Entzug - Lorazepam

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algharb
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Entzug - Lorazepam

Beitragvon algharb » Di 15. Apr 2014, 23:32

Hallo,
ich bin neu hier im Forum und habe eine Frage zu dem Benzodiazepin Lorazepam (Tavor), mit dem hier sicherlich viele Teilnehmer schon Erfahrungen haben.

Ich habe seit 2 1/2 Jahren körperliche Symptome, die bisher nicht klar diagnostiziert wurden (möglicherweise eine Nebennierenschwäche). Inzwischen substituiere ich 10mg/Tag Hydrokortison mit positivem Erfolg.
In dieser Zeit habe ich immer wieder Lorazepam genommen, weil es mir damit deutlich besser ging. Ist ja auch verständlich, da die Stressbelastung dadurch zurückging. Es waren immer nur einige Tage, oder nur ein Tag und kaum einmal mehr als 0,5-0,6 mg pro Tag als Einmalgabe. Ich hatte gehofft, dadurch nicht in die Abhängigkeit zu kommen. Und bei meiner Frage an einen Psychater vor längerer Zeit wurde gesagt, dass er nicht glaube, dass ich abhängig sei.
Wahrscheinlich waren aber die Zeiten ohne Lorazepam nicht lang genug und der Gesamtzeitraum nun schon viel zu lang.

Daher vermute ich, dass ich inzwischen abhängig bin und bei Nichteinnahme Entzugssymptome habe. Diese sind:
- Missempfindungen in der Haut, wärme- und kälteartig,
- Ziehen im Gesicht und Hals, wahrscheinlich Muskeln und manchmal Kribbeln,
- Zittern in der Brust, insbesondere morgens beim Aufwachen
- Spannuung in der Brust,
- erhöhter Puls, insbesondere morgens beim Aufwachen, obwohl ich 2x50mg Metoprolol (Betablocker zur Reduzierung und Beruhigung des Herzens),
- allgemeines Unwohlsein im Körper,
- Schlafprobleme,
- Rumoren im Darm,
Brennen im Magen und evtl. Speiseröhre
und vielleicht auch noch mehr. Ist jedenfalls ein großes durcheinander vegetativer Funktionen.
Was ich nicht habe ist vermehrte Angst und Unruhe.

Wenn ich dann etwas Lorazepam nehme (0,3-0,4mg), dann gehen die Symptome deutlich zurück.

Ich habe nun eine Frage zum Entzug.
Es wird ja empfohlen über einen langen Zeitraum sehr langsam auszuschleichen. Nun will ich aber nicht für das Ausschleichen anfangen, Lorazepam täglich zu nehmen.
Die Entzugssymptome, sind sie lediglich sehr unangenehm oder auch körperlich gefährlich, als Funktionsstörung?
Geht das Absetzen bis zur Entzugsfreiheit schneller, wenn man nichts mehr nimmt und durchhält?

Vielleicht hat ja jemand hier schon Erfahrungen dieser Art gemacht und kann nützliche Hinweise geben. Ich bin dankbar für alles.

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Remedias
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Re: Entzug - Lorazepam

Beitragvon Remedias » Mi 16. Apr 2014, 12:31

hallo Algharb,

ich schreibe hier als patientin, die auch schon Tavor genommen hat, natürlich nicht als Ärztin.
Schon die Tatsache, dass du dich erleichtert fühlst und deine körpersymptome deutlich zurück gehen, deutet für mich auf eine Abhängigkeit hin. Warum hast du es ursächlich bekommen? Du schreibst "unklare Symptome"? Aber kein arzt, der sein Geld wert ist, verschreibt Tavor "einfach so" und dazu in so großen Mengen, dass du es "ab und zu" eine geraume zeitlang nehmen kannst.
Diesen punkt lässt du im Dunkel.
Es gibt ärztlicherseits natürlich einige Methoden, den tavorentzug für den körper erträglich zu machen.
- was du schon erwähnt hast: Ausschleichen. Das geht auch nicht ewig. anstatt 0,5 mg oder 0,6 mg ab und zu eben 0,1mg 2 wochenlang. Da ist es wichtig, mit einem Arzt zusammen einen Absetzplan zu machen.
- ein Arzt kann dir begleitend etwas zum Ausschleichen geben, um die Absetzsymptome leichter zu machen: Beispielsweise ein niederpotentes Neuroleptikum wie melperon oder Pipamperon oder eine andere Wirkstoffklasse wie Pregabalin ( Lyrica) , letzteres muss dann aber auch wieder ausgeschlichen werden.
- Wenn es gar nicht hinhaut, muss man zum Entzug in die Klinik. Die haben da nochmals andere Möglichkeiten.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

algharb
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Re: Entzug - Lorazepam

Beitragvon algharb » Mi 16. Apr 2014, 23:00

Hallo Remedias

Vielen Dank für deine Antwort; das hat mir sehr geholfen. Zumindest sind meine letzten Zweifel beseitigt, dass eine Lorazepamabhängigkeit besteht.
Bezüglich des Ausschleichens muss ich mal sehen. Gestern Abend ging es mir zum ersten Mal seit längerem normal und ich konnte sehr gut schlafen. Heute waren die Symptome, die ich als Entzugssymptome empfinde, wieder da, aber weniger intensiv.

