Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

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fellzunk
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Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fellzunk » Mi 15. Jun 2011, 14:49

Liebe Forumsmitglieder,

wir sind eine kleine, frisch gebackene Familie, die seit 2,5 Monaten Erfahrungen mit der Klinischen Psychiatrie im Kölner Raum gesammelt hat. Unsere Erfahrungen waren durchwachsen und das zunächst unbestimmte Gefühl, dass die Behandlung nicht optimal ist, hat mich ins Internet und in Richtung vieler Selbsthilfegruppen getrieben.

Es wahr beruhigend und beunruhigen zugleich, zu sehen, dass es offenbar vielen ähnlich geht. Wir sind jetzt in der Situation, dass meine Frau demnächst mit 600 mg Seroquel entlassen wird und nachdem ich viele Beiträge und Studien gelesen haben, die sich sehr kritisch zur Langzeitbehandlung mit Atypika befassen, sind wir nun auf der Suche nach einen Psychiater im Raum Köln (möglichst zentrumsnah), der bereit ist, gemeinsam mit der Familie die Medikamente allmählich wieder zu reduzieren.

(Meine Frau ist an einer Wochenbettpsychose mit manischer Ausprägung erkrankt, war aber nicht gefährlich aggressiv gegen Kind oder Familie und hatte vorher noch keine Psychosen oder ähnliches. Insofern bin ich recht optimistisch, dass sie relativ problemlos die Medikation reduzieren kann, wenn hier vorsichtig und in kleinen Schritten vorgegangen wird.)

Was uns daher jetzt unheimlich helfen würde, wären Empfehlungen für Psychiater und Psychologen, wie gesagt im Raum Köln, mit denen jemand bereits gute Erfahrungen gemacht hat und die offen sind für einen frühen Reduktionsversuch der Psychopharmaka.

Wir freuen uns auf Rückmeldung und sind gespannt auf Ihre Antworten!

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fluuu
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fluuu » Do 16. Jun 2011, 13:50

Hallo,
mit Ärzten in Köln kann ich nicht aufwarten da im Süden beheimatet aber noch eine Anregung.
Wenn es zu einer Wochenbettpsychose gekommen ist gibt es dafür in der Biographie einen Grund und
der sollte beim Absetzen Berücksichtigung und Aufarbeitung finden sonst könnte bei der nächsten
Krise wieder eine Psychose auftreten.
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Mirjam
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon Mirjam » Do 16. Jun 2011, 18:59

hallo fellzunk !

kann dir leider auch raum köln mäßig nicht helfen.
es wird sehr schwer für deine frau werden mit dem medikament und dem frischen menschlein. schlafmäßig. ich war auch mal junge mutter, habe mal seroquel benommen. aber beides nicht zur gleichen zeit. ein baby, dessen bedürfnisse noch alle etwa drei stunden zu befriedigen sind, das ist ja schon allein ein schlafräuberchen, bei dem man mit zunehmender zeit immer schlechter aus dem bett kommt. geschweige denn, dann auch noch unter seroquel. da entfällt wohl das natürliche aufwachen, wenn das baby weint. ich hab unter dem medikament bis zu 15 stunden am tag geschlafen. aber ohne nächtliche aktivitäten. für mich völlig unvorstellbar, wie das funktionieren soll!? bitte habe verständnis für deine frau, wenn sie nur noch am schlafen ist!! was das ausschleichen angeht... was sagen denn die ärzte in der klinik dazu, wann? eigentlich soll man das ja ne zeitlang nehmen, damit sich das wieder alles beruhigt. dauert ne weile. und im prinzip nützt ihr das wenig, wenn sie über kurz oder lang wieder voll drin steckt im schlamassel. aber ich will euch euren optimismus nicht nehmen. jedenfalls solltet ihr das auch nicht nur auf dem medikament beruhen lassen. sondern auch an therapie denken.

für die suche nach einem guten psychiater wünsch ich euch viel erfolg! vielleicht meldet sich ja noch jemand aus köln. hast vermutlich auch schon danach gegoogelt. einer schreibt zum beispiel "Die Devise der psychopharmakologischen Behandlung ist „ so viel wie nötig und so wenig wie möglich“. dann ist noch drauf zu achten, WAS die psychiater für fachgebiete haben. ein psy, der sachen wie schlaganfall und co. macht, fällt ja schon mal weg. also kein facharzt zum beispiel für neurologie. therapie kann sie ja trotzdem bei psychotherapeuten machen. gibt aber auch welche, die alles machen.

