Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Hier ist Platz für alle speziellen Fragen und Beiträge zum Thema Psychotherapie
Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » So 10. Dez 2017, 11:13

Wie gesagt, beim Leid lindern im Dasein eines Menschen auf dieser Erde geht es weniger um die äußeren Umstände,
Methoden oder Lehrmeinungen, sondern um das Empfinden der Psyche oder Seele und das ist eher im Inneren der
eigenen Persönlichkeit. Wer danach trachtet bei Anderen gut anzukommen, sich dafür verbiegt, bekommt zunächst
Applaus aber die Seele wird gestört und entwickelt Krankheiten. Deshalb ist die Eigenliebe das erste Gefühl das
es positiv zu empfinden gilt und dann kommen die Mitmenschen denn nur so gibt es eine positive Empathie.
Eigenliebe kann sich am besten dann entwickeln wenn die liebevolle Zuwendung von außen rar ist oder wenn
sogar der Therapeut mehr Peitsche anwendet als Zuckerbrot gibt. Er ist ein Trainer und nicht der Liebesersatz
für alles im Leben. Wie der Trainer im Sport, der Schützling kann sich nur überwinden und Höchstleistungen bringen,
wenn der Trainer dazu motiviert und das geht am effektivsten mit Zuckerbrot und Peitsche.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Lavina
Beiträge: 9
Registriert: Mi 1. Nov 2017, 11:40

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon Lavina » Mi 13. Dez 2017, 10:31

Guten Morgen (fluuu),

ein gesundes und stabiles Selbstbewusstsein entsteht meiner Meinung nach mehr durch Hinwendung, Zuwendung, Einfühlungsvermögen und Bestärken der Handlungen (wenn man sie für gut befindet beim anderen Menschen).
Nicht nur bei (Klein-) Kindern. (Grenzen setzen falls nötig)
Grade die mishandelten, geschlagenen, gedemütigten Menschen werden doch gedrückt und je nach Art und Wesen eher zu Frustreaktionen, Zwangshandlungen, Ängste und Depressionen neigen.
Meinem Empfinden nach.
Peitsche in der Therapie - würden Sie jemand ihre persönlichen Probleme und Ängste offenbaren, der ihnen unfreundlich oder gar gewaltbereit erscheint ? Wohl kaum.
Druck erzeugt Gegendruck oder Widerstand, jedenfalls bei mir.
Mit 'Gewalt' (verbal etc.) in eine seelische Wunde gehen, verstärkt doch diese eher oder irritiert zumindest und regt nicht! zur Heilung an.

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Do 14. Dez 2017, 20:14

Da stimme ich Lavina komplett zu!

Fragt man sich, ob durch Zuckerbrot und Peitsche tatsächlich Eigenliebe entwickelt werden kann oder eher eine Persönlichkeit daraus wird, die denkt "andere Menschen sind so scheiße zu mir, dann halt ich selbst mich jetzt halt mal für den Besten, alle anderen sind eh nichts". Ich tendiere dahin zu glauben, dass eher zweiteres eintreten wird. Oder aber die Eigenliebe geht noch mehr runter, wie sie eh schon ist.
Zuletzt geändert von irgendsojemand am Sa 16. Dez 2017, 01:28, insgesamt 1-mal geändert.

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon mamschgerl » Do 14. Dez 2017, 21:12

Zuckerbrot und Peitsche, von wem stammt dieser Mist eigentlich ursprünglich?
Ich werde mich mal auf die Suche begeben, aus welcher altertümlichen Vorzeit das entsprungen ist und wieso es heutzutage immer noch Menschen gibt, die diese Art der Erziehung bzw Therapieform oder, auch immer wieder gerne genommen, in der Arbeitswelt einsetzen. Da ich selbst solche Vorgesetzte hatte, kann ich darüber nur lachen, weil es die dümmste Art der Manipulation darstellt, jemanden gefügig zu machen, was aber nur funktionieren kann, wenn es einen 'Ober' und einen 'Unter' gibt, der in einem Abhängigkeitsverhältnis steht.
Derjenige, der diese Methode zelebriert, ist krank im Kopf, zumindest stark sadistisch veranlagt. Derjenige, der dem ausgesetzt ist, wird es zwangsläufig, wenn er sich nicht daraus befreien kann.
Grüße
mamschgerl

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon mamschgerl » Do 14. Dez 2017, 21:27

Also, leider von der Herkunft nicht genau zu klären, aber als Sprichwort oder Redewendung seit dem 19ten Jahrhundert erstmalig erwähnt.
Von der Bedeutung her ist es sowieso klar, aber aus psychologischer Sicht ziemlich umstritten, warum, dürfte auch klar sein.
Wenn man einen Esel derart behandelt, damit er nicht bockig auf seinem Platz stehen bleibt, erscheint es schon fragwürdig, aber Menschen derart zu behandeln, sollte im Grunde genommen überhaupt nicht zur Debatte stehen.
Sich diesem Wechselbad dieser unwürdigen Behandlung ausgesetzt zu sehen, fördert niemals Eigenliebe, sondern eher Haß auf den Anwender und am Ende auf sich selbst, weil man sich vielleicht dem aus eigener Kraft nicht entziehen kann. Schafft man es doch irgendwann, reagiert das Selbst nicht zwangsläufig mit Stolz, sondern viel eher mit Scham und Schuldzuweisung an sich selbst, weil man sich dieser unmöglichen Situation so lange unterworfen hat.
Ich bin sicher, daß viele jetzt genau wissen, von was ich spreche.
Grüße
mamschgerl

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Do 14. Dez 2017, 21:54

Ich bin sicher, daß viele jetzt genau wissen, von was ich spreche.
Leider ja.

Mamschgerl, ich lese hier ja erst kurze Zeit mit, aber deine Beiträge haben immer Hand und Fuß. Hut ab!

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » Fr 22. Dez 2017, 19:47

Habe jetzt nicht alles gelesen aber ich bleibe dabei, will man Wunden bei einem erwachsenen Menschen ausheilen
geht das weniger mit Streicheleinheiten als viel mehr mit innerem Widerstand (Resilienz) denn eine Wunde die man besänftigt
deckt man zu, will man heilen muss der kranke Herd von innen eliminiert werden. Da gebe ich zu, dass ist manchmal ohne
Gewalt nicht möglich. Die Seele eines erwachsenen Menschen die verletzt oder mit Trauma versehen ist und eine psychische
Störung ausprägt braucht sehr viel Kraft und Energie um dieser Störung etwas entgegenzusetzen. Mit liebevoller Wärme allein
gibt man dieser Störung Förderung. Alle Menschen sind in ihrer Entwicklung so oder so behandelt worden, wenn es zur
psychischen Störung führt ist viel Lernen und Üben notwendig um die Lebensfunktionen der Persönlichkeit im Nachhinein
auf einen positiven Weg zu bringen und das bedeutet Kraftanstrengung sonst wird die Störung chronisch.
Es gibt kein Leben ohne Überwindung auch nicht als reicher Mensch, wenn man alles der Dienstleistung überlässt ist es
für die Seele, die kreativ das Leben gestalten möchte, das Schlimmste, sie verkümmert und bereitet Schmerzen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Sa 23. Dez 2017, 00:29

@fluu: du willst erlebte Gewalt mit Gewalt heilen!? Und womit wird dann der Schaden geheilt, der durch die anscheinend heilende Gewalt entsteht? Wieder mit Gewalt? Moment, warte... irgendwas stimmt da nicht.... ich muss mal meine Gehirnwindungen ein bißchen in Unordnung bringen, vielleicht versteh ich es dann

...im übrigen glaube ich, dass selbst istdp das nicht so sieht. Hätte nicht gedacht, dass ich das mal verteidige.

Lavina
Beiträge: 9
Registriert: Mi 1. Nov 2017, 11:40

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon Lavina » Sa 23. Dez 2017, 18:17

Guten Abend,
danke für deine 'Rückendeckung', irgendsojemand und deine Bestätigung.
Ich würde auch nie in irgendwelche Wunden gehen - sei es psychischer oder körperlicher Art.
'nie in entzündliche Prozesse gehen', meinte mal eine Ärztin (Dr. med) zu mir.
Das habe ich mir gemerkt.
Bin auch gegen jegliche Art von Gewalt.
Wie soll man denn da irgendwas lindern, oder gar heilen.
Jeder hat doch Angst vor Schmerzen und verkrampft sich dann eher.
(wenn dann noch jemand in der Wunde 'rumstochert', grausiger Gedanke, auch für mein Seelenfrieden/-leben.
Wenn schon eine Krankheit besteht, Ursache herausfinden und mit Medikamenten oder Therapien angehen.
Allen schöne Weihnachten

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » Mo 25. Dez 2017, 18:08

Mann sollte den Begriff Gewalt nicht einfach nur als Inbegriff des Bösen begreifen wie es überall oberflächlich getan wird.
Sicher, ein Kind misshandeln ist eine böse Gewalt, es trägt ein Trauma davon, ist seelisch verletzt und psychisch Gestört.
Diese Prägung in der Entwicklung führt zu einem Verhalten, das negative Gefühle schafft und das Leben ist voller Leid.
Um diese kranken Strukturen im Gehirn zu behandeln braucht es eine Kraft die stärker ist als die Störung, die gesunden
Anteile die meist viel größer sind als die Kranken sollten Widerstand gegen das Kranke entwickeln. Das ist eine Kraft,
eine Gewalt gegen die Störung, die man als positiv bezeichnen kann. Somit gibt es eine positive Gewalt der Gesundheit
um die böse oder negative Gewalt einzudämmen. Man kann in der Kindheit geprägte Fehlfunktionen im Gehirn durch
lieb und nett sein alleine nicht korrigieren. Das Beste was es derzeit in der westlichen Welt gibt ist der Kurs 'Stressbewältigung
durch Achtsamkeit' ( MBSR) denn in der Achtsamkeit ist diese kraftvolle positive Energie zur Behandlung enthalten.
Wenn man so will basieren alle fernöstlichen Lehren zur Heilung der Seele auf dem Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche
denn es geht um die beiden Pole zwischen denen Balance zu schaffen ist, genauso wie bei Yin und Yang.
Jedoch ist eine Denkleistung, bestimmte Empfindungen und ein Bewusstseinsgrad nötig um diesen Prozess umzusetzen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon mamschgerl » Do 28. Dez 2017, 18:02

...naja, fluu, deine Denkleistungen, deine bestimmten Empfindungen und der Bewusstseinsgrad, den du dein eigen nennst, geben mir auch einiges zum Denken...wie schon mal gesagt, für jeden Psychotherapeuten wärst du ein wahrer "Leckerbissen"...

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » So 31. Dez 2017, 15:18

Das ist eine dürftige und nichts sagende Reaktion auf meine Ausführungen aber macht nicht, ich arbeite und lebe nicht
nach meinen Erfahrungen um es hier zu verkünden, sondern mein eigenes Erleben und das der Klienten sind entscheidend.
Wenn ich hier etwas von meiner Erfahrung mitteile und es wird dem primitiv widersprochen, dann ist es dem Pubertierenden
ähnlich der auch widerspricht des Generationenkonfliktes wegen, ich schon so häufig erwähnt, ich mag das.
Für mich ist der Ausdruck von Hass eines Klienten eine positive Gewalt denn sie bringt den Prozess zur Lösung ins Rollen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

mamschgerl
Beiträge: 1105
Registriert: Mi 27. Apr 2016, 06:53

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon mamschgerl » So 31. Dez 2017, 15:47

Na, das freut mich doch, daß meine Erwiderungen dich deiner Lösung näher bringen. Ich bin immer wieder erstaunt, mit welch wenigen und primitiven Mitteln ein Mensch wie du glücklich zu machen ist...

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » Mi 3. Jan 2018, 12:16

Na ja, das ist ja die Kunst die auch ich immer mehr zu entwickeln suche wie viele Andere ebenfalls,
auch aus dem aller negativsten Gefühl wie dem größten Hass und dem letzten Dreck noch ein Quäntchen Glück zu destilieren.
Selbst wenn es nur ein kleiner Tropfen reines Glücksgefühl ist, so ist es ein großer Gewinn im Leben in der Potenz.
Ich bin sehr dankbar für diesen Entwicklungsprozess denn er macht mich unabhängig und nur wenig korrupt.
Das wiederum schafft mehr positive Gefühle im alltäglichen Erleben als negative Zwänge.
Ich bin auch für den aller kleinste Glücksmoment dankbar und sage demütig danke zu Leben und Tod.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

irgendsojemand
Beiträge: 41
Registriert: Sa 12. Aug 2017, 01:08

Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Mo 19. Nov 2018, 14:41

@ marc:

Liest du hier noch?
Deine Beiträge sind schon viele Jahre her. Ich wollte dich trotzdem etwas fragen (ist aber ok für mich, falls du über die alten Sachen nicht mehr reden magst; dann bitte einfach die Frage ignorieren).

Hast du nach der istdp Therapie noch einen Versuch mit anderen Therapeuten gestartet? Fiel dir das schwer? Gab es Probleme? Wie wurde dabei mit deinen Vorerfahrungen umgegangen? War die alte Therapie Thema in der neuen Therapie? Wie lange hast du gebraucht, bis die Therapie kein Thema mehr war?

Ich frage, weil ich bei meinen zögerlichen Schritten, die ich gerade in Richtung neuer Therapie mache, so derbe spüre, wie ich selbst wurde in der Zeit der Therapie: ich bin jetzt viel kritischer, wütender als vorher. Negativer. Das spüren natürlich auch neue Therapeuten und ist dort Thema. Sehe die Welt viel böser, als sie ist. Sehe Menschen viel böser, als sie wahrscheinlich sind.
Das macht es alles so schwierig. Ich muss mich selbst auch zügeln, dass ich nicht in istdp Manier mit den Therapeuten spreche... das kommt nicht gut. Habe ich mir aber leider ein wenig angewöhnt.

Welche Auswirkungen hatte die Therapie auf dich? Abgesehen von der Psychose, die du schon erwähnt hast. Hat sich in deinem Verhalten, deinem Empfinden etwas dauerhaft verändert?

Falls du es liest und noch antworten magst, freue ich mich, ansonsten wünsche ich dir, dass es dir gut geht!


Zurück zu „Therapieverfahren“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast