Absetzen von Antidepressiva

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
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Remedias
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Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Remedias » Do 4. Mai 2017, 12:18

ein Beitrag der Sendung "Visite" vom NDR über das Thema "Antidepressiva absetzen" - für Neuroleptika gilt bestimmt das gleiche.

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... 12990.html

Llllleona 5x.2
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Di 26. Sep 2017, 20:59

Interessanter Artikel, danke!
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Sa 30. Sep 2017, 15:11

Habe ein Video gefunden, dass sich auch mit diesem Thema auseinandersetzt...
https://www.youtube.com/watch?v=KirFj2m ... ture=share

und noch 2 nützliche links gefunden:
http://www.draloisdengg.at/bilder/pdf/A ... tbauer.pdf
http://my-free-mind.at/psychopharmaka-a ... omment-520
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Llllleona 5x.2
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Di 14. Nov 2017, 19:03

Habe nun viel herumgestöbert im Internet und ein paar nützliche Informationen zu Neuroleptika absetzen und Psychopharmaka allgemein gefunden:

http://www.dgsp-ev.de/fileadmin/user_fi ... 14_web.pdf
http://www.willhall.net/files/HarmReduc ... Online.pdf

Und hier ein Forum zum Austausch über Nebenwirkungen und Absetzsymptomen:

http://adfd.org/
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Remedias
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Remedias » Mi 15. Nov 2017, 12:09

Hallo Lilleona, im ADFD bin ich auch, von der Fachkenntnis her und was los ist , bestimmt eines der besten Fachforen. . Es ist mehr:Hätte ich die vor 10 Jahren schon gekannt, wäre mir einiges erspart geblieben!
Trotz des Namens mit Antidepressiva decken sie mittlerweile die ganze Palette von Psychopharmaka ab.

liebe Grüße Remedias

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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Llllleona 5x.2 » Do 16. Nov 2017, 20:45

Hallo!

Danke für die Rückmeldung, freue mich, dass ich dieses Forum gefunden hab!

Schöne Grüße
Leona
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon fluuu » So 19. Nov 2017, 23:59

Die Heilung psychischer Störungen findet nicht per Internet oder in der virtueller Welt statt,
eher im Gegenteil, das Gemüt braucht analoges Verhalten damit der seelische Schmerz gelindert wird.
Die virtuelle Welt ist vielfältig und lenkt wunderbar ab, man findet zu jedem etwas aber will man
wirklich die eigene Persönlichkeit entwickeln geht das nur mit selbst gemachten Erfahrungen.
Man findet im Internet zu jeder denkbaren Haltung eine Bestätigung, das hilft der eigenen
Persönlichkeit jedoch nicht weiter. Raus gehen und sich der Situation real ausliefern führt zur Lösung.
gruß fluuu

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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Remedias » Mo 20. Nov 2017, 11:27

Im ADFD geht es weniger um die Heilung psyischer Probleme - stelle ich mir online auch schwierig vor, da es offline schon sehr schwierig ist - sondern um das ganz konkrete Absetzen von Psychopharmaka, inklusive Dosierungshilfen, Methoden, Umgang mit Entzugssymptomen, Risiken etc.
Raus gehen und sich der Situation real ausliefern führt zur Lösung.
Bin voll bei dir; leider sind diese Informationen im RL sehr schwer bis unmöglich zu beschaffen. Mein Wunsch wäre auch in jeder Stadt eine Gruppe, und in jedem Bundesland eine auf das Absetzen spezialisierte Klinik , leider im Moment utopisch, daher wie gesagt, froh dieses Forum mit seiner Peer-Fachberatung gefunden zu haben.

Hast du als Therapeut eigentlich schon einmal das Absetzen von AD oder NL bei deinen Klienten begleitet?
Gruß Remedias

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fluuu
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon fluuu » Di 21. Nov 2017, 15:02

Da fängt die Verirrung schon an, der Sinn von Medikamenten ist nicht das Absetzen sondern den Wirkstoff
im Organismus positiv zur Heilung der Störung zu wissen. Ist dieser Sinn erfüllt, der Patient gesund und
die Störung behoben ist das Absetzen eine einfache Selbstverständlichkeit und kein Thema.
Jedoch so lange es noch Symptome gibt oder geben könnte, es dem Patienten bewusst oder nicht ist
und das ist bei kranken Menschen ein Leben lang vorhanden, ist Absetzen ein Ausdruck pathologischer
Strukturen und darf auf keinen Fall durchgeführt werden.
Ein Mensch mit schwerer Psychose ist nicht geheilt nur weil die gröbsten Symptome durch NL
abgemildert sind, die seelische Störung ist noch voll präsent und deshalb gibt es kein Absetzen
nach ein paar Wochen nur weil der Patient darauf besteht, dass die Welt wieder in Ordnung ist,
ist sie nicht und zwar ein Leben lang. Bei allen Menschen ist die Welt nicht nur in Ordnung auch
wenn wir es uns gerne suggerieren einschließlich Gesellschaft und Wirtschaft. Bei einem Menschen
der auf Grund seiner Persönlichkeit zusammen mit der Umwelt eine schwere psychische Störung
ausgeprägt hat als Antwort auf sein Leben oder als Flucht, hat dieses Problem in seinem Dasein,
das lässt sich nicht wegreden aber ein Umgang damit ist möglich und dazu gehören Hilfsmittel
wie z.B. Medikamente aber auch viele andere Dinge. Dabei ist Absetzen von NL nicht das Thema
sondern der Umgang mit allen Situationen, den Inneren wie den Äußeren und eben auch eine
Medizin für das Leiden am Dasein. NL sind viel weniger problematisch und Suchterzeugend wie
viele andere Stoffe die gesunde Menschen konsumieren um durch den Alltag zu kommen.
Deshalb halte ich Absetzen grundlegend nicht für die Lösung sondern einen Umgang damit.
Beim Arzt oder in der Klinik zu Beginn der akuten Erkrankung wird das individuell passende
Medikament ermittelt, dort gehört es hin wenn es Unverträglichkeiten gibt aber nicht Jahre später
mir dem Argument, ich vertrage es nicht, ich muss Absetzen. Der Glaube, keine Medikamente
nehmen und man ist gesund und gehört vollwertig zur Gesellschaft ist ein Irrglaube.
Fast jeder Mensch hat einen Stoff der im Gehirn Einfluss auf den Stoffwechsel nimmt und somit
den ganzen Laden am Laufen hält und wenn es Fernsehen ist. Deshalb ist Absetzen nur für
denjenigen ein Thema der den positiven Umgang mit dem Stoff voll begriffen und verinnerlicht haben.
Ich habe das Absetzen von NL oft beobachtet und meistens endete es in einer erneuten Psychose.
Sehr traurig aus Sicht von außen wenn die Krankheit wieder erbarmungslos zugeschlagen hat und
völlig lebensunfähig macht nur weil das Einnehmen der Tabletten nicht funktioniert hat. Einem
Patienten der die heilsame Medizin verweigert kann man nicht helfen außer mit einem Aufwand
der die meisten Realitäten sprengt. Einen Psychotiker der den ganzen Tag durch jemanden Anderes
in den Armen gehalten wird ist in unserer Realität nicht flächendeckend möglich.
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon mamschgerl » Di 21. Nov 2017, 19:28

Hm, mit anderen Worten, er hat noch nie jemanden beim Absetzen begleitet, das stünde ja auch im Widerspruch zu seiner Überzeugung, daß psychisch Kranke Medis schlucken müssen, am besten ihr Leben lang.
Da spricht aus keiner Zeile ein Wissen um die Wirkung oder Nebenwirkung, welches abgesehen davon niemand hat, um Störungen, die erst durch Medis entstanden sind, um Abhängigkeit, um das Verwischen von Symptomen der Krankheit oder Reaktionen auf die Medis, so daß am Ende niemand mehr klar beurteilen kann, was jetzt dem einen oder dem anderen zuzuordnen ist, aber macht ja nix, in der Politik hätte fluu vielleicht gute Chancen.
So eine lange Antwort, obwohl nichts beantwortet wird...

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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon fluuu » Di 21. Nov 2017, 22:31

... und ich kann dazu noch viel mehr schwafeln denn nicht nur Medikamente wie NL sind ein großes Thema
sondern Nebenwirkungen fast noch mehr. Ich habe meine Ansichten dazu und wen wundert es, dass sie nicht
heißen Nebenwirkungen sind das Böse auf der Welt denen Betroffene die NL nehmen hilflos ausgeliefert sind.
Wie meine Ansichten sind werde ich jetzt nicht aufschreiben, einfach zu faul, vielleicht ein andermal...
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Remedias » Mi 22. Nov 2017, 15:31

Hallo fluuu,
Beim Arzt oder in der Klinik zu Beginn der akuten Erkrankung wird das individuell passende
Medikament ermittelt, dort gehört es hin wenn es Unverträglichkeiten gibt aber nicht Jahre später
mir dem Argument, ich vertrage es nicht, ich muss Absetzen.
Eine Freundin von mir hatte eine QT- Verlängerung durch Quetiapin - aber nach Jahren, und musste damit raus. Tödliche Nebenwirkungen können also auch später auftreten.

Aber eine andere Frage: Könnte nicht sein, dass der Körper eine Abneigung entwickelt, weil er das Medikament definitiv nicht mehr braucht/ nicht mehr haben will?

