Langzeittherapie mit Fluoxetin

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mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Do 3. Nov 2016, 16:28

hallo luna,
ja, ich habe wieder zwei katzen, nachdem ich an weihnachten meinen kater wegen krebs nach 14 jahren einschläfern lassen musste.
als kind durfte ich nie tiere haben und daher war das erste, was ich bei einzug in meine eigene wohnung anschaffte, eine katze. mit meiner hündin damals hatte ich auch noch zwei katzen, ich kann mittlerweile gar nicht mehr ohne haustiere sein. auch wenn ich dadurch angebunden bin, so fühle ich mich aber doch nicht so.
von den beiden jetzt ist der eine ein dreijähriger kater aus dem tierheim, der angeblich so verschreckt und menschenscheu sein sollte, daß es monate dauern würde, bis er auftauen könnte. ich habe nicht viel von ihm gesehen, nur riesengroße, ängstliche augen, die mich aus seinem versteck angeschaut haben. er war nach ca. 4 tagen schnurrend in der wohnung unterwegs, als ob er schon immer hierher gehört hätte. die zweite ist eine katze, die ich mit 5 monaten von einem bauernhof geholt habe, jetzt ist sie ein jahr alt. die ist ganz schön frech und gleichzeitig so verschmust und genau das richtige für den kater. die beiden lieben sich.
tja, mit arbeit, die anerkannt wird, kann man vieles von der seele fernhalten, daher habe ich auch soviel gearbeitet, daß es für freizeit nicht mehr gereicht hat.
wäre das liebe geld nicht, hätte ich vielleicht nicht so viel arbeiten müssen, aber ich glaube, daß ich es trotzdem getan hätte, eben aus den erwähnten gründen.
im übrigen hast du recht, meine freundin, die ich seit 14 jahren kenne, weiß auch erst seit kurzem, was meine probleme sind und umgekehrt ist es genauso. es war für uns beide daher auch nicht sehr verwunderlich, daß wir uns von anfang an gut verstanden haben, so, als würden wir uns schon ewig kennen.
mein partner kann mir leider keine starke schulter bieten, er leidet zuviel unter meinen problemen und versteht sie auch nicht ansatzweise. ich wäre, würden es die umstände zulassen, auch nicht mehr mit ihm zusammen in einer wohnung. leider sind mietschulden, sein hartz IV, meine kleinen renten und insolvenz nicht die besten voraussetzungen, eine neue wohnung zu finden bzw. einen vermieter...
aber hier muss ich die zähne zusammenbeißen und abwarten, vielleicht gewinne ich ja doch mal irgendwann im lotto, dann bin ich aber schneller weg, als du schauen kannst
l.g. mamschgerl

mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Mo 7. Nov 2016, 11:22

...bin ich überempfindlich?
mir kann es noch so übel gehen, aber ein "hallo" und ein "wiedersehen" ist immer drin, oder?
ich kann es einfach nicht ausstehen, daß manche kassierer/innen ihren mund nicht aufkriegen, um wenigstens einen hauch an höflichkeit an den tag zu legen. ich war lange in der dienstleistung tätig und kenne von mir selbst nichts anderes, als daß ich gegenüber kunden, egal in welcher branche, höflich bin. meine persönlichen befindlichkeiten gehören da nicht hin.
trotzdem entschuldige ich dieses verhalten der angestellten noch, indem ich mir sage, daß ihr irgendeine laus über die leber gelaufen sein muß, aber noch nicht einmal ein nicken geschweige denn einen blickkontakt als erwiderung, sondern einfache nichtbeachtung ist schon dreist.
ich habe natürlich gefragt, ob sie schlechte laune habe, und derart direkt angesprochen mußte sie reagieren, aber außer einem schnodderigen "wieso?" kam nichts zurück, also dumm auch noch.
ich habe mich trotzdem freundlich verabschiedet und noch lächelnd einen schönen tag gewünscht, doch darauf habe ich auch nur einen unverständlichen blick geerntet, aber immerhin: wenigstens hat sie mal aufgeschaut.
bin ich da zu eigen oder erwarte ich zuviel?
l.g. mamschgerl

Luna070707
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Mi 9. Nov 2016, 16:15

Hallo Mamschgerl
Nein, überempfindlich bist du nicht.... smile.... Ich kann es auch nicht ausstehen, wenn nicht ein Minimum von Anstand zurück kommt. Als mein Kind noch kleiner war, hat er in ganzer Lautstärke zu mir einmal gesagt: Mama, dieser Mann muss das noch lernen. Ich konnte mein Lachen nicht mehr verkneifen. Da hilft wohl nur eins.... an die lieben Wollknäuel zu Hause denken und weitergehen....
Das der Partner die Probleme nicht mitfühlen / verstehen kann, das kann ich von ihm auch nicht erwarten. Die Probleme machen unsere Beziehung auch nicht einfach - ich würde mal sagen, sie sind ein Teil dieser Beziehung geworden. Zu einem grossen Teil muss ich an diesen Schwierigkeiten rumbeissen und zu einem anderen Teil wird er mich auch so nehmen müssen wie ich bin.....mit all meinen Problemen und Schwierigkeiten.
Aber manchmal frage ich mich schon, wie er es so lange bei und mit mir aushält.... ich weiss, das er mir nicht helfen kann.... Ist manchmal schon komisch: Manchmal engt mich diese Nähe ein und andererseits brauche ich diesen Halt um den Boden nicht unter den Füssen zu verlieren... Komisch nicht ?
Lg Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Mi 9. Nov 2016, 17:26

hallo luna,
nein, finde ich nicht. manchmal ist ein partner, der im grunde die probleme nicht verstehen kann, besser zum anlehnen, er ist unvoreingenommener.
damit will ich sagen, er ist einfach da, weil er da sein will, ich finde, das ist ehrlich.
er weiß nur, daß es dir schlecht geht, warum, ist ihm egal, er will nur diesen druck lindern.
es gibt menschen, die die ursache nachempfinden und aufgrund dieser ursache mitleid und wut als reaktion zeigen, aber es betrifft die ursache und nicht den partner, im gegenteil, es macht sie nur um so hilfloser und unsicherer, weil sie damit komplett überfordert sind.
da halte ich einen partner, der nicht alles weiß, sondern eben nur, daß man probleme hat, die bestimmte symptome hervorrufen, für einen besseren helfer in der not.
ich hoffe, ich habe das, was ich meine, irgendwie verständlich machen können!?
ich habe den fehler gemacht, meinem partner auf seinen wunsch hin ein bischen von dem zu erzählen, was meine ptbs verursacht, dabei aber wohlweislich lediglich die allerkleinste spitze des eisberges angekratzt. seine reaktion darauf war wie erwartet, vollkommene überforderung und flucht, er hat total zugemacht und konnte gar nicht mehr von dem ganzen mist hören. für ihn ist das eine völlig fremde welt, er ist anders aufgewachsen und kann sich ein solches szenario nicht im entferntesten vorstellen und erst recht nicht mich damit in verbindung bringen.
ich weiß nur, daß er mitleidet, wenn es mir schlechtgeht und hilflos dabei ist und bleibt.
die frage, warum er dennoch mit mir zusammenlebt und das freiwillig aushält, habe ich mir auch gestellt, zumal ich ihm gesagt habe, daß ich nicht diese empfindungen habe wie er und sie auch nie hatte und nie haben werde.
was hält ihn?
bin ich ihm dankbar, daß er trotzdem bleibt? habe ich ein schlechtes gewissen, weil er im grunde alles für mich tun würde? ( ich würde auch alles für ihn tun,aber nicht aus liebe sondern aus loyalität )
ich weiß, daß ich mich von ihm trennen muß, weil es für mich aus meiner sicht nicht fair ihm gegenüber ist, ich finde, er hat jemanden verdient, der ihn auch liebt.
schwierig, schwierig das ganze.
:silly:

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Mi 9. Nov 2016, 19:16

p.s.
ich finde auch das wechselbad nicht komisch, also einerseits einengung zu empfinden und andererseits den menschen als stütze zu benötigen.
ich empfinde es als einengend, wenn mein partner zuviele zärtlichkeiten braucht und das unbewußt auch deutlich macht, denn ich kann sie ihm nicht in dem maße geben, wie er sie mir gerne geben würde.
wenn er aber völlig unbeteiligt scheint, kann ich seine nähe annehmen, weil ich mich nicht bedrängt fühle und dann kann ich wiederum auf ihn zugehen und stärke aus seiner anwesenheit ziehen.
deswegen sagte ich, daß es vielleicht nicht fair ist, ihn den ganzen wirrwarr aufzubürden im sinne von 'er bleibt freiwillig, also muß er damit umzugehen lernen'.
wie könnte ein mensch damit umgehen, daß sein partner bei zuneigungbezeugungen flüchtet, keine freude, sondern argwohn und mißtrauen z.b. mit kleinen aufmerksamkeiten auslöst?
wie kann ein 'normaler' mensch verstehen, daß er niemals das vertrauen oder die zuneigung des partners wecken kann"

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Sa 12. Nov 2016, 10:46

Hallo Mamschgerl
Da hast Du in sehr vielen Punkten recht. Meinem Partner erzähle ich nicht viel von meiner Vergangenheit. Es wäre ein Fehler von meiner Seite und würde sehr vieles kaputt machen. In all den Jahren hat er einiges mitgekriegt und fragt mich jeweils auch, wenn er desorientiert ist. Kürzlich hat er eine Narbe an mir entdeckt und gefragt, woher diese komme...... was will ich dann machen.... ehrlich sein oder schweigen...... ein Schweigen macht die Situation für beide Seiten nicht einfacher ...... so sage ich dann halt lieber (wenn auch eine wenig ausführliche.....) die Wahrheit.
Auch wenn er mir dann schon gesagt hat, dass er meine Situation nie verstehen wird, wenn ich nicht mit ihm darüber rede, so glaube ich, dass es besser für beide ist, darüber zu schweigen und den Abstand zu halten. Am Schluss ziehe ich ihn nur in Sachen hinein, mit denen er onehin überfordert ist.
Ich glaube aber nicht, dass es nicht möglich ist, dass ein "normaler Mensch" bei uns nicht auch Vertrauen schaffen kann. Aber es dauert sehr viel länger und wird wohl nie die selbe Ebene sein, wie bei einem Menschen der "gesund" ist....

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Di 15. Nov 2016, 12:51

tja, und genau da liegt ja wieder der knackpunkt.
umgebe ich mich mit ähnlich vorbelasteten menschen, damit ich irgendwo und irgendwie verstanden werde und die ich selbst gut verstehen kann oder weiterhin mit den normalos, damit ich den bezug zur sogenannten realität nicht verliere, obwohl ich diese welt nicht verstehe?
zum glück gibt's dieses forum, da kann man ab und an solchen gedanken freien lauf lassen, ohne gleich schief angesehen zu werden.
das herauslassen der lebensgeschichte bzw. der erlebnisse und erfahrungen fällt mir vor allem deswegen so schwer, weil ich es immer noch nicht glauben kann, daß das alles mir widerfahren ist.
nach wie vor ist es, als wäre das jemandem passiert, den ich nicht kenne, zu dem ich keinen bezug habe.
wenn einige szenen vor meinem geistigen auge ablaufen, ist es ähnlich wie das anschauen eines psychothrillers mit perversen und gestörten, so was passiert nicht in der wirklichkeit.
wenn ich mir dann vorstelle, daß ich eine solche kindheit und jugend hatte, die für die meisten eine schwer verdauliche kost darstellen würde, frage ich mich, wie ich jemals das alles mit meinem ich zusammenbringen soll, damit ich es annehmen und integrieren kann, als erinnerung, die mich nicht mehr belastet?
aber um wieviel verstörender mag es dann für den partner sein, wenn er dies alles erfahren würde...
letztendlich ist es wurscht, man bleibt eh alleine mit seinen dämonen, ob so oder so...
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » So 20. Nov 2016, 12:51

