Absetzsymptome Fluspirilen

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Filzblume1
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Absetzsymptome Fluspirilen

Beitragvon Filzblume1 » So 22. Jan 2017, 22:10

Hallo Zusammen,

nachdem man mich 17 Jahre mit Fluspirilen vollgestopft hat, wurde es nun vom Markt genommen. Jetzt kämpfe ich mit sogenannten Absetzsymptomen, die sich wie folgt auswirken:

Schwindelgefühl
Übelkeit
Konzentrationsprobleme
Merkfähigkeit gesenkt
Unruhe

Bewegte Bilder wie TV gucken stresst total. Ich brauche viel Ruhe und mich überfällt ständig ein Müdigkeitsgefühl. Komplizierte Zusammenhänge will mein Kopf gar nicht mehr. Früher habe ich Zahlen geliebt, jetzt bringen mich Zahlenwerke fast um.

Hat da jemand Erfahrung mit gemacht? Was passiert da mit mir? Hört das auch nochmal auf? Das alles macht mich extrem depressiv. Bin einfach fertig. Heute ist Tag 85 und Fenstertage kann man an einer Hand abzählen.

Freue mich über jede Zuschrift. Danke schon jetzt.

Gruß Filzblumr

mamschgerl
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Re: Absetzsymptome Fluspirilen

Beitragvon mamschgerl » Mo 23. Jan 2017, 07:09

hallo filzblume,
mich würde interessieren, wieso du kein alternativmedikament bekommst?
in der regel wird eine medikamenteneinnahme von ärzten begleitet, auch hinsichtlich der physischen verträglichkeit, insbesondere herz, nieren , leberwerte sollten ständig kontrolliert werden, ob noch alles im rahmen des vertretbaren liegt.
deswegen erscheint es mir etwas seltsam, daß du dieses medikament ohne ersatz absetzen musstest.
trotzdem habe ich mich ein wenig umgehört und als alternative zu dem wirkprinzip wurde bupripion ( elontril ) genannt. ob das aber tatsächlich vergleichbar ist, weiß ich nicht.
die absetzsymptome, die du schilderst, sind üblich, nicht nur bei fluspirilen, doch daß sie so lange auftreten, halte ich für etwas seltsam. eventuell sind es begleiterscheinungen deiner krankheit, die durch fluspirilen eben ihre intensität verloren haben und nun wieder an die oberfläche treten.
umso mehr stellt sich die frage, ob du schon in der lage bist, gänzlich ohne medis klarzukommen.
denkst du nicht, daß ein gespräch darüber mit einem arzt sinnvoll wäre?
grüße
mamschgerl

Filzblume1
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Re: Absetzsymptome Fluspirilen

Beitragvon Filzblume1 » Mo 23. Jan 2017, 19:38

Hallo Mamschgerl,

zu Deinen Fragen:

Nein, aufgrund der Medikamentegabe wurde kein Blut abgenommen. Lediglich die Check-ups.

Ja, ich habe ein Ersatzmedikament bekommen - hatte nur absolut nichts mit der Wirkweise von NL zutun gehabt, war ein Serotoninwiederaufnahmehemmer. Nein, ich habe es überhaupt nicht vertragen.

Mit dem Wissen, dass ich Fluspi bekomme, wollte man noch Pimpamperon drauf packen. Habe es abgelehnt, weil es mir als zuviel erschien.

Nein, meine Zeit mit NL wurde nicht begleitet, es wurde einfach als Allheilmittel gespritzt. Zu Anfang hat man mir das als Aufbauspritze verkauft - da gab es wohl schon das Internet, es war aber damals noch nicht so schlau wie heute. Infos über Apotheker waren ein Witz.

Und ich habe auch keine Psychose o. ä. gehabt. Die Symptome, die ich hatte sind schon lange vorbei. Wenn meine Psyche mal zickt merke ich sehr stark den Unterschied zu dem, was jetzt ist. Und das passiert mir vielleicht 2 mal im Jahr und das ist schon oft.

Zeitfaktor - Mir kommt es auch recht lange vor. Deshalb frage ich mich auch überall durch. Bekomme aber immer wieder die gleiche Antwort - das ist ihr/dein Krankheitsbild. Alles was mich in der Vergangenheit fertig gemacht hat, habe ich beseitigt. Ich führe ein schönes Leben, wenn dieses "Krankheitsbild" nicht wäre.

Vor drei Jahren habe ich Doxepin entzogen. Es war eine Quälerei und dauerte rund 6 Wochen. Von Doxepin habe ich u. a. elende Panikattacken bekommen. Und das nicht nur von Doxepin. Ich kann eine ganz lange Reihe an AD's aufzählen, die ich nicht vertragen kann. Die Panikattacken waren lt. Ärzte auch Krankheitsbild. Komisch, seit dem ich kein Doxepin mehr nehme, habe ich nie wieder eine Panikattacke gehabt.

Zwischenzeitlich habe ich einen Arzt gefunden, der ganz klar die Aussage gemacht hat, dass bei allen Medikamenten, die an das ZNS gehen mit Absetzsymptomen zu rechnen ist. Sei es nun von NL oder Mittel bei Parkinson oder MS. Ebenso hat er mir gesagt, dass sich das ZNS erstmal erholen muss und auch wieder lernen muss, ohne Medis zu arbeiten. Auch kam da die Auskunft, dass man nichts anderes machen kann als es auszusitzen und sich entsprechend zu ernähren.

