Seroquel wegen Schwangerschaft schnellstmöglich absetzen

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Miri1993
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Seroquel wegen Schwangerschaft schnellstmöglich absetzen

Beitragvon Miri1993 » Mo 19. Jan 2015, 15:06

Hallo, ich bin neu hier.

Ich bin im 4. Monat schwanger und nehme wegen Borderlinestörung & Depris/Schlafproblemen momentan 75 mg Seroquel prolong.

War schon bei meinen Ärzten, die meinen, ich solle die Tabletten beruhigt weiternehmen - es würde dem Kind nicht schaden.

Embrytox sagt auch, man kann es weiternehmen - es ist aber besser es nicht zu tun!

Wovon ich aber überhaupt nicht überzeugt bin !!!!

Abgesehen davon möchte ich stillen - und das geht nicht mit den Medis.

Am meisten Sorgen bereiten mir aber die Absetzsymptome, vorgestern wollte ich direkt von 75 mg auf 0 mg runtergehen, worauf die Nacht der pure Horror war, weil ich überhaupt nicht mehr schlafen konnte. Daraufhin habe ich gestern Nacht wieder 75 mg wie gewohnt genommen und konnte auch gut schlafen. Dazu plagen mich jetzt enorme Schuldgefühle meinem Baby gegenüber, dass ich die Tablette doch genommen habe obwohl ich es absetzen wollte.

Habe mir nun überlegt heute Abend von 75 mg auf 35 mg runterzugehen - dass dann ca. 1 Woche beizubehalten - und ab nächste Woche dann von 35 mg wieder ganz auf 0 mg. Also 1 "Zwischenstopp" mehr.

Das müsste doch besser funktioniern, oder ? Ich will es so schnell wie möglich absetzten!

Wisst ihr, wie lange die Absetzsyptome dann andauern, wenn ich bei 0 mg bin ? Also wie lange es dauert, bis der Körper wieder ohne Seroquel "klarkommt" (einschl. der Schlafstörung?!)

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht in eurer Schwangerschaft ???

Ich bitte um Tipps - mache mir fürchterliche Vorwürfe und Gedanken... #-o

Liebe Grüße

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fluuu
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Re: Seroquel wegen Schwangerschaft schnellstmöglich absetzen

Beitragvon fluuu » Mo 19. Jan 2015, 18:56

Hallo,
wer mit schweren psychischen Störungen und Borderline gehört dazu, unbedingt ein Kind bekommen möchte sollte über die Risiken aufgeklärt werden.
Nicht die Medikamente sind das größte Problem, auch nicht für das Kind, sondern die psychischen Symptome der Mutter.
Sollten diese ohne Medikamente so schlimm werden nach der Entbindung, vielleicht hält es trotz Absetzten so lange durch,
die Schwangerschaftshormone können eine Menge bewirken und die Mutter ist auf Grund eines Schubs nicht in der Lage das Kind zu versorgen,
kommt die Mutter in die akut Psychiatrie zur Behandlung und das Kind in ein Babyheim. Dieser Umstand, die Trennung von Mutter und Kind in den
ersten Wochen und Monaten ist für die Entwicklung des Kindes um ein vielfaches schädlicher im emotionalen Seelenhaushalt als die Medikamente.
Deshalb, wenn eine psychisch kranke Frau ein Kind bekommen will sollte sie auf jeden Fall verstärkt dafür sorgen, dass sie psychisch stabil bleibt
und für das Kind sorgen kann und das geht neben der Psychotherapie, der psychosozialen Mutter/Kind Unterstützung und der Hilfe in der Familie
wie Oma, Tante usw. eben auch besonders durch Medikamente. Ein Kind bekommen heilt die psychische Störung langfristig nicht, im Gegenteil,
die psychische Anspannung einer Mutter ist gegeben und die Gefahr einer Schwangerschaft- oder Wochenbettpsychose ist groß.
Deshalb gehört zur wichtigsten Absicherung gegen einen Schub neben all den vorbeugenden Maßnahmen bei Frauen mit Borderline-Syndrom
vor allem Psychopharmaka. Es gibt keinen anderen Stoff der so konkret in den gestörten Stoffwechsel im Gehirn eingreifen kann.
Mann kann dazu so viel die häufig öffentlich zu hörende verteufelnde Ansicht haben wie man will, es geht um das Kind und wenn es schon
sehr früh durch das Wegbleiben der Mutter seelisch traumatisiert wird, dann ist in ein paar Jahren der nächste Patient sicher.
Ich berate in der Beratungsstelle "Seelenschreiben" die Menschen nicht dahin, das sie als Patienten möglichst lange erhalten bleiben,
sondern jede Linderung oder Heilung der Symptome ist ein Gewinn und die Menschen werden stabil in den psychischen Strukturen.
Stabil sollte jede Mutter sein damit sie für das Kind sorgen kann und eine Trennung in den ersten Jahren für längere Zeit ausgeschlossen ist.
gruß fluuu

kostenlose psychosoziale Online-Beratung
www.seelegut.de

Miri1993
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Re: Seroquel wegen Schwangerschaft schnellstmöglich absetzen

Beitragvon Miri1993 » Di 20. Jan 2015, 09:38

Danke, Fluuu für deine Antwort.

Ich kümmere mich um die nötige Unterstützung, dass hinterher alles so gut wie möglich verläuft.

Zudem befinde ich mich in intensiver psychotherapeutischer Behandlung.

Liebe Grüße

Miranda :wink:

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Laura
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Re: Seroquel wegen Schwangerschaft schnellstmöglich absetzen

Beitragvon Laura » Mi 21. Jan 2015, 13:56

Hallo Miri!

75 mg Seroquel gilt zwar als geringe Dosis und Du hast keine Zeit verlieren, dennoch würde fürs Absetzen lieber zwei Monate veranschlagen als lediglich zwei Wochen. Als "variable Faustregel" fürs Ausschleichen gilt, alle drei Wochen um zehn Prozent zu reduzieren. In Deinem Fall, auch wenn Dir so wenig Zeit bleibt, ist es ein sehr hohes Risiko, das Seroquel in so kurzer Zeit ausschleichen zu wollen. Wenn es gelingt, super. Wenn nicht, dann werden die Absetzsymptome umso schlimmer sein, was ja auch nicht gut für das Baby wäre.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Remedias
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Re: Seroquel wegen Schwangerschaft schnellstmöglich absetzen

Beitragvon Remedias » Mo 23. Feb 2015, 17:39

Hallo Miri,

auch ich würde sagen, dass du während der Schwangerschaft nix tun solltest, was dich destabilisiert und ein Neuroleptikum absetzen destabilisiert extrem - bis zur möglichen Absetzpsychose.
Ich habe selbst 1 Jahr gebraucht, bis ich Sero von 800 mg auf 0 gebracht habe, ich habe es so ähnlich gemacht wie @Laura vorschlägt , sogar noch langsamer ( 6 Wochen auf dem gleichen level, dann erst weiter runter). Schnell absetzen geht nach hinten los, da eine körperliche Abhängigkeit existiert.
Dass mit dem Stillen ist natürlich schade, aber es gibt sehr viele Mütter, die ihre Kinder aus verschiedensten Gründen nicht stillen (können) und besser, dein Baby hat dich nach der Geburt stabil und ausgeglichen.
Dir alles Gute und eine schöne Zeit.

Mit freundlichen Grüßen Remedias


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