Langzeittherapie mit Fluoxetin

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mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Di 6. Dez 2016, 11:13

...na toll, habe gerade erfahren, daß meine therapeutin, die für die medikation zuständig ist, nur noch bis ende februar praktiziert, ich habe also noch zwei termine bei ihr und muss mich bis dahin mit einer anderen "anfreunden", was für mich ziemlich schwer vorstellbar ist, umso mehr, da ich soviel in nächster zukunft vorhabe, jetzt soll ich mich auch noch damit befassen.
bei der nachricht heute morgen bekam ich sofort schweißausbrüche, panik, habe geheult, allein die vorstellung, mit einer fremden person wieder neu anfangen zu müssen, macht mich fertig, es war schwer genug, mit diesen beiden therapeutinnen mal soweit warm zu werden, daß gespräche überhaupt möglich waren; mich jetzt wieder einer anderen öffnen und das ganze kennenlernspiel von vorne beginnen zu müssen, ist für mich horror pur.
aber da führt keinweg dran vorbei, will ich weiter medis haben, brauche ich eine ersatztherapeutin, da meine eigentliche keine verschreibt. andererseits könnte ich das auch als möglichkeit nehmen, mit den medis aufzuhören, was ich ohnehin vorhatte...vielleicht ist das ein guter vorwand für mich, ein bestehendes und ein anstehendes übel aus der welt zu schaffen...
denn ich möchte nicht dauernd etwas nehmen müssen und unbedingt ohne "legale drogen" weitermachen.
und warum einfach, wenn's auch kompliziert geht? :silly:
l.g. mamschgerl

Luna070707
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Di 6. Dez 2016, 16:25

Hallo Mamschgerl
Hmmm, das tönt nach einer ziemlichen Schnellschuss-Reaktion von Deiner Seite...... Ich verstehe nur zu gut, dass ein Leben ohne Medikamente und fremde Hilfe ein Traum von uns beiden ist - aber fühlst Du dich wirklich genug stabil um diesen Schritt zu wagen ? Geht es Dir gut genug, um einen Versuch zu starten oder dies vielleicht eine verzweifelte Reaktion ???
Vor drei Jahren habe im meine Medikamente ohne meine Therapeutin und meinen Hausarzt darüber zu informieren abgesetzt. Innerhalb von zwei Wochen die Dosis selber reduziert. Nicht einmal mein Mann wusste etwas davon - einfach niemand ausser ich. Heute weiss ich, dass die Idee ein völliger Schnellschuss war und definitiv nicht gut herausgekommen ist. Aber ich wollte einfach wieder ein normales Leben führen - wollte mir selber beweisen, dass ich dies auch ohne Medikamente schaffe. Ich könnte mir für diese Idee heute noch ein blaues Auge - oder besser gleich zwei verpassen.
Im nächsten Jahr willst Du für dich einen grossen Schritt wagen - wieder alleine zu wohnen. Ich verstehe Dich! Aber dieser Schritt bedeutet auch wieder eine Belastung für Dich. Bist Du dieser ganz ohne "Hilfe" gewachsen. Wir haben zu Hause die Situation, dass mein Partner vollzeit und ich zumindest teilzeit arbeiten. Wäre dies nicht so, so hätten wir wohl auch nur sehr kurze Zeit unseren Frieden miteinander! Ob mein Partner mir genau die richtige Dosis an Zuneigung bringt - hmmm, vielleicht in gewissen Moment ja - aber sehr oft muss auch ich auf Distanz gehen - da die Situation für mich sehr sehr einengend ist. Besonders in diesen Tagen vor Weihnachten - manchmal fühle ich mich einfach nur elend und extrem wackelig auf meinen Beinen. Auch ich musste diese Woche den Termin bei meiner Psychologin absagen - es wird mir dann einfach zuviel - ein zuviel das ich im Moment nicht vertrage. Ihre provokativen Bemerkungen würden nun einfach zu weit gehen. Da sie bis Ende Jahr keinen Termin mehr frei hat, wird es Mitte Januar - was mir auch recht ist....
Versuche nochmals ruhig über die Situation nachzudenken - ein Schnellschuss kommt bestimmt nicht gut heraus!
Lg Luna

mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Mi 7. Dez 2016, 08:57

hallo luna,
ja, das ist leider so, meine entschlüsse kommen schnell und müssen dann auch sofort in die tat umgewandelt werden, so war es auch mit dem zusammenziehen. die therapeutin erklärt dieses phänomen, entschlüsse fassen und ungeduldig durchziehen, ohne weitere konsequenzen zu bedenken, als ein typisches symptom meiner borderline erkrankung, die zusätzlich diagnostiziert wurde.
aber daß in der regel eine längere zeit an unzufriedenheit vorausgegangen ist, übersieht man hier.
ich habe nur den schritt, den ich gehen möchte, geäußert, aber der kam nicht plötzlich, der gedanke besteht schon länger. sicher sind es schritte, die nicht einem friseurbesuch gleichkommen, sondern welche, die grundlegende änderungen nach sich ziehen.
als mein sohn zur welt kam, war für mich klar, daß ich keine weiteren kinder haben möchte. die fragen, die ich im termin zur sterilisationsberatung beantworten musste, waren so haarsträubend, daß ich fast gegangen wäre.
ich habe es nie bereut ( hätte ich gewusst, daß ich wegen gebärmutterhalskrebs sowieso alles verliere, hätte ich mir das schenken können ), aber ich wusste, daß ich es tun muß, um die sicherheit zu haben, daß kein weiteres kind mich zur mutter bekommen müsste und ich so auch nichts falsch machen könnte.
für außenstehende sind meine gründe, manches zu tun, nicht nachvollziehbar, da diese dringlichkeit oder notwendigkeit solche ausmaße annimmt, die man eben nicht erklären kann.
ich erkenne umstände, die mich belasten, meistens zu spät. aber wenn ich sie erkenne, müssen sie sofort geändert werden, weil ich sie dann keine sekunde länger ertragen möchte.
sicher weiß ich, daß es dann wie ein schnellschuß wirken muss, aber bei mir lässt sich das nicht mehr umkehren.
das hängt unter anderem auch damit zusammen, daß ab dem moment die jeweilige situation für mich unerträglich wird, ich gehöre da nicht mehr hin, ich bin innerlich schon meilenweit entfernt.
ich habe immer schon so gelebt, weil ich es muss und es gar nicht anders geht.
auch hier zeigt sich wieder, daß ein wissen um die sache nichts bringt, ich kann es nicht umsetzen, das gehört auch zu meinem krankheitsbild. ich habe so oft versucht, das zu ändern, aber ich kann es nicht.
heute ist der erste tag, an dem ich kein elontril mehr nehme, ich will nicht mehr.
ich hoffe, daß die absetzsymptome nicht zu schlimm werden, aber ich versuche, nicht darauf zu achten.
deine frage, ob ich mich stabil genug fühle, kann ich nicht beantworten, ich weiß es nicht. wir werden sehen, was sich ergibt, ich kann sowieso nur reagieren auf das, was ich in gang gesetzt habe. mir fehlt das können, zu planen oder schritt für schritt ein ziel zu verfolgen, das auf lange sicht gesetzt wurde.
ich weiß, daß ich nicht rational bin, aber damit muss ich leben. keinesfalls aber will ich andere damit reinziehen, es reicht, daß mein sohn mich ertragen muss, dem ich zumindest ein mindestmass an gefühlen entgegenbringen kann, die da heißen, mich wie eine mutter zu verhalten.
aber einen partner kann ich nicht mehr ertragen, daher ist dieser entschluss in jedem fall der richtige und ich hoffe, daß ich bis zum Sommer 2017 eine wohnung haben werde ( schneller geht's ja leider nicht...)
medikamente zu nehmen, kann ich nicht mehr ertragen, also ist dieser entschluß auch der richtige.
bei mir gibt es nur alles oder nichts, daher schleiche ich nicht aus, sondern höre einfach auf.
kompromisse schließen war auch noch nie mein ding, vor allem nicht, wenn es um das zusammenleben oder einfach nur um meinen seelenfrieden geht. da bleibt manches auf der strecke, aber ich kann nicht anders.
und wie gesagt, es reicht vollkommen, wenn ich mit mir klarkommen muss, es müssen nicht auch noch andere darunter leiden.
und ja, vielleicht bin ich verzweifelt, denn bis vor drei jahren habe ich mein leben ohne fremde hilfe gelebt. ich habe mir zuviel aufgelastet und noch mehr, aber reicht es nicht, daß ich das erkannt habe?
ich kann nicht mehr arbeiten, das war das resultat, aber mehr, als die rente dafür und für den verlust meines mannes annehmen zu müssen, damit ich einigermaßen allein leben kann, funktioniert nicht.
die therapeutin erreicht mich nicht mehr, ich weiß nicht, was sie von mir will und mir geht es zunehmend auf die nerven, daß sie soviel von mir weiß. ich fühle mich ziemlich nackt und schutzlos, das gefällt mir nicht, es kommt einem ausgeliefertsein gleich.
ich will nur meine ruhe, die brauche ich, um mich alleine ohne direkten oder indirekten druck wieder vorwärts bewegen zu können aufgrund selbst getroffener entscheidungen.
oh je, jetzt hätte ich mich fast wieder in rage geredet, das wollte ich nicht. meine aversionen gegen alles und jeden, was mich gerade umgibt und beeinflussen will, sind ziemlich gewachsen.
wir werden sehen, wie es weitergeht, oder?
liebe grüße
mamschgerl

