Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

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Remedias
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Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon Remedias » Do 10. Apr 2014, 19:43

In Japan sind 17 Menschen gestorben, die sich zuvor ein im November zugelassenes Medikament gegen Schizophrenie hatten spritzen lassen. Die japanische Vertretung des internationalen Pharmakonzerns Janssen Pharmaceuticals teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit, dass die Patienten unter anderem an Herzinfarkten und Lungenembolien starben, andere erstickten an ihrem Erbrochenen.

weiterlesen http://www.spiegel.de/gesundheit/diagno ... 63537.html

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fluuu
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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon fluuu » Fr 11. Apr 2014, 10:12

Der Spiegel mal wieder, immer für die skandalösen Dauerbrenner zu haben.
Er schreibt selbst "Ein ursächlicher Zusammenhang ist unklar" und trotzdem wird ein Artikel draus
und jedem halbwegs des Lesens mächtiger Konsument wird der Skandal Pharmaindustrie klar.
Sie hat die Macht, manipuliert und beeinflusst Menschen wie sie will und lässt sie sogar sterben.
Da wird die Angst groß und das Gefühl der Ohnmacht noch größer, ausweglos als Opfer.

Ich weiß um meinen Tod, mir ist das Sterben im Leben bewusst früher oder später, mehr oder
weniger, da nutzt auch alle Empörung, Aufregung, negative Gefühle nichts, ich finde mich mit
dem Tod als Ende des Lebens ab und bin bis dahin mit vorrangig angenehmen Gefühlen beschäftigt.

Ohne Medikamente würde man die schizophren erkrankten Menschen die einen Klaps haben
noch heute in der Mühle drehen wie vor einigen hundert Jahren, daraus entstand der Begriff
'Klapsmühle' als volkstümliche Bezeichnung für die Psychiatrie.
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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon jumbo62 » Fr 11. Apr 2014, 16:35

Hallo
ich bin auch über diesen Artikel gestolpert und in der Tat drängt sich die Frage auf, wieso ein solcher Artikel publiziert wird und wieso das entsprechende Präparat im Zusammenhang mit den Todesfällen genannt wird.
Möglich ist so etwas ja immer, aber ohne konkrete Grundlage zu berichten.....
Da finden sich schnell welche die aufspringen
Ich bin mir sicher, dass sich recht schnell wieder eine Verschwörungstheorie entwickeln wird

Wäre nicht zuerst bei jedem der Fälle einzeln abzuklären, in welchem Kontext die Todesursache eingetreten ist und was konkret der Auslöser von Herzinfarkten, Embolien u.s.w. war.
Begleitende psychische und somatische Co-Morbiditäten, andere Medikamente, akute Gesamtsituation?

Das ist vom Pseudo-Wissenschaft-Blatt "Spiegel" eigentlich nicht seriös und riecht nach ideologielastiger Stimmungsmache.

J

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Remedias
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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon Remedias » Fr 11. Apr 2014, 19:49

hallo Fluuu und Jumbo,
ich stehe dem Artikel eher alarmiert gegenüber,
gerade weil ich ein Jahr lang Invega genommen habe ( Invega ist Paliperidon - Tablette) , war ziemlich zufrieden und habe mich darüber geärgert, dass 2011 Invega nicht mehr von den KK bezahlt wurde.
( schon weil ich im Rahmen der Umstellung eine Psychose erlitt, im Krankenhaus war und diese Kosten vermutlich höher lagen, als wenn mir die KK das Präparat weiterbezahlt hätte - aber das nur am Rande).
2010 wurde fast jeder Patient auf das neue Invega eingestellt , von dem man sich endlich den Durchbruch versprach und 2011 verschwand es praktisch aus der Verschreibung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Paliperidon

Als Ersatz wurde mir das Depotneuroleptikum Xeplion ( = Paliperidon als Spritze, das zahlen die KK nämlich weiterhin, da eine Verbesserung zu anderen Depotneuroleptika darin besteht, dass es in den Arm statt in den Gesäßmuskel apliziert werden kann....) angeboten.
Ich lehnte ab, weil ich Depotmedikamenten sehr kritisch gegenüber stehe.
Gründe:
- Was mal drin ist im Körper, kann nicht mehr rausgeholt werden. Das gilt auch bei schweren Nebenwirkungen
- fast alle Neuroleptika können eine QT- Verlängerung verursachen. http://de.wikipedia.org/wiki/QT-Syndrom . Besonders berüchtigt dafür sind Abilify und eben dieses Xeplion . ( das heißt, ich wußte das)
- Xeplion ist ein ziemlich neues Medikament. Das heißt, die Erfahrungswerte - gerade was die Dosis anbetrifft - tendieren gegen 0. Ich hatte keine große Lust, Versuchskaninchen zu sein.

Daher finde ich es nicht einmal so überraschend, dass nun wirklich etwas passiert ist.
Ich bin mir sicher, dass sich recht schnell wieder eine Verschwörungstheorie entwickeln wird
Finde nicht, dass wenn man vorsicht bei einem Medikament walten lässt, man dann gleich ein Verschwörungstheoretiker ist....
Wäre nicht zuerst bei jedem der Fälle einzeln abzuklären, in welchem Kontext die Todesursache eingetreten ist und was konkret der Auslöser von Herzinfarkten, Embolien u.s.w. war.
Begleitende psychische und somatische Co-Morbiditäten, andere Medikamente, akute Gesamtsituation?
Die QT- Verlängerung kumuliert tatsächlich, das heißt, mit jedem zusätzlichen Medikament, das genommen wird und dass aufs Herz geht, steigt die Chance, dass wirklich etwas am Herzen passiert.
Natürlich kommt es auch hinzu, dass viele Patienten, die NL einnehmen, auch am metabolischen Syndrom leiden, im Klartext durch die Medikamente ziemlich an Gewicht zulegen. Da sind aber Zyprexa und Seroquel typischer als Xeplion, das ja wieder ausgerechnet so beliebt war/ ist, weil die Gewichtszunahme niedrig bleibt. ( was ja auch meine Motivation für Invega war ;))
Ich weiß um meinen Tod, mir ist das Sterben im Leben bewusst früher oder später, mehr oder
weniger, da nutzt auch alle Empörung, Aufregung, negative Gefühle nichts, ich finde mich mit
dem Tod als Ende des Lebens ab und bin bis dahin mit vorrangig angenehmen Gefühlen beschäftigt.
Für zynisch halte ich das schon. Auch das nächste:
Ohne Medikamente würde man die schizophren erkrankten Menschen die einen Klaps haben
noch heute in der Mühle drehen wie vor einigen hundert Jahren, daraus entstand der Begriff
'Klapsmühle' als volkstümliche Bezeichnung für die Psychiatrie.
Heißt das, Psychosepatienten müssen freudig Risiken und Nebenwirkungen ertragen, die man ansonsten nur in der Palliativmedizin oder vielleicht noch bei Chemotherapie akzeptieren würde?
Wenn du mal die Gelegenheit hast, lies den Beipackzettel von Abilify, einem anderen Neuroleptikum.
Da steht als Nebenwirkung dann : "Plötzlicher Tod". Würde dir gefallen, oder?

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon fluuu » Mo 14. Apr 2014, 11:12

"Plötzlicher Tod" steht auf dem Beipackzettel meines Lebens auch, was soll man machen, warten bis es so weit ist, oder?
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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon Remedias » Mo 14. Apr 2014, 16:33

"Plötzlicher Tod" steht auf dem Beipackzettel meines Lebens auch, was soll man machen, warten bis es so weit ist, oder?
Was soll man machen? Tabletten nicht nehmen, wenn das Risiko zu hoch ist!
Der Tod kann immer unerwartet kommen; dennoch vermeidet ein kluger Mensch gewisse Risiken.
Es ist zum Beispiel nicht ratsam, die Gegenfahrbahn der Autobahn zu benutzen.
bei medikamenten aber werden die Risiken heruntergespielt bzw die Patienten überhaupt nicht vor die Wahl gestellt.

Mit freundlichen Grüßen Remedias

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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon fluuu » Di 15. Apr 2014, 10:33

Es ist umgekehrt Remedias, wenn eine gewisse Störung da ist wird es fast unmöglich ohne ein Risiko einzugehen,
etwas am Alltag zu verändern. Es ist die Bereitschaft zum Risiko die eine Chance auf Verbesserung der Gesundheit
ermöglich. Ein kluger und mutiger Mensch geht das Risiko ein und erlebt, er stirbt nicht daran sondern die
Lebensumstände verbessern sich. Es ist immer ein Risiko sich von A nach B zu entwickelt denn dazwischen gibt
es einen Moment des haltlosen Schwebezustandes und den aushalten ist die große Kunst.
Die Angst es nicht zu überleben ist bei vielen Situationen im Alltag gegeben die man mutig angeht obwohl
sie Angst machen aber wenn man weiß, dass man sowieso sterben wird relativiert sich das Ganze.
In den Medien ist immer von Tod, Skandal und Drama die Rede, da findet man für jede Lebenslage einen
Todesfall, von den ganzen Suiziden abgesehen, nur wenn man bereit ist das Risiko einzugehen hat man
einen gewissen mentalen Schutz, dass nichts passiert, das ist mein Erfahrungswert im Leben.
Hat man Angst und vermeidet alles was zum Tod führen könnte ist der Unfall oder die Krankheit vorprogrammiert.
Der Beipackzettel eines Psychopharmaka ist psychologisch zu verstehen, wer den ließt hat selber Schuld.
Es haben sich schon Menschen am Brot verschluckt und sind erstickt, ist jetzt Brot tödlich?
Es ist nicht klug alles zu vermeiden was zum Tod führen könnte, es funktioniert nie, es führt immer
alles zum Tod früher oder später, besser ist das Risiko eingehen und trotzdem gute Hoffnung haben im Leben.
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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon Remedias » Di 15. Apr 2014, 13:45

