Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

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Llllleona 5x.2
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Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Fr 3. Nov 2017, 20:12

Mir ist eine Idee gekommen. Nicht, dass ich das so anwenden will. Aber vielleicht würde so etwas klappen bei irgendjemandem:

Ganz langsam ein Medikament absetzen (z.B. 30 mg. von einem Medikament, 3mg-weise absetzen bis 0 mg) bei jemandem, der in stabilen Verhältnissen lebt (z.B. stabile Arbeit/Tagesstruktur), sodass das Gehirn sich gewöhnen kann an die sanfte Umstellung, sodass es auch zu keiner Verschlechterung kommt. Und dann plötzlich auf 15 oder wieder 30 mg erhöhen, sodass das Gehirn auf die plötzlich erhöhte Dosis wieder so reagiert, dass es zu einer Verbesserung kommt. Wäre so etwas denkbar? Nur ein kleines Gedankenspiel...
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mamschgerl
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Re: Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon mamschgerl » Sa 4. Nov 2017, 04:59

Denkbar wäre so etwas schon und irgendwo auch wahrscheinlich durchführbar.
Ich vermute jedoch, daß durch die tiefgreifenden Veränderungen, die durch Psychopharmaka im Gehirn ausgelöst werden, ein quartalsmäßiges Verringern und Steigern der Dosis irgendwann doch nicht mehr so funktioniert.
Wie bei einem Trinker auch, der nicht durchgehend den Alkoholpegel hoch hält, wird sich die Dosis trotzdem stetig erhöhen bzw die Abstände zwischen den Zeiten, in denen weniger eingenommen wird, werden länger.
Ich denke, daß niemand Stoffe, die im Grunde abhängig machen, auf Dauer kontrollieren kann und weniger von dem zu nehmen, was einem vermeintlich gut tut, fordert schon höchste Selbstdisziplin, über die schon "normale" Menschen selten verfügen.
Und so ausschleichen, daß es zu keiner Verschlechterung kommt, ist eine gute Idee, aber doch nur, um gänzlich von den Psychodrogen wegzukommen. Dann wieder die Medis zu nehmen, um wieder gut drauf zu kommen, führt letztlich zur totalen Abhängigkeit.
Ich glaube, ich verstehe, worauf du hinauswillst, denke aber, daß das nicht funktioniert.
Alles, was die Psyche beeinflusst, ist schwer zu kontrollieren und die Verbindungen, die bei Einnahme in den Gehirnstrukturen entstehen, sind in der Regel nicht mehr zu ändern.
Deswegen erleben trockene Alkoholiker ja wieder einen Rückfall, sowie ein Schlückchen sich in die Kehle verirrt.
Deswegen muß immer und immer wieder ein Entzug durchgeführt werden, sowie man sich wieder die Spritze setzt oder die Nase pudert.
Am Ende geschieht doch immer wieder dasselbe, die Dosis wird weiter erhöht und die persönliche Bereitschaft und auch das Verständnis dafür, warum es wichtig wäre, das glücksspendende Mittel zwischendurch mal abzusetzen, um das Hirn und den Körper auf eine niedrige Dosis zu programmieren, wenn man es schon nehmen muß, schwindet dahin.

Llllleona 5x.2
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Re: Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Sa 4. Nov 2017, 19:26

Okay, verstehe. Wär nur so eine Idee gewesen, z.B. für Leute, die keine Bedenken haben mit diesen Tabletten (soll ja so einige geben), aber mit der Dosierung doch etwas moderat bleiben wollen und es ihnen noch immer nicht gut geht.

Bei Alkoholikern gibt es mittlerweile die Einstellung (funktioniert wahrscheinlich auch nicht bei jedem), dass nicht totale Abstintnenz das Ziel ist. Aus welchen Gründen ist mir jetzt unklar. Stell ich mir schwierig vor, nicht zu viel zu trinken.
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mamschgerl
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Re: Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon mamschgerl » So 5. Nov 2017, 08:23

