will, dann schaue ich Sie an.
Will ich etwas über seinen Vater wissen schaue ich ihn an und Ihr Verhalten dazu.
So lässt sich an der Gegenwart viel besser die vergangene Geschichte aufräufeln. Ein Toter ist tot, daran kann auch die beste
Therapie nichts ändern. Man kann mit toten Eltern nichts mehr klären, man kann nur die Gegenwart danach gestalten.
Ich möchte mich hier nicht über das Frauenbild Ihres Mannes, über das Menschenbild allgemein auslassen, es wäre zu grausam.
Nach allem was Sie bisher von Ihnen und Ihrem Mann geschildert haben mache ich mir über die seelischen Empfindungen große Sorgen.
gruß fluuu

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clodiah
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Re: Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

Beitragvon clodiah » Mi 12. Nov 2014, 14:03

Fluu, niemand ist tot, ich weiß nicht, wie Sie darauf kommen. Ich glaube, Ihnen geht es hier nicht um mein Anliegen.Mein Ansinnen ist auch in keinster Weise, die Psyche meines Partners hier zu analysieren....er will das selbst und allein machen, und das soll er.
Ich wollte eine Hilfestellung zum Umgang mit seinen "Therapie-Nebenwirkungen" die mich treffen. Dazu habe ich jetzt von Ihnen nichts gelesen. Deshalb habe ich mich an einen Profi gewandt, der mit klar helfen konnte.
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Re: Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie und die Folgen

Beitragvon fluuu » Mi 12. Nov 2014, 14:15

Darauf wollte ich hinaus, dass Sie sich neben ihrem Mann therapeutische Hilfe holen und somit beide in Therapie sind.
Das ist hier im Forum wo Sie nachgefragt haben nicht möglich.
Ich vermittel das durch die Blume und nicht als Befehl, wer das nicht versteht hat größere Probleme die den Rahmen
des Forums sprengen. Alles gute...
gruß fluuu

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