Luna070707
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Mi 7. Dez 2016, 14:27

Hmmm.....ich kenne dieses schnelle Handeln von meiner Seite her auch sehr genau. Wenn etwas in meinem Kopf drin ist, dann wird es meist ohne wenn und aber durchgezogen. Meist weil ich der Ansicht bin, dass ich das richtige für mich mache. Das so ein Entscheid nicht von heute auf morgen da ist, ist klar - solche Entscheide sollten aber trotzdem feinsäuberlich überdacht werden. Auch um Dich in dieser Situation nicht zu überlasten. Auch ich habe nach all den Jahren in vielen Bereichen der Depressionsbehandlung ziemlich die Nase voll. Wichtig wäre aber den Punkt zu spüren, an dem es für Dich wieder wichtig ist Hilfe zu suchen. Meist warte ich bei mir bis es 5 vor 12 ist.... Diesen Fehler mache ich leider immer und immer wieder......
Hast Du die Möglichkeit, dich deinem Hausarzt anzuvertrauen..... Du musst mich verstehen - nicht das er Dich von diesem Entschluss abbringen sollte - aber jemand an den du dich - sollte es (hoffen wir es nicht....) zu einer Verschlechterung der Situation kommen ?

mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Mi 7. Dez 2016, 19:13

hallo luna,
ich denke, daß meine einzige freundin dafür die richtige ansprechperson sein dürfte, da sie mich ganz gut kennt und manches ( aus persönlicher erfahrung ) nachvollziehen kann.
einem arzt könnte ich mich nicht anvertrauen, da ich entgegen des behandlungsansatzes handle, der da heißt, ptbs, schwere depression, borderline, dissoziationstörungen etc etc sei nun mal nur medikamentös gepaart mit therapie zu bewältigen. ich kann mir also nicht vorstellen, daß diese mein vorhaben unterstützen würden.
und ich bin nun mal so, wie ich bin, daran können auch medis nichts ändern, also wozu weiter nehmen?
ich will ohne entscheiden und erkennen können, welche wege ich gehen kann, in dem bewußtsein, daß das ohne chemischen einfluß geschieht und ohne den einfluß von therapeuten, ganz einfach.
ich bin mir sicher, daß ich das kann, aber noch sicherer bin ich, daß ich es tun muss.
na dann, liebe grüße, drück mir einfach die daumen, ja?
mamschgerl

Luna070707
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 8. Dez 2016, 21:05

Hallo Mamschgerl
Die Daumen drücken werde ich Dir gerne! Ich verstehe Dein Vorhaben und deren Gründe. Die Frage stellt sich nun einfach, ob Dein Umfeld Dir helfen würde - weisst Du, ich meine darauf aufmerksam machen könnte - wenn sie merken, dass es Dir wieder schlechter gehen würde... Oder wärst Du in einem solchen Moment ganz auf Dich gestellt...
Glaub mir, auch ich kann meine Medikation noch heute nicht als einen "guten Freund" - so nennt es meine Psychologin - nennen. Aber hier muss ich meinen sturen Kopf manchmal einfach etwas zur Seite schieben und das machen, was ich am wenigsten kann - Geduld mit mir selber haben....
Lg

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Fr 9. Dez 2016, 10:44

hallo luna,
mein sohn passt auf mich auf, er unterstützt mich auch dabei, meine abendlichen spaziergänge mit ihm zusammen nicht ausfallen zu lassen, damit meine steifheit und mein übergewicht nicht noch schlimmer werden.
ich muss ihn oft sogar bremsen, damit er mir nicht so "mütterlich" daherkommt.
ich finde es bedenklich, daß du von seiten deiner therapeutin deine medis als "guten freund" betrachten solltest, damit du nicht solche aversionen dagegen entwickelst...
ich bin da etwas anders und habe von anfang an klargestellt, daß ich die einnahme von ad gleichstelle mit drogenkonsum. alle argumente, daß ad schließlich nicht die psyche beeinflussen würden, sind in meinen augen eine frechheit. natürlich beeinflussen sie die psyche, weswegen sollte man sie sonst nehmen?
daß sie nicht so abhängig machen würden wie drogen, entspricht auch nicht der wahrheit, weswegen hat man sonst absetzsymptome, wenn man sie nicht mehr einnimmt?
alles in allem kann ich keine substanz, die mein hirn beeinflusst, nicht als droge geschweige denn als "guten freund" bezeichnen, allenfalls hilft es einem am anfang, um sich selbst ruhig zu stellen und den ersten schock über die diagnosen und der damit zusammenhängenden zukunftsprognose klarzukommen.
ich würde es als ein schmerzmittel im weitesten sinne bezeichnen, das einem anfangs über den berg hilft, aber dann ist auch wieder mal gut.
ich spreche natürlich jetzt nur für mich, denn ich bezweifle nicht, daß es für andere notwendig ist.
aber ich habe soviel meiner lebenszeit mit drogen und alkohol verloren, es gibt jahre, an die ich mich nicht erinnern kann und ich will keinen einzigen tag mehr irgendetwas nehmen, was mein hirn beeinflusst und dessen langzeitwirkung niemand abschätzen kann.
und nochmal, ich spreche nur für mich und meine persönliche einschätzung meiner psyche.
es kann genau so gut sein, daß ich glaube, es nicht ohne zu schaffen, aber trotzdem hoffe ich, daß ich dann stark genug bleiben und nicht wieder mit irgendetwas anfangen werde.
zum ersten mal bin ich ganz froh darüber, dauerberentet zu sein und mir keine sorgen darüber machen zu müssen, wie ich den nächsten arbeitstag unauffällig überstehen soll, obwohl mir die arbeitsunfähigkeit nach wie vor schwer zu schaffen und mich wütend macht.
eine unterstützung seitens der therapeuten werde ich nicht bekommen, das ist alleine von deren betrachtungsweise schon nicht möglich, aber ich brauche sie auch nicht.
ach ja, das ist auch wieder typisch für mich, ich allein gegen den rest der welt. ich muss mir das selbst beweisen, daß ich nichts brauche und ich lernen kann, mit all meinen problemen leben zu können.
ich denke, wenn ich das durchziehen kann, erarbeite ich mir wieder etwas selbstvertrauen zurück. ich muss mir wieder selbst trauen können, verstehst du das?
wie soll ich weiterleben, wenn ich ständig zur therapeutin renne und medis nehme und ich nicht sicher weiß, was von allem, was ich mache, auf meinen ureigenen mist gewachsen ist und nicht von irgendwas oder -wem beeinflusst wurde?
die aussicht auf ein leben, welches nicht meines ist, ist keine aussicht.
und die geduld, von der du sprichst, hatte ich auch nie. es gibt vieles, was ich noch nie hatte, aber so ist das nun mal. aber ich muss damit leben und damit umgehen und mich akzeptieren. im grunde wird mir ständig ein bild vorgegeben, wie sogenannte normale menschen zu sein haben und unterschwellig vermittelt, daß ich alleine dafür verantwortlich bin, mein anderssein dem anzupassen.
ich weiß, daß das nicht möglich ist, das weiß ich schon von kindheit an, aber anstatt wege zu finden, damit leben zu können, wird versucht, aus mir einen völlig anderen menschen zu machen.
ich bin doch keine knete, die man einfach umformen kann und ich habe keine lust, den persönlichen ansichten einer therapeutin gehör zu schenken, die im grunde genau das glaubt.
mann, jetzt habe ich mich schon wieder in rage geredet, das mach ich gern zur zeit.
aber diese abhängigkeiten belasten mich zu sehr, das muss aufhören.
ich fühle mich wie unter wasser gedrückt und versuche verzweifelt, an die oberfläche zu kommen, im grunde möchte ich die ganze zeit nur schreien.
danke, daß du mir die daumen drückst, heute ist der dritte tag ohne medis und mir geht's gut, obwohl ich kaum geschlafen habe, aber daran habe ich mich eh schon gewöhnt.
ich bin sicher, daß ich es schaffen werde, herrje, ich habe doch angeblich - von anderen seiten betrachtet - schon so vieles geschafft, da ist das doch ein klacks dagegen, oder?
viele liebe grüße
mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Fr 9. Dez 2016, 13:11