Hallo Fluuu,
Ein kluger und mutiger Mensch geht das Risiko ein und erlebt, er stirbt nicht daran sondern die
Lebensumstände verbessern sich
doch. Es geht darum, dass 17 Menschen tatsächlich dran gestorben sind. Wenn du nicht irgendwie religiös involviert bist, dann wars das! Dann verbessern sich die Umstände nicht, weil das Leben nämlich vorbei ist.
Der Beipackzettel eines Psychopharmaka ist psychologisch zu verstehen, wer den ließt hat selber Schuld.
:)
Es ist nicht klug alles zu vermeiden was zum Tod führen könnte, es funktioniert nie, es führt immer
alles zum Tod früher oder später, besser ist das Risiko eingehen und trotzdem gute Hoffnung haben im Leben.
Vermutlich haben wir eine verschiedene Einstellung bzw. verschiedene Erfahrungen gemacht mit Neuroleptika. Meine Erfahrung ist, dass sie nicht helfen bzw,. das sie die Anzahl der Probleme eher noch erweitern. Eine Psychose könnte man mit Kurzzeitgabe, Tranquilizer und Abschirmung/ Schlaf in den Griff bekommen; die unsäglichen jahrelangen Depotspritzen sind meiner Ansicht nach ein medizinischer Fehler, auf den künftige Generationen wohl so herunterschauen werden wie wir heutzutage auf Insulinschock und Eisbäder. Mit dieser Einstellung ist dann auch jeder Tote ein Toter zu viel.

freundliche Grüße Remedias

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Re: Mysteriöses Sterben von 17 Patienten durch Xeplion...

Beitragvon fluuu » Do 17. Apr 2014, 11:59

Hallo Remedias,

das mag schon sein, dass spätere Generationen auf Depot-Spritzen kopfschüttelnd zurückschauen
wie wir auf Aderlass, Eisbäder und in der Mühle drehen schauen aber warum zerbrichst Du Dir in der
Gegenwart die hier Probleme lösen will den Kopf der Leute in der Zukunft, das hilft Dir in der
Gegenwart kein Stück weiter, im Gegenteil, es nimmt Dich aus dem Jetzt und Hier und
vergrößert Deine schlechten Gefühle um ein vielfaches. Es gibt nur Behandlungsmethoden
der aktuellen Zeit, damit müssen wir in der Gegenwart die Probleme lösen, andere Möglichkeiten
gibt es nicht, wer sich da rauskatapultiert fliegt irgendwo hin, keiner weiß wohin.
Der User in dem anderen Post aus Portugal zeigt, Auswandern ist keine Garantie das persönliche
Problem zu lösen, also wohin?
Ein seelischer Konflikt ist innerlich, egal wie viel Tapete man wechselt, es bleibt so lange bis man
es innerlich angeht und zu ändern versucht.
Dazu kommt, es gibt viele schizophren erkranke Patienten die eine Depot-Spritze für sehr
heilsam halten und angeben, dass damit ein weitestgehend normales Leben möglich ist.
Bei Dir wirkt sich anscheinend jede hilfreiche Form von außen destruktiv aus und wenn es eine
Nachricht gibt, dass irgendwo auf der Welt Menschen gestorben sind, dann ist das der Beweis.

Ich nehme die Hilfe und die Liebe der Mitmenschen in der Gegenwart mit den Möglichkeiten
die aktuell gegeben sind an und bin sehr dankbar dafür, es schafft Wohlbefinden und Stabilität.
Sterben ist nicht das Problem, in der Selbstständigkeit Leben heißt die Herausforderung und
da steckt ein gewisses Risiko drin ohne die vielen Beschwichtigungen und den falschen Trost
den eigenen Stiefel für sich auf gesunde Art und Weise durchzusetzen.
gruß fluuu

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