Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

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marc
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Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon marc » Do 20. Sep 2007, 00:21

Hallo

Ich habe eine Psychotherapie bei einem niedergelassenen Psychiater in Zürich gemacht. Die dabei angewandte Methode nennt sich Intensive Psychodynamische Kurzzeittherapie nach Habib Davanloo. Die Gesellschaft in der Schweiz hat eine Webseite, für die welche mehr über den postulierten theoretischen Hintergrund erfahren möchten (http://www.istdp.ch/).

Im Lauf der Therapie, welche sehr konfrontativ ist (man wird vom Therapeuten ständig provoziert und aufgefordert, seine angebliche mörderische Wut in sich am Therapeuten auszuleben - ich kann dies bei Interesse gerne noch genauer ausführen), kam es immer mehr zu einem Abhängikeitsverhältnis, und der Therapeut hat zudem gemeint, er sei der einzige, der mir helfen könnte. Ich isolierte mich immer mehr von meinem Umfeld. Das ganze hatte durchaus Züge einer sektiererischen Abhängigkeit von einem allmächtigen Guru. :(

Die Therapie habe ich ursprünglich wegen einer neurotischen Depression begonnen. Nach eineinhalb Jahren intensivsten Psychoterrors von Seiten des Therapeuten war ich am Ende, brach die Therapie ab und ich liess mich von einem anderen Therapeuten krankschreiben. Ich wusste nicht mehr wie weiter. Ich liess mich in die Klinik (upk in basel) einweisen, wo eine psychotische Störung diagnostiziert wurde - für mich ein ziemlicher Hammer, da ich im Gesundheitsbereich gearbeitet habe, und mir dieser Begriff schon bekannt war.

Das ganze hat jetzt auch ein juristisches Nachspiel. Ich habe einen Anwalt genommen und versuche, mir im Nachhinein zu meinem Recht zu verhelfen.

Mich würde interessieren, ob jemand von euch eine ähnliche Erfahrung gemacht hat - auch wenn es eine andere Therapiemethode war - und was euch schliesslich geholfen hat und einfach eure Geschichten und wie ihr jetzt dazu steht.

Liebe Grüsse,
marc :)

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Angelita
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Beitragvon Angelita » Do 20. Sep 2007, 23:21

Hallo Marc

Das hört sich ja wirklich schlimm an. Ich habe mir die Homepage angeschaut - die ist aber nicht aktualisiert, Kursprogramme von 2006.

Einige dieser Ärzte habe ich in der FMH-Homepage nachgeschaut, waren alle mit Facharzttitel Psychiater eingetragen. Was natürlich kein Garant darstellt für "Unfehlbarkeit".

Könnten Sie, wenn Sie mögen, noch näher schildern, wie die Abhängigkeit begann u. wann haben Sies gemerkt, dass da was schief läuft?

Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen Mut, Kraft u. Durchhaltewillen um Gerechtigkeit zu erfahren.
Gruss Angelita

“Man muss im Ganzen an jemanden glauben, um ihm im Einzelnen wahrhaft Zutrauen zu schenken.” H. v. Hofmannsthal

carys
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Beitragvon carys » Fr 12. Sep 2008, 20:18

Hallo Marc,

wie geht es Dir heute?

Ich befinde mich momentan in einer ähnlichen Situation. Bin seit 8 Monaten auch in einer Therapie nach Davanloo und bin unglücklich + fühle mich als Versager in der Therapie.

Aufgrund einer körperlichen Erkrankung wurde mir damals diese Therapie nahe gelegt.

In der Therapie werde ich ständig unter Druck gesetzt und ich soll beschreiben, wie ich mich gerade fühle. Es wird mir dann gesagt, dass ich meine Gefühle nicht wiedergeben kann und es werden mir dann wütende Gefühle unterstellt. Diese muß ich an dem Therapeuten ausleben und schließlich wird mir dann gesagt, dass ich diese Wut an meinen Eltern ausgelebt habe und diese nun sterben müssen... Dabei sollen meine Schuldgefühle hervorgerufen werden und ich soll total in Tränen ausbrechen. Ab und zu habe ich ein paar Tränen, die aber dem Therapeuten nicht genügen und ich werde erneut unter Druck gesetzt, wenn ich mich nicht darauf einlasse, dass sich dann nichts an meiner Lebenssituation ändern wird.... u.s.w.

Jedensmal läuft die Therapie nach dem gleichen Schema. Die ganze Therapiestunde dauert 1,5 Stunden und währenddessen + danach bin ich k.o.

Irgendwie hab ich mir eine Psychotherapie anders vorgestellt.
Hab auch schon öfters an einem Abbruch gedauert, aber der Therapeut gibt mir auch immer zu verstehen, dass nur er mir helfen kann. So hab ich eine große Hoffnung. Hoffe immer auf die nächste Therapiestunde und jedensmal das gleiche.

Was soll ich machen?
Kann mir da bitte jemand weiterhelfen?
Wer macht eventuell die gleiche Therapie und wie wird diese erlebt?
Wo kann ich mich eventuell hinwenden?

Vielen Dank !!

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Laura
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Beitragvon Laura » Fr 12. Sep 2008, 21:00

Hallo carys!

Diesem Therapie-Spuk kannst nur Du selbst ein Ende setzen, indem Du Dir eingestehst, dass Du da auf einen Vollidioten reingefallen bist. Ist keine Schande, ist mir auch schon passiert und jeder kann irgendwo mal auf jemanden reinfallen. Wie pflegte ein Lehrer von mir zu sagen: "Nur nette Menschen können betrügen", wie wahr, wie wahr...

Ich weiß ja nicht, wie sich für Dich die Therapiesituation dann konkret anfühlt, anscheinend siehst Du da noch einiges Positives dran. Aber als Außenstehende stellen sich bei mir bei Deiner Schilderung die Nackenhaare auf, was da so alles auf die Menschheit losgelassen wird. Allein die Suggestion Deines Therapeuten, nur er könne Dir helfen...ziemlich unprofessionell, um nicht zu sagen gaga-selbstherrlich. Es glaubt auch kaum noch ein Katholik wirklich an die Unfehlbarkeit des Papstes...

Dein Therapeut mag ja von seiner Therapiemethode überzeugt sein und dass er damit helfen kann. Aber Du bist ja diejenige, um die es geht und Du siehst ja, dass es Dir nicht nur nichts bringt, sondern anfängt, zur Bedrohung zu werden. Was in diesem thread über diese ominöse Therapiemethode erzählt wird, hört sich echt nach experimentellem Quatsch an, bei dem der Klient als für zu dumm erklärt wird um mitbestimmen zu können.

Es passt nicht jeder Therapeut zu jedem Therapiebedürftigen und ich schätze, diese Therapiemethode wird eines Tages mal noch gewaltig ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

Schütze Dich erstmal selbst und brich diese Therapie lieber ab. Wenn Du dann noch vertrauen kannst, such Dir einen neuen Therapeuten und schau gleich genau hin, wie es mit seinem gesunden Menschenverstand bestellt ist. Es gibt immer noch viele Menschen, denen durch eine Therapie geholfen werden konnte, also gibt es sicher noch genügend kompetente und seriöse Therapeuten auf der Welt.

Ob Du rechtliche Schritte einleiten möchtest, wie Marc, kannst Du Dir ja überlegen, das dürfte ziemlich nervenaufreibend sein.

In manchen Bundesländern gibt es Beschwerdestellen über therapeutische Fehlbehandlungen, ich kann Dir dazu aber leider keinen link nennen und sagen, ob das viel bringt. Beschweren kannst Du Dich außerdem bei der Ärzte- oder Psychologenkammer. Ich nehme an, diese Therapieform wird nicht von der Krankenkasse übernommen, also fällt die Möglichkeit weg, Dich bei Deiner Krankenkasse zu beschweren.

Liebe Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Xcat
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Beitragvon Xcat » Fr 12. Sep 2008, 21:24

Für mich hört sich das alles wie den reinsten Psychoterror an, und für mein Teil würde ich vermuten dass es mehr Schaden anrichten kann, als es was bringen könnte. Ich persönlich würde das alles sofort abbrechen und mich von einen konventionellen Therapeuten dabei unterstützen lassen.

Meine subjektive Meinung dazu...

LG Tom
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carys
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Beitragvon carys » Fr 12. Sep 2008, 22:53

Liebe Laura, lieber Tom !

Vielen herzlichen Dank für Eure schnelle Antwort :-)

Klar, als Außenstehender kann man bei meiner Schilderung nur zum Abbruch raten, nur MIR fällt es schwer. Da ist eben diese Hoffnung und eine gewisse Abhängigkeit.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, die Psychotherapie bei jemanden anderen fortzusetzen. Ist bestimmt auch nicht so einfach.

An rechtlichen Schritten habe ich kein Interesse.

Übrigens, der Therapeut ist Arzt und die Therapie wird von der Krankenkasse übernommen. Kann mir aber gut vorstellen, dass die Krankenkasse gar nicht weiß, welche Therapieform da durchgeführt wird.

Momentan hab ich keine Ahnung wie ich mich entscheiden werde. Hab mir aber vorgenommen, das anzusprechen.....

Viele liebe Grüße,
carys

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Beitragvon Xcat » Sa 13. Sep 2008, 10:43

Da ist eben diese Hoffnung und eine gewisse Abhängigkeit.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, die Psychotherapie bei jemanden anderen fortzusetzen. Ist bestimmt auch nicht so einfach.
@carys,

deswegen würde ich mir an deiner Stelle die Hilfe eines anderen Therapeuten holen um aus dieser Abhängigkeit rauszukommen. Die Hoffnung auf Besserung ist dann schnell wieder da, besonders wenn der neue Therapeut verständnisvoll mit dir umgeht, und der Terror ist dann zu Ende.

Aber du musst natürlich wissen, welchen Weg für dich der beste ist...

LG Tom
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marc
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Davanloo revisited

Beitragvon marc » Di 16. Sep 2008, 00:11

Hallo Carys

Schön von dir zu hören. Ok, so bist du also zu deinem "Therapeuten" gelangt. Ein Bandscheibenvorfall ist primär immer organisch bedingt. Ich weiss nicht, was dieser Arzt mit "psychisch" gemeint hat. Hat er dir nichts über seine Vermutungen gesagt? Ich meine, du kannst eine schlechte Körperhaltung oder schwache Muskeln durch Inaktivität haben, auch beides organisch, aber eventuell durch eine Inaktivität durch psychische Ursachen begünstigt. Naja, irgendwie tönt es schon seltsam, was der dir erzählt hat.

Der Trick der Davanlooer ist, dass sie dir Sachen unterschieben (Wut), die du gar nicht feststellst. Aber du glaubst, was dir erzählt wird, weil sie schliesslich Psychiater und Aerzte sind. Also gibst du dir Mühe, etwas zu produzieren, das gar nicht da ist.... So nimmt das Unglück seinen Lauf, und du entfernst dich Stück für Stück von dir selbst. Ich meine, wenn du zu Beginn der Therapie gar keinen Leidensdruck hattest - weshalb machst du dann eine??? Was erwartest du denn dann von einer Therapie?

Mein Therapeut hat mir auch immer wieder vorgeworfen, ich würde eine Wand zwishcen ihm und mir aufbauen und nicht meine "wahren" Gefühle zeigen. Ich sei verkrüppelt, wie mein Vater und ängstlich wie meine Mutter (er hat meine Eltern gar nicht gekannt...) Was ich jetzt dagegen mache, ob ich immer Angst mit Wut verwechseln möchte und verkrüppelt bleiben. Wollen Sie jetzt etwas dagegen tun? -Ja. -Also was tun Sie jetzt, um diese Wand zu überwinden? Wie bringen Sie jetzt Ihre mörderische Wut zum Ausdruck? -Ich schlage Sie ins Gesicht. -Und dann? Was machen Sie dann? -Ich steche mit einem Messer in Ihren Bauch.

So ist das immer weiter gegangen. Er hat mich dauernd weiter gefragt (und dann, und dann?), so dass ich Sachen produziert habe, nur um seinen Anforderungen zu entsprechen, in der Hoffnung, meine Depression loszuwerden, die der Grund für meine Therapie war. Ich kam dann bei der Ermordung und Vergewaltigung meines Therapeuten an. Wenn er mich dann fragte: und wenn ich jetzt tot auf dem Boden liegen würde, wen würden Sie dann sehen. Dann sah ich meinen Vater oder meine Mutter da liegen. Ich bildete mir das ein. Vielleicht weil er mir auch das vorgab. Ein halbes Jahr ging es mir unverändert mittelmässig. Nach einem Jahr ging es mir schon sehr schlecht und nach jeder Sitzung wurde es schlimmer. Umso mehr klammerte ich mich daran, weil es mein einziger Hoffnungsschimmer war. Als ich wirklich verzweifelt war, und dies meinem "Therapeuten" am Telefon sagte, warf er mir vor, ich solle nicht so abhängig und ängstlich sein, so komme ich nirgends hin im Leben. Dabei hat er mir gesagt, dass nur er mir helfen könne. Andere Psychiater die ich anrief sagten, ich sei ja noch in Behandlung, ich solle dies mit meinem "Therapeuten" klären.

Zu diesem Horrortrip bin ich über einen anderen Psychiater gekommen, den ich für eine Probesitzung aufsuchte, und der ein Faltblatt zur Davanloo-Therapie hatte. Irgendwie sprach mich der Gedanke, eine intensive aber kurze Therapie zu machen an. Umso mehr, als andere Psychiater bei denen ich probesass mir sagten, eine Behandlung dauere drei bis fünf Jahre (im Gegensatz zu einem Jahr, wie mir der Davanloo-"Therapeut" voraussagte).

Die Davanloo-Methode wurde Ende siebziger erfunden, als man auf der Suche nach alternativen zur jahrelang dauernden Psychoanalyse war. Es war ein Gegentrend, der aber dann wieder verschwand. Die Davanloo-Methode ist sehr umstritten und viele Psychiater betrachten es als Humbug (wie ich mittlerweile erfahren habe).

Mein Tip für dich ist, einmal keine neuen Termine zu vereinbaren, und dann zu schauen, wie es dir ohne Sitzungen geht. Gewinn ein bisschen Abstand zu der ganzen Sache. Rede mit Leuten die du gut kennst darüber.

Ich denke, so schlecht kanns dir nicht gehen, wenn du Witze darüber machen kannst. :-)

Das Rechtliche bei mir läuft noch.

Lieber Gruss,
Marc

irgendsojemand
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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Sa 12. Aug 2017, 01:29

Hier wurde schon lange nicht mehr geschrieben. Mich würde es sehr interessieren, wie es den Betroffenen, die diese Therapieform gemacht haben, heute geht?
Ich kann aus eigener Erfahrung auch nur eines sagen: Wer sich in einer Therapie nach Davanloo/ISTDP befindet und sich dort nicht wirklich gut fühlt - Beine in die Hände nehmen und schleunigst das Weite suchen!!!
Manches, aber wirklich nur manches, finde ich gut. Den ganzen Rest empfinde ich als regelrecht gefährlich. Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich diese absolut kranke "Psychotherapie" viel zu lange mitgemacht habe. Auch mir kommt es allmählich fast sektenhaft vor.... Habe inzwischen auch von anderen Therapeuten gehört, dass sie null davon halten. Blöd, dass ich nicht von Anfang an auf mein Gefühl gehört habe, das mir sagte, dass da etwas ganz und gar nicht stimmt. Ich finde es schon merkwürdig, wenn Patienten systematisch als "verkrüppelt" bezeichnet werden. Dieses dämliche Gerede von der anscheinend so mörderischen Wut und den angeblichen Schuldgefühlen.
...ich habe im Netz nicht einen einzigen positiven Erfahrungsbericht von Betroffenen gefunden, dafür aber (wenn auch wenige) negative.

Die guten Aspekte der Therapie stehen meines Erachtens leider in keinem Verhältnis zum eventuellen Schaden.
Zuletzt geändert von irgendsojemand am Fr 22. Dez 2017, 13:56, insgesamt 1-mal geändert.

irgendsojemand
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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Sa 12. Aug 2017, 01:34

Die Therapieform wird übrigens von der Krankenkasse übernommen. Habe mich auch schon gefragt, ob die eigentlich wissen, was sie da bezahlen.
Zuletzt geändert von irgendsojemand am Fr 22. Dez 2017, 13:50, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » Di 15. Aug 2017, 11:32

Diese Konflikte in Therapien gibt es überall unabhängig wie positiv es Andere beschreiben.
Selbst bei einer ganz einfachen Gesprächstherapie kann es vorkommen, dass der Klient
ausrastet weil er sich mit seinem psychisch gestörten Willen nicht durchsetzen kann,
die Therapie abricht und den Therapeuten der hinterhältigen Gewalt anklagt.
Ich kenne die Therapiemethode um die es hier geht im Einzelnen nicht aber viele
psychisch kranke Menschen suchen Zuflucht in Sekten der klaren Führung wegen.
Bis sie dann merken, dass sie manipuliert und ausgesaugt werden ist es oft zu spät
und sie kommen kaum wieder raus. Da ist stets die Frage, wer hat das Problem,
der Sektierer der das Angebot macht oder der labile Mensch der darauf hineinfallt.
Wenn die Therapieform von der Krankenkasse übernommen wird hat es auf jeden
Fall mal eine Überprüfung der Methode gegeben. Wie gesagt, vereinzelte negative
Reaktionen von Klienten ist noch kein Beleg für eine schlechte Methode.

Ich habe mir die Therapiemethode nach Davanloo angeschaut und es ist klar,
dass es bei den Einen zu einer schnellen Heilung führt und bei den Anderen zum Horror.
Es ist eine sehr schnelle Form der Konfrontation mit den schlechten und verdrängten
Gefühlen der Vergangenheit. Das polarisiert sehr stark, die Einen sind geheilt und die
Anderen am Boden zerstört. Das liegt jedoch weniger an der Methode sondern eher
an der Verfassung des Klienten der sich dem aussetzt.

Wenn der Psychiater dem hilfsbedürftigen Patienten befielt, springen Sie aus dem Fenster,
gehorcht der abhängige Patient, springt und ist tot oder leistet er Widerstand, sagt zum Arzt,
sie spinnen wohl und kann selbstständig weiter leben.

So ähnlich ist es mit einer Konfrontationstherapie auch, die Methode ist das Angebot,
wer es annimmt kann den größten Horror erleben wie schon mal im Leben oder
die Berührung mit den negativen Gefühlen überstehen und ist vielleicht geheilt.
gruß fluuu

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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon mamschgerl » Di 15. Aug 2017, 15:27

Also die Methode ist gut, aber die Patienten sind ungeeignet?
Die Methode hat nicht versagt, aber der Patient?
Naja, wieder mal die alte Leier, der Patient hat keine Ahnung und wenn er die Methode als schlecht bezeichnet, ist er einfach noch nicht soweit, zu begreifen, was ihm guttut.
Eine Konfrontationstherapie schaut anders aus und ist nicht zu vergleichen.
Jeder Mensch mit einem Trauma tickt anders als der nächste mit einem Trauma, jeder Mensch ist ein Individium und reagiert anders als der andere, daher ist von Anfang an ausgeschlossen, daß eine Methode, egal welche, rigoros nach Vorgabe durchgeführt werden kann, ohne Mißerfolge hervorzurufen. Das ist in sich schon unlogisch und nur Therapeuten, die keine Ahnung und keinen Willen zum Lernen geschweige denn Respekt im Umgang mit Menschen haben, ziehen sowas gnadenlos durch.

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fluuu
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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon fluuu » Mo 21. Aug 2017, 13:20

Es ist die alte Leier seit zig tausend Jahren nicht nur unter Menschen sondern in der Natur generell.
Jemand hat ein Problem, einen Leidensdruck und sucht Hilfe und Lösung für den Konflikt.
Wer ist mehr motiviert, der Patient der den Schmerz los werden will oder der Helfer der dabei unterstützt.
Wessen Leben steht auf dem Prüfstand bei diesem Prozess?
So lange jedoch der Patient sein Problem auf die Umwelt verlagert oder gar auf andere Menschen bekommt
er in seinem Leidensdruck nur eine sehr kurze Linderung und dann wird es schlimmer.
Der Mensch hat das Problem Lebensbewältigung und das kann er nur selbst lösen, man kann sich eine
Putzfrau kaufen die den Dreck weg macht oder Fertiggerichte zu sich nehmen und andere kochen lassen
aber sein eigenes Leben kann man nur selbst bewältigen, das gibt es als Dienstleistung nicht.
So ist der Patient stets der mit dem Problem und er sollte sich kümmern es zu lösen, dafür gibt es viel Hilfe.
Jedoch so lange der Patient, Patient ist, ist er derjenige mit einem Problem, ist das Problem gelöst ist er
nicht mehr Patient. Alle Anderen haben andere Funktionen aber wenn der Patient sich nicht um das Lindern
seines Leidens bemüht muss er weiter leiden, Andere können unterstützen aber die innere Lösung kann
er nur selber finden und umsetzen.
Auch bei der Schizophrenie ist der Patent der Leidende mit dem Problem und auch hier kann er letztendlich
die Lösung für sich nur selber umsetzen durch viel Unterstützung von Anderen. Auch betreutes Wohnen
oder gesetzlicher Betreuer sind Unterstützungen aber Leben kann der Patient nur selbst. Um so eher der
Patient lernt, dass er selbst den Stoffwechsel steuert und wie, um so größer wird die Chance der Heilung.
gruß fluuu

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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon mamschgerl » Mo 21. Aug 2017, 17:08

Solange du nur von Patienten ausgehst, die alle Schuld bei anderen und in ihrem Umfeld suchen, gebe ich dir sogar recht. Diese Menschen finden sich nicht nur unter Betroffenen, die finden sich überall und ständig auch in der "normalen" Gesellschaft, Menschen, die nicht die geringste Eigenverantwortung übernehmen wollen oder oft auch nicht können.
Aber hier wird in der Regel von Problemen gesprochen, die den Betroffenen sehr wohl bekannt sind, von Ihnen akzeptiert werden und darum speziell nach Erfahrungsaustausch gesucht wird, um eventuell andere Wege zu sehen, mit der eigenen Krankheit so umgehen zu lernen, daß es sich wieder einigermaßen leben lässt.
Ursachenforschung zum besseren Verständnis für Folgeerscheinungen und Symptome, die einem das Leben schwer machen, ist keine Schuldzuweisung, hilft aber ungemein, sich und sein Verhalten besser verstehen zu lernen.
Wenn ich persönlich um die Ursachen für meine Probleme weiß, kann ich zwar sehr wohl den Verursachern für mein Trauma Schuld zuweisen, doch laufe ich nicht mein ganzes Leben lang herum und behaupte, daß alles, was passiert, aufgrund dieses Traumas geschieht und gebe alle Verantwortung für mein Handeln ab.
Hilfe zur Selbsthilfe gestaltet sich aber für jeden anders, weil jeder für sich eine völlig eigene Wahrnehmung hat.
So können geringste Abweichungen bei dieser Wahrnehmung desselben Traumas eine völlig andere Hilfe erfordern, was du aber einfach nicht eingestehen willst.
Für dich sind alle Betroffenen, die deine Hilfsmethoden nicht annehmen, über ihr Unglück jammernde Wesen, die danach trachten, daß ihnen ständig jemand den Hintern wischt.
Daß deine Thesen zur Besserung der Lebensumstände Schaden anrichten könnten, lässt du einfach nicht gelten.
Es ist deine ständige Abwertung eigenständig denkender Individuen, die sich erdreisten, selbstständig zu entscheiden, ob ihnen eine Behandlung oder eine mitunter absonderliche Therapie zusagt oder nicht, die hier in deinen Beiträgen immer wieder deutlich wird.
Psychische Störungen zu haben bedeutet nicht zwangsläufig, keine Kritik mehr üben zu dürfen oder generell nicht mehr zwischen gut oder schlecht und Kompetenz oder Inkompetenz unterscheiden zu können.
Bei dir klingt das immer so, als ob alle erstmal entmündigt werden müssten, dann wird die Therapie auf Biegen und Brechen angewandt und wenn der Patient nicht darauf anspricht, gehört er zu den Unverbesserlichen, die man dann am besten wegsperrt, natürlich nur zu seinem eigenen Besten.
Ich muß nicht Lösungen oder Alternativen parat haben, wenn ich erkenne, daß ein Therapeut oder eine Behandlungsmethode ungeeignet für mich ist und es mir immer schlechter geht.
Zu behaupten, daß man in dem Falle keine Behandlung bräuchte oder es dann besser wüsste, ist die falsche Folgerung. Die richtige wäre, daß man dann noch Herr seiner Hauptsinne ist und sich zum Glück unter dieser Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten und Hilfestellungen die suchen kann, die einem wirklich Unterstützung bietet.
Provokation, Wiedererleben eine Gewaltsituation, Herbeiführen der für das Trauma ursächlichen Erlebnisse und / oder Empfindungen sind für mich z.B. die schlechtesten Methoden und ich denke, für viele andere auch.
Ich weiß, du siehst das völlig anders, aber für mich gilt nach wie vor echtes Zuhören, echte Anteilnahme ohne Schuldzuweisung und Runtermachen des Hilfesuchenden, Erfahrungsaustausch und Dialog sowie Respekt vor den Empfindungen anderer, Ehrlichkeit ohne manipulative Hintergedanken oder Ausnutzens der Person zum eigenen Vorteil, zu den Dingen im Leben ( und vor allem in einer Therapie ), die wirklich helfen.
Es lässt sich nicht so einfach pauschalisieren und wer ein wenig Ahnung vom und Achtung hat vor dem Menschen, der weiß das auch ganz genau und besteht nicht auf einer einzigen, noch dazu einer solch herabwürdigenden Art und Weise, mit Betroffenen umzugehen.

irgendsojemand
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Re: Machtmissbrauch und Abhängigkeit in der Therapie (Davanloo)

Beitragvon irgendsojemand » Fr 1. Dez 2017, 14:29

Was ist denn aus dem Threadstarter geworden?
Zuletzt geändert von irgendsojemand am Do 14. Dez 2017, 22:06, insgesamt 1-mal geändert.


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