nun muß ich der fairness halber noch etwas wichtiges loswerden:
meine therapeutin, die mich nun seit fast drei jahren begleitet, meinte soeben, daß sie mich mit allen kräften unterstützen und mir den entzug in keinster weise ausreden möchte.
auch möchte sie mir nicht mehr behandlungen oder wege vorschlagen, die sowieso nichts bringen, das habe sie nun endlich verstanden, ich solle sie einfach als anlaufstelle bei meinen vorhaben sehen, falls ich hilfe bräuchte.
nun könnte ich gemein sein und denken, sie möchte halt einfach weiter stunden geben, aber ich will glauben, es könnte doch auch sein, daß es noch menschen gibt, die es ehrlich meinen.
:D

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Fr 9. Dez 2016, 20:57

Hallo Mamschgerl
Ich finde es gut, dass Dein Sohn Dir zur Seite steht - auch die Spaziergänge werden Dir ebenfalls ein Stück weit helfen. Ich sehe es bei mir - wenn ich mich bewegen kann, bin ich um einiges entspannter und gelöster, habe eine bessere Stimmung und schlafe auch um einiges besser.
Die negative Haltung gegenüber Medikamenten kenne ich von mir selber....dennoch weiss ich, dass mir diese negative Haltung nur im Weg stehen wird. Ich weiss, dass es mir dank den Medikamenten auch wieder besser gehen wird und sich meine Seele und mein Körper wieder ein Stück erholen können. Zur Zeit bin ich noch nicht dort angekommen - aber es geht mir zumindest wieder ein Stück besser.
Das deine Therapeutin dir deinen gewählten Weg nicht ausreden möchte, finde ich doch gut. Am Ende weisst nur du selber, was für Dich stimmt und wie du dein Leben gestalten möchtest. Hier darf man auch keinen gemeinen Gedanken verschwenden..... Wichtig ist in diesem Moment doch einfach, dass Du im Falle es Dir schlechter ginge, einen Ort findest, an dem Du Hilfe kriegst, oder ? Diese Tür steht Dir offen und dies weist Du im Hinterkopf, dass dies so ist.... Dieser Entscheid von Deiner Seite haben andere nur zu akzeptieren!
Lg

