Langzeittherapie mit Fluoxetin

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Luna070707
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Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Sa 3. Sep 2016, 13:23

Hallo zusammen
Vor 16 Jahren hatte ich meine erste depressive Episode. Nach einigen Jahren, in denen es mir gut ging, kamen immer wieder Schübe. Anfangs liess ich mich mit Gesprächstherapie und Fluoxetin behandeln. Bei den letzten beiden Episoden nur noch mit Medkamenten. Eine Gesprächstherapie ist für mich im Moment nicht vorstellbar. Ich habe extreme Angst mit der Konfrontation von belastenden Ereignissen in meiner Vergangenheit. Gestern hat mir ein Arzt gesagt, dass es für mich sinnvoll wäre, wenn ich das Medkament Fluoxetin als Langzeittherapie nehmen würde. Nun bin ich ziemlich down...... Der Gedanke, über die nächsten Jahre / Jahrzehnte Tabletten schlucken zu müssen macht mir ziemlich Bauchweh!!!!
Wer hat Erfahrung mit der Langzeittherapie von Fluoxetin ?
Geht es jemandem da draussen genau so wie mir ?

mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Sa 3. Sep 2016, 17:41

hallo luna,
einerseits ist der ratschlag des arztes, die immer wiederkehrenden depressionen eben durch die langzeittherapie nicht mehr wiederkehren zu lassen, verständlich.
andererseits würde ich noch, wenn möglich, andere ärzte konsultieren.
eine therapie muss auch nicht immer mit einer konfrontation verbunden sein, da rede ich aus eigener erfahrung, auch für mich ist dieses thema keine option, mir geht es nur um das reden und das artikulieren meiner gedanken, die ich niemandem sonst zumuten möchte bzw. niemand sonst so annehmen kann.
wichtig wäre, herauszufinden, ob du die einnahme von ssri erstmal als vorübergehende, zwar diesmal etwas länger dauernde, aber wieder endende medikamentöse therapie annehmen kannst.
auch für mich war der gedanke, lebenslang auf medikamente angewiesen zu sein, nicht verlockend, aber die kehrseite der medaille ist nun mal, daß eine rezidivierende schwere depression und andere schlimme zustände einen einigermaßen erträglichen tagesablauf unmöglich machen.
du leidest schon lange unter deiner depression, es ist also nicht wirklich eine besserung, so wie du schreibst, zu erwarten. vielleicht ist es diese erkenntnis, die dich so sehr erschreckt? nicht nur die lebenslange einnahme von antidepressiva, sondern die tatsache, daß dir die depression erhalten bleibt?
es ist ein schock, wenn ein arzt einem so etwas verdeutlicht, so was muss verdaut werden.
auch, wenn man insgeheim schon wusste, daß dieser zustand immer wieder kommt oder bleiben wird, richtig bewusst wurde es mir auch erst, als es um medikamente ging. mittlerweile halte ich diese möglichkeit der medikamentösen linderung der symptome für annehmbar.
und wer weiß das schon so genau, vielleicht geht's ja auch mal wieder ohne pillen?
ich zumindest hoffe darauf, meine irgendwann reduzieren und schließlich ganz absetzen zu können.
aber vorerst bin ich ganz froh, daß es medizin gegen alpträume gibt, denn das gibt mir die möglichkeit, im großen und ganzen ruhig zu bleiben trotz vieler erkenntnisse und eigentlich unerträglicher wahrheiten.
ich wünsch dir alles gute
l.g. mamschgerl

Luna070707
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 8. Sep 2016, 15:01

Hallo mamschgerl
Besten Dank für Deine Zeilen !!! Ich habe mich gefreut!
Entschuldige, dass ich erst jetzt eine Antwort gebe - ich bin in den letzten Tagen nicht dazu gekommen in Ruhe ein paar Zeilen zu schreiben.
Du hast recht - das was mir am meisten Schwierigkeiten bereitet, ist die Tatsache, dass mich die Depressionen immer wieder einholen und ich sie aus meinem Leben nie ganz abhaken kann. Es ist die Erkenntnis, dass sie mir schon sehr viel zerstört hat und dies auch noch in Zukunft machen wird. Unter dem leidet wohl jeder am meisten.....
Einen Alltag ohne Medikamente ist für mich im Moment nicht sinnvoll.... ein Loch wäre vorprogrammiert..... Anfang Jahr hatte ich nachdem ich wieder auf SSRI eingestellt war, ein Besserung meiner Situation erfahren. Leider ging es mir in den Sommermonaten wieder schlechter....aus welchem Grund weiss ich selber nicht. Diese Schwankung macht mir sehr zu schaffen....
Auch ich hoffe sehr, dass sich meine Situation eines Tages wieder erholt und ich wieder ein Stück ohne Medikamente durchs Leben gehen kann.
Ich grüsse Dich freundlich!
Luna070707

mamschgerl
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Di 13. Sep 2016, 09:56

hallo luna,
selbst wenn ich den grund weiß, warum ich unter depressionen und anderen begleiterscheinungen meiner ptbs leide, so kann ich doch nichts dagegen tun, denn die probleme werden auch durch das wissen um die ursache nicht besser.
diese mauern, die man sich errichtet, werden dennoch immer brüchiger und anfälliger bei jedem noch so kleinen stoss und fallen in sich zusammen und jedes mal baut man wieder neue, obwohl man weiß, daß sie wieder und wieder zusammenfallen wie ein kartenhaus.
ja, man reitet gegen windmühlen an, aber es bleibt einem nichts anderes übrig, denn nur so hat man die chance, in den zeiten, in denen die mauer etwas hält, zu erkennen, daß es noch was anderes gibt als depressionen.
und ja, auch wenn ich weiß, daß dieses andere seltener zu erkennen ist und die mauer dieses mal für eine längere zeit noch nicht mal die grundfesten hat, so versuche ich trotzdem nicht zu vergessen, daß es dieses andere gibt.
stimmt schon, das hört sich irgendwie an wie "irgendwo geht immer wieder ein lichtlein an" oder so ähnlich und mittendrin in eine phase kann man über solche sprüche nur noch bitterlich lachen, aber wie gesagt, was bleibt einem sonst noch?
ich arbeite einfach daran, nicht zu vergessen und kann deswegen auch gleichzeitig weinen und lachen, zum glück, denn ohne einen gewissen grad an humor geht's nun mal nicht und den erhalte ich mir bis zum schluß; ohne ein lächelndes kopfschütteln über mich selbst und meine unfähigkeiten, trotz des wissens darum, ginge es sowieso nicht.
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 15. Sep 2016, 14:52

Hallo mamschgerl
Das stimmt, dass die Probleme, trotz wissen der Ursache nicht besser werden.... aber für mich sind sie ein Stück - ich würde jetzt mal sagen - erträglicher geworden. Sie nehmen meinen Alltag nicht mehr so extrem in Anspruch wie früher und ich darf mich auch wieder an den schöneren Dingen des Lebens freuen. Auch ich weiss, wie Instabil diese Mauern sind..... sind werden es wohl für ewig bleiben!
Dieses Wissen ist manchmal für mich sehr schwierig zum akzeptieren.... Aber ich habe gelernt, viele Dinge aus meiner Vergangenheit mit einer gewissen Distanz und einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Ein grosses Stück Humor und Ironie habe auch ich übrig! Ohne geht es auch bei mir nicht mehr weiter!
Grüsse Luna070707

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Fr 16. Sep 2016, 07:26

hallo luna,
ja, dieses lachen kommt doch tatsächlich bei manchen nicht gut an, gerade so, als ob man als person in solch einer lage nicht lachen dürfte.
sehr deutlich erlebte ich das in der klinik während einer kunsttherapie. alle waren eigentlich einigermaßen ihren umständen entsprechend gut drauf, ich auch. diese gute stimmung wurde komplett ruiniert, weil die therapeutin unbedingt, sich förmlich daran festbeißend, auf ein stichwort hin dieses zu einem ernsten thema ausweiten musste.
das ergebnis war ein verstummen der an sich positiven allgemeinstimmung, eine fing zu weinen an und sie wurde ständig von der therapeutin genötigt, näher auf das problem einzugehen und so konnte sich die patientin am ende kaum noch beruhigen.
ich empfand das als wenig hilfreich, auch die anderen schauten betreten und betroffen hierhin und dorthin und wagten kaum, zu atmen.
ich wagte dann einen unbeholfenen versuch, mit einer bemerkung dem ernst dieser situation den wind aus den segeln zu nehmen, indem ich über diese betretenheit lachen wollte, aber das mißlang mir wohl völlig.
mir kam es so vor, als habe ich gegen eine ungeschriebenes gesetz verstoßen und als würde man mich jeden moment kreuzigen wollen. wie konnte ich mich erdreisten, in einem solchen moment lachen zu wollen anstatt mich gemeinsam mit den anderen im leid zu suhlen? ( sorry, aber ich sah es so )
in einer einzelstunde versuchte mich die therapeutin ebenfalls in eine lage zu reden, die für mich tränenreich enden würde, doch ich lenkte das gespräch in eine andere richtung, in eine, die ich ertragen konnte und letztendlich die therapeutin ebenfalls zum lachen brachte.
die situation ist ernst genug, ich muss nicht auch noch ständig das messer in die wunde treiben und mehrfach umdrehen. mir hilft es mehr, meine person von außen zu betrachten und über mich selbst lachen zu lernen anstatt ständig darüber zu weinen, wie hilflos ich bin.
meine erfahrung im leben ist die, daß einzig lachen heilend sein kann, weinen aber nicht.
und ich werde weiterhin kein schlechtes gewissen haben, wenn ich laut über etwas lachen kann, was andere eher zum weinen finden. letztendlich gibt es zu viel situationskomik, um diese chance verstreichen zu lassen.
wie gesagt, das leben an sich ist schon ernst genug.
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » So 9. Okt 2016, 11:46

Hallo Mamschgerl

Entschuldige meine späte Anwort. Im Moment bleibt leider bei mir sehr vieles liegen.....
Ein Lächeln oder eine liebevolle Geste gehören für viele Aussenstehende nicht zum Bild einer depressiven Person. In meinem Umfeld wissen nur wenige von meiner Krankheit - ich versuche sie so gut es geht zu verbergen - teilweise um nicht schublatisiert zu werden - andererseits auch aus Scham. Es ist halt nun mal ein Tabuthema.....
Wenn ich von meiner Person höre, was ich für eine intelligente, aufgestellte, liebenswürdige und taffe Person bin die voller Energie steckt - so habe ich oft das Gefühl, dass meine Seele nicht zu dieser Person gehört. Irgendwie stimmt dann auch für mich dieses Bild nicht mit der Krankheit überein. Mit meinen Gefühlen / Gedanken fühle ich mich einerseits sehr alleine gelassen und doch merke ich, dass es mir zur Zeit nicht möglich ist, mich diesen Gefühlen zu öffnen und diese zuzulassen..... obwohl mir dies vielleicht ein Stück meiner Last nehmen würden.
Wie lange leidest Du schon an Depressionen ? Konntest Du Deine Medikamenteneinnahme in dieser Zeit einmal unterbrechen ? Hattest Du auch Zeiten, in denen es Dir wiedereinmal gut ging ?
Lg Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Fr 14. Okt 2016, 14:44

hallo luna,
das schöne an diesem forum ist die anonymität, daher kann ich ein bischen auf deine fragen eingehen...
ich leide schon seit meiner kindheit an depressionen, ich habe auch schon in dieser zeit zwei selbstmordversuche ( mit 8 und mit 10 jahren ) hinter mich gebracht, mit 14 versuchte ich es zum dritten und letzten mal.
das war in heidelberg, wohin ich damals zum ersten mal von zu hause weggelaufen bin.
weißt du, ich habe immer versucht, anschluss an die menschen um mich herum zu finden, was aber bis heute nicht wirklich funktioniert hat. alles, was funktionierte war, den schein zu wahren.
so wie du dich von anderen beschrieben siehst und dich aber nicht fühlst, kann ich sehr gut nachempfinden.
aber es hat sehr lange gedauert, bis ich diese spielregeln der gesellschaft im privaten wie auch im beruflichen sinn einigermassen verstanden habe.
ich selbst bin nicht da, ich habe und werde mich immer wie eine hülle fühlen, die vollkommen leer und gefühllos inmitten mir fremder menschen schwebt, ohne eine andockstation zu finden.
ich hatte vor jetzt 3 jahren einen zusammenbruch, weil alle tricks und kniffe, die ich mir zum überleben angeeignet hatte, versagten. da habe ich zum ersten mal bekanntschaft mit einer psychaterin geschlossen, die mich heute noch betreut.
es war interessant, für alles, was ich schon wusste, jetzt einen namen zu haben, diagnosen von fachleuten wurden gestellt, mittlerweile sind es schon wieder mehr.
ich nehme seit drei jahren medikamente und, um ehrlich zu sein, richtig helfen kann mir keines davon.
vielleicht liegt es einfach an der komplexität der krankheitsbilder, so dass man immer nur für eine sache eine pille hat, aber für die anderen eben nicht.
im moment nehme ich bupropion, auch weil ich so viele kilos angefressen habe und dieses medikament mich etwas appetitloser macht, aber gegen meine anderen probleme helfen die nicht.
ich habe ebenso wie du alles dafür getan, als lebensfrohes und unerschütterliches Stehaufmännchen wahrgenommen zu werden, powermäßig unterwegs und durch nichts unterzukriegen, nur keine schwäche zugeben. das alles verpackt in charme und liebenswürdigkeit und vielen angenehmen attributen mehr, nur um von dieser leere abzulenken und alle erinnerungen zu verdrängen.
nein, im grunde ging es mir zwischendrin nie wirklich gut und momentan geht es mir wieder ziemlich dreckig und ich weiß auch gerade nicht, wie ich weiter machen soll, obwohl ich weiß, dass es trotzdem weitergeht, es ist halt nur gerade echt alles umständehalber so mies und nicht zu ändern, es sei denn, ich gewinne im lotto oder eine gute fee erscheint und verleiht mir so etwas wie hoffnung oder zuversicht, die gefühle kenne ich nämlich nicht.
mir ist es egal, was die menschen um mich herum denken, wenn mich jemand anspricht, gebe ich ehrliche antwort.
die verunsicherung, die meine erwiderungen auslösen, bewahren mich vor weiteren unechten teilnehmenden bekundungen.
mag sein, dass das nicht ganz nett ist, aber diesen luxus kann ich mir nicht mehr leisten, rücksicht auf die empfindsamkeiten anderer zu nehmen, das habe ich mein ganzes leben lang getan.
so, genug erzählt, ich wollte hier ja nicht gleich ein buch schreiben...
ach ja, nochmal zum lachen, ich frage mich, ob es denn eine allgemein gültige verhaltensregel für depressive gibt, gegen die man in dem moment verstösst? wenn ja, wieso hat mich meine therapeutin noch nicht darauf hingewiesen? werde ich in der nächsten sitzung mal ansprechen müssen... :wink:
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Sa 22. Okt 2016, 10:26

Hallo Mamschgerl
Da hast Du wirklich schon einen langen Weg in der Depression hinter Dir. Meine Depressionen haben auch sehr früh begonnen und wenn ich so über meine Kindheit nachdenke, so weiss ich nun, dass meine Mutter ebenfallls unter starken Depressionen zu leiden hatte. Zwischenzeitlich haben wir den Kontakt zueinander abgebrochen, da ich merke, wie stark sie mich nach jedem Telefon oder Begegnung wieder ins nächste Loch steuert. Selbst wenn man weiss, woher der Ursprung der Depressionen kommen, so löst es zwar das Problem nicht, machte es für mich ein Stück weit erträglicher - erträglicher, weil ich eine andere Sichtweise darüber erhalten habe. Ich möchte jedoch niemanden für meine Krankheit verantwortlich machen. Bringt mich einfach nicht weiter.....
Aufgrund meiner Depressionen habe ich nicht an Gewicht zugelegt, sondern jedes Mal abgenommen. Mein Untergewicht macht mir im Moment ziemlich zu schaffen.....so wenig auf den Rippen zu haben bedeutet halt auch wieder mit körperlichen Symtomen (Schwindelanfälle, Schlafstörungen, die Anfälligkeit gegenüber Infektionen....). Noch schlimmer ist für mich aber die Kommentare um mich herum - die alles andere als aufbauend sind.....
Wünsche Dir viel Kraft!
Lieber Gruss
Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Sa 22. Okt 2016, 20:28

hallo luna,
da hast du recht, es ist einfacher, all das üble hinter sich zu lassen, als sich ständig damit auseinanderzusetzen.
ich glaube, ich habe zum letzten mal mit meiner mutter gesprochen, als sie mich wieder einmal hintergangen hat, das dürfte jetzt ca. 18 jahre her sein.
ich hatte damals das gefühl, eine zentnerlast würde von mir genommen und das alles spielte sich ab, als mein mann an einem gehirntumor verstorben war und ich mit meinem damals 2 1/2 jahre alten sohn alleine dastand.
sie versuchte doch tatsächlich, meine trauer und meine einsamkeit auszunutzen, um sich mir wieder nähern zu können, um mich wieder unter ihre fittiche zu kriegen, um mich wieder manipulieren zu können und so weiter und so weiter.
das dumme ist nur, daß die erinnerungen immer wieder hochkommen und man diese leider nicht wegsperren kann, ich hab's jahrzehntelang versucht und mehr schlecht als recht hinbekommen, jetzt geht gar nichts mehr und es wird immer schlimmer.
ich finde es interessant, daß du pfunde verlierst und ich weitere zulege, wie unterschiedlich menschen doch reagieren, oder?
wäre das nicht fein, wenn wir uns gegenseitig die kilos anpassen könnten? dann könnten wir uns beide wieder etwas gesunder fühlen.
ach ja, die bemerkungen von anderen. man kann es ihnen nicht vorwerfen, denn niemand weiß, was er anrichten kann, wenn er etwas sagt. ich denke, auch ich sage viel, was anderen bitter aufstößt, aber böse absicht steckt da nicht dahinter, manchmal ist es gedankenlosigkeit, oft ist es einfach unwissen, aber wer kann schon von sich behaupten, alles über das innenleben des anderen zu wissen?
und was du an bemerkungen über dein mageres äußeres zu ertragen hast, muß ich mir wegen meines übergewichts anhören. das leben ist manchmal einfach ungerecht und unfair.
aber ich finde, es hört sich echt schlimm an, wie du deine körperliche verfassung beschreibst, lässt du dir dahingehend fachmännisch helfen?
denn im gegensatz zu dir habe ich nur schwer zu schleppen, aber deine symptome sind beängstigend.
bitte, bleib irgendwie gesund.
ganz liebe grüße
mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 27. Okt 2016, 14:46

Hallo Mamschgerl
Heute Nachmittag als ich von der Arbeit kam, merkte ich, wie mir die warmen Sonnenstrahlen dieses Herbsttages die negativen Gedanken und Momente der letzten Monate ein Stück weit verschwinden liessen. Einfach ein Stück entspannter und lockerer.....kennst Du dieses Gefühl ?
Die Beziehung zu meiner Mutter ist auch schon sehr lange zerbrochen. Ich will auch keinen Kontakt mehr.... merke auch das es mir besser geht. Dennoch träume ich sehr oft von ihr oder denke an Sie. Es sind halt so viele Erinnerungen und ungelöste Konflikte, welche immer noch tief in mir drin lagern.
Au ja, das wäre wirklich super, wenn Du mir einige Kilos abtreten könntest :-) Und wenn ich dann auch noch wählen könnte, wohin ich diese genau haben möchte..... das wäre nur zu genial.... Im Moment geht mein Körpergewicht zumindest nicht zurück - das beruhigt mich ja schon mal..... Zur Zeit versuche ich mir diesbezüglich selber ein Stück weit zu helfen - in der Hoffnung, dass ich dieses leidige Thema auch einmal in den Griff kriege...
Wie geht es Dir ?
Lg
Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » Fr 28. Okt 2016, 14:13

tja, ich komme gerade von meiner therapeutin, der ich meinen ganzen wust an gedanken und konflikten und alpträumen geschildert habe, was es auch nicht besser machen konnte, aber ich habe heute auch etwas mitgenommen von draußen. goldener oktober, wie wahr und wie schön!
das einzige, was mir ein gefühl der kleinen freiheit gibt, ist mein motorroller und mit dem fahre ich immer, bei wind und regen und schnee, es ist einfach etwas, was ich brauche.
aber heute, dieses herbstwetter, diese sonne, die menschen mit zufriedenen gesichtern, hie und da ein lächeln, das ist noch ein quentchen mehr und all das zusammen gibt mir mehr als jede therapiestunde.
sowieso hat jede jahreszeit ihren ganz eigenen charme und daher kann mir z.b. auch der novemberregen, der einfach dazu gehört, dieses gefühl nicht trüben.
ach luna, ich gebe dir die kilos wohin auch immer du sie haben willst :lol:
aber letztendlich sind das doch alles nur nebensächlichkeiten, sofern es nicht zu sehr der gesundheit schadet...wen juckt's?
was arbeitest du denn? erzähl ruhig mal davon, wenn du willst, ich kann leider nur noch von meinem häuslichen alltag erzählen und da gibt's nichts wirklich spannendes...
l.g. mamschgerl

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » So 30. Okt 2016, 14:31

Hallo Mamschgerl
Hmmm, ein Novemberregen oder so ein vernebleter Tag kann meine Laune doch ziemlich hinunter ziehen. Ich habe dann noch mehr Mühe meine Konzentration aufrecht zu erhalten und kämpfe mit der Müdigkeit. Ich glaube aber nicht, dass meine Gefühlsschwankungen mit den Wintermonaten im Zusammenhang stehen.....aber solch kalte graue Wintertage machen dann doch ihren Beitrag dazu.
Hmmm, so ein Roller ist schon etwas cooles....würde ich mir auch gerne anschaffen, aber ich wüsste im Moment nicht, wann ich diesen fahren sollte. Ich habe noch ein Auto und bin mit diesem unterwegs.....ist ja auch nicht schlecht....
Zur Zeit kann ich an einer Schule arbeiten und gebe noch einige Stunden Bewegungsgymnastik. Es sind nicht allzu viele Stunden (2-4 pro Tag) an vier Tagen. Aber für mich im Moment ideal, da es eben nicht allzu viel ist und ich so trotzdem im Rhythmus des Alltags bin. Da ich noch ein Kind habe, ist die Arbeitszeit während den Schulstunden und die Nähe ideal für mich. Ich merke, dass mir die Arbeit sehr viel zurück gibt - einerseits kann ich etwas Geld verdienen - bin unter den Leuten und merke, dass ich gebraucht und geschätzt werde.
Seit ich wieder etwas mehr arbeiten kann bin ich innerlich auch einiges zufriedener geworden und es lenkt mich von traurigen Gedanken enorm ab.... Es gibt mir eine schöne Abwechslung - welche ich während den Ferien richtig vermisse....
Kannst Du dich unter der Woche auch noch mit jemandem austauschen ? Oder hast du auch noch eine Beschäftigung, welche Dir etwas Freude zurück gibt ? Ich habe für mich gemerkt, dass mir Bewegung sehr gut tut.... Manchmal benötige ich einen Moment bis ich meinen Schweinehund überwunden habe - aber danach merke ich, dass ich mich sehr viel wohler fühle....
Lg Luna

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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon mamschgerl » So 30. Okt 2016, 17:11

einen menschen, dem ich so etwas wie vertrauen entgegenbringen kann, habe ich zur einschulung unserer söhne kennengelernt. wir sehen uns zwar sehr unregelmäßig, aber das tut dieser sehr guten bekanntschaft keinen abbruch. austauschen kann ich mich nach drei jahren auch ganz gut mit meiner therapeutin, zwar auf einer anderen ebene, aber auch das hat seine qualitäten.
überhaupt musste ich erkennen, daß ich so etwas wie gute beziehungen nur zu den menschen unterhalten konnte, die selbst um ihre kindheit betrogen wurden.
woran das im einzelnen liegt, kann ich nicht so genau bestimmen, aber eines kristallisiert sich doch immer wieder klar heraus, "leben und leben lassen" wird hier größer geschrieben als anderswo und das dürfte daran liegen, daß ein jeder weiß, wie wichtig grenzen sind.
ich möchte da jetzt nicht näher darauf eingehen, das führt nur wieder zu ewig langem geschreibsel und ich nehme an, du weißt, von was ich spreche.
ich finde es toll, daß du die möglichkeit hast, etwas zu tun, das finde ich sehr wichtig, so bleibt man in der tat in kontakt mit der welt. da bist du mir voraus.
tja, meinen inneren schweinehund kenne ich in- und auswendig und schon sehr lange, der kennt mich mittlerweile auch zu gut, als daß ich ihn überwinden könnte.
ich bin auch leider so veranlagt, daß ich keinen sinn in diesen dingen sehe und mir letztendlich alles ziemlich egal ist, daher mißlingen auch alles versuche, struktur in meinen alltag zu bringen oder notwendige bewegungsabläufe zur routine werden zu lassen, über die man irgendwann gar nicht mehr nachdenkt.
ich bin da konsequent inkonsequent und selbstdisziplin ist so gar nicht meins... :|
wie bekannt, bedeutet 'wissen um die sache' nicht, daß man etwas besser machen oder ändern könnte.
und da menschen nun mal keine roboter sind, lassen sie sich auch nicht so einfach umprogrammieren, zumal für jeden sein ganz eigenes programm geschrieben werden müsste.
aber, ein novemberregen oder so ein richtig schön dichter nebel hat doch etwas ungemein geheimnisvolles, obwohl es so natürlich ist, etwas verklärtes, in das man sich verlieren kann. sicher, auch etwas melancholisches, aber das macht das ganze ja so romantisch.
ich hatte vor jahren eine hund, mit dem ich stundenlang querfeldein und durch den wald gelaufen bin, zu jeder witterung, da gab es nichts, was uns aufhalten konnte.
diese eindrücke, die die natur in mir hinterlassen hat, sind unbeschreiblich. im nebel frühmorgens durch einen wald zu laufen, hat etwas magisches. regentropfen zu hören und zu spüren, haben etwas lebendiges, die natur mit all ihren geräuschen ist laut, wenn man genau hinhört und viel realer als die welt mit all den menschlichen problemen.
auch heute noch kann ich manchmal die natur fühlen, aber leider nicht mehr so wie damals. ich bin kaputter, als ich dachte, aber ab und zu schaff ich es doch noch ein wenig und das muß im moment genügen.
es lässt mich glauben, daß ich noch nicht am ende bin.

Luna070707
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Re: Langzeittherapie mit Fluoxetin

Beitragvon Luna070707 » Do 3. Nov 2016, 14:41

Hallo Mamschgerl

Menschen die ebenfalls schwere Schicksalsschläge erlebt haben, ziehen sich aus meiner Erfahrung an. Du fühlst Dich ohne grosse Worte zu Ihnen hingezogen und verstanden. Sie sind die einzigen die verstehen, wieso wir innerlich Leiden. Oft begegnen sich solche Menschen und erfahren erst nach Jahren von der Geschichte des anderen. Mein Mann wird mich diesbezüglich wohl nie verstehen - kann ich auch nicht von ihm erwarten - aber umso mehr tut es gut, eine stabile, starke Schulter neben mir zu haben. Ohne diese Stabilität ginge es mir wohl um einiges schlechter.....
In all den Jahren war ich mir immer bewusst, dass ich meine Arbeit brauche um im Leben zu bleiben. So schwierig es für mich auch oft war, dieser Arbeit nachzugehen..... Ich war mir bewusst, dass ich, sobald ich keine Struktur mehr hätte, komplett ins Leere fallen würde. Am Schluss braucht doch jeder Mensch das Gefühl, dass er gebraucht wird, oder ?
Toll, du hattest einen Hund... für mich war es damals schlimm als ich meine Katze einschläfern musste. Sie war oft das einzige was ich noch hatte und stand immer zu mir...in guten sowie in schlechten Zeiten. Hast Du im Moment ein Haustier ?
Du hast recht, so ein Nebel am frühen morgen oder auch das regnen an die Hauswände hat schon etwas mystisches. Manchmal kann ich mich damit auch ein Stück entspannen - oft fühle ich mich aber noch gequälter... Ueber mehrere Tage ist die Situation für mich dann kaum aushaltbar.....
Aber glaub mir, auch ein Ende ist für mich noch lange nicht in Sicht.....
Lg


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