Neuroleptika zur Behandlung "diffuser" Stresssymptome ?

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riccardo
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Neuroleptika zur Behandlung "diffuser" Stresssymptome ?

Beitragvon riccardo » Fr 8. Aug 2014, 17:06

Hallo

Ich frage mich ob man mit Neuroleptika auch die Symptome behandeln kann welche aus lang anhaltenden Stressituationen
resultieren.

Wenn man z.B. lange Zeit einem "Stalking" oder "Mobbing" ausgesetzt ist bekommt man sicher Stresssymptome wie Überreiztheit , Ruhelosigkeit und vielleicht verschiebt sich daraufhin auch die Wahrnehmung in einer Form die ein Unterscheiden und
den Umgang mit bestimmten Situationen sehr erschwert.

Beispiele wären Fälle von Stalking oder Mobbing .In meinem Fall ist es weder direktes Stalking noch Mobbing. Wenn man bereit ist anzunehmen das es eine Form des Umgangs gibt die den genannten negativ belegten Verhaltens\Umgangformen in der Methode zwar ähneln aber eher positve als negative Ziele verfolgen dann könnte man von positivem Stalking sprechen das je nach Ausprägung und Intensität trotzdem ähnliche Folgen für die Wahrnehmung und das Befinden des Betroffenen haben können.

Für die Frage muß man meinen Einzelfall aber nicht unbedingt genau verstehen. Meine Frage ist die ob Neuroleptika bei der Behandlung von solchen diffusen Stressymptomen welche wie auch immer und unter welchem Vorsatz herraus von der Umwelt hervorgerufen und aufrecht erhalten werden sinnvoll sind?

Mein Psychiater lässt sich auf solche Diskussionen nicht ein. Denn alleine die Darstellung oder Vorstellung von negativem oder positiv gemeintem Umgang wie Stalking oder Mobbing (was es in meinem Fall SO nicht ist) wird als psychotische Wahnvorsstellung abgetan.
Es scheint egal zu sein was die Auslöser oder genauen Ursachen sind es wird kategorisch von einem derzeit bestehenden endogenen Problem ausgegangen das angeblich mit nichts anderem als den Symptomen einer schizophrenen Störung zu kategorisieren seien.

Wenn sich aber herrausstellt das es sich tatsächlich um eine Überreiztheit handelt die tatsächlich überwiegend durch die Umwelt herbeigeführt wird... kann ich mir mit Neuroleptika dann wirklich auch mehr Schaden zu führen als wenn ich auf diese Verzichte.
Die Verschiebung der Wahrnehmung geht in meinem Fall nicht so weit als das ich Stimmen hören würde oder Halluzinationen habe.
Es ist mehr die beschreibene Gereitztheit ,innere Unruhe und nervliche Überlastung welche mich manchmal Situationen falsch bewerten lässt und an meiner Emotionalen Kontrolle zehren .Das sind wahrscheinlich tatsächlich Symptome die irgendwie in fliesender Verbindung\Beziehung zu den Mustern der schizophrenen Psychosen stehen. Ich denke aber das es trotz fließender Übergänge bestimmte Grenzen geben muß die eine Differenzierung notwendig machen was aber aus Gründen über die ich nur spekulieren kann so nicht stattfindet.Dabei kommt es aber auch nicht auf die genaue Diagnose an sondern auf die Frage nach den zu bevorzugenden Medikamenten. (Ist wahrscheinlich alles nicht so leicht zu differenzieren und so viele verschiedene Medikamenten "Gruppen" stehen der Psychiatrie wohl auch nicht zur Verfügung.)

Trotzdem:


Ist es im Zweifelsfall "gefährlicher" eventuell von Benzodiazepinen abhängig zu werden ,(Alkohol ) und Nikotin zu konsumieren oder könnte die Einnahme von Neuroleptika im Zweifelsfall die schwerwiegenderen und unüberschaubareren Auswirkungen haben ?

Zur Zeit lässt sich am "Milieu" nicht viel ändern. Aber wenn dies irgendwann doch möglich ist könnten Neuroleptika oder das Absetzten von diesen dann die Anfälligkeit gegenüber Stress und Überreiztheit (in Form von Veränderungen im Gehirn)
zusätzlich "verursachen" oder schwerwiegend forcieren ?

Mir ist bewusst das Alkohol Sucht eine sehr schlimme Sache ist (für die ich aber weniger anfällig bin ,denn noch habe ich eine art Aversion gegen Alkohol ,merke aber das ich trotz dieser immer mal wieder darauf zurück greife und das nicht zum Genuss)
Alkohol kann süchtig machen wobei es unter Verwendung von Neuroleptika so wie ich es verstanden habe eine Form der Abhängigkeit ist die sich entwickelt (?) oder besteht.

Aber genau das ist die Frage. Bedeutet diese Abhängigkeit ,das im Gehirn derartige Störungen vorliegen ,sodas man für ein beschwerdefreies Leben auf Neuroleptika angewiesen ist ,nicht auf diese verzichten kann und demnach Abhängig von ihnen ist.
Oder kann die Einnahme von Neuroleptika die Vorgänge im Gehirn derart ändern sodas die Einnahme mit der Zeit zu einer
Abhängigkeit wird die auf das "Einstellen" selbst zurück zu führen ist?

