Seroquel Dosierung

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Rheinland
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Seroquel Dosierung

Beitragvon Rheinland » So 7. Feb 2016, 09:57

Hallo. Ich habe mal ein paar Fragen. Meine Frau nimmt seit gut einem Jahr wieder Seroquel 400 mg abends gegen ihre schizoaffektive Störung. 2009 wurde sie nach ihrer Psychose mit einer Dosierung von 600 mg aus der Klinik entlassen. Zwischenzeitlich hat sie viele andere Medikamente wie Abilify oder Ziprasidon versucht, jedoch nur mit mäßigen Erfolg. Seit gut einer Woche ist sie wieder vermehrt psychotisch; sie meint man will ihr böses, traut vielen Leuten nicht mehr und bricht sogar Kontakte ab. Die Dosis wurde vor einer Woche in Absprache mir ihrem Arzt zunächst auf 500 mg erhöht (400 mg abends und 100 morgens), seit gestern auf 600 mg (400 mg abends und 200 mg morgens). Wann kann man denn wieder mit einer Besserung rechnen. Sie ist zeitweise auch depressiv verstimmt. Sollte man besser auf Seroquel prolong umsteigen. Eure Meinungen, Ratschläge und Erfahrungen würden mich sehr interessieren.

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Laura
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Re: Seroquel Dosierung

Beitragvon Laura » Mo 8. Feb 2016, 15:41

Hallo Rheinland!

Eine einzelne Psychose kann relativ schnell wieder abklingen (also in Tagen oder Wochen gerechnet), alles andere wären Zukunftsspekulationen. Und wenn ich jetzt einen platten Vergleich mit einem Auto wage, bei dem TÜV-Plakette und Reparaturwerkstatt auch nicht alles "wie neu" machen können, dann nur weil ja auch Autos als Dinge gelten, die viel Sorgfalt, Umsicht und Maßhaltung in der Nutzung brauchen, um noch möglichst lange "funktionieren" zu können.

Ich bin übrigens selbst Psychose-Betroffene. Bei mir wurden es noch viel mehr als nur zwei Psychosen. So finde ich mich in einem Dilemma wieder, das wohl andere schon vor mir hatten. Man sieht einen "Neu-Betroffenen", bzw. "Neu-Angehörigen" und weiß auch nicht so recht, wie man ihm genügend Optimismus vermitteln soll, damit wenigstens der andere schneller gesunden kann, aber auch genügend Sicherheitsdenken "predigen", damit dieser Optimismus nicht in Leichtsinn umschwappt und geradewegs in die nächste Psychose führt. Und mit Leichtsinn meine ich noch nicht einmal, dass die Medikamente abgesetzt werden, sondern dass ja auch ein psychisch Kranker den Druck spürt, in dieser Gesellschaft Leistung zu bringen, was aber mit der Erkrankung und unter Psychopharmaka nicht so ohne Weiteres vereinbar ist.

Viele Grüße

Laura

P. S.: Deine Frage zielte zwar insbesondere auf Seroquel ab, aber da woaß eh keiner nix Gnaues, außer dass es ein Gebiet der 1001 Faktoren ist, was für wen zu welchem Zeitpunkt das richtige Medikament in der richtigen Dosierung ist.
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

Rheinland
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Re: Seroquel Dosierung

Beitragvon Rheinland » Di 9. Feb 2016, 15:18

Hallo Laura. Vielen Dank für dein Erfahrungsbericht. Ich mache mir halt viele Gedanken und warte halt auf eine Besserung der Symptome. Unter der Seroquel Dosierung nach ihrem Klinikaufenthalt damals war sie halt wieder ganz gut eingestellt. Durch der massiven Gewichtszunahme und dadurch vielen Umstellungen auf andere Medikamente wurde meiner Meinung nach nie der optimale Schutz geboten. Ich bin auch ein wenig besorgt, da jetzt trotz der 400 mg Dosierung wieder psychotische Symptome aufgetreten sind. Hoffe mal das es mit 600 mg besser wird.
Viele Grüße

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Remedias
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Re: Seroquel Dosierung

Beitragvon Remedias » Di 9. Feb 2016, 19:44

Hallo Rheinland.

"Einfaches" Seroquel ist wirksam, wenn man Probleme mit dem Schlaf hat. 600mg unretardiertes Sero am Tag - MICH hättest du da im Koma.
Wundert mich sogar, dass deine Frau noch Zeit hat, depressiv zu sein , wo sie dauernd schläft ......
für mich hängen Depression und dieser unheimlich müdemachende, gedankenbremsende, freudtötende Aspekt von Seroquel zusammen.
Ich halte schon 400 mg für eine zu hohe Dosis. Die Psychose geht nicht weg, sie wird nur depressiv. Dann bekommt sie mehr davon.....
WENN ETWAS NICHT HILFT, HILFT AUCH VIEL DAVON NICHT - merkst du was?
ich bin kein Arzt, aber ich habe auch die gleiche Diagnose wie deine Frau UND hatte acht Jahre lang die gleiche Medikation ( bis 800 mg Seroquel), mittlerweile bin ich draußen.

Was ich für mich bitten würde:
a) Reduzierung . Höchstens 100 - 150 mg Seroquel prolong am Tag, mit der Option, weiter runterzugehen. Vielen Patienten reicht auch 25 mg zur Nacht.
http://www.dgsp-ev.de/fileadmin/dgsp/pd ... Januar.pdf
b) eine Psychotherapie. Interessiert sich jemand überhaupt dafür, was deine Frau wahrnimmt und denkt, oder geht es nur darum, dass sie möglichst schnell wieder funktionieren soll?
c) Reiizabschirmung. Ausruhen, kein Fernsehen, keine Arbeit, keine nervigen Menschen. Spazierengehen. Wellness. Das "überreizte" Gehirn muss erstmal wieder runterkommen. Außerdem ist die Auseinandersetzung mit der Erkrankung siehe Punkt b anstrengend genug.
Neuerdings bekommen auch Patienten ohne Kinder in bestimmten Fällen eine Haushaltshilfe, bei der KK nachfragen.

liebe Grüße Remedias


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