Für verrückt erklärt

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Jenny Doe
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Für verrückt erklärt

Beitragvon Jenny Doe » Do 4. Feb 2010, 12:28

Krass! Mit Medikamenten vollgepumpt, wegen einer Störung, die jetzt aus Gründen der Ungenauigkeit abgeschafft werden soll.

Psychiatrie
Für verrückt erklärt

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/ ... laert.html
(...)
Der Sachverständige kann nicht nachvollziehen, warum der jungen Frau 1991 eine Psychose und fünf Jahre später ohne weitere Angabe von Gründen ein Borderline-Syndrom, also eine schwere Persönlichkeitsstörung, attestiert worden sei. Alles Befunde, die für Tanja Afflerbach fremd und zerstörerisch klangen, so, als hätte jemand sie aus weiter Ferne beobachtet und dann in einen Käfig gesperrt. Menschen, die sie nur wenige Minuten gesprochen hatten.

In der Psychiatrie sind Diagnosen selten eindeutig. Zwar existiert mit dem ICD 10 ein internationales System der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Aber auch dieser Katalog an Kriterien wird ständig überarbeitet, alte Überzeugungen schwinden. In Zukunft wird es beispielsweise die Diagnose "Borderline-Syndrom" gar nicht mehr geben. Die WHO hat sie als zu ungenau eingestuft. Eine Diagnose, die das Leben von Afflerbach und tausenden weiteren Patienten in den vergangenen Jahrzehnten bestimmt hat.

Tanja Afflerbachs angebliches Borderline-Syndrom wurde mit Leponex in einer Dosis von mindestens 900 Milligramm pro Tag behandelt.
(...)
Forum für induzierte falsche Erinnerungen, Falschanschuldigungen und Fehldiagnose DIS http://www.induzierte-erinnerungen.de

Proxifilm
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Re: Für verrückt erklärt

Beitragvon Proxifilm » Do 4. Feb 2010, 15:14

Solange die Bereiche unserer Gesellschaft faktisch rechtsfreie Räume sind, in denen Menschen, die sich intellektuell anders verhalten als der Durchschnitt der Bevölkerung, wird sich am Verhalten der Ärzte nichts ändern.

Proxifilm
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Re: Für verrückt erklärt

Beitragvon Proxifilm » Fr 5. Feb 2010, 10:36

Ich glaube dass die Psychiatrie und die Psychologie sich als Fach langfristig nicht halten wird, da die Hirnwissenschaft in 20 bis 30 Jahren Fortschritte machen wird. Die Probleme, die dann in politischer Hinsicht auftreten werden, sind die bereits heute diskutierten Fragen in der Ersatzreligion "Medizinethik". Z.B. wie weit soll und darf man gegen den Willen des Menschen rirgendwelche operativen Beeinflussungen des Hirns vornehmen. Eine andere, freilich lächerliche Diskussion war die über die Frage, wie frei ist der Mensch in den Augen der sogenannten Neuroethiker (Singer Diskussuin in der FAZ). Bereits jetzt, so schwafel ich mal ein wenig weiter, fühlt sich die Psychologie vermutlich unter Druck gesetzt, da die Kassen der Sozialversicherungen durch zu hohe Einkommen der Ärzte und zu hohe Medikamentenkosten fast leer sind. Da fordert die Gesellschaft, der Gesetzgeber und der Steuerzahler zu Recht wissenschaftliche Nachweise über die Wirksamkeit der Mittel, für die bezahlt wird. Intern scheint es so zu sein, dass wegen der beiden oben genannten Probleme, man dazu übergehen will, die Diskussionen über unterschiedliche Richtungen der Psychologie nach Außen hin zu verdecken und alle Richtungen für gleich gut zu erklären. Ein weiteres Problem für die Psychologie stellt m.E. dar, dass sich die sozialen Rahmenbedingungen schneller ändern als in den letzten 100 Jahren. Liest man mal in den freudianisch politisch reaktionären Zeitschriften, dann stellt man fest, wie sehr dort der Hass auf Menschen gepredigt wird, die sich piercen, Schamlippenkorrekturen vornehmen lassen (beides kann man in den Ergüssen einer Privatdozentin an der Universität Frankfurt/M. nachlesen) oder Internetuser (die letzte Veröffentlichung einer österreichischen Psychiaterin aus Wien). Die können ihre reaktionären Gesellschaftsentwürfe nicht mehr verteidigen, da es keine gesellschaftliche Übereinstimmung mehr über das "richtige" Denken oder besser die "richtige Haltung" eines Menschen gibt. Was da zwischen den Zeilen steht, das ist ein Unverständnis für die Lebensverhältnisse im 21. Jahrhundert, ihren erweiterten Möglichkeiten, ihren neuen Gefahren und vor allem ihrer Unübersichtlichkeit.

Eine Personengruppe, die sich unter Druck gesetzt fühlt, wird so oder so ähnlich handeln, wie es in diesem Forum oft beschrieben wird. Letztendlich ist das eine Art "Extremismus der (gesellschaftlichen) Mitte" im "Westen", ein wenig so wie die Überlegungen von Seymour Martin Lipset.

Psychologie und Psychiatrie als Denkdisziplin scheint heute eigentlich nichts mehr zu sein als ein Kampf gegen den politischen (nicht parteipolitischen) Liberalismus.
Zuletzt geändert von Proxifilm am Fr 5. Feb 2010, 11:57, insgesamt 2-mal geändert.

Proxifilm
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Re: Für verrückt erklärt

Beitragvon Proxifilm » Fr 5. Feb 2010, 11:05

Jenny Doe: Der Artikel belegt einmal mehr meine Überzeugung, dass niemand bei einem Psychologen oder Psychiater zu viel reden sollte, denn wie es im Leben eben so ist, man kann in Sätze immer etwas interpretieren, was man gerne lesen will. Zitat: "Sie (die Klägerin) weiß, dass die Gegenseite wieder jede ihrer protokollierten Äußerungen und Gefühle heranziehen wird, um sie doch als schizophren zu beschreiben. Eine Diagnose, die wirkt wie das Urteil: lebenslang. "Es hat lange gedauert, bis die Menschen mich wieder als vollwertigen Menschen akzeptiert haben", sagt die junge Frau." Zitat Ende.

Telephium
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Re: Für verrückt erklärt

Beitragvon Telephium » Fr 5. Feb 2010, 11:24

Warum ist jemand mit einer Krankheit kein "vollwertiger Mensch", nach Euren Vorstellungen?

Ich bin zwar auch der Meinung, dass jemand, dessen Gehirn anders funktioniert und der darum ein anderes Verhalten drauf hat, als es von den Mitmenschen erwünscht wird, nicht unbedingt gleich als "krank" bewertet werden sollte - trotzdem egal ob krank oder nicht er ist trotzdem ein "vollwertiger Mensch".

Ich finde es gut, dass es Medikamente gibt, die auf die Hirnleistungen einen Einfluss haben. Schlecht finde ich dabei, dass die Psychiatrie anscheinend "blind" dieselben verabreicht.

Es wäre gut, wenn in der Hinsicht sorgfältiger gearbeitet würde.

Proxifilm
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Re: Für verrückt erklärt

Beitragvon Proxifilm » Fr 5. Feb 2010, 11:34

Telephium hat geschrieben:Warum ist jemand mit einer Krankheit kein "vollwertiger Mensch", nach Euren Vorstellungen?.
Das ist nicht meine Meinung. Ich denke, das ist eine Sichtweise auf den Mensch, der einerseits der Evolution geschuldet ist und andererseits bei uns sozialkulturell noch so ist. Die politische "Behindertenbewegung" hat aber z.B. weltweit in Ansätzen zu einem Umdenken angeregt. Solange die Einnahme von Medikamenten, die auf das ZNS wirkt, freiwillig ist, ist das ok. Denn jeder Mensch ist frei und hat das Recht, diesbezüglich seine Entscheidung zu treffen. Der Zeitungsartikel hat jedoch belegt, dass in diesem Fall solche Stoffe aus eher irrationalen Gründen missbraucht worden sind und ich sehe es auch so, hier müssen dringend gesetzliche Beschränkungen eingeführt werden. Es ist vermutlich richtig, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt.

Jenny Doe
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Re: Für verrückt erklärt

Beitragvon Jenny Doe » Fr 5. Feb 2010, 11:59

dass niemand bei einem Psychologen oder Psychiater zu viel reden sollte, denn wie es im Leben eben so ist, man kann in Sätze immer etwas interpretieren, was man gerne lesen will.
Das ist leider auch meine Erfahrung. Vor allem, wenn die Diagnose einmal steht, dann wird alles, was man sagt und tut durch diese Diagnose-Brille interpretiert und als Bestätigung für die Diagnose angesehen. Ist zumindest meine Erfahrung.
Es ist schwer einen Therapeuten zu finden, der nicht regelrecht nach dem Kranken im Menschen sucht. Ich habe zum Glück - nach vielen schädigenden Therapien - eine Thera gefunden, die nicht so ist. Sie guckt erst mal, was normal ist, bevor sie über krank versus gesund urteilt und ihre Klienten in Kategorien einordnet.
Warum ist jemand mit einer Krankheit kein "vollwertiger Mensch", nach Euren Vorstellungen?.
Wenn man die Krankheit wirklich hat, okay. Schlimm ist, wenn man Diagnosen verpasst bekommt, die nachweislich falsch sind. Wenn ich auf meine "Therapiekarriere" zurückblicke und mal alle Diagnosen aufliste, die man mir so im Laufe dieser Karriere verpasst hat, dann wundert es mich sehr, dass ich noch frei rumlaufen darf.
Es gibt Diagnosen, die den Klienten stigmatisieren. Dazu gehört auch die Borderliner. Die ganzen Diagnosen, die man mir verpasst hat, von der Multiplen Persönlichkeitsstörung angefangen, über Borderline bis hin zur PTBS, haben mir buchstäblich mein Leben zerstört. Wenn wenigstens eine von diesen Diagnosen gestimmt hätte, dann könnte ich damit leben. Aber so gibt es eine dicke Akte über mich, die nicht anderes beinhaltet, als subjektive Interpretationen von Therapeuten. Erklärt solche Diagnosen mal einem Arbeitsgeber.

Es gibt so viel Schrott auf dem Therapeutenmarkt. Das Problem ist nur, es interessiert keinen.
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