Hmmm.... dieser Knackpunkt ist alles andere als einfach. Irgendwie kann man die eigene Geschichte in solchen Situationen mit dem eigenen Ich abstimmen. Da fragt man sich dann schon sehr sehr oft: Warum ich ? Bisher habe ich noch keine abschliessende Antwort für mich gefunden. Manchmal mache ich mir dann meine Gedanken, wie ich in 10 oder 20 Jahren damit umgehen kann/ werde. Was wird wohl dann sein ? Mit meinen Erlebnissen und Gedanken werde ich wohl bis an mein Lebensende alleine sein....

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » So 20. Nov 2016, 14:37

oha, so weit habe ich noch nie vorausdenken oder -planen können, 10 oder 20 jahre?
aber das gehört zu mir auch dazu, das nicht-planen-können, ich kann vorausschauend am straßenverkehr teilnehmen, aber nicht am leben. ich denke, das ist auch gut so. hätte ich das alles schon vorher gewusst und auch, daß es unabänderlich wäre, dann hätte ich wohl damals die entscheidung nicht für dieses leben getroffen.
daß ich bis zu meinem lebensende alleine mit meinen gedanken und empfindungen sein werde, wurde mir allerdings schon ziemlich früh klar. schade, daß es da noch keine computer für den allgemeinbedarf und erst recht nicht solche foren gab, dann hätte ich mich nicht ganz so alleine fühlen müssen.
ich hatte am freitag in meiner therapiestunde übrigens das und noch einige andere meiner vielen macken angesprochen, die sich nie ändern würden und auch, daß tiefenfundierte verhaltenspsychologie absolut nichts bringe, verbunden mit der frage, ob diese stunden eigentlich gerechtfertigt sein würden?
zumindest war mir ein lacher sicher. es ist doch immer wieder schön, anderen eine freude zu bereiten.
während sich also meine therapeutin weiterhin einredet, daß unsere vielen, vielen gespräche einen nutzen erbracht hätten, sehe ich weiterhin eine endlose leere, die sich nicht füllen lässt und weitere fruchtlose versuche, mich zu verbiegen und zu verrenken, um in irgend eine form zu passen, die sich dann wenigstens ansatzweise in die realität integrieren lässt.
sie gibt die hoffnung nicht auf, ich hatte nie welche.
das ist der unterschied, den sogenannte normale menschen einfach nicht auf die reihe kriegen: man kann nicht alles schönreden, man muss auch mal einsehen, daß es baustellen gibt, die nicht wieder zu restaurieren sind.
aber trotzdem, ist das nicht ein herrliches herbstwetter?
liebe grüße mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 24. Nov 2016, 20:32

Hmm, ob die tiefenfundierte Verhaltenspsychologie etwas bringt..... vielleicht für den einen oder anderen ja, aber für mich.....vielleicht habe ich mich bereits zu fest "abgeschrieben". Ich merke auch, dass ich mich innerlich total dagegen wehre. Meine Psychologin hat mir kürzlich gesagt, dass ich mich innerlich so auch ein Stück weit schütze. Ich denke, dass es eine tiefe Angst ist, sich dieser Situation stellen zu müssen und so erachte ich es als einfacher, dass ich mir diese vom Leibe halt. Vielleicht ist für mich auch noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen und ich werde irgendwann bereit sein dazu. Sie erzählte mir, dass diese Aufarbeitung in sehr kleinen, dosierten Schritten geschehen müssten - welche mir dann aber eine Last nehmen würden. Sie erzählte mir von ihren Bedenken, dass ich - sofern ich so weiterfahre - mit dem Risiko lebe, dass es irgendwann zum Zusammenbruch kommen wird. Dann werde ich wohl keine andere Wahl haben, als mich dieser Situation zu stellen. Klar habe ich Angst davor, dass dies irgendwann einmal eintrifft - aber ich versuche dies soweit wie möglich zu verdrängen.
Und wie du es sagst......manche Baustellen kann man.....wenn überhaupt.... nur notdürftig flicken..... aber halten wird dies sowieso nicht....
Lg Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Fr 25. Nov 2016, 07:58

