Temesta wann nach Entzug wieder möglich zu nehmen?

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das_huhn
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Temesta wann nach Entzug wieder möglich zu nehmen?

Beitragvon das_huhn » Di 6. Mai 2014, 17:10

Hallo,

Ich habe Temesta über 3 Monate genommen, bin in die Abhängigkeit gerutscht und habe es dann in sehr kleinen Schritten über einige Wochen ausgeschlichen. Die letzte Ausschleichung von 0,25 mg Temesta ist erst eine Woche her.
Nun ergab sich eine Überschneidung. Ich habe audh GBL ausgeschlichen und am Ende dieses Entzuges bekam ich heftiges Herzrasen, Puls in Ruhe bis 140. Daher habe ich notgedrungen wieder eine Temesta genommen. Das Herz ist jetzt ruhig. Bin ich nun wieder gleich voll drauf auf Temesta?

Liebe Grüße
das_huhn

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fluuu
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Re: Temesta wann nach Entzug wieder möglich zu nehmen?

Beitragvon fluuu » Mi 7. Mai 2014, 10:47

Temesta heißt das Präparat in der Schweiz was in Deutschland hauptsächlich als Tavor bekannt ist, habe nachgeschaut.
Herzrasen ist ein psychosomatisches Symptom das bei Ängsten, Panik oder übersteigerten Gefühlen auftaucht,
es führt nicht zum Herzstillstand und somit nicht zum Tod.
Der Angstblocker lähmt alle diese Gefühle und macht ein weiches 'leck mich am Arsch' Gefühl aber es verändert
nicht den Umgang mit den Gründen für das Herzrasen.
Daran wäre auch psychotherapeutisch zu arbeiten und nicht nur mit medikamentösen Therapie zu experimentieren.
Es braucht Verhaltensmethoden die den Stoffwechsel im Gehirn durch das Mittel erzeugt, wieder herstellen.
Herzrasen wird nicht durch das Absetzen des Mittels ausgelöst, sondern durch die Angst im Kopf wieder der selben alten
Situation schutzlos ausgeliefert zu sein. Da wären Schutzmechanismen zu lernen die der Angst entgegen wirken
ohne Mittel z.B. durch Übung und Gewöhnung an die gegebenen Umstände.
Es ist doch bekannt, dass wenn ein trockener Süchtiger wieder seinen Stoff zu sich nimmt, er voll drauf ist.
Kontrolliertes Suchtverhalten gibt es, ist aber noch schwieriger als Abstinenz.
Welche Lebensumstände, Orte oder Stimmungen gibt es die nicht Angst machen und kein Herzrasen auslösen?
Sie sollten letztlich gewinnen und im Alltag dominieren, danach ist das Leben einzurichten um sich zu erholen.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: Temesta wann nach Entzug wieder möglich zu nehmen?

Beitragvon Remedias » Mi 7. Mai 2014, 20:59

Hallo das Huhn,


Die Abhängigkeit von Temesta ( ich werde jetzt wie in Deutschland üblich Tavor schreiben) kann je nach persönlicher Suchtanfälligkeit sehr schwer ausfallen und tatsächlich nach dem Absetzen üble Absetzsymptome machen: ALLE Symptome GEGEN die Tavor eingesetzt wurde, können selbstverständlich wiederkommen, auch Herzrasen.( gegen das es ja auch hilft ;))
ich nehme mal an, du hast es wegen des GBL- Entzugs bekommen?
Manche Leute müssen sogar in die Klinik , um Tavor wieder loszuwerden.
War natürlich keine gute Idee, Tavor zu nehmen, wenn du eh schon Suchtprobleme hast.
Es gibt Mittel, die dir das absetzen erleichtern, indem sie die Absetzsymptome abfedern, aber selbst nicht süchtig machen: niedrigpotente Neuroleptika beispielsweise oder einige Angstlöser wie Lyrica.
Dazu musst du aber zu einem Arzt gehen und ihm die Wahrheit sagen, sonst kann er dir nicht helfen.
Herzrasen ist ein psychosomatisches Symptom das bei Ängsten, Panik oder übersteigerten Gefühlen auftaucht,
es führt nicht zum Herzstillstand und somit nicht zum Tod.
Bin ich einverstanden damit, solange das Symptom psychosomatisch ist. Bei Herzrasen als Nebenwirkung oder Absetzsymptom eines Medikamentes würde ich durchaus einem Arzt Bescheid sagen. Eventuell ist ein Betablocker angezeigt.

mit freundlichen Grüßen Remedias

das_huhn
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Re: Temesta wann nach Entzug wieder möglich zu nehmen?

Beitragvon das_huhn » Do 8. Mai 2014, 22:04

Vielen Dank,

Die Antworten haben mir ein wenig geholfen.
Ich habe dann einen Betablocker genommen. Seitdem trat kein Herzrasen mehr auf. Die alte Angststörung ist ohne Temesta natürlich wieder voll da.
Eventuell werde ich mich dieser hier im Forum mal widmen.

Herzlichen Gruß
das_Huhn

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fluuu
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Re: Temesta wann nach Entzug wieder möglich zu nehmen?

Beitragvon fluuu » Fr 9. Mai 2014, 11:46

Ja, wie geht man mit einer Angststörung um die vielleicht aus einer Traumatisierung entstanden ist, könnte ein interessantes und wohl auch häufig vorkommendes Thema sein.
Habe in meinem Leben viel dazu erlebt, bin heute nicht frei von Ängsten aber sie sind nur selten Beeinträchtigung oder Bedrohung, das lässt sich aushalten.
Das bedeutet jedoch auch den Lebenswandel gestalterisch an die Grundlagen der eigenen Entwicklung anzupassen und für besonders bedrohliche Situationen einen Ausgleich zu finden so,
dass sich negative Gefühle nicht ansammeln können die dann ein Ventil brauchen, oft in Form einer Erkrankung.
gruß fluuu

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