Risperdal Consta

Hier hinein gehören alle Fragen und Beiträge zum Thema Psychopharmaka, medikamentöse Therapie, Dosierung, Kombinationstherapie, Unverträglichkeiten, Wechselwirkungen etc.
Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Risperdal Consta

Beitragvon Franz Engels » Di 1. Okt 2002, 08:54

Hallo Robi,

Erfahrungen habe ich selber keine. Es soll aber genauso wirksam, sicher und nebenwirkungsarm sein wie die orale Form. Vielleicht hiflt Ihnen dieser Link:http://www.medknowledge.de/neu/neue-medikamente.htm

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Mi 3. Sep 2003, 09:49

Hallo Andreas,

auch andere Patienten haben offenbar positive Erfahrungen mit der Verwendung von Risperidon in Depot-Form:

http://www.aerztezeitung.de/docs/2003/0 ... krankungen

Liebe Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Di 9. Sep 2003, 10:02


Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Di 23. Sep 2003, 08:47

Hallo Gast (schöner wäre es, Sie würden sich registrieren, und ich könnte Sie mit einem Namen anreden!),

ich weiss nicht, weshalb Sie meinen Beiträgen entehmen, dass ich für Medikamente "werbe". Noch mehr erstaunt mich, dass Sie offenbar glauben zu wissen, dass ich mich leichtfertig von der Werbung der Pharmaindustrie beeindrucken lasse. Meinen Beiträgen in diesem Forum können Sie das doch unmöglich entnommen haben.

Bei der nochmaligen Durchsicht dieses Threads müssen Sie doch zugeben, dass ich im ersten Kommentar bereits klar gesagt habe, dass mir Erfahrungen mit diesem Medikament bisher fehlen. Das gilt übrigens auch jetzt noch. Ich habe es noch gar nicht eingesetzt! In meinen beiden weiteren Beiträgen habe ich in meiner Funktion als "Moderator" dieses Forums zwei Links, die mir beim Recherchieren für die News untergekommen sind, zur Anregung der Diskussion hineingegeben. Dass sie sich positiv zu Risperdal Consta äussern, dafür kann ich nichts. Negative Links habe ich noch nicht gefunden, ich wäre aber ebenso dankbar für solche. Zwischen meinen beiden Linkbeiträgen war kein weiterer Forumsbeitrag, ich habe also auf nichts "reagiert".

Als "Psychiater" bin ich natürlich sehr an jeder wirksamen Form der Hilfe interessiert. Patienten sind das in der Regel auch. Das Risperdal-Forum ist nur eines von vielen, die meisten der Foren beschäftigen sich gar nicht mit Medikamenten, werden aber (leider) kaum besucht. Ihnen, den Besuchern selber isrt dieses Thema also offenbar besonders wichtig! Auch der Risperdal-Consta Threas wurde von einem Besucher initiiert, nicht von mir, und zwar korrekt unter dem Thema "Psychopharmakologie".

Mit Risperdal in Tablettenform habe ich bei meinen Patienten, eine nicht zu hohe Dosierung vorausgesetzt, eigentlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Deshalb würde es mich freuen, wenn es dieses Medikament auch in einer verträglichen Depot-Form gäbe, zumal man in dieser Darreichungsform bei den nebenwirkungsarmen Atypika derzeit ja kaum Auswahl hat. Es muss möglich sein, ein solches praktisches Interesse aussprechen zu dürfen, ohne damit sofort als verlängerter und blinder Arm der Pharmalobby bezeichnet zu werden, was meinen Sie?

Die negativen Erfahrungen mit Risperdal Consta, die bisher geäussert wurden sind gravierend und diskussionswürdig. Wenn bisher niemand darauf eingegangen ist, liegt das vielleicht daran, dass dazu zur Zeit weder Fragen vorliegen noch Antworten. Vielleicht sind es auch Einzelerfahrungen, die nicht geteilt werden? Ich kann es Ihnen aber natürlich nicht genau sagen. Die "Erfahrungen", die uns von Seiten des Herstellers vorliegen, sind naturgemäss überwiegend positiv. Eigene Erfahrungen habe ich, wie bereits gesagt, nicht. Deshalb bin ich in dieser Diskussion zwar Moderator, aber nicht Experte und kann mich im Moment nicht qualifizierter dazu äussern.