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Sa 10. Dez 2016, 08:30

hallo luna,
ich denke auch, daß anfangs die medis gut helfen bzw. zwischendurch, wenn schlimmeres zu befürchten ist, sollte man sie dann nicht nehmen.
ich bin die letzte, die behaupten könnte, es geht völlig ohne...und daß eine sehr hohe akzeptanz des eigenen zustandes gefordert ist, um dann diese unterstützung ohne zu großen widerwillen einzusetzen, solange es eben nötig ist, ist auch klar. unter diesen voraussetzungen, so denke ich, kann man damit auch vernünftig umgehen bzw. die chemie nutzbringend einsetzen.
ich bin mir auch nicht sicher, was kommt und ob ich es wirklich schaffe, mich selbst ertragen zu können, doch genau deshalb, weil ich es eben nicht beurteilen kann, muss ich das durchziehen.
ich hatte einen zusammenbruch, da ging einfach nichts mehr, ein zitterndes, heulendes, wimmerndes bündel elend, bewegungs- und sprechunfähig, vollkommen dissoziiert, klar, daß da was chemisches hermusste, um mich wieder runterzubringen und mich wenigstens für anfängliche gesprächsversuche zugänglich zu machen.
da hatte ich aber noch alkoholprobleme, was sicherlich diesen zusammenbruch noch förderte.
ich hatte mal vor einiger zeit geschrieben, daß es mir nicht schwerfiel, auf alkohol zu verzichten als solches, es fiel mir nur immer schwer, mich als derart abgesondert von der gesellschaft zu erleben. es ist so anstrengend, nach den regeln zu leben, um eben nicht als absonderlich enttarnt zu werden. ich habe also alles, was ich an drogen genommen habe, dazu genutzt, meine wut, meine ängste und mein unvermögen, dazuzugehören, zu unterdrücken, damit ich "normal" funktionieren konnte.
verstehen kann ich nach wie vor nicht, was um mich herum abläuft, ich sehe nach wie vor nur das negative und finde keinen zugang zum positiven, weil ich schönes nicht empfinden kann.
drogen haben mir erlaubt, wenigstens so zu tun, als ob ich dazu gehöre.
jetzt möchte ich endlich dazu stehen können, daß es nun mal so ist und die kraft finden, mich damit zu arrangieren.
gerade jetzt heule ich schon wieder, kam plötzlich über mich, tja, es ist eben so.
vor einigen tagen war ich auf einem amt, da passierte mir dasselbe. ich habe dem menschen gesagt, er solle sich nicht an meiner heulerei stören und einfach darüber hinwegsehen, das sei bei mir eben so, da ich nicht gesund wäre. ich habe dann einfach unter tränen über das weitergeredet, um was es in meinem besuch ging. der mann schien richtig erleichtert, daß ich nichts von ihm erwartete, also mitgefühl oder schweigen, bis das geflenne vorbei ist, er konnte dann auch gut damit umgehen.
dagegen haben mir die medis nicht geholfen, auch alle drogen nicht, meine depressionen haben sie nicht gemildert und alle anderen probleme auch nicht.
und ich will mich nicht mehr verstecken müssen oder dafür schämen, daß ich eben nicht so bin wie alle.
ich habe schwierigkeiten mit menschen und der normalität, weil ich beides nie kennengelernt habe und beides auf mich sehr beängstigend wirkt.
ich weiß auch, daß der grund darin liegt, daß in der dafür wichtigen phase meiner kindlichen entwicklung irreparable schäden verursacht wurden, aber dann ist es nun mal so. muß ich mich deswegen verstecken oder unangenehme ausbrüche mit chemie übertünchen, damit andere besser mit mir umgehen können und nicht durch mein für andere oft unverständliches verhalten abgeschreckt werden?
ich finde, ich habe ein recht darauf, so zu sein, wie ich nun mal bin, aus welchen gründen auch immer.
wäre ich reich, würde man mich als extrem exzentrisch nennen, aber so bin ich ja nur eine, deren arbeitskraft man nicht mehr einsetzen kann und daher alles versuchen muss, um sie wieder auf die schiene zu bringen.

als nächstes ziel habe ich die gewichtsreduzierung im auge, aber die wird nur begleitend sein bei meinem vorhaben, wieder mein eigenes reich zurückzuerobern.
ich möchte, daß mein kampfgeist wieder erwacht, daß meine eigenmotivation zurückkehrt, denn ich weiß genau, daß ich, wenn ich mich wieder einigermaßen selbstbestimmt fühle, die fressanfälle zurückgehen werden.
und dann, wer weiß? ich bin gespannt auf alles, was passieren wird, hauptsache, es kommt bewegung in die sache. und auch, wenn ich scheitern sollte, so habe ich es doch wenigstens versucht, das alleine ist schon viel wert.
dann weiß ich wenigstens, ob es möglich ist oder nicht, ich selbst zu sein, wie eine andere forumsbesucherin so treffend sagte.
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » So 11. Dez 2016, 08:27

...ich konnte schlafen, welch ein hochgenuss!
ich habe doch tatsächlich 9 stunden durchgeschlafen, kann mich an keine träume erinnern, hatte keine gliederschmerzen, die mich aus dem schlaf gerissen hätten, ich habe einfach durchgeschlafen.
jetzt wird mir richtig klar, wie sehr mir das gefehlt hat, ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt länger als 2 stunden ohne alpträume geschlafen hätte.
und das schönste: ohne chemie. ( die hat mir eh nie geholfen )
und ich kann den ausblick aus meinem küchenfenster genießen, ich sehe rosa und lila wolkenstreifen vor blauem himmel ( ich mag weder rosa noch lila ), aber der anblick ist so herrlich...
allein deshalb muss ich durchhalten, um das wieder "sehen" und vor allem, wieder schlafen zu können.
ich habe nicht gemerkt, in welchem ausmaß so vieles verloren ging. ich habe immer kraft aus dem anblick des himmels, der natur, den bergen und seen ziehen können, ich habe mich hier eingeigelt und verschanzt und nichts hat mich erreichen können, als ob ich in einer taucherkugel ohne fenster gelebt hätte.
in meinem ganzen leben hat mich immer nur die natur berühren können, sie hat mich geerdet, wie man so schön sagt und mich beruhigt. sie hat mich nicht heilen können, aber zumindest habe ich mich geborgen gefühlt.
ich war als kind und auch danach immer stundenlang im wald unterwegs, abseits von pfaden, querfeldein, bergauf, bergab, kein mensch in sicht.
das sind momente, in denen alles nichts mehr wichtig ist, es zählt allein dieses sehen und erleben und ich kann es nicht beschreiben.
ich denke, ich werde mal wieder meinen spezl besuchen müssen, der eine hütte am see bewirtschaftet. ich weiß, daß ich keine langen wanderungen machen kann, dazu fehlt mir völlig die kondition und mein übergewicht macht's buchstäblich auch nicht leichter, aber es wäre ein anfang...
ich habe mich im spiegel gesehen, wirklich gesehen, ich bin so schrecklich fett geworden, wieso konnte es dazu kommen?
ich werde nie wieder medikamente nehmen, mein anblick und mein ich und alles, was verloren ging, gibt mir recht.
es ist eines, zu dissoziieren, depersonalisieren, die realität nicht sehen zu können, daß das leben wie ein falscher film abläuft und ich nicht mitspielen kann, aber sich so ganz und gar zu verlieren, ist horror pur.
es ist, als wäre ich am abgrund gerade noch stehengeblieben.
ich zittere bei dem gedanken, daß ich alles in fremde hände abgegeben, anderen die führung überlassen habe, wie leicht hätte es geschehen können, daß ich die verantwortung total abgetreten hätte?
und wenn es tatsächlich noch zu entzugserscheinungen kommen sollte, so lächle ich sie weg, sie sind nichts gegen die alternative, die nun keine mehr ist, auch, weil sie nie eine war.
ich wünsche jedem, der medikamente nimmt, daß er sie nicht ewig nehmen muss oder zumindest nur manchmal.
ich werde nicht mehr der alkohol- und drogenvernebelten und damit verlorenen zeit nachtrauern, aber ich werde versuchen, daß es künftig solche zeiten nicht mehr geben wird.
danke für's daumendrücken, es hat geholfen!
mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » So 11. Dez 2016, 13:16

Liebe Mamschgerl
Ich wäre froh, wenn ich so gut geschlafen hätte wie Du..... seit 3 Nächten ist mein Mann Nachts non-stop in Bewegung - es kommt ihm nur noch oben und unten. Gestern Nacht hat mein Sohn auch noch damit angefangen. Bin im Moment ziemlich fix und foxi. Ich freue mich für Dich, dass es Dir gut geht. Mich zieht im Moment der Gedanke an die Festtage ziemlich runter - Tage, die ich seit Jahren nicht mehr vertrage...
In diesen Momenten - vorallem auch, wenn es draussen noch so grau ist - weiss ich noch nicht über den Berg bin.
Mach Dir nicht allzu viele Gedanken betreffend deinem Gewicht - ist zwar schneller gesagt als getan, nicht wahr ? - dein Körper wird diese Zeit brauchen, bis auch er sich erholt hat. Die Bewegung wird dir auch psychisch gut tun. Du musst ja nicht gleich mit einem Marathon starten - aber regelmässige Bewegung wird sich positiv auf Deinen Körper auswirken.
Lg

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » So 11. Dez 2016, 16:20

hallo luna,
habe dir eine pn geschickt, hoffentlich ist sie angekommen.
aber zum marathon möchte ich noch bemerken, daß du ja weißt, wie ungeduldig man sein kann, aber ich denke, dafür reicht's wirklich noch lange nicht :sad: und ich werde mir mühe geben, nicht zuviel von mir selbst zu verlangen... :mrgreen:
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Mi 14. Dez 2016, 14:14

Hallo Mamschgerl
Habe Dir soeben eine PN zurück geschrieben - hoffe sie ist angekommen ?!
Lg Luna


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