Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
angeja
Beiträge: 7
Registriert: So 8. Jun 2014, 15:35

Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon angeja » So 8. Jun 2014, 16:02

Hallo alle zusammen, mein Mann leidet an einer bipolaren Störung. Er bekam vor ca. 7 Wochen , zu seinen 150mg Venlafaxin noch Zyprexa 5mg. Mein Mann war rappelig, schlief nicht mehr,redete wie ein Buch und ging mir tierisch auf die Nerven. Nach Zyprexaeinnahme drehte er sich nach ca.10 Tagen um 360 Grad. Sein Kopf war zubetoniert und nichts lief mehr. Er hat das Zyprexa nach Ende der 1. Packung von jetzt auf gleich abgesetzt. Das war ein Fehler, ich weiß das,aber er weigert sich,jetzt zum Arzt zu gehen. Er will von dem Zeug weg.
Im Moment liegt er im Bett,ein bevorzugter Ort, wenn er depressiv ist.Er ist tieftraurig,redet kaum noch und schleicht herum,wie ein Zombi. Es ist jetzt 3 Wochen her, seit er die letzte Zyprexa genommen hat. Ich würde sagen, er steckt im Entzug. Er selber bemerkt, das er einige Sekunden sm Tag mal gut drauf ist, und wartet ungeduldig darauf, das sich dieses Gefühl häufiger einstellt. Das klappt natürlich nicht und er versinkt wieder in seine Depressionen.
Ich mache mir große Sorgen um ihn, ich möchte ihn auch nicht behandeln ,wie ein Kleinkind. Ich lasse ihn kleinere Entscheidungen treffen, wie, ob er lieber Bratwurst oder Schnitzel essen möchte.
Wie lange dauert so ein Entzug und wann muß auf jeden Fall der Arzt einbezogen werden?

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon Remedias » So 8. Jun 2014, 16:58

Hallo,
hier findest du alles Wichtige über Zyprexa:
http://psycho-alex.de/psychopharmaka/zyprexa

ich würde mal sagen, 5mg ist keine besonders hohe Dosis, aber Olanzapin ist ein Neuroleptikum und sollte wie alle Neuroleptika langsam ausgeschlichen - nicht schnell abgesetzt - werden.
Im landsläufigen sinne erzeugt Zyprexa keine Sucht - daher lachen einen die Ärzte oft aus, wenn man von "Entzug" spricht - aber tatsächlich gibt es heftige Absetzsymptome.
Ist doch klar bei einem Medikament, das in die Hirnchemie eingreift. Jetzt muss sich das Gehirn wieder dran gewöhnen, "ohne" zu arbeiten.
Dein Mann sollte zum Psychiater gehen und sich dort erstmal 2,5 mg- Tabletten verschreiben lassen ( kleinste Packung).
Die eine Weile ( 1-2 Wochen) nehmen und dann auf 0 gehen.
Schauen, wie es ihm geht. Vielleicht braucht er ein paar Tage Tavor, Neuroleptikaentzug macht auch Unruhe und Angstzustände.
aber dann müsste er damit durch sein.

Zyprexa ist meines Erachtens auch nicht gut geeignet für bipolare Störung, wenn nicht Psychose dabei ist.
Seroquel wirkt stimmungsstabilisierend und wird bei bipolar in niedrigen Dosen gegeben - ist vielleicht besser.

Ich schreibe nur aus meiner Erfahrung heraus, bin KEIN Arzt, nur selbst Patientin.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

angeja
Beiträge: 7
Registriert: So 8. Jun 2014, 15:35

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon angeja » Mo 9. Jun 2014, 11:12

Mein Mann lehnt jegliche Hilfe von Seiten der Ärzte ab. Er "hat die Nase voll" von den Ärzten, und "das wird schon besser werden". Wenn wir jetzt wirklich nichts machen, wie lange dauert so was, bis er wieder einigermaßen ok ist? Ich werde mich morgen mit der Psychiaterin in Verbindung setzen, so daß sie wenigstens mich in diesem Prozess begleiten kann. Es ist verdammt schwer, ihn so leiden zu sehen und ich kann nichts, einfach gar nichts tun.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon Remedias » Mo 9. Jun 2014, 19:21

@Angeja,
während ein Drogenentzug nach 2-3 Wochen "ausgestanden" ist,
können die Absetzsymptome von Neuroleptika tatsächlich Monate dauern.
Ich selbst habe solch einen Entzug mal 4 Monate ausgehalten, dann konnte ich nicht mehr, hatte keine Kraft mehr und bin in die Psychiatrie, um NL zu kriegen.
Hier gibt es durchaus Berichte, die von jahrelangen Schwierigkeiten sprechen.

Dein Mann nimmt dias normale Zyprexa, nicht die retardierte Form?
Welche Tablettengröße hat er ? Sind das 5mg?
Was ihr selbst tun könnt;
Besorgt euch in der Apotheke einen guten Tablettenschneider ( das chinesische Billigzeug taugt wenig) und teilt die Tablette.
Er soll versuchen, ca. 1-2 Wochen 2,5 mg zu nehmen ,
wenn es ihm dann gut geht,
nochmals teilen ( also vierteln) und auf 1,25 mg runter.
Wenn er stabil bleibt - aber nur dann - den Schritt auf 0 wagen. Die 1,25mg- Phase kann eine Weile dauern.

Einfach rausgehen und sagen: "Ich brauch das Zeug nicht mehr!" zeigt leider, dass er die Tabletten doch noch braucht, so unvernünftig wie das ist. Man kann ohne Psychiater leben, aber man muss bereit sein, sich zu informieren, zu lernen .

ich selbst bin aber keine Expertiin, sondern nur Betroffene. Ich kann dir nur sagen, wie ich es machen würde, aber:
DIES IST KEIN ÄRZTLICHER RAt,

hier in diesem Forum schreiben nur Laien.

Experte fürs Neuroleptika- Absetzen in Deutschland ist Herr Matthias Seibt. Er bietet - kostenpflichtige- Beratung auch übers Telefon an . Wenn ihr euch dahin wenden möchtet:
http://www.psychiatrie-erfahrene-nrw.de/Wieman.html
unten stehen Telefonnummer und e-mail.





Mit freundlichen Grüßen Remedias

angeja
Beiträge: 7
Registriert: So 8. Jun 2014, 15:35

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon angeja » Di 10. Jun 2014, 13:19

Hallo Remedias, mein Mann nahm Zyprexa 5mg.ret. Die Tabl. ist nach Beipackzettel habe nicht teilbar. Ich habe mir heute morgen Rat bei unserer Psychiaterin geholt. Ich beobachte ihn weiterhin, und wenn es sich verschlechtern sollte, soll ich sofort kommen. Er selber weigert sich nach wie vor, zum Arzt zu gehen. Er schafft das alleine! Ich stehe da voll hinter ihm, halte aber Kontakt zur Ärztin. Seit 1 Woche steht er auch beim Psychotherapeuten auf der Liste, ich hoffe, das das zügig geht.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon Remedias » Di 10. Jun 2014, 17:22

Hallo Angeja,
wenn dein Mann Zyprexa retard nimmt, kann er sie in der Tat nicht teilen, das ist gefährlich, weil dann zu viel Wirkstoff auf einmal freigesetzt wird.
Es wäre besser, dein Mann würde auf die nicht retardierte Form überwechseln und dann so verfahren, wie oben beschrieben.
Ich habe mir heute morgen Rat bei unserer Psychiaterin geholt. Ich beobachte ihn weiterhin, und wenn es sich verschlechtern sollte, soll ich sofort kommen.
Und was machen, wenn ich fragen darf?
Da der Patient absetzen möchte, ist es eigentlich Aufgabe der Ärztin , ihn dahingehend zu begleiten, dass er es richtig macht.
Was möchte sie abwarten? Geht es um eine Zwangseinweisung?
Seit 1 Woche steht er auch beim Psychotherapeuten auf der Liste, ich hoffe, das das zügig geht.
Der wird ihm aber leider was die Medikation betrifft , nicht helfen können.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

angeja
Beiträge: 7
Registriert: So 8. Jun 2014, 15:35

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon angeja » Di 10. Jun 2014, 17:34

Es geht hier nicht um eine Zwangseinweisung! Mein Mann nimmt die Tabletten nicht mehr und hat auch keine mehr. Er hat sie insgesamt auch nur 3 Wochen genommen. Und mit dem abwarten meine ich, das die Ärztin sofort für uns da ist, ich muß dann nur sehen, wie ich ihn dahinbekomme! Und abwarten heißt für mich auch beobachten, für ihn da sein ohne ihn zu bevormunden. Ich bin von Beruf Krankenschwester und ich hoffe, das ich das geregelt bekomme.

Benutzeravatar
Remedias
Beiträge: 4096
Registriert: Fr 22. Dez 2006, 17:46
Kontaktdaten:

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon Remedias » Di 10. Jun 2014, 18:02

Ich bin von Beruf Krankenschwester und ich hoffe, das ich das geregelt bekomme.
ich kenne nicht alle Fakten aus deinem Leben. .

Deine urspüngliche Fragen war ;
Wie lange dauert so ein Entzug und wann muß auf jeden Fall der Arzt einbezogen werden?
die habe ich beantwortet.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

angeja
Beiträge: 7
Registriert: So 8. Jun 2014, 15:35

Re: Entzugserscheinungen nach Zyprexa

Beitragvon angeja » Di 10. Jun 2014, 23:40

Hallo Remedias,vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen.Ich hoffe, Du hast meinen letzten Beitrag nicht in den falschen Hals gekriegt. Ich wollte nicht die Krankenschwester raushängen lassen, ich bin nur eine Frau, die sich Sorgen um ihren Mann macht.
Liebe Grüße
Angeja


Zurück zu „Psychopharmaka und Psychopharmakotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast