Dopaminhypothese kann nicht stimmen

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
Tigerlöwe
Beiträge: 2
Registriert: Do 15. Jan 2015, 20:44

Dopaminhypothese kann nicht stimmen

Beitragvon Tigerlöwe » Do 26. Feb 2015, 19:07

Hallo,

ich wollte mal genau wissen, wie Psychopharmaka funktionieren und habe mir einige Fachbücher ausgeliehen.

Da stand, dass man aus 2 Gründen annimmt, dass bei Menschen mit Schizophrenie zu viel Dopamin im gehirn verfügbar ist und es deswegen zu Halluzinationen bzw zu Psychosen kommt.
1. Weil man mit Neuroleptia "schizophrene Symtome" bekämpfen kann
2. Weil mit Medikamenten die Dopamin erhöhen man schizophrene Symtome hervorrufen kann

Es ist auch naheliegend dass zu viel Dopamin EIN Grund sein kann, weil ja Dopamin , so nimmt man an, für die Ideen, Vorstellungen, Pläne da ist. Siehe auch Punkt 2.

Eines hat mich aber dann stutzig gemacht
Es ist ja so, dass Menschen mit Schizophrenie die mit Neuropleptker behandelt werden Dopaminmangelsymtome aufweisen., wie zum beispiel Parkinsonsyndrome, verlangsamtes Denken, ungeordnetes Denken, Konzentrationsunvermögen, Depressionen, verlangsamte Bewegungen Das bedeutet ja, dass nicht einfach etwas in diesem Fall das Dopamin auf ein normales Mass korregiert wird wo anscheined zuviel vorhanden war, sondern dass dann zuviel dosiert wird und schlussendlich dann zuwenig vorhanden ist.
Und diese Symtome werden von den Ärzten einfach so hingenommen
Und ein Dopaminmangel ist ja ein äusserst qualender , unangenehmer Zustand. Da ist es dann nicht verwunderlich, dass zum beispiel bei Seroquel Depressionen als NW auftreten.

Dass Neuroleptiker schizophrene Symtome bekämpfen ist nicht verwunderlich, da ja Dopamin, wie man annimmt für Ideen, Pläne, Vorstellungen und so weiter verantwortlich ist. es ist aber dann nicht so, dass die Medikamente eine vermeintlich gestörten Gehirnstoffwechsel ausgleichen, sondern einfach nur wie Schmerzmittel diese Symtome ausschaltet. Die Ursache für einen körperlichen Schmerz ist ja auch nicht ein Mangel an Schmerzmittel

Benutzeravatar
fluuu
Beiträge: 2544
Registriert: Di 13. Sep 2005, 13:32
Kontaktdaten:

Re: Dopaminhypothese kann nicht stimmen

Beitragvon fluuu » Fr 27. Feb 2015, 19:05

Hallo,
ein Mensch der an einer psychischen Krankheit leidet bzw. eine seelische Störung hat sollte sich vor allem um das soziale Verhalten
kümmern damit die Symptome gelindert werden. Das Lernen der chemischen Verbindungen im Gehirn ist für Studenten der Medizin
von Bedeutung um in der Klausur eine gute Note zu schreiben, für einen Betroffenen bringt es mehr die Kommunikation mit einer
Fachkraft zu ermöglichen denn im Selbststudium durch Lesen von Büchern ist das Erlernen der Neurowissenschaften kaum möglich.

Selber sein eigener Therapeut sein und therapeutische Maßnahmen ergreifen um sich zu heilen ist möglich im sozialen Verbund
mit anderen Menschen aber selber sein eigener Arzt sein ist so gut wie unmöglich und geht an der Realität vorbei.
Deshalb ist das Lesen von medizinischen Büchern keine große Hilfe wenn nicht gleichzeitig über zwischenmenschliche Beziehungen
für die seelischen Empfindungen gesorgt wird.
Ansonsten gibt es so weit ich informiert bin bei schizophrenen und anderen Störung entweder einen Mangel an Dopamin oder einen
Überschuss, beide Extreme können den Wahn hervorrufen. Also gilt es für Ausgleich zu sorgen und entweder einen Dopamin-Hemmer
bzw. einen Dopamin-Verstärker als Medikament einzusetzen falls die sozialen und seelischen Beeinflussungen des Gehirnstoffwechsels
nicht ausreichen um eine stabile Balance zu ermöglichen.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Tigerlöwe
Beiträge: 2
Registriert: Do 15. Jan 2015, 20:44

Re: Dopaminhypothese kann nicht stimmen

Beitragvon Tigerlöwe » Sa 14. Mär 2015, 18:41

wie gesagt, wenn Menschen durch die Neuroleptiker Parkinsonsymtome zeigen,Konzentrationsstörungen zeigen , Depressionen haben, heißt das ja dass die Dopmainspiegle schon zu nieder ist! Und das heißt nichts anderes das falsch behandelt wurde denn dann ist einfach der Dopaminspiegel zu nieder und zwar durch die Neuroleptiker.
Das bedeutet ja dann schon dass etwas falsch behandelt ist. Fachbücker lesen hin oder her.

Deswegen ist das so wichtig sich zu informieren und immer dahinter zu sein und nicht die Verantwortung an die Weißkittel abzugeben.
Sich informien ist ja nicht falsch, sondern meistens nur gut!

Da kann man nichts schön reden , so sind einfach die Tatsachen

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Dopaminhypothese kann nicht stimmen

Beitragvon Remedias » So 15. Mär 2015, 14:56

Hi,

die Dopaminhypothese ist nur eine der vielen Hypothesen über Psychosen, wenn auch die beliebteste.
Es gibt auch eine Serotoninhypothese. Und eine Glutamathypothese. Und eine Histaminhypothese.
Der Grund ist wohl, dass alle Medikamente, die einen Botenstoff beeinflussen, irgendeine Wirkung auf Psychosen haben. Und zwar so von 60 - 70 %.
Bei ca. 30 % schlägt überhaupt kein Medikament an.

Zum Dopamin. Es scheint so zu sein, dass in einigen Gehirnarealen zu viel Dopamin vorhanden ist, in anderen jedoch zu wenig. Die Medikamente schaffen das "Feinabstimmung " nicht, sie sind im ganzen Körper nur dopaminhemmend. Das führt natürlich zu den parkinsonähnlichen Nebenwirkungen, Prolaktinspiegel erhöhung, Dyskinesien etc.
2. Weil mit Medikamenten die Dopamin erhöhen man schizophrene Symtome hervorrufen kann
Das ist eben unklar.
Es kann passieren, dass Patienten, die Dopaminagonisten ( Medikamente, die auf die Dopaminrezeptoren wirken) bekommen, in der Tat eine Psychose kriegen. Aber diese Psychose ist eigentlich ganz anders als eine Schizophrenie, viele optische Hallus, das was sich "chronische Halluzinose" nennt. Der Patient weiß auch gewöhnlich, dass es Trugbilder sind. Er hört keine Stimmen und entwickelt keine Wahnsysteme.
(https://www.parkinson-web.de/content/be ... x_ger.html)
Dass Neuroleptiker schizophrene Symtome bekämpfen ist nicht verwunderlich, da ja Dopamin, wie man annimmt für Ideen, Pläne, Vorstellungen und so weiter verantwortlich ist. es ist aber dann nicht so, dass die Medikamente eine vermeintlich gestörten Gehirnstoffwechsel ausgleichen, sondern einfach nur wie Schmerzmittel diese Symtome ausschaltet. Die Ursache für einen körperlichen Schmerz ist ja auch nicht ein Mangel an Schmerzmittel
Ja, da liegst du meiner Meinung nach voll richtig.
( wenn du schon viele Fachbücher liest, weißt du, dass es "Neuroleptika" heißt Mehrzahl und "Neuroleptikum" Einzahl, nicht "Neuroleptiker" :wink: )
Und diese Symtome werden von den Ärzten einfach so hingenommen
Mir haben Psychiater gestanden, dass sie einfach keine bessere Medikation zur Verfügung haben.
Irgendjemand hat hier im Forum geschrieben: " Neuroleptika - wenn auf einer Wiese Unkraut wächst, wird die Wiese zubetoniert,
dann wächst das Unkraut nicht mehr, aber auch nichts anderes mehr" - ich zitiere das sinngemäß)
Ansonsten gibt es so weit ich informiert bin bei schizophrenen und anderen Störung entweder einen Mangel an Dopamin oder einen
Überschuss, beide Extreme können den Wahn hervorrufen.
Nein. Dopaminmangel ruft Parkinson und schwere Depressionen hervor, keinen Wahn. Für Parkinson gibt es dann auch L- Dopa oder Dopaminagonisten.
Bei Menschen mit Psychoseneigung muss man vorsichtig sein, wenn Dopaminagonisten gegeben werden müssen.
( ich schreibe das aus Erfahrung, weil ich Restex nehmen soll für die RLS )


Mit freundlichen Grüßen Remedias
Zuletzt geändert von Remedias am So 15. Mär 2015, 15:00, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Dopaminhypothese kann nicht stimmen

Beitragvon Remedias » So 15. Mär 2015, 14:59

Hier nochmal eine gute Übersicht über das Dopaminsystem:
http://psychiatrietogo.de/2014/07/18/da ... in-system/


Zurück zu „Psychopharmaka und Psychopharmakotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast