Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

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nikami
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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon nikami » Sa 24. Okt 2015, 07:59

Nikami, warum muss es umbedingt eine Depotspritze sein?
Ich habe leider eine schlechte Compliance bei Neuroleptika.
Durch die Depot-Gabe regelt sich das von selbst.

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » Sa 24. Okt 2015, 18:46

ja klar, dann ist das besser.
ich kann über Depotspritzen mit alten NL leider nix sagen.


Hier diejenigen atypischen Neuroleptika, , die es außer Abilify noch als Depotspritzen gibt:
- Risperdal Risperdal Consta
.- Olanzapin - Zyprexa- Zipadhera
- Invega als Xeplion ( Invega ist ähnlich Risperdal, aber IMHO vieö besser verträglich, aber nicht alle KK bezahlen es, nachfragen)

liebe Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon nikami » Di 27. Okt 2015, 21:51

Ich bin jetzt wieder auf Risperdal Consta Depot überredet worden. Bin damit nicht sehr glücklich wegen den Nebenwirkungen, aber ich muss gestehen mit dem Risperdal geht es mir vom Kopf her viel besser als mit Abilify Maintena.

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » Mi 28. Okt 2015, 17:59

Wenn du R. Consta nicht gut verträgt, ist Xeplion eine gute Alternative. Es ist Risperdal eng chemisch verwandt, aber hat weniger Nebenwirkungen.

Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon nikami » Do 29. Okt 2015, 09:39

Xeplion habe ich damals schlecht vertragen - zu große Unruhe.

Das Risperidon wirkt bei mir am Besten, aber
aber ich werde davon träge, müde und nehme zu.

Jede Wirkung bringt leider auch unerwünschte Begleiterscheinungen.

Risperdal schützt mich vor Psychosen und mindert meine Zwangsgedanken.
Darum ist es wohl das Mittel der 1. Wahl bei mir.

Bin zwar momentan frustriert, aber derzeit ist es wohl das beste NL für mich.
Ich hoffe in Zukunft kommen nebenwirkungsärmere Medikamente auf den Markt.

In den USA ist jetzt der Nachfolger von Abilify zugelassen worden.
Vielleicht ist das dann was für mich.


Remi vielen Dank für Deine Antworten,
die helfen mir auch einen anderen Blick auf die Situation zu werfen.

Schöne Grüße

Niki

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » So 8. Nov 2015, 19:20

Hi Nikami,

finde, du hast ganz schön was hinter dir und schon viel ausprobiert.
Wenn es dir mit Risperdal Consta am besten geht, würde ich dabei bleiben. Vielleicht kann man was an der Dosis ändern, ausprobieren, mit was du auskommst.
Da gibt es enorme Unterschiede bei den Patienten, ich weiß das von Seroquel. Manche nehmen 800 mg und merken nix, andere nehmen 25 mg und pennen 12 Stunden....
wenn dich das Zeug sehr müde macht, ist es möglich, dass du überdosiert bist.

Auf jeden fall alles Gute und dass Dir das Neuroleptikum das Leben erleichtert ( dafür sollte es doch da sein, oder?)

liebe Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon nikami » Mi 8. Mär 2017, 18:49

Update

Ich berichte mal wie es mit meiner Medikation verlaufen ist.

Ich bin jetzt weg von der Depotgabe und seit einem guten Jahr nehme ich Ziprasidon oral ein. Funktioniert ganz gut.

Zwar ist meine Dosierung ungewöhnlich - 3x täglich zu den Mahlzeiten 40mg. Dadurch werde ich nicht so müde und kann meinen Alltag besser bewältigen.

Im Januar habe ich einen neuen Job angenommen, der mich fordert aber nicht überfordert. Kreatives Arbeiten ist auch wieder möglich.

Zwar hatte ich durch den Jobwechsel eine Krise, in der das Ziprasidon zu schwach war, um diese abzufangen. Aber durch kurze Gabe von Haldol als Notfall-Medikament habe ich die Krise auch ohne Klinikaufenthalt überwunden.

Die Krankheit verschwindet zwar nicht, aber durch das Ziprasidon ist ein fast normales Leben möglich.

Bis auf das zu hohe Gewicht bin ich recht zufrieden. Durch Joggen versuche ich das aber in den Griff zu bekommen.

So das war es vorerst mal wieder.

Niemals aufgeben!

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » Mi 8. Mär 2017, 20:44

Hallo Nikami, Glückwunsch zum neuen Job und wie du es hinbekommst, arbeitsfähig zu bleiben. Das ist bewundernswert. :)

liebe Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon nikami » Sa 17. Jun 2017, 09:05

Mal wieder ein kurzes Update von mir.

Ich nehme immer noch 3x täglich 40mg Ziprasidon ein.
Für den Antrieb 150mg Elontril und gegen die Zwangsgedanken 40mg Citalopram.

Mit dieser Kombination bin ich ganz gut eingestellt.
Kann kreativ Arbeiten, bessere Konzentration,
bin nur noch ab und zu Müde, gehe immer noch Joggen,
kann täglich ein paar Stunden arbeiten
und kümmere mich um meine kleine Tochter.

Jedoch wenn ich das Ziprasidon nicht
zu meinen regelmäßigen Einnahmezeiten nehme
flackern gleich "Entzugserscheinungen"
bzw. wahnhafte Gedanken auf.

Da wird mir wieder klar,
immer noch schizoaffektiv zu sein.

Die Hoffnung die Krankheit verschwindet mit der Zeit
habe ich mittlerweile beiseite geschoben.

Ich arrangiere mich so gut wie es geht mit der Krankheit
und in guten Phasen führe ich ein schönes und zufriedenstellendes Leben.
Ich kann meinen Alltag bewältigen und bin für meine Tochter da.

In schlechten Zeiten heißt es kämpfen und durchhalten.
Solche Phasen sind für die Beziehung und die Familie sehr belastend,
aber danach geht es auch wieder aufwärts.

Wichtig für mich ist Stabilität. kein Stress, gesichertes Umfeld und Rückhalt durch die Familie.

10 Jahre habe ich jetzt die Diagnose schizoaffektive Störung und bin in Behandlung.
Ich bin zwar gehandicapt, aber ich bin zufrieden.

Nie den Kopf hängen lassen und weiter kämpfen.

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » Sa 17. Jun 2017, 13:37

Hallo Nikami,

toll, wie du dein Leben managst, arbeitest und für dein Kind da bist. Und wenn Medikamente dir helfen - why not. Es ist kein Ziel an für sich, ohne Medikamente zu leben - nur wenn sie mehr Probleme machen als helfen, und das ist bei dir nicht so. Ziprasidon ist zudem am gewichtfreundlichsten. Es wird am besten mit den Mahlzeiten aufgenommen, daher wohl deine ungewöhnliche Einnahmeart, aber sonst müsstest du mehr davon nehmen.

Weiter so und Dir ein wunderbarer Sommer.

liebe Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon fluuu » So 9. Jul 2017, 11:22

Schön zu lesen und da sieht man wieder, die hauptsächlichen Entscheidungen finden im Kopf oder der Seele statt,
die eigene Haltung zum Leben aus der Krankheit gelernt schafft große gesunde Bereiche im Alltag und wenn dabei
Medikamente ein Hilfsmittel sind, eine Krücke um vorwärts zu kommen, dann um so besser. Am Ende auf dem
Sterbebett fragt keiner wie bist Du von A nach B gekommen, sondern nur noch wie fühlst Du Dich jetzt wo Du
angekommen bist und wenn man dann sagen kann aus tiefster Überzeugung, alles im grünen Bereich, dann hat
das Verhalten ein Leben lang einen Sinn gemacht. Wenn jedoch der Glaube da ist, mache alles wie es die Klischees
verlangen und dann erscheint am Ende der heilbringende goldene Engel und er erscheint nicht, ist die Enttäuschung
groß und die Verbitterung bleibt erhalten. Wer die Möglichkeiten der Gegenwart nutzt um ein qualitatives Leben
zu gestalten trotz seelischer Störungen und psychischer Behinderungen wird auf ein erfülltes Leben zurück blicken können
auch wenn viel Leid und Schmerz eine Rolle spielte. Keine Medikamente nehmen ist auch kein Garant für glückliche Gefühle.
Jedoch die Verbindungen und Vernetzungen der Synapsen im Gehirn durch seelische Empfindungen gesteuert haben großen Einfluss
und auch die richtige, getestete und optimal dosierte Medizin für den eigenen Organismus kann Wunder bewirken.
Das größte Wunder für mich ist ein Plazebo von einem Mensch verabreicht der um das Mensch sein weiß.
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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » So 9. Jul 2017, 16:07

Für mich und viele andere sind Neuroleoptika nix, andere kommen gut klar und nochmals für eine kleinere Gruppe sind sie hervorragend - das ist doch auch alles in Ordnung.
Ich selbst habe von Risperidon Zwangsgedanken gekriegt und bei Nikami gehen sie weg davon - zwei völlig verschiedene Erfahrungen und dennoch beide gültig.

liebe Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon fluuu » Mo 10. Jul 2017, 11:22

von Risperidon Zwangsgedanken gekriegt und bei Nikami gehen sie weg
In Ordnung ist es erst wenn man als Betroffener mit seelischer Störung keine psychischen Symptome ausprägt,
erst dann kann man frei und unabhängig leben und braucht nicht eine ersatzweise Zuwendung.
Zwangsgedanken sind weniger eine Nebenwirkung von Neuroleptika sondern das Symptom einer ganz bestimmten
psychischen Störung im Gehirn ausgeprägt um andere Dinge zu kompensieren. Wenn sie also durch Substanzen
auftreten ist das Gehirn dafür prädestiniert und die Zwangsgedanken brauchen eine natürliche Behandlung oder
eine Substanz die das im Gehirn abmildert. Natürlich, Neuroleptika greifen steht massiv in den Stoffwechsel des
Gehirns ein, das ist Ihre Aufgabe und dann gilt es genau die Substanz zu finden die dem Betreffenden hilft.
Das kann manchmal ein längerer Prozess sein des Aushandelns, der Diskussion, des Ausprobieren oder des
Ablehnen aber stehts sollte am Ende eine Lösung gefunden werden was die Symptome der Störung lindert.
Denn die Symptome z.B. Zwangsgedanken legen den Alltag so sehr lahm, da kann man nicht von unabhängiger
Freiheit sprechen sondern vom Mündel der eigenen Gehirnstrukturen.
Wenn ein Neuroleptika eindeutig mehr negative Wirkungen auslöst als positive ist es das falsche Medikament
für diese spezielle und individuelle gestörte Seele. Deshalb, ein Wunder ist ein ganz umständlich verabreichtes
Plazebo von einem charismatischen Menschen und wenn auch das Nebenwirkungen hervorruft ist klar,
sie entstehen durch den eigenen Kopf. Psychotherapie ist das Mittel um das zu klären.
gruß fluuu

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon Remedias » Mo 10. Jul 2017, 14:01

Hallo Fluuu,
Deshalb, ein Wunder ist ein ganz umständlich verabreichtes
Plazebo von einem charismatischen Menschen und wenn auch das Nebenwirkungen hervorruft ist klar,
sie entstehen durch den eigenen Kopf. Psychotherapie ist das Mittel um das zu klären.
Ich habe damals einen einfacheren Weg gewählt: Raus mit Risperidon. Genau drei Tage später waren die Zwangsgedanken weg und sind auch nie wieder gekommen .
Was mehr hätte ich in diesem Fall mit einer Psychotherapie erreichen können - außer dass es vermutlich wesentlich länger gedauert hätte.
Denn die Symptome z.B. Zwangsgedanken legen den Alltag so sehr lahm, da kann man nicht von unabhängiger
Freiheit sprechen sondern vom Mündel der eigenen Gehirnstrukturen.
Du sagst ja selbst, die legen den Alltag lahm. Das machen sie wirklich, ich fühlte mich zum ersten Mal wirklich behindert. Daher war ich glücklich, dass dieser Albtraum auch nur vier Monate angedauert hat.

liebe Grüße Remedias

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Re: Typische Neuroleptika als Depotgabe zur Langzeitbehandlung

Beitragvon fluuu » Di 11. Jul 2017, 10:57

Es ist doch bei vielen Psychopharmaka so, dass sie massiv auf den Gehirnstoffwechsel einwirken und besonders bei
Neuroleptika ist das ihre Aufgabe um massiv gestörte Gehirnregionen wieder zu korrigieren. Deshalb ist das genau
Aushandeln und Austesten des Wirkstoffes so wichtig um nur genau den Bereich chemisch zu behandeln der
eine Störung hat. Nehmen gesunde Menschen Psychopharmaka werden sie davon irre und völlig kaputt im Kopf.
Manche wollen genau das, sie wollen sich betäuben und deshalb ist der Absatz von Psychopharmaka so groß.
Nun bin ich kein Chemiker und kenne die genaue Wirkung von Risperidon nicht aber wenn es Zwangsgedanken in
einem Gehirn auslöst von dem man weiß, dass es grundsätzlich eine psychische Störung hat im Stoffwechsel,
dann wird durch das Medikament etwas angestoßen was es in diesem kranken Hirn zu behandeln gilt. Entweder
durch ein Präparat was wiederum direkt den Stoffwechsel beeinflusst oder durch eine Psychotherapie die den
grundsätzlichen Ursachen der Störung dieses Gehirns auf der Grund geht und dann eine heilende Lösung schafft.
Es sind stets Therapien die heilen, die medikamentöse Therapie ist auch eine heilende Therapie aber sie macht von
der Einnahme abhängig und es können Nebenwirkungen entstehen. Die Psychotherapie klärt alle Nebenwirkungen
im besten Fall und bringt das Gehirn zu einem selbstständigen und unabhängigen gesunden Stoffwechsel.
Natürlich dauert eine Gesprächs- oder Verhaltenstherapie viel länger als eine medikamentöse Therapie aber sie
schafft eine unabhängige Lebensqualität und vor allem eine Krisenfestigkeit die mit Medikamenten allen eingenommen
oder bewusst weg gelassen, nicht zu erreichen ist. Das Absetzen eines Medikaments ist auch eine medikamentöse
Therapie mit anderem Vorzeichen. Die häufigste Form bei einem Betroffenen der sich zur Gesundheit entwickeln möchte
ist wohl die gute Mischung von medikamentöser und psychischer bzw. seelischer Therapie. Es lässt sich weder die
Chemie leugnen im Gehirn durch direkte Beeinflussung, noch durch Gefühle und Empfindungen indirekt. Liegt jedoch
eine Störung vor auf der einen Seite lässt sich ein Gegenrudern auf der anderen Seite nicht vermeiden will man eine Balance.
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