Mir ging das so mit Schmerzmittel/Opioiden. Nach 2 Jahren vertrug ich sie nicht mehr und habe sie auch manchmal vergessen. Ich sagte dem arzt, dass offensichtlich mein Körper auf die Substanz nicht mehr angewiesen ist und sie jetzt zurückweist. Wir starteten einen Ausschleichversuch - auch Opioide müssen ganz langsam raus, sonst gibt es schwere Entzugssymptome Ich nehme seit 3 Jahren keine mehr - hat gut geklappt. Ich hatte einen sehr ausführlichen Absetzplan des Neurologen.
Übrigens machen diese Neurologen auch Absetzpläne für Antidepressiva, und eben auch sehr langsame.

liebe Grüße Remedias

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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon fluuu » Mi 22. Nov 2017, 23:04

Natürlich, wenn die Heilung im Organismus vollzogen ist braucht er den Wirkstoff nicht mehr und das Absetzen ist selbstverständlich.
Beim Essen hört ein gesunder Mensch auch auf wenn die Sättigung erreicht ist und macht um das Absetzen kein Theater.
Es ist jedoch der psychische Konflikt der das Problem darstellt, das Gefühl das Leben zu bewältigen, genauso beim Dick werden,
bei Nebenwirkungen, bei Libidoverlust usw. Ein Mensch der im akuten Zustand Phsychopharmaka brauchte hat in erster Linie
psychische Probleme, also Konflikte mit dem Gefühl zum Dasein. Deshalb der Aufschrei und die Skandale wegen aller möglicher
äußerer Umstände aber den Konflikt liegt im Inneren. Wenn man das begreift sind die Medikamente als Hilfsmittel kein Problem,
weder das Einnehmen um seelische Stabilität zu erreichen noch das Absetzen wenn sie nicht nötig sind.
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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon mamschgerl » Do 23. Nov 2017, 08:05

Psychopharmaka mit Essen zu vergleichen, hinkt a bisserl stark.
Der Mensch braucht Essen zum Leben und kann daher nicht gänzlich darauf verzichten, sondern sich nur gesünder ernähren.
Wenn er auf Medis schlecht reagiert, kann er diese ganz absetzen, wenn sie nicht mehr nötig sind.
Also entweder man nimmt die Medis wie das Essen ein Leben lang in vernünftiger Weise zu sich oder der Vergleich an sich ist hinfällig.
Und so wären wir wieder an dem Punkt, daß die Medis eben doch nicht abgesetzt werden sollten, weil sie ja als legitime Drogen das Leben so erleichtern können.
Daß man so aber niemals herausfinden kann, ob man ohne sie mit dem Leben klarkommt, ist wohl klar.
Ziel sollte sein, daß nicht bei jeder psychischer Störung Pillen verschrieben werden, die man später nur sehr schwer wieder loswerden kann bzw. daß nach einer angemessenen Zeit diese Pillen wieder ausgeschlichen werden.
Unter Medikamenteneinfluß kann man sehr schwer beurteilen, ob man fähig ist, mit seinen Symptomen zu leben bzw lernen, bewusstseinsklar mit ihnen umzugehen. Die Wirkungsweise dieser Medis ist eben in keinster Weise vorhersehbar und so kann auch niemand reinsten Gewissens behaupten, daß sie in ihrer jeweiligen Form lebensnotwendig sein würden. Hier geht es nicht darum, einen kaputten Keilriemen auszuwechseln sondern um die Psyche jedes einzelnen, welche ein herumexperimentieren mit unwägbaren Auswirkungen verbietet.
Wenn man sich dann Studien ansieht mit gleichzeitigem Einsatz von Placebos, sollte man sich sowieso fragen, ob der Einsatz von Psychopharmaka wirklich immer notwendig ist.
Andererseits werden diese Studien ohnehin nur durchgeführt, um schwerwiegende Nebenwirkungen auszuschließen, die nicht mehr vertretbar wären, doch leider wird hierbei die Meßlatte ziemlich hoch angesetzt, da wird einiges in Kauf genommen.
Über den Sinn oder Unsinn der Medikamenteneinnahme könnte man ewig argumentieren, aber bei persönlichkeitsverändernden Substanzen hört der Spaß auf.

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Re: Absetzen von Antidepressiva

Beitragvon Remedias » Do 23. Nov 2017, 12:47

Natürlich, wenn die Heilung im Organismus vollzogen ist braucht er den Wirkstoff nicht mehr und das Absetzen ist selbstverständlich.
Beim Essen hört ein gesunder Mensch auch auf wenn die Sättigung erreicht ist und macht um das Absetzen kein Theater.
Absetzsymptome sind körperlich, nicht psychisch, da sich das ZNS an die Zufuhr (AD) bzw. Blockierung (NL) von Neurotransmittern gewöhnt hat. Es besteht eine körperliche Abhängigkeit, KEINE psychische - dazu ist die Wirkung zu unangenehm.
( Ausnahme der Psychopharmaka sind Benzodiapine, da kann auch außer der körperlichen Abhängigkeit eine psychische = Sucht bestehen.)
Daher sollten siese Medikamente ausgeschlichen werden.
Meine Kritik zielt darauf ab, dass Psychiater und auch Patienten einfach zu schnell absetzen und letztere dann mit Absetzsymptomen zu kämpfen haben. Ein langsames Ausschleichen vermeidet das.
Bitte lies dich doch erstmal in die pharmazeutischen Grundlagen ein!

Gruß Remedias


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