Warum das Medikament in den USA nicht zugelassen wird, weiss ich nicht.

Als Arzt lese ich u.a. nun mal die Artikel in der Ärztezeitung und nehme mir das Recht heraus, einen Link zu setzen, wenn ich ihn interessant finde. Sie können ihn ja übergehen, wenn sie ihn nicht für geeignet halten oder einen Kommentar dazu abgeben. Ich erstelle auch keine Forums-Beiträge, um Aufklärung zu betreiben, sondern um das Forum zu moderieren oder mitzudiskutieren. Das Ergebnis der Diskussionen in diesen Foren ist eben, von den wenigen unumstösslichen Tatschen in der Psychiatrie abgesehen, nicht vorbestimmt, sonst könnte ich ja ein Lehrbuch empfehlen und das Forum schliessen.

Dieses Forum ist im Gegenteil nur zu dem Zweck geschaffen worden, offen und rückhaltslos über eigene Erfahrungen und Meinungen zu reden. Es soll eben gerade nicht so sein, dass ich, nur weil ich Psychiater bin, als "Quasi-Experte" zu jedem Beitrag Stellung nehme. Stattdessen ist es das Ziel, dass möglichst viele Beteiligte in eine möglichst angeregte, gleichberechtigte und offenen Dikussion über Grundlagen und Besonderheiten des Fachbereiches geraten und sich dann äussern, wenn sie entweder eine Frage haben oder wirklich aus eigener Erfahrung etwas beisteuern können. Für mich gilt also auch: wenn ich nix weiss, halte ich den Mund oder stelle Fragen. Und wie jeder andere Forumsteilnehmer habe ich jederzeit das Recht zu schweigen und mir meine Gedanken zu machen.!

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Mi 24. Sep 2003, 13:39

Hallo P.G,

wie hoch war denn die Dosierung? Ab welchem Zeitpunkt nach der Verabreichung traten die Nebenwirkungen auf?
Es ist eigentlich immer heikel, alten Menschen Neuroleptika zu verordnen. Deshalb nimmt man, wenn es sich nicht umgehen lässt, "atypische" Neuroleptika, weil sie weniger bzw. erst in höheren Dosen unerwünschte Bewegungsstörungen verursachen. Risperdal gehört zu den "atypischen" Neuroleptika, bei alten Patienten reichen aber oft bereits minimale Dosen von 0,5 bis 1mg/d, während höhere Dosen zu solchen schlimmen Symptomen führen können, wie Sie sie bei Ihrer Mutter beschreiben.
Mit Risperdal in Tablettenform habe ich bei gerontopsychiatrischen Patienten in der erwähnten niedrigen Dosierung überwiegend sehr positive Erfahrungen gemacht. Zum Einsatz kam das Medikament als Zusatzmedikation bei psychotischen Verwirrtheitszuständen, psychotischer Unruhe oder aggressiver Erregung bei Patienten mit Aklzheimer-Demenz.
Die Depot-Form habe ich selber bis jetzt noch nicht eingesetzt. Ich wäre aber grundsätzlich mit Depot-Verabreichungen bei alten Menschen sehr vorsichtig, weil alte Menschen oft eine sehr individuelle und anpassungsfähige Dosierung benötigen.