du könntest vielleicht mal bei eurer krankenkasse nachfragen, ob deine frau eine hilfe bekommt.

wünsch euch viel erfolg !!
LG
Mirjam

fellzunk
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fellzunk » So 19. Jun 2011, 00:41

Hallo Fluuu, hallo Miriam,

vielen Dank für Eure Antworten!
Ja, der Plan sieht vor, dass meine Frau nach der Entlassung sofort eine Therapie beginnt. Möglichst bei einer erfahrenen Psychologin/Psychiaterin, um nach den Ursachen für die Psychose zu suchen.

Unsere Tochter ist zum Glück sehr pflegeleicht und schläft in der Nacht tatsächlich regelmäßig 8-10 Stunden. Insofern dürfte meine Frau die Nacht schon hinbekommen, hoffe ich. Aber danke für die Vorwarnung! Gegebenenfalls muss man sich dann nochmal nach einen anderen Medikament umsehen. - Bis jetzt gehts aber noch ganz gut.

Miriam, Du sagst, man sollte das Medikament lägere Zeit nehmen, damit sich alles beruhigt.
Woran merkt denn meine Frau, dass sie ausreichend stabilisiert ist? Hast Du da eine gute Methode gefunden?

Unser Problem ist im Moment, dass es viele Erfahrungsberichte und Studien gibt, nach denen im Gehirn eine Gewöhnung an die Präparate beschrieben wird. Ganz zu schweigen von zum Teil grausligen und irreversiblen Nebenwirkungen. Meiner Frau wurde erst Abilify gegeben und davon ist sie am Ende fast durchgedreht... bzw. nach Meinung der Ärzte hat es nicht gewirkt und die Psychose ist wieder durch gekommen. Ich bin da skeptisch, denn ihre Symptome haben genau den prominentesten Nebenwirkungen entsprochen und hatten wenig mit ihren ursprünglichen Psychosesymptomen zu tun. Da möchte man so etwas natürlich bloß nicht zu lange nehmen. Aber natürlich wäre ein Rückfall auch furchtbar. - Was also tun?

Viele Grüße

fellzunk

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Remedias
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon Remedias » So 19. Jun 2011, 13:47

hallo fellzunk,
mit Abilify habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass der Schutz nicht stark genug ist, und ich war auch in der Psychiatrie, trotz Abilify.
Eigentlich sagt man, bei einmaliger Psychose, 1 - 2 Jahre prophylaktisch Neuroleptika nehmen.
Aber alle haben ihre Nebenwirkungen.
Seroquel beispielsweise macht sehr müde. Abilify ist nicht stark genug und kann Ängste verstärken bzw. verursachen. Zyprexa macht starke Gewichtszunahme.
Was nimmt deine Frau jetzt?

liebe Grüße Remedias

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fellzunk » So 19. Jun 2011, 18:36

Hallo Remedias,

meine Frau nimmt zur Zeit noch Abilify (10mg), das aber bis Ende der Woche ganz abgesetzt wird. Parallel bekommt sie 600mg Seroquel in Form von Retard-Kapseln. Mit der Müdigkeit hält es nicht noch in Grenzen und ihr Zustand ist jetzt so gut, wie eigentlich seit der Geburt nicht mehr.

Ich hoffe, dass das Absetzen vom Abilify nicht nochmal einen Rückschlag gibt. Allerdings hatte sie es ja "nur" 2,5 Monate genommen und ich hoffe insofern, dass mögliche Entzugserscheinungen vom Seroquel gedämpft werden.

Nach der Erfahrung anderer Betroffener scheint es anschließend wohl (natürlich unter ärztlicher Aufsicht) relativ gut zu gehen, das Seroquel recht zügig auf 300mg zu reduzieren und dann weiter zu schauen. Die Psychose meiner Frau war wirklich eher leicht (manische Phasen aber ohne gefährliche Aggressionen, Haluzianationen oder ähnliches).

Worauf ich bisher immer noch keine Antwort bekommen habe, war die Frage, ob es unter der Medikation irgendwelche Hinweise gibt, wann man "bereit" ist, das Medikament zu reduzieren oder ab zu setzten. 1-2 Jahre klingt irgendwie recht pauschal. Und wenn man sich die wirklich haarsträubenden Nebenwirkungen fast sämtlicher NL anschaut, dann mag ich mir nicht vorstellen, dass meine Frau die Mittel länger nimmt als irgend notwendig. - Gibt es da nicht irgendwelche Indikatoren, die einem helfen zu sagen: So jetzt sollte es gut gehen?
Die Tatsache, dass es bei schnellem Absetzen zu Rückfällen kommt, sagt ja nichts darüber aus, ob es dazu nicht auch bei längerer Einnahmen gekommen wäre.

Viele Grüße

fellzunk

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Laura
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon Laura » So 19. Jun 2011, 19:26

Hallo fellzunk!

Um zu Deiner ursprünglichen Frage zurückzukehren:

Ich hatte in meiner Heimatstadt vor vielen Jahren über die Gemeindepsychiatrie einen Psychiater empfohlen bekommen, der einem beim Ausschleichen der NL unterstützt. Jede größere Stadt hat eine so genannte Gemeindepsychiatrie, das ist ein außerklinisches Angebot für psychisch Kranke, ausgehend von psychosozialen Diensten und ausgeführt von zumeist Sozialarbeitern und Pädagogen. Ich war damals noch so drauf, die NL absetzen zu wollen und ein Sozialarbeiter, der über seine Klienten viel über die ortsansässigen Psychiater mitbekam, empfahl mir kurzerhand den passenden.

Vielleicht könntet Ihr Euch auch an den bei Euch nächstgelegenen psychosozialen Dienst wenden und da mal nachfragen. Entweder bei den Angestellten oder in einem offenen Treff bei anderen Betroffenen.

Anti-Psychiatristen und NL-Gegner schwören übrigens auf ein bestimmtes Buch von Peter Lehmann zum Medikamente-Absetzen. Mir fällt nur gerade der Titel nicht ein.

Die Anfangszeit unter NL ist immer die ätzendste. Nach eigener Erfahrung würde ich allerdings niemandem raten, die NL so schnell abzusetzen und auch nicht dann, wenn man sich gerade wieder "richtig gut" fühlt. Eine einzige Psychose bringt das Gehirn schon durcheinander und macht es anfällig für weitere Psychosen. NL verhindern nicht unbedingt einen Rückfall, schwächen diesen aber deutlich ab, so dass man als Betroffener sich dann auch bereitwilliger in Behandlung begeben kann und einiges abgewendet werden kann. Ob Wochenbettpsychosen bessere Prognosen haben als Reaktionen auf etwas "Ungewöhnliches", kann ich nicht sagen. Drogeninduzierte Psychosen haben jedenfalls auch nicht von vorneherein die supertollsten Prognosen, auch wenn der Betroffene die Drogen später sein lässt.

Vielleicht könnte man bei Deiner Frau die Dosis allerdings auf ein erträgliches Mindestmaß reduzieren oder sie von Seroquel auf etwas anderes umstellen. Eine zu hohe oder sonstwie falsche Dosierung ist häufig ein Grund, Schluss mit den Medis machen zu wollen.

Viele Grüße

Laura
Es ist o. k., wenn nicht alles supertoll ist. Wenn alles supertoll wäre, dann wäre alles nur noch o. k.

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fellzunk » So 19. Jun 2011, 20:21

Hey Laura,

vielen Dank für Deinen Hinweis auf die Gemeindepsychiatrie. Ich werde mich mal umhören, ob es hier so etwas gibt.

Ich denke wir werden es so machen, dass wir warten, bis meine Frau sich in die Mutterrolle wirklich eingelebt hat und vor allem auch im Rahmen einer Therapie die möglicherweise zu grunde liegenden Ursachen für die Psychose und die Erlebnisse in der Klinik aufgearbeitet hat. Ich denke es spricht dann nichts dagegen, mit einem sehr langsamen Ausstieg zu beginnen.

Viele Grüße

Fellzunk

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon Remedias » Mo 20. Jun 2011, 12:32

hallo fellzunk,
leider gibt es keine Indikatoren, um zu wissen, jetzt ist es genug.
Man sollte langsam ausschleichen und immer überprüfen, wie es jetzt geht. Seroquel ist auf alle Fälle noch ein Schutz, auch ohne Abilify.

liebe Grüße Remedias

Das Buch, das Laura nennt, heißt "Psychopharmaka absetzen" von Peter Lehmann.

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fellzunk » Do 21. Jul 2011, 18:35

Hallo liebes Forum,

ich pushe diesen Post noch einmal, in der Hoffnung, dass evlt. doch jemand einen guten Psychiater in Köln empfehlen kann. Möglichst jemanden, der den NL gegenüber eher kritisch eingestellt ist.

Danke schon mal für Eure Antworten!

fellzunk

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fluuu » Fr 22. Jul 2011, 09:52

Hallo,
da steckt ein gewisser Widerspruch drin denn ein Psychiater ist ein Arzt dessen Aufgabe es ist psychische Störungen
medikamentös mit Psychopharmaka zu behandeln. Besprechen, Zuwendung, Hand auflegen und Zuhören ist eher die
Aufgabe alternativer Therapeuten.
Wenn Du diese suchst um psychische Störung mit weniger Medikamenten zu behandeln wende Dich an
einen Heilpraktiker für Psychotherapie als seriöse Kraft aber weniger an einen Psychedelic-Heiler aus der Esoterik-Szene .
Absetzen von einmal verordneten Psychopharmaka allein ist nicht die Lösung, es sollte an die Stelle eine umfassende
seelische Behandlung der Verletzungen folgen. Dafür ist eine Familiensituation in der Störungen auftreten meist nicht
der optimale Ort, besser es wird ganz neutral von außen die Aufarbeitung moderiert.
Seelische Verletzungen aus der Biographie stammend zu behandeln ist ein längerer Weg, Psychopharmaka lindern
sofort akute Symptome aber um zukünftigen Psychosen vorzubeugen ohne Medikamente ist eine gezielte Therapie
notwendig die genau das entscheidende Problem behandelt.
Das ist weniger eine Frage des Arztes oder Medikaments sondern eine Frage der Bereitschaft aller betroffenen Personen
an dieser Vorbeugung der Psychose in der Familie mitzuwirken.
Sich die Familiensituation ganz ehrlich und schonungslos bewusst zu machen und daraus die wichtigen Verhaltensweisen
abzuleiten und praktisch umzusetzen.
In Köln müsste es doch so viele verschiedene Möglichkeiten geben Hilfe bei psychischen Störungen zu bekommen
oder sind dort alle Verrückt als Normalzustand und brauchen keine professionelle Zuwendung?
gruß fluuu

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon silbo » Fr 22. Jul 2011, 11:31

Bin ja auch einer, der oft auf Reduktion besteht und diese dann auch meist durchsetzt. Die Ärzte spielen auch in einem gewissen Rahmen mit (momentan halt Erhaltungsdosis bei mir, weiter will ich im Moment auch nicht gehen). Ich würde einfach einen Arzt suchen, mit dem man sich ganz gut versteht und dann in den Gesprächen immer wieder das Thema Medikamentenreduktion ansprechen. Solange man sich dabei noch gut fühlt.
Die meisten Ärzte wissen ja eigentlich Bescheid, dass die Medikamente eben eine Einschränkung darstellen und sind meist auch bereit im Sinne des Patienten mitzuspielen. Zumindestens bis zu einem gewissen Grad.

Im Gegensatz zu anderen bin ich der Meinung, dass gerade bei einer einmaligen Sache man durchaus versuchen sollte, ohne Medikamente durchzukommen, weil eine Dauermedikation für mich mindestens ebenso schädlich ist wie ein eventueller erneuter Ausbruch.
Auch sollte bei frischen Psychosen die Suche nach den Ursachen nebensächlich sein, so kenne ich das, da gerade das tiefe Suchen Schübe auslösen können. Also schau dass sie gesund bleibt, sich ausreichend erholt, das Leben entspannt genießt, dann sollte das Absetzen mit der Zeit kein Problem sein.
Wenn dann irgendwann mit Abstand die Frage nach dem Warum, Woher immer noch wichtig ist, kann man sich damit beschäftigen, wenn nicht, dann ists wohl auch ok. Solche Sprüche wie da muss irgendwo ein wunder offener Punkt sein (Familie :shock: , Kindheit) und wenn man mit dem Finger darin rumrührt wird alles besser und wenn nicht, dann kommt wieder eine Psychose, ist Humbug...Der beste Psychologe mit dem ich gearbeitet habe, hatte den Standpunkt dass das Hier und Jetzt wichtiger ist, als irgendwas, was in der Vergangenheit liegt. Wenn und nur dann wenn etwas aus der Vergangenheit das Hier und Jetzt maßgeblich beeinflusst, ist es einen Blick wert, aber dass kann und sollte nur deine Frau entscheiden. Aber jetzt mit Ach und Krach in der Biographie und oder in der Familie nach Ursachen zu suchen wenn es gar nicht das Thema für deine Frau war, führt nur dazu, dass irgendwas zum Thema gemacht wird, wo vorher vielleicht gar nichts war.

Alles gute für deine Familie.

Mirjam
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon Mirjam » Fr 22. Jul 2011, 12:01

Die Psychose meiner Frau war wirklich eher leicht (manische Phasen aber ohne gefährliche Aggressionen, Haluzianationen oder ähnliches).
Irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass du versuchst, das runterzuspielen, abzuwiegeln, dran vorbeizuschaun. Leicht/schwer. Schlimm genug ist es allemal! Freilich ist es schwer für dich, wenn deine Frau, gerade jetzt mit dem neuem kleinen Menschlein, nicht so funktioniert, wie man sich das erträumt, ja schlimmer noch, psychisch völlig unten ist bzw war. Ich finde, dass Akzeptanz eine ganz wichtige Sache ist. Akzeptieren, dass es dem Partner sehr sehr dreckig ging. Bei psychischen Problemen davon auszugehen und zu denken "wirklich eher leicht" kannst du meines Erachtens nicht beurteilen. Das kann nur Derjenige, dem es dreckig geht. Nur durch Absprechen von irgendwelchen Schweregraden wird es dem Betroffenen nicht leichter gemacht. Im Gegenteil. Es könnte sogar sein, dass sie sich dadurch mehr und mehr zurückzieht.

Worauf ich bisher immer noch keine Antwort bekommen habe, war die Frage, ob es unter der Medikation irgendwelche Hinweise gibt, wann man "bereit" ist, das Medikament zu reduzieren oder ab zu setzten. 1-2 Jahre klingt irgendwie recht pauschal.
Klar klingt das pauschal, aber das ist ja wissenschaftlich experimentiert worden, da gibt es ja Studien. Die Seele braucht nun mal Zeit, um auf einen stabilen Level zu kommen, der nicht gleich wieder bei jeder misslichen Gelegenheit umkippt.
Deine Frau wird das schon im Gefühl haben, wie lang das für sie notwendig ist. Glaub mir, das wird sie merken. Das wird sie auch spüren, ob es klappt oder nicht, wenn sie runterdosiert.
Wie denkt deine Frau eigentlich darüber? Du schreibst:
dann mag ich mir nicht vorstellen, dass meine Frau die Mittel länger nimmt als irgend notwendig
Die Tatsache, dass es bei schnellem Absetzen zu Rückfällen kommt, sagt ja nichts darüber aus, ob es dazu nicht auch bei längerer Einnahmen gekommen wäre.
Das "schnelle Absetzen" soll eher heißen, der Zeitraum von zum Beispiel 300 mg auf Null. Also nicht von einem Tag auf den anderen, sondern über Wochen langsam runterdosieren. Das ist übrigens das Gleiche nach längerer Einnahme. Ist reine Sache der Runterdosierung. Was die Dauer der Einnahme angeht, wie gesagt, das Medikament muss ja erstmal richtig greifen. Vielleicht zur Erklärung so: Deine Frau stand unter Starkstrom und dazu noch Wechselstrom. Der muss abgebaut werden. Das braucht seine Zeit. Sonst kommt es gleich wieder zu Spannungen. Erst wenn sie wieder auf Normalzustand ist und unter Gleichstrom, wird sie wieder fähig sein, sich den Spannungen des Alltags vollkommen auszusetzen. Ansonsten riskiert sie einen erneuten Kurzschluss.
LG
Mirjam

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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon fellzunk » Sa 23. Jul 2011, 09:54

Hey, das sind ja mal ein paar gepfefferte Antworten! Vielen Dank dafür ;-)

So, und jetzt mal was prinzipielles: Der Grund weshalb ich hier vor allem schreibe ist der, dass meine Frau einfach nicht so computeraffin ist wie ich und ich mir erhofft habe, hier einen Tipp für einen guten Psychiater in Köln zu bekommen.

Ich weiß nicht, wie die Erfahrungen hier im Forum sind, aber ich habe mittlerweile mit einigen Betroffenen gesprochen (auch in der eigenen Familie) und auch in viele Foren gelesen und dabei immer wieder erschütternde Berichte gefunden, wie verantwortungslos / desinteressiert oder gutgläubige viele Psychiater hohe Dosen an Psychopharmaka z.T. über Jahrzehnte verschreiben. Abgesehen davon gibt es viele, die aus anderen Gründen nicht gut sind. - Bei Amazon hat man es leicht. Da kriegt man zu fast jedem Teil Erfahrungsberichte. Muss man zwar filtern, aber die geben in der Summe doch einen guten Hinweise, woran man ist.
Bei Medizinern ist so etwas allenfalls im Aufbau. Meine Hoffnung ging nun dahin, dass man sich gearde im Rahmen solcher Selbsthilfeinitiativen gegenseitig hilft, Empfehlungen auszusprechen, so dass man vielleicht ein paar Umwege auf der langen Suche nach einem guten Arzt vermeiden kann.

Und jetzt noch ganz kurz zu meiner Einstellung:
Ich denke NL sind tatsächlich hilfreiche Medikamente, gerade in der akuten Phase. Allerdings gibt es tatsächlich fundierte Studien die darauf hindeuten, dass es bei Ersterkrankungen besser sein kann, die Patienten erste einmal nur mit Beruhigungsmitteln zu behandeln und evlt. ganz auf NL zu verzichten. Dies minimiert das Rückfallrisiko. - Kann, muss nicht. Muss man natürlich im Einzelfall sehen.
Was mich geschockt hat war, dass im Klinikbetrieb in dieser Hinsicht gar nicht mit den Leuten zu reden war. Die hatten null kritische Einstellung zu NL, haben sofort sehr hohe Dosen gegeben und die Nebenwirkungen wirklich runtergespielt oder gar nicht darüber informiert.
Ich bin einfach sehr kritisch, wenn ich weiß, dass fast sämtliche Studien zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen von denjenigen in Auftrag gegeben sind, die an den Medikamenten Geld verdienen. Vor allem dann, wenn die wenigen unabhängigen Studien dann zu sehr viel kritischeren Ergebnissen kommen. Sowohl was Wirksamkeit, als auch was Nebenwirkungen angeht.

Aber noch mal. Ich glaube die Medikamente haben ihre Berechtigung und tun meiner Frau im Augenblick sicher auch gut.
Einen Therapeuten (Psychologin) hat sie übrigens auch schon und fühlt sich dort gut aufgehoben. Und wir spielen hier nichts runter. Ich glaube diese Zeit war für uns beide die Hölle. Und zwar aufgrund der Psychose, zu einem wesentlichen Teil aber auch aufgund der Unterbringungsbedingungen und der Behandlung in der UK. Es ging mir nur darum zu unterstreichen, dass meine Frau nicht kronisch unter Psychosen leidet und vergleichsweise harmlose Symptone hatte.

Ansonsten möchte MEINE FRAU diese Medikation nicht länger als nötig nehmen und sucht einfach einen guten Psychiater, der seinen Beruf ernst nimmt, kritisch Nutzen und (gesundheitliche) Kosten der Medikation gegeneinander abwägt, und im Zweifelsfall lieber weniger als mehr versucht.

Liebe Grüße

fellzunk

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Remedias
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Re: Guter Psychiater gesucht! Hilfe beim Absetzen von NL

Beitragvon Remedias » Sa 23. Jul 2011, 12:52

Hallo,
leider bin ich nicht aus Köln,
aber aus meiner Erfahrung mit acht Psychiatern kann ich sagen;
einen Psychiater zu finden, der NICHT davon überzeugt ist, dass nur möglichst hochdosierte Neuroleptika helfen,
ist so was wie einen weißen Raben finden;
ich suche auch und habe in sechs Jahren keinen gefunden.
liebe Grüße Remedias


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