...bis es irgendwann mal zu einem zusammenbruch kommt...
diesen hatte ich ja vor drei jahren, jetzt sind es fast vier...aber neue erkenntnisse sind da nicht entstanden und daß ich mich diesem trauma stellen und es dadurch irgendwann akzeptieren sollte, ist für mich inakzeptabel.
nicht alle psychiater behaupten, daß konfrontation die beste aller lösungen sei, sondern sind der überzeugung, daß auch hier eine unterscheidung der traumatischen erlebnisse und auswirkungen zu treffen ist.
ich halte nichts davon, meine erlebnisse erneut zu durchleiden, denn sie büßen nichts von ihrer brutalität und ihren auswirkungen auf mich ein, das ungeheuerliche daran verstärkt sich nur noch.
wie ich schon sagte, da kann man nichts schönreden oder zerreden und es dadurch verblassen lassen und die folgen sind irreparabel, dazu gehören nun mal die vielen emotionen, die man neu erlernen müsste oder ausgraben, aber wenn die nicht vorhanden sind und nie vorhanden waren, kann man mit der konfontation nichts ausrichten und mit allen anderen, gängigen verfahren ebensowenig.
auch das sagte ich schon, wissen allein bringt gar nichts, wenn man nicht in der lage ist, dieses auch umzusetzen.
ich hatte gestern wieder eine stunde, bei der mir das wieder sehr klar wurde. die therapeutin versucht nun gar nicht mehr, irgendeinen bezug zu meinen problemen zu knüpfen, mittlerweile artet das mehr zu einem kaffeekränzchen aus, ich werde wirklich einer verlängerung nicht mehr zustimmen, vergeudete zeit.
ich versuche einfach, mit meiner person klar zu kommen und mit meinen unzulänglichkeiten zu leben.
beziehungsunfähigkeit gepaart mit emotionslosigkeit, unkontrollierbarem heulen oder der ständigen wut und aggression und dennoch der ständig vorhandenen leere und kälte und dem wunsch nach alleinsein, am besten auf einer alm in einer berghütte, an der kein weg vorbeiführt.
endlich ruhe, das wäre fein, aber ohne geld ist das schwierig, ich müsste vieles selbst machen und dafür wäre ich gerne zwanzig jahre jünger...ich bin halt auch zu bequem geworden... :roll:
aber zumindest steht mein entschluß fest, wieder alleine zu wohnen, was ich nächstes jahr in angriff nehmen kann.
das lässt mich jeden tag ein wenig lächeln, diese aussicht auf freiheit in den eigenen vier wänden. :D
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 1. Dez 2016, 14:26