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » So 28. Sep 2003, 22:49

Hallo Lule1948,

es wird Sie wohl nicht allzu sehr verwundern, dass mir die Beantwortung Ihrer Fragen keine allzu grosse Freude bereitet, solange Sie mich dabei jedesmal bewerten, obwohl Sie mich nicht kennen. Das Forum ist nicht gedacht als Bühne für gegenseitige negative Zuschreibungen, die im Alltag häufig genug erfolgen, sondern zum gegenseitigen Informations- und Erfahrungsaustausch. Dazu gehört auch, dass man sich mit Respekt behandelt und das Schweigen eines anderen Teilnehmers, ein Nicht- (oder Nochnicht-)wissen oder auch abweichende Meinungen akzeptiert. Sonst wird aus einer gemeinen Stigmatisierung von Patienten lediglich eine gemeine Stigmatisierung von Psychiatern. Ich habe inzwischen verstanden, dass Sie in jedem meiner bisherigen Beiträge einen weiteren Beweis finden, dass ich ein verlängerter Arm der Pharmalobby bin. Ich möchte Ihnen das nicht nehmen, wenn es für Sie wichtig ist, obwohl es falsch ist und ich es natürlich schöner gefunden hätte, wenn Sie mehr von dem wahrnehmen und verstehen würden, was ich mit dieser Website eigentlich bezwecke.
Zum Thema Risperdal Consta sage ich jetzt noch einmal, dass ich persönlich mit dem Medikament noch keine Erfahrungen habe und deshalb nicht viel dazu zu sagen habe. Können Sie das einfach mal so stehen lassen?

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Rixse
Beiträge: 16
Registriert: So 18. Aug 2002, 12:12
Wohnort: Braunschweig
Kontaktdaten:

Beitragvon Rixse » Mi 1. Okt 2003, 18:57

Hallo Herr Webmaster, auf Berichte von Risperdal Consta reagieren sie mit Nichtwissen oder beantworten diese überhaupt nicht, statt dessen kopieren Sie einen Bericht aus der Ärztezeitung, der von der Pharmaindustrie gesponsert und herausgegeben wurde. Ich erwarte jetzt von Ihnen keine Stellungnahme ./. dieses Risperdal consta mehr. Sie sind Psychiater und bedienen sich der Medikamente, die die Pharma anbietet. Ich glaube, es ist sinnlos, von Ihnen zu erwarten, dass Sie hier in diesem Forum eine Statement über dieses Medikament abgeben, Lule
Hallo Gast,

ich habe den Eindruck, es entwickelt sich hier zum Sport über den Webmaster herzuziehen. Zudem habe ich dessen obigen Aussagen entnommen, dass er in dieser Sache keine Erfahrungen hat. Was bitte wollen Sie dann für eine Stellungnahme erwarten? Ich gehe doch einmal davon aus, dass Sie kein belangloses und ungesichertes Dahergequassel lesen wollen, sondern ernsthafte Meinungs- und Erfahrungsäußerungen. Weshalb können Sie nicht akzeptieren, dass Herr Engels sich in dieser Sache enthalten will oder eben einfach keine gesicherteren Erkenntnisse beisteuern kann?

Gruß,
Rixse

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Do 2. Okt 2003, 11:43

Hallo Jule, hallo Rixse

@Rixse:
Danke Rixse für die Unterstützung. Es ist manachmal schwierig, verstanden zu werden, und dann freut einen so ein Statement natürlich. Schön, dass Sie wieder mal im Forum posten!
:D

@Lule:
Ich glaube, Ent-täuschungen gibt es in der Psychiatrie und im Umgang mit seelischen Erkrankungen häufig und einige davon beziehen sich vielleicht auch aus gutem Grund auf das Fehlverhalten von Psychiatern oder die Vorgabe einer Kompetenz oder Souveränität in Momenten, wo diese nicht wirklich vorhanden ist. Ich denke aber auch, dass das eigentlich Enttäuschende in erster Linie die psychische Erkrankung selber ist und die Hilflosigkeit, die sie bei allen Betroffenen auslöst. Darüber wird mir zu wenig gesprochen. Vielleicht meinen Sie ja auch, Sie sind "sauer" auf die psychische Erkrankung. Das könnte ich besser verstehen.

Es ist bekanntermassen angesichts der drohenden Überwältigung durch die eigene Hilflosigkeit ein grosser innerer Druck vorhanden, einen "Schuldigen" für das Dilemma zu vermuten und diese Schuld an Andere abzuweisen. Der Psychiater, häufig ja letztes Glied in der Kette der Helfenden und mit vielen inzwischen dann unattraktiv gewordenen Aufgaben betreut, bietet sich dafür naturgemäss sehr gut an.

In Patientenforen empfinden sich die allermeisten Patienten und auch viele Angehörige, die dort posten, (zurecht) als "Experten" der Erkrankung, von der sie betroffen sind. Sie geben Rat oder holen welchen ein. Niemandem würde es dort einfallen, jemand anderen zu beschimpfen, ihm seine "Kompetenz" abzusprechen, nur weil er sagt, dass er auf das Problem x y keine griffige Formel weiss und keine schnelle Lösung parat hat. Es gilt (zurecht) gerade als Zeichen von Kompetenz, wenn man sich zurückhaltend äussert, auf die Individualität von Verläufen, Medikamentennebenwirkungen etc.. verweist und allenfalls von seinen Erfahrungen erzählt, um einen weiteren Orientierungspunkt zu geben. Sobald sich eine Frage an einen Psychiater richtet, findet ein merkwürdiger Wechsel der Einstellung statt. Plötzlich geht es um "Schuld", als habe der zu Rate gezogene Arzt die Verantwortung dafür, dass ein Mensch von einem seelischen Leiden betroffen oder überwältigt wurde, dass es in diesem Zusammenhang zu Gewalt kommt (welche zu allermeist vom Patienten ausgeht und häufig eine "Antwort" erzwingt), dass das Seelenleben sehr komplex und vielfach noch unverstanden ist und dass die zur Verfügung stehenden Mittel oft nebenwirkungsreich und unangenehm, vielleicht sogar gefährlich sind. Es wird nicht als Expertentum akzeptiert, wenn der Arzt sagt, dass es kein zuverlässig und reproduzierbar wirkendes Mittel gibt, es wird aber erst recht nicht akzeptiert, wenn er darauf besteht, dass es doch eins gibt. Der Arzt ist der Einzige in der Kette der Betroffenen, dem das Recht abgesprochen wird, sich gerade durch die Benennung seiner Grenzen und durch das getreue Berichten seiner Erfahrungen als kompetent zu erweisen. Das ist merkwürdig und entspricht sicher nicht dem Gegenstand, um den es hier eigentlich geht. Ich denke, eine wegweisende und interdisziplinäre Diskussion kann erst jenseits dieser Schuldzuweisungen zu Stande kommen. Genau zu diesem Zweck habe ich dieses Forum ins Leben gerufen.

Ich beneide Sie nicht um Ihre derzeitige Aufgabe als Angehörige der von Ihnen beschriebenen Patientin, der ihre Erkrankung derzeit offenbar sehr schwer mitspielt. Es ist toll, dass Sie versuchen, sie nicht "fallen zu lassen", mitzuhelfen, dass sie nicht völlig "herausfällt" aus der Gesellschaft und zum "Fall" wird. Sie befinden sich in der Rolle einer besonderen Vertrauensperson, die vermutlich kein Arzt übernehmen kann. Deshalb sind sie in dieser Rolle für Ihre Angehörige vielleicht auch unersetzbar!

Je länger Sie in dieser Rolle der Helfenden sind, umso mehr werden Sie auch zur Expertin. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Glück haben mit Ihrern Hilfeleistungen, dass diese zum Erfolg führen. Mit Ausbildung Ihrer Helferrolle stossen Sie naturgemäss an ganz ähnliche Grenzen wie jeder "Professionelle", der sich in diesem Fachgebiet bewegt. Das freut mich, denn dadurch sind "Erfahungsaustäusche" wie in diesem Forum je erst sinnvollerweise möglich und unterscheiden sie von irgendeinem "Gequassel". Das sollte Ihnen doch auch ein Gefühl dafür vermitteln, wie man als "Experte" ganz natürlich, ohne eigene "Schuld" und trotzdem durch die Erkrankung und die Macht und die Gewalt, die diese ausübt, immer wieder im Bemühen zu helfen an Ihre Grenzen gebracht werden und manchmal diese auch "berechtigt" überschreiten müssen im besten Bemühen, einen Patienten, einen "Fall" "nicht fallen zu lassen". Das Problem Ihrer Bekannten ist doch eben genau das: sie fällt, und wenn man nix tut, wird sie weiter fallen !

Ihre Erfahrungen mit Psychiatern bedauere ