7 verschiedene Medikamente

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Penelopee
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7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Penelopee » Sa 26. Feb 2011, 08:04

Ich bekam nun gestern auch erstmalig die Medikamentenliste von meinem Bruder in die Hand und war geschockt, wie viele Sachen er jeden Tag gleichzeitig und mehrfach nehmen muss. :shock:

Kann da einer was zu sagen, vielleicht auch aus eigener Erfahrung?
Ich verstehe z.B. nicht, warum er drei verschiedene Sorten Neuroleptika nehmen muss. Wirkt ein Mittel nicht?

Da hätten wir:

- Melpron 50mg
- Bisoprolol 5mg
- Lorazepam 1mg
- Amisulprid 200 mg
- Zeldox 60mg
- Clozapin 100mg
- Lorazepam dura 1mg

Und: Was davon ist jetzt "Tavor"??

Danke!

elmsfeuer
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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon elmsfeuer » Sa 26. Feb 2011, 09:22

Hallo Penelopee,
Lorazepam ist der Wirkstoff von Tavor. Ich find grad nur nix bzgl. des Unterschiedes zwischen Lorazepam und Lorazepam dura....
dachte erst, "dura" ist dasselbe wie "expidet", dass sind die Tavor-Plättchen, die unter die Zunge gelegt werden und sich sofort auflösen und über die schleimhäute aufgemommen werden und somit schneller wirken.... ist aber nich, deshalb ist mir grad noch unklar wieso er sowohl Lorazepam als auch Lorazepam dura bekommt.

Melperon kenn ich auch, Handelsname ist u.a. Eunerpan, ist ein niederpotentes NL mit geringer antipsychotischer Wirkung, wird meist zur leichten Beruhigung gegeben, eben gegen Unruhe etc.

Bisoprolol: ist ein herzmittel, hat also nix mit der Psyche zu tun....
guckst Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Bisoprolol
Zitat:
"Anwendungsgebiete (Indikationen) [Bearbeiten]
Bisoprolol wird zur Behandlung der arteriellen Hypertonie, der Angina Pectoris und der chronischen Herzinsuffizienz eingesetzt. Zur Verbesserung der Compliance und zur Vereinfachung der Therapie steht Bisoprolol in einer fixen Kombination mit dem Diuretikum Hydrochlorothiazid in ebenfalls abgestuften Wirkstärken zur Verfügung."
Zu Clozapin (Handelsname u.a. Leponex) kann ich Dir aus eigener Erfahrung nichts berichten. Ist ein mittelpotentes NL, ebenso Zeldox.
Amisulprid ist ebenfalls ein Neuroleptikum...

Du hast recht, dein Bruder wird da ganz schön vollgestopft. Ich kann nun nicht beurteilen, ob das in irgendeiner Weise sinnvoll ist, dazu bin ich nunmal kein Arzt...
Ich selber kenn das aber auch aus manchen Psychiatrien.
Hab als Diagnose nix in Richtung psychotisch, bin aber auch mit teilweise 3, 4 verschiedenen NL gleichzeitig vollgestopft worden, meist aber im niederpotenten und mittleren Bereich. Ich hatte das Gefühl, sie probieren einfach alles aus, hauptsache patientin ist ruhiggestellt und tickt nicht ständig aus...
Zu den NL dann noch Antidepressivum und Antiepileptikum, dass gegen Aggression und Impulsdurchbrüche wirken sollte....
Hm, keine Ahnung ob Dir das jetzt weiterhilft...
gruß elmsfeuer

Penelopee
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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Penelopee » Sa 26. Feb 2011, 10:00

Ich hatte das Gefühl, sie probieren einfach alles aus, hauptsache patientin ist ruhiggestellt und tickt nicht ständig aus...
r
Das ist irgendwie auch meine Vermutung. :shock:
Danke erstmal !
Leider bin ich kein Psychiater bzw. Facharzt, und würde gerne mehr Kompetenz dazu haben, ob man manches vielleicht mal weglassen kann.

Aber bei so viel Tabletten muss man doch wohl "döselig" werden..
Was würde wohl genau das passiert, wenn man Teile davon reduzieren würde....
Und ob man wohl durch verstärkte andere Interventionen (z.B. Psychotherapie/Verhaltenstherapie gegen die Ängste und Panik) auf die Medis mal ganz verzichten kann....

elmsfeuer
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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon elmsfeuer » So 27. Feb 2011, 09:59

Hallo Penelopee,
hat Dein Bruder denn einen niedergelassenen Psychiater oder sind die medikamente in der Klinik verordnet worden? Oft ist es aus meiner Erfahrung so, dass die neidergelassenen stumpf die Medikation übernehmen... mit meiner damaligen psychiaterin hatte ich Glück, ich hab gebeten, dass sie eine menge der neuroleptika mit mir zusammen absetzt, weil ich das gefühl hatte dass es rein gar nix brachte, außer dass ich voll bedröhnt war...an nebenwirkungen brachte es ne menge :evil: , hatte schon Anfänge von Spätdiskynesien wie unkontrolliertes Grimmassieren und sabbern.... es war so heftig dass es mir manchmal nachts passierte, dass ich ins Bett machte, weil ich einfach so bedröhnt war, dass ich es nicht merkte, wenn die Blase sich meldete. Ganz zu schweigen von dem enormen Übergewicht.
Ich hab meiner Psychiaterin klar machen können, dass es mir genauso schlecht geht wie davor emotional, und dass es mir ohne dieses ganze zeugs zumindest körperlich besser gehen würde.
Sie ist das Risiko eingeangen, mit mir das meiste langsam abzusetzen.
Das kann bzw. sollte aber nur ein Arzt entscheiden, zumal es bei deinem Bruder ja auch um psychotische Erkrankung geht, da können ja u.U. auch schwere Rückfälle entstehen, das Problem hatte ich ja nicht....
Ich denke schon, dass man mit Therapie eine menge auffangen bzw Verbessern kann und je nach Störungsbild dadurch vielleicht auch mal ganz ohne Medis auskommen kann. Aber das hängt eben auch von vielen Faktoren ab, vom Störungsbild, von der Schwere und Ausprägung der Erkrankung und auch vom Menschen selbst.
Hatte denn Dein Bruder jemals wirkliche Therapie oder war er bisher immer nur zur "Verwahrung" auf der geschlossenen? Sorry, ich hab Deinen anderen Thread da jetzt nicht so im Kopf, er ist mittlerweile so lang, vielleicht steht es da ja schon... :)
Die Idee einer reha-maßnhame ist ja auf jeden Fall gut, hoffen wir, dass er es packt und nicht wieder wegläuft :cool:.... und dass er es in der reha auch packt, denn da wird ne Menge Eigenverantwortung und Selbstinitiative gefordert....
lg elmsfeuer
lg elmsfeuer