Liebe Mamschgerl
Hmmm, ich glaube auch nicht, dass sich durch einen Zusammenbruch neue Erkenntnisse für mich auftun würden. Hier stelle ich mir natürlich die Frage ob sich dieser überhaupt verhindern liesse..... oder ob es.... falls es einmal soweit kommt.... auch nicht zu verhindern ist. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich für mich persönlich zumindest das Gefühl, dass es mir soweit gut genug geht... so das diese Situation nicht eintreffen sollte.... aber vielleicht irre ich mich ja da auch. Auch wenn meine Psychologin mir beim letzten Mal eingeredet hat, dass ich mich zu schonen habe und mir sorge trage solle. Aber wie stellt man das am besten an.... Ich merke, dass ich wohler bin, wenn ich einer Beschäftigung nachgehen kann und mich weniger mit meinen negativen Gedanken durchschlagen muss.
Diese Gespräche mit Psychologinnen, die irgendwann zum Kaffeekränzchen ausarten kenne ich nur allzu gut. Im Moment gehe ich nur noch sporadisch - so alle 3-4 Monate zu ihr. Aber mehrheitlich nur für die Medikamente. Aber jedesmal gehe ich im Gedanke wieder von dort weg - wie soll ich sagen - so im Gedanken, dass diese Stunden für mich einfach keinen Sinn haben. Aber vielleicht sind diese Stunden für uns auch wichtig um Gedanken / Gefühle los zu werden, welche wir sonst mit keinem anderen teilen könnten.
Das alleine wohnen hat Nachteile und auch Vorteile. Andauernd jemand um mich herum vertrage ich auch nicht und doch bin ich froh, dass doch noch jemand am Abend heim kommt und für mich da ist....
Lg Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Do 1. Dez 2016, 19:08

hallo luna,
das ist das fatale an zusammenbrüchen, man bemerkt die anzeichen dafür selbst nicht. mir haben auch im vorfeld genügend menschen gesagt, daß ich so nicht weitermachen könne, soviel arbeit, soviel einsatz, im beruflichen wie im privaten, immer power, immer gas geben, nie still stehen und immer denken, daß das alles zu stemmen ist, weil es nicht wahrgenommen wird, daß es zuviel ist.
ich glaube, hier zeigt es sich zum ersten mal in meinem leben, daß ich anderen hätte wohl trauen können, als sie mich darauf hingewiesen haben, aber ich wollte es einfach nicht, eben weil alles, was ich getan habe, mich von den erinnerungen fernhielt.
selbstfürsorge ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, denn ich habe keinen draht dazu. das mag sich blöd anhören, aber es ist eben so, daher habe ich ja die ganzen probleme.
ich habe nach dem tod meines mannes, dem vater meines sohnes, alleine mit unserem kind gelebt und war eigentlich ganz zufrieden, es war das erste mal, daß ich ohne partner oder mitbewohner lebte und ich habe es genossen, gerade in meiner kärglichen freizeit mich nur mit meinem sohn auseinanderzusetzen zu müssen, weil mich das genug forderte. einen partner hätte ich lange zeit nicht ertragen können.
aber ich fühlte mich frei und nicht eingeengt, habe meine entscheidungen selbst getroffen, meine wohnung gehörte mir und ich konnte die tür hinter mir schließen.
acht jahre lang hat mir das gut gefallen und dann komme ich auf die idee, wenige jahre später mit einem neuen partner zusammenzuziehen, der genau wie ich durch das alleineleben seine macken etc angesammelt hat, was nur schiefgehen konnte.
und da ich es als eher lästig empfinde, wenn sich jemand um mich kümmert oder ständig wissen will, wie es mir geht, ist es das beste, ich lasse das wieder hinter mir. ich habe mich wirklich wohler gefühlt, als ich es selbst bestimmen konnte, wann ich jemanden sehen möchte.
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » So 4. Dez 2016, 13:20

Hallo Mamschgerl
Das sich zurück ziehen können ist auch mir ganz ganz wichtig. Wenn ich das nicht mehr kann, so wird es mir schon bald zuviel.
Aber ist es nicht auch gut, wenn Du weisst, dass jemand für Dich da ist und dich ein Stück weit positiver durchs Leben gehen lässt - der manchmal einfach nur die Hand gibt oder Dir ein Lächeln schenkt. Ich habe zur Zeit eine Wohnsituation wo jeder für sich seinen Raum hat, in den er sich zurückziehen kann und sich selbst sein kann - durch die berufliche Situation ist mein Mann auch nicht jeden Abend zu Hause bzw. schläft öfters im Hotel. Dies gibt mir zusätzlich Ruhe. Sofern beide Partner sich zurückziehen wollen und auch können ist das eine andere Situation, als wenn der eine am anderen klebt und der andere nur seine Ruhe sucht. Klar hat jeder so seine Macken - aber die lassen sich wohl bei keinem ausschalten. Ich versuche diese meistens mit sehr viel Ironie zu überdecken.
Auch ich schätze es sich, wenn sich jemand nonstop nach meinem Befinden fragt und sich immer um mich kümmern möchte. Ich musste in meinem Leben genug und früh kämpfen und kann mich auch ohne jemandem an meiner Seite durchkämpfen. Klar ärgert sich meine bessere Hälfte sich blau und grün ab mir - aber ich habe nun mal meine Erfahrungen und Geschichten hinter mir und die haben mir nun mal gezeigt, dass ein absoluter Verlass nur mir gegenüber möglich ist.... Hmm, schwieriges Thema.....
Lg Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » So 4. Dez 2016, 14:31

liebe luna,
ja, das ist ein schwieriges thema, besonders den menschen gegenüber, die einfach nur helfen wollen, was ja an sich nicht das schlimme ist.
schlimm ist es - für mich - nur dann, wenn der helfende mensch mich völlig falsch einschätzt und daher alles nur falsch machen kann. ich kann ihn nicht gewähren lassen, weil er es ja nur gut meint, aber mich andererseits gerade damit so sehr einengt, daß es unerträglich wird.
sicher ist vieles mit einem guten schuß ironie zu ertragen, aber wie du schon schreibst, nur bei möglicher räumlicher trennung und der akzeptanz des anderen, daß die tür jetzt zu ist und so lange bleibt, bis sie wieder geöffnet wird; natürlich wird es auch leichter, wenn mindestens einer von beiden berufstätig ist.
das ist bei uns nicht mehr gegeben, mein partner hat seine stelle schon länger nicht mehr und wird aufgrund seines alters auch nicht mehr vermittelt, was ihn aber nicht weiter stört. abgesehen davon geht er nächstes jahr in rente.
durch meine erkrankung und berufsunfähigkeit bedingt sitzen wir uns nun aber von morgends bis abends auf der pelle, da bleibt nicht mehr viel kraft für ironie, zumal seine art für mich sehr grenzüberschreitend ist und von mir nicht mehr schönzureden ist.
ich ertrage seine nähe nicht mehr, ich empfinde alles, was er tut oder sinngemäß von einer beziehung erwartet, als unerträglich und kann damit nicht mehr klarkommen.
am montag werde ich einige infos vom jobcenter einholen, ob es eine möglichkeit gibt, finanzielle unterstützung bei umzug in einer kleine wohnung zu bekommen, da ich von meinen renten weder umzugskosten noch kaution bezahlen könnte.
ich brauche meinen freiraum, ich hätte ihn wirklich nie aufgeben sollen, schließlich weiß ich doch ganz genau, daß ich beziehungsunfähig bin und es nichts bringt, mit einem menschen zusammen zu leben.
und sollte ich wider erwarten eine schulter zum ausweinen brauchen, kann ich mich immer an meine einzige freundin wenden, dafür muß ich keine pseudobeziehung führen (denn anders kann ich das nicht mehr bezeichnen).
daß es die richtige entscheidung ist, erkenne ich daran, daß ich wieder etwas mehr bewegungsdrang verspüre und aufrechter gehen kann. ich erkenne es an kleinigkeiten, die man nicht richtig beschreiben kann, ich weiß einfach, daß es richtig ist.
es ist schön, daß dein partner dir scheinbar genau die richtige dosis an zuwendung zuteil werden lässt, die jeweils angesagt ist oder zumindest in momenten, in denen du keine brauchst, diese auch zurücknehmen kann, also deine wünsche respektiert.
leider ist das bei meinem partner nicht so. erschwerend kommt nun mal auch dazu, daß ich keine berührungen mehr ertragen kann ( ich konnte nicht mal ein ekg durchführen lassen ), die über ein händeschütteln hinausgehen.
aber was soll's, es kann nur besser werden.
l.g. mamschgerl


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