Tja, aus eigener Erfahrung kann ich dazu nur sagen, daß es sogar sehr schwierig ist, auch weil der Körper und das Gehirn sich so schnell an alles gewöhnt.
Es ist nicht bei jedem so, es gibt genügend, die wirklich damit umgehen können. Was läßt sich auch gegen ein gutes Gläschen Wein zum Essen sagen, zumal Wein und Bier auch schmeckt. Ich trinke heute auch gerne alkoholfreies! Weißbier oder Helles, ich finde es einfach prima an heißen Tagen.
Aber für Menschen ( ich zähle mich dazu ), die den Alkohol mißbrauchen, um Symptome oder andere Unerträglichkeiten zu mindern, ist es in der Regel nicht möglich, nur ein bischen angeschwipst zu sein...es gibt da keine Grenze, es wird weitergetrunken bis zum Blackout.
So kann es natürlich sein, daß es Menschen gibt, die über Medikamente ebenso die Kontrolle behalten können wie über das Gläschen Wein zum Essen, die also bewusst mit dem umgehen können.
Psychisch labile oder kranke Menschen können das in der Regel nicht, denke ich mal.
Bei mir zumindest geht es nur so, entweder ich trinke oder eben nicht, entweder ich nehme Medis oder eben nicht. Einen goldenen Mittelweg gibt es bei mir zumindest diesbezüglich leider nicht, würde ich jetzt wieder ein normales Weißbier oder Wein trinken oder wieder Medis schlucken, wäre ich ganz schnell wieder da, wo ich zuletzt war...und da will ich nie wieder hin.
Wenn man sich das alles genauer überlegt, ist es letztlich mit vielem so, daß es viel Selbstdisziplin braucht. Wenn ich eine Tafel Schokolade habe, esse ich sie genauso auf einmal weg wie eine Tüte Chips, bei mir gibt es keinen Vorrat, weil ich ihn direkt vernichte. Essen ist auch eine Befriedigung und kann ebenfalls süchtig machen. Ich bin nicht umsonst so aus dem Leim gegangen :-"
Nun kann man auf essen aber leider nicht verzichten :|
Da muss ich wieder lernen, bewusster zu leben, aber dadurch, daß ich andere Süchte aufgeben konnte, wird es um ein Vielfaches leichter.
Alkohol, Drogen und Medikamente verhindern oder mindern stark die Selbstwahrnehmung, ob psychisch oder physisch, man wird auf die Dauer gleichgültiger. Dieser schleichende Prozess ist das fatale daran und meistens registriert man es dann überhaupt nicht mehr, daß da etwas gewaltig schief läuft...

Llllleona 5x.2
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Re: Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » So 5. Nov 2017, 19:28

Aber im sogenannten alkoholfreien Bier ist doch auch Alkohol drinnen! Oder nicht bei jedem? Weiß es nur von der Marke 0,Josef.

Ja, das mit dem Heißhunger kenn ich auch. Bei mir gibt es allerdings eine Schranke, die so existentiell notwendig ist, dass ich sie einhalten kann: Wenn ich nämlich zu viel (Süßigkeiten: Schokolade, Gummibärchen, Schoko-Muffins, Torte od.Ä.) nasche, werd ich krank. Ein bisschen etwas geht, aber bei zu viel kann ich stoppen, weil ich nicht dauerhaft krank sein will (und mein Körper weiß das anscheinend auch). Ich denke, das hat mein Körper auch verstanden und ich auch und so funktioniert der Stop mittlerweile auch, obwohl ich sooo verführerische Sachen in meiner Süßigkeiten-Kiste habe (Zotter-Schokolade, Schokolade mit Marzipan und Mandeln, Mannerschnitten, etc. etc.). Ist total blöd, dass bei Schokoladen (eigentlich generell bei Süßigkeiten bzw. bei vielen Lebensmitteln) die Verpackung so groß ist und wenn ich davon dann ein bisschen etwas esse, bleibt viel über und das liegt dann in dieser Kiste bis sie nicht mehr ganz so frisch ist...
In Sachen Alkohol hat mir ebenfalls mein Körper ein Entgleisen verunmöglicht: Vor ca. 11 Jahren hatte ich einen 3 Tage andauernden Kater, seitdem krieg ich ein, zwei Schluck von einem harmloseren Getränk (z.B. Sekt) herunter, nicht mehr und von härteren Sachen gar nichts.

Wegen schleichendem Prozess... ich hoffe, bei mir ist es noch nicht zu spät. Und ich hoffe, dass ich, so lange ich nicht alle Medikamente abgesetzt habe, auch psychisch so weit bin, dass ich meine Wahrnehmung gut steuern kann (sieht nämlich manchmal so aus, als könnte ich das nicht oder nur eingeschränkt).
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Re: Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon mamschgerl » So 5. Nov 2017, 20:25

Stimmt schon, auch sogenanntes alkoholfreies soll Spuren von Alkohol enthalten, aber so verschwindend gering, daß das nicht ins Gewicht fällt. Abgesehen davon habe ich mein letztes alkoholfreies Weißbier vor ca 2 Jahren getrunken, weil ich den Geschmack doch irgendwie mit schlimmen Erlebnissen assoziiere, daher lasse ich das mittlerweile auch bleiben.
Ich denke, daß es nie zu spät ist, mit irgendwas aufzuhören. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann klappt das auch. Ich musste auch erstmal 48 Jahre alt werden, um davon loszukommen, aber bevor es nicht im Hirn deutlich vernehmbar klickt, nützt alle Vernunft rein gar nichts.
Ich glaube also schon, daß es auch bei dir klappt, wenn du soweit bist und wenn es noch ein paar Jährchen dauern sollte, dann ist es nun mal so.
Und verwirrt bin ich auch immer wieder, das ist bei meiner Freundin aber auch so. Sie hat noch nie getrunken oder Drogen oder Medikamente genommen geschweige denn daß sie unter psychischen Problemen leidet ( naja, mehr oder weniger nicht zumindest ).
Man muß unterscheiden lernen, was Symptome sind oder was ganz einfach die eigene Persönlichkeit ausmacht und nicht alles, was nicht reibungslos funktioniert, ist gleich eine psychische Krankheit.
Daher finde ich diesen blöden Slogan heute noch immer passend:" Sind wir nicht alle ein bischen bluna?"
Grüße
mamschgerl

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Re: Gedankenspiel: mehr Wirkung trotz weniger Medikamente?

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Di 14. Nov 2017, 18:17

bluna hab ich gar nicht gekannt, nicht als Marke, auch nicht so. Hab's nur schnell mal über youtube kennengelernt.

Oh je.... tut mir leid wegen dem Weißbier! Ist es nicht möglich, das irgendwie positiv zu konditionieren? Z.B. wenn du mit Freunden etwas ungeheuer tolles erlebst, trinken, damit dich dann auch langsam wieder an schöne Sache erinnert? Nur eine Idee von mir...

Ich selbst würde gerne Bier trinken, nur es schmeckt mir nicht. Und dabei find ich's so stylish - eine Flasche Bier in der Hand. Naja... Aber vielleicht können auch andere Getränke "stylish" werden. Oder für mich stylish. Z.B. wenn ich unter Freunden bin und andere haben sich ein Kaltgetränk serviert und ich einen Tee oder ne heiße Schokolade, stoß ich mit dem Häferl an...

Ja, ich hoffe, ich werde loskommen von den Medikamenten. Hab nun auch mehr im Netz gefunden. Hier und da gibt es auch hier in Wien versteckt Informationen abseits des mainstream-psychiatrischen. Soteria haben wir noch nicht, auch nicht open dialogue, aber ich bin auf einen Trialog (zwar zu Schizophrenie obwohl ich nicht zu psychosen neige, aber trotzdem ein Trialog) gestoßen und da ist mir die Info zu Ohren gekommen, dass sich am 12. Dezember es eine Tagung oder so etwas ähnliches geben soll über Zwang in der Psychiatrie (also so Festbinden oder ähnliches). Ja, und ich finde, es gehört wieder eine Psychiatriereform her!

Okay, dass nicht alles, was ein komischer Zustand ist, gleich krank ist, werd ich mir schnell hinter die Ohren schreiben, damit ich's wieder ganz schnell verinnerliche! Vielfalt, abseits des mainstreams, ist ja gut, das macht die Welt bunt und lustig und abwechslungsreich! Operation >Pippi Langstrumpf< sollte vielerorts vollzogen werden meiner Meinung nach (-:
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