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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Penelopee » So 27. Feb 2011, 15:03

Die Medi-Verordnung erteilt der niedergelassene Psychiater, der sich - tata! :mrgreen: - innerhalb der psychiatrischen Klinik befindet. Also geht das Hand-in-Hand.
Ich bin überfordert mit solchen Entscheidungen, und ich will mich jetzt nicht auch noch mit dem Psychiater dort unterhalten müssen, wieso, weshalb und warum er diese Tabletten bekommt.
Ich will los-lassen................. :-"

Ja, er hat seit letztem Jahr Psychotherapie, nachdem über 10 Jahre gar nichts passierte außer Medis nehmen....

LG
Penelopee

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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Remedias » So 27. Feb 2011, 16:15

Hallo Penelopee,
dein Bruder bekommt eindeutig zu viel Medikamente. Ich bekomme auch zwei Neuroleptika, das eine soll das andere pushen, aber drei Atypika sind zuviel und jeden Tag Tavor ist auch gefährlich; Tavor macht süchtig. Dass sich dein Bruder da seltsam verhält, ist kein Wunder, zumal er es ja nicht schafft, mit der ganzen Medikation ein gutes Leben zu führen.
Nicht du, aber seine betreuung müsste sich darum kümmern, eventuell mal zum Psychiater gehen und mit ihm sprechen.
So eine Mischmedikation mit Tavor hatte ich in der Klinik, aber nur 3-4 Wochen lang, dann wurde alles bis auf zwei ausgeschlichen.
Dein Bruder ist ja nur noch zugedröhnt.
Ich bekomme immer eine Wut, wenn ich so eine Medikation lese. ist doch klar, dass der jenige nix auf die Reihe kriegt, ich würde nur noch pennen.

liebe Grüße Remedias

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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Penelopee » So 27. Feb 2011, 19:29

Die Betreuerin wird wohl den Plan kennen, man sollte das wohl erwarten dürfen.

Und ich hatte noch gar nicht die Dosierung angegeben, sondern nur die Medikamentensorte.
Von dem Amisulprid 200mg nimmt er alleine morgens 2 Stück, am Tag folgen dann noch mehr davon.

Gibt es eigentlich eine unabhängige Prüfstelle, der man so eine Liste mal vorlegen kann und die dann was dazu sagen?
Ist die Krankenkasse vielleicht dazu in der Lage? M.E. haben die doch einen medizinischen Dienst....

Jürgen77
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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Jürgen77 » Sa 5. Mär 2011, 22:41

Hallo Penelopee,

Du hast ja scheinbar nur ungefähre mg-Angaben zu den Medikamenten aber es erscheint schon eine Dosierung zu sein, die den Holzhammer nahelegt. Ich selbst komme mit einem NL klar und zum Glück reicht mir eine niedrige Dosis. Wichtig finde ich auch, daß man als Patient weiß, was man da für Medis schluckt. Mir hat man schon vor Jahren bei einem Klinikaufenthalt gesagt, daß man wissen muß was man für Medis nimmt. Wenn man einen guten Arzt hat kann der einem auch erklären für was die Pille gut sein soll. Das mit den Nebenwirkungen verschweigen sie gerne so lange, bis welche auftreten. Also wenn möglich bring' Deinen Bruder dazu mit dem Arzt darüber zu verhandeln welche Tabletten wirklich notwendig sind. Vielleicht hat Dein Bruder ja mit den einzelnen Medis und Ihren Dosierungen Erfahrungswerte. War er denn in den letzten Jahren öfter krank?

Viele Grüße

Penelopee
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Re: 7 verschiedene Medikamente

Beitragvon Penelopee » Mo 7. Mär 2011, 10:29

Hallo Doris und Jürgen,

danke für eure Beiträge.

Ich habe z.Zt. keine aktuelle Medi-Verordnung, vermutlich haben die Ärzte nach der Aktion in der letzten Woche die Dosis auch wieder erhöht.
Ich finde auch, dass es in seiner Verantwortung liegt, zu (hinter)fragen, was er da denn für Tabletten nimmt.
Ein bekannte Psychiatrieschwester hat sich ebenfalls schon bedenklich geäußert, dass er ununterbrochen dieses Tavor verschrieben bekommt und in Eigenverantwortung nehmen kann, wie und wann er mag.

Ja, Jürgen, mein Bruder ist seit nunmehr 13 Jahren dauerakut schizophren-psychotisch.

Liebe Grüße
Penelopee


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