Temesta, schreibt der Arzt einfach ein Rezept?

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Momo
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Temesta, schreibt der Arzt einfach ein Rezept?

Beitragvon Momo » Mi 7. Mai 2014, 16:42

Hallo, ich bin neu hier,
ich habe eine Frage, betreffend Temesta. Zuerst zu meiner Vorgeschichte. Nach einem Trauerfall in meiner Familie, bin ich am Boden zerstört. Ich mag gar nichts mehr machen. Ich war schon bei 2 Psychiatern. Den ersten habe ich überfordert, der zweite gab mir das Gefühl, mich nicht zu mögen. Auf jeden Fall, brachten mir die Sitzungen rein gar nichts, ausser, dass ich nur noch mehr an mir zweifle und ich mich überhaupt nicht traue, einen neuen Therapeuten zu suchen. Die Antidepressiva, die mir die Ärzte verschrieben haben, brachten gar nichts. Obwohl sie mir das jedes mal einredeten. Ich persönlich merkte nichts. Aber man hörte mir nicht zu, als ich sagte, es geht mir eher schlechter mit den Dingern. Das einzige was nützt ist Temesta. Ich nehme es nicht Regelmässig ein. Nur wenn ich wieder voll am Anschlag bin und mir über den Sinn des Lebens den Kopf zerbreche und hoffe, dass mich endlich jemand überfährt, dass ich aus diesem Leben verschwinden kann. Temesta nützt. Ich schlafe sehr gut durch und es geht mir am nächsten Tag besser. Ich nehme immer nur eine einzige. Und das wirklich nur nach Bedarf. Die Abstände zwischen den Einnahmen varieren. Mal sind es 2 Wochen, mal 4. Nun schleiche ich mich so durchs Leben. Natürlich überlege ich mir, mir einen neuen Therapeuten zu suchen, aber für das, bin ich noch zu unsicher, ob man mir überhaupt helfen will. Wegen den letzten zweien, bin ich sehr verunsichert. Wie aber bekomme ich Temesta ohne Ärztliches Rezept. Meine Temestas werden wohl noch für 3 Monate halten, aber dann? Ich brauche für die Dinger ein Rezept. Meinen Hausarzt kann ich nicht mehr aufsuchen, da er mich beim letzten mal zusammengeschissen hat, weil ich den Therapeuten wechseln wollte.
Alle sagen mir, ich sei sehr Depressiv, doch behandeln sie mich zum Teil, wie jemanden, den man nicht braucht. Wieso tun die das?

Ich hoffe irgendjemand hier versteht mich und kann mir einen Ratschlag geben.

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Remedias
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Re: Temesta, schreibt der Arzt einfach ein Rezept?

Beitragvon Remedias » Mi 7. Mai 2014, 21:08

Hallo Momo,

du bist in einer echten Zwickmühle:
Temesta( Tavor) wirkt exzellent und hat wenige Nebenwirkungen,
UND
Temesta( Tavor) macht schwer abhängig.
Kein verantwortungsbewußter Arzt wird dir das ambulant mehr als ein paar Wochen verschreiben, zumindest kein Hausarzt ( der richtige Arzt dafür wäre ein Psychiater).
Eigentlich ist Tavor eine Krücke. Man nimmt es erstmal, um in die Lage zu kommen, weitere Behandlungen machen zu können. Es ist überhaupt keine Dauerlösung.
Meinen Hausarzt kann ich nicht mehr aufsuchen, da er mich beim letzten mal zusammengeschissen hat, weil ich den Therapeuten wechseln wollte.
Der arzt hat dich nicht zusammenzuscheißen. Geh nicht mehr hin! Such dir einen anderen.
Du müßtest aber auch den Antidepressiva eine Chance geben. Es kann Wochen bis Monate dauern, bis die Wirkung greift. Es kann dauern, bis man das Richtige hat. Und wenn sie nichts nützen, gibt es noch andere Medikamentenklassen, die auch antidepressiv wirken: Stimmungsstabilisatoren, Neuroleptika etc.
Das kann durchaus sehr lange dauern.

freundliche Grüße Remedias

Momo
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Re: Temesta, schreibt der Arzt einfach ein Rezept?

Beitragvon Momo » Do 8. Mai 2014, 06:17

@ Remedias
Natürlich würde ich auch den AD eine Chance geben, bei besserer aufklärung. Man gab sie mir und sagte, nehmen sie mal einfach. Wenn ich was fragte, kriegte ich keine ausreichende Antwort :cry:

Aber zur Zeit traue ich mich nicht irgendeinen Arzt zu kontaktieren. Wenn dieser wieder schimpft? Deshalb doktode ich selber irgend etwas zusammen.

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fluuu
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Re: Temesta, schreibt der Arzt einfach ein Rezept?

Beitragvon fluuu » Do 8. Mai 2014, 10:45

Hallo,
so wie ich aus Deinem Text herauslese sind es nicht die Anderen die Dir das Gefühl geben Dich nicht zu brauchen sondern Du brauchst Dich selber nicht.
Das kommt bei depressiver Verstimmung vor, nur dann akzeptiere es, sei traurig, niedergeschlagen und demütig.
Therapeuten spüren es wenn jemand zwar Zuwendung von außen will aber sich selbst nicht akzeptiert in der bedürftigen Verfassung,
da verpufft jede Mühe und warum soll sich das ein Helfer antun?
Sicher einen Angstblocker nehmen löst für den Moment das schlechte Gefühl und alles ist scheiß egal aber der innere Konflikt bleibt erhalten.
Ein Trauerfall, ein Verlust kann ein Auslöser sein für eine psychische Krise aber die Ursachen für seelische Konflikte liegen in der Entwicklung.
Deshalb wäre eine Therapie bei einem Psychotherapeuten, er gibt keine Rezepte aus, das macht der Psychiater und der macht meistens keine
Therapie, dringend notwendig aber dann sollte der Leidensdruck dafür reichen den Therapeuten als helfendes Gegenüber zu akzeptieren.
Er ist es nicht der wieder alles gut macht, ihm geht es meistens gut, er kann in Dir nur Deine Selbstheilung anregen.
Helfen für einen Therapeuten heißt nicht durch liebe Worte den Verlust ersetzen, sondern den Klienten dazu zu befähigen selber mit
dem Verlust umgehen zu können. Das bedeutet Stärkung des Selbstvertrauens und nicht schwächen durch lieb tun.
Therapie ist kein Konsumieren von glücklichen Gefühlen sondern ein Arbeitsprozess an sich selbst mit der Unterstützung.
Wer in der Depression ist braucht Zeit und sollte sich wappnen diese Durststrecke über längere Zeit durchzuhalten ohne Kick.
Das heißt sich entsprechend verhalten bis die depressive Stimmung vorüber ist, sie geht vorbei und mal eine Zeit lang die Trauer
akzeptieren, verhalten und demütig die Tage verbringen ohne sich nach dem voll drauf und happy sein zu sehnen.
Wer trauert verspürt Verlustschmerz und hält ihn auf Grund der begründeten Motivation ein Stück weit aus, weint vielleicht,
ist verzweifelt oder tief traurig, das ist gut so und nur vorübergehend. Nach so einer schlimmen Zeit ist die Stimmung dann
wieder im glücklichen Bereich und zwar völlig natürlich und begründet ohne spezielle Suchtsubstanzen zu brauchen.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: Temesta, schreibt der Arzt einfach ein Rezept?

Beitragvon Remedias » Do 8. Mai 2014, 21:43

@ Remedias
Natürlich würde ich auch den AD eine Chance geben, bei besserer aufklärung. Man gab sie mir und sagte, nehmen sie mal einfach. Wenn ich was fragte, kriegte ich keine ausreichende Antwort :cry:

Aber zur Zeit traue ich mich nicht irgendeinen Arzt zu kontaktieren. Wenn dieser wieder schimpft? Deshalb doktode ich selber irgend etwas zusammen.
Hallo Momo,

ein arzt hat dich natürlich nicht schlecht zu behandeln! Gibt es vielleicht eine Vertrauensperson, die du mitnehmen könntest und die dir hilft? Meine Erfahrung ist da gut: erstens hören 2 Menschen mehr als einer; zweitens werden Ärzte im Beisein einer anderen Person weniger unverschämt.

Sag dem arzt, dass du etwas brauchst, was dich schützt, bis die Antidepressiva wirken. Und dass du eine Psychotherapie machen möchtest , um deine Trauer verarbeiten zu können.

ich wünsche dir viel Glück.

liebe Grüße remedias


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