Ich habe so viel gelesen und gehört dabei geht es aber meist um Fälle bei denen Kein Zweifel daran besteht das die zu behandelnden
Krankheiten bestimmte endogene Ursachen haben .Wobei man sicher in keinem Fall von "zweifelsfrei" sprechen kann weil solche Krankheiten kaum physiologisch zu beweisen ,sondern nur anhand der erkennbaren Muster zu kategorisieren sind ,welche dann durch Modelle zu erklären versucht werden. Was ich aber meine ist das es sicher Fälle gibt die viel eindeutiger in eine Kategorie ein zu ordnen sind als es in beispielsweise meinem Fall möglich ist. Oft sind die Symptome so schwerwiegend und passen in ihrem Muster so eindeutig in eine Kategorie so das man davon ausgeht die Krankheit mit einem der Kategorie entsprechenden Erklärunsmodell so weit verstanden zu haben als das man weis welche physiologischen Probleme bestehen. Wenn es aber um die Beschreibung der Problematik und der Symptome seitens des Patienten geht sind diese sehr subjektiv geprägt. Der Psychiater wird versuchen das Beschriebene einer ihm bekannten Kategorie zu zu ordnen über die er bestimmte Kenntnisse und Erfahrungen hat. Wenn er nun ein Problem einer Kategorie zugeordnet hat könnte es sein das er versucht sich seine Entscheidungen zu erleichtern in dem er weniger auf das subjektive Erleben des Patienten im Einzelfall eingeht sondern sich auf ein Gesammtbild\Gesammterfahrungsschatz der von ihm erkannten Kategorie bezieht. Da in vielen als scheinbar eindeutig klassifizierten Mustern ein "durchschnittlich" hoher Leidensdruck "bekannt\zu erwarten" ist wird das Nutzen Risiko Verhältniss kategorisch sehr großzügig bemessen.

Über das Absetzten und die Folgen oder die Einstellung eines Menschen auf Neuroleptika der tatsächlich Hirnstoff mäßig nicht in einer bestimmten Form grundlegend gestört ist habe ich noch nicht viel erfahren.
Und auch dem gegenüber was meine Psychiaterin sagt bin ich skeptisch denn ich glaube diese hat nicht vor genauer zu differenzieren
und unterliegt einer bestimmten Vorannhame aufgrund derer sie sich sicher ist welche Kausalzusammenhänge bestehen. Demnach wird sie immer von der großzügig bemessenen Nutzen Risiko Abschätzung ausgehen die in schweren Fällen der Schizophrenien gegeben ist.

Sind es nur die Spätdyskenisien die irreversibel sind?
Sind die Folgen der Einnahme von Neuroleptika über kürzere Zeiträume (ca.unter drei Jahren) vollkommen reversibel ?
Kann die Einnahme von Neuroleptika zu einer sich selbst verursachenden Abhängigkeit (nicht Sucht) führen?

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Re: Neuroleptika zur Behandlung "diffuser" Stresssymptome ?

Beitragvon fluuu » Mo 11. Aug 2014, 09:56

Wenn Dein Psychiater psychotische Wahnvorstellungen diagnostiziert hat helfen Neuroleptika.
Abhängig kann man von allem werden, das hängt nicht vom Mittel ab sondern von Deiner Einstellung dazu,
hängst Du Dich an etwas ausschließlich ist die Gefahr abhängig zu werden sehr groß.
gruß fluuu

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Re: Neuroleptika zur Behandlung "diffuser" Stresssymptome ?

Beitragvon Remedias » Mi 13. Aug 2014, 18:06

Hallo Ricardo,

wenn du eine Schizo hast, helfen Neuroleptika. Die Symptome gehen weg. Das merkst du dann selbst, weil du dich nicht mehr verfolgt, ängstlich etc fühlst.
Wenn du eine posttraumatische Belastungsstörung wegen gewisser Ereignisse hast, also ein Psychotrauma , helfen Neuroleptika nicht.
Dann ist die Behandlung eigentlich ein Kunstfehler. Dann helfen dir besser eine Psychotherapie bei einem darauf spezialisierten Therapeuten.

Ich kann das von hier aus nicht beurteilen. Gemäß deinem Eingangsposting bin ich eher geneigt, eine Psychose anzunehmen. Das liegt aber auch an deinem Umgang mit einer Straftat. Normale Leute reagieren da anders.

Zu deinen Fragen:
Ja, Neuroleptika verursachen schwere Abhängigkeit, aber keine Sucht.
Ja, es gibt üble Nebenwirkungen: Spätdyskinesien, aber auch Dystonien, Diabetes etc. , aber auch Abbau der grauen Substanz im Gehirn, parkinsonoid, verkürzte Lebenserwartung
Es kommt auf den einzelnen Patienten an, ob nach 3 Jahren schon Schädigungen da sind .
Ja, es ist sehr schwierig, Neuroleptika wieder loszuwerden ohne eine Absetzpsychose zu riskieren.

Das sind meine Erfahrungen - ich gebe keine ärztlichen Hinweise.

Und ich persönlich würde keine mehr nehmen.

Mit freundlichen Grüßen Remedias


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