Zu deiner Irritation: Kein Arzt in Deutschland und auch nicht hier in Portugal ist dafür verantwortlich, dass ich und wie ich Lorazepam genommen habe. Das habe ich ganz allein zu verantworten und ich weiß auch inzwischen, dass es sehr fahrlässig und unverantwortlich war. Aber es ist nun mal passiert, warum auch immer und jetzt will ich da raus.
Zu meiner Erkrankung mit den diffusen Symptomen. Niemand weiß bisher, was ich habe. Es könnte nach dem neuesten Ergebnis eine nebennierenschwäche sein. aber das muss ich in Deutschland untersuchen lassen. Aber auch meine Erkrankung spielt für das Problem mit der Abhängigkeit keine Rolle. Ich wollte nur gern wissen, ob meine aktuellen und vordringlichen Symptome überhaupt noch etwas damit zu tun haben. Ich vermute, nicht.

Nochmals; vielen Dank

Und gern weitere Beiträge

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fluuu
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Re: Entzug - Lorazepam

Beitragvon fluuu » Do 17. Apr 2014, 11:21

Hallo,
das klingt eher nach Drogenmissbrauch, die Einnahme von Medikamenten ohne sie im Netzwerk der Mitmenschen,
Ärzte, Therapeuten, Familie, Freunde, Sozialarbeiter, Berater usw. zu besprechen.
Das hat weniger mit Psychiatrie und Psychotherapie zu tun, da geht es um psychisch kranke Menschen die
Behandlung brauchen und über ihre psychischen Symptome aufgeklärt sind, Du verschweigst sie.
Wende Dich an eine Drogenberatungsstelle oder an eine konkrete Suchtambulanz.
Wer sagt, ich nehme Drogen, warum geht Euch nichts an aber helft mir wieder raus, dem kann hier
aus psychotherapeutischer Sicht nicht geholfen werden. Die Grundlage Deines Problems liegt in der Idee
Tavor zu nehmen als womögliche Linderung, nicht in der Abhängigkeit und auch nicht im Entzug.
So lange diese Idee nicht hinterfragt ist sind alle Lösungsversuche zwecklos denn Du wirst immer wieder
nach Stoffen greifen die massiv Einfluss nehmen.
Also, aus psychotherapeutischer Sicht ist die Ursache einer Sucht der entscheidende Aspekt um damit
umzugehen und auf eventuelle Folgeprobleme einzugehen. Der Entzug allein löst nicht, genauso wie die
Einnahme die zur Sucht geführt hat nicht löst, es ist eine psychische/mentale Änderung nötig.
Es sind die Verbindungen im Gehirn die neue Verknüpfungen brauchen, das ist kurzfristig und oberflächlich
mit zugeführten Stoffen zu erreichen aber keine Lösung, dafür sind längere Prozesse von Therapie,
Lernen und Übung erforderlich, um so eher Du damit beginnst um so eher der Erfolg.
Alles gute nach Portugal, wohl ein ausgewanderter Deutscher der dachte in Südeuropa ist alles easy.
gruß fluuu

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Remedias
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Re: Entzug - Lorazepam

Beitragvon Remedias » Do 17. Apr 2014, 14:17

hallo Algharb,
drücke Dir die Daumen.
Da Du die Sache alleine durchstehen möchtest, möchte ich Dich warnen. Bei mir hat Tavor absetzen, wunderbar geklappt, weil ich a) höchstens 6 Wochen lang genommen b) scheinbar keine große genetische Disposition für Süchte habe - aber das weiß man vorher nicht , weswegen auch Patienten, die das Zeug 2 Wochen verschrieben bekommen haben, süchtig werden können. Die Warnung deshalb, weil ich gesehen habe, dass der Tavorentzug sehr unangenehm sein kann.
mir fällt noch ein anderer Weg ein, den mir eine Mitpatientin erzählt hat:
Sie wurde von Lorazepam auf Diazepam umgestellt.
Die Umstellung merkst du kaum, es ist auch ein Benzo, aber scheinbar leichter absetzbar als Tavor, weil der Wirkungseintritt langsamer ist.
Das wäre auch noch eine Möglichkeit.

freundliche Grüße Remedias


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