Ich habe u. a. gegoogelt und viel Beiträge zu dem Thema gefunden. Beiträge darüber, wie NL's und AD's krank machen und mit dem eigentlichen Krankheitsbild gar nichts mehr zutun haben. Aber mit der Gabe der Medis hörten die BEschwerden auf. Es funktioniert einfach und deshalb werden diese Medis immer weiter verschrieben und der Patient denkt ein Leben lang, dass er psychisch krank ist - obgleich er es nicht ist. Ebenso habe ich gelesen, dass NL jeglicher Art und Weise bei dauerhafter Anwendung das Gehirn schädigen.

Ich selbst habe für mich entschieden, nie wieder solche Medis zu nehmen. Die Nebenwirkungen sind der Horror - zumindest für mich - und auch meine Persönlichkeit hat sich stark verändert. Auch wenn es mir jetzt dreckig geht - aber ich habe meine Persönlichkeit wieder, was wirklich ein Gewinn ist. Und noch schöner wäre es, wenn mein Kopf wieder arbeiten würde, wie er es immer getan hat.

Auffällig ist, dass es zeitgleich mit dem Beginn der Wechseljahre losging. Jedoch will da auch niemand was von wissen. Das war so heftig, dass erst der dritte Gyn mir geglaubt hat dass ich in den Wechseljahren bin und gegen die klassischen Symptome der WJ was gemacht hat. Alles andere läuft in Leere. Egal wen man fragt! Was wohl öfters gesagt wurde, dass wenn man in den WJ ist unbedingt dazu AD's nehmen soll. Das halte ich für ausgemachten Quatsch! Dann müsste ja jede Frau über 45 mit AD's im Blut rumrennen. Das glaube ich absolut nicht.

Gruß
Filzblume

mamschgerl
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Re: Absetzsymptome Fluspirilen

Beitragvon mamschgerl » Di 24. Jan 2017, 04:17

hallo filzblume,
ich werde demnächst 52, bin mit den begleiterscheinungen der wj soweit durch und hätte ihretwegen nie ad genommen, denn nätürlichen vorgängen im körper und den hormonschwankungen mit medikamenten zu begegnen, käme mir da ebensowenig in den sinn, wie pubertäre oder sonstige lebensabschnitte, die man durchläuft, als psychisch auffällig behandeln zu müssen, eben auch am besten mit entsprechenden medikamenten.
ich verurteile schon länger die marketingpraktiken der pharmaindustrie, nach denen im grunde jeder, der unter den kleinsten stimmungsschwankungen leidet, psychische probleme hat.
nachdem ich von klein auf weiß, daß mit mir so manches nicht stimmt und auch die ursachen dafür kenne, habe ich viel über die psyche gelesen bzw. welche folgeerscheinungen auftreten können. durch meinen zusammenbruch vor ca. drei jahren kam ich zum ersten mal in meinem leben in kontakt mit psychiatern, die mit ihren diagnosen dem ganzen einen namen gaben und mir meinem wissen darum eine bestätigung.
ich muss zugeben, daß ich aus dem zustand nicht ohne medikamente herausgefunden hätte, seitdem bin ich auch in ambulanter therapie und habe zwei klinikaufenthalte hinter mir, wobei ich den zweiten in einer speziellen traumastation nach drei wochen abgebrochen habe. mittlerweile gelte ich als therapieresistent, was aber bei diesen diagnosen leider der normalfall ist.
ich habe immer versucht, die krankheitsbedingten symptome mit legalen und illegalen drogen zu bekämpfen, zuletzt eben mit medikamenten.
seit anfang dezember nehme ich nichts mehr ein, mir geht's ebenfalls wirklich dreckig, aber trotzdem besser, da ich unbeeinträchtigt von chemie nun den tatsächlichen, realen symptomen gegenüber stehe mit dem klaren wissen, daß nichts davon medikamentenbedingt hervorgerufen wird.
es ist das erste mal in meinem leben, daß ich völlig frei von substanzen bin, aber ich musste wohl erst so alt werden und dieses leben führen, bis ich mich dem ganzen unbeeinflusst stellen konnte.
zu wissen, wie es um einen steht, bedeutet eben noch lange nicht, daß man es auch akzeptieren kann.
der von dir erwähnte arzt, der dir entsprechend ehrlich auf deine fragen geantwortet hat, erscheint mir als vertrauenerweckend. es gibt leider nur noch selten welche, die nicht gleich mit einem neuen, unschlagbar guten und in keinem vergleich stehenden medi winken, die absolut keine nebenwirkungen wie bisher hervorrufen und garantiert nicht abhängig machen.
es ist eine tatsache, daß durch medikamente oft neue krankheiten entstehen, daß die nebenwirkungen der einfachheit halber auf krankheiten zurückgeführt werden, obwohl niemand wirklich weiß, welche auswirkungen langfristige einnahme mit sich bringen, außer, daß die psyche oftmals irreparable schäden nimmt, doch das wird gerne verharmlost. sätze wie 'keine abhängigkeit' oder 'keine veränderungen der persönlichkeit' sind standard und eine unverschämte lüge.
wieso gibt es dann derart gravierende nebenwirkungen und absetzsymptome?
wie gesagt, ich lebe lieber 'trocken' und mit all meinen panikattacken, flashbacks, alpträumen, meiner schlaflosigkeit, meinen depressionen, dissoziationen, meiner emotionslosigkeit und allem anderen, was da noch so ansteht, als daß ich mich in einer medikamentenumnebelten wahrnehmung vollkommen verliere und nicht mehr zu unterscheiden weiß, was jetzt von mir selbst kommt oder durch substanzen hervorgerufen wird.
ein schwerer gang, aber ehrlich und tatsächlich.
ich wünsche dir ein gutes durchhaltevermögen, eine der voraussetzungen, ein stabiles umfeld, hast du dir schon geschaffen, also einen wichtigen schritt schon getan.
l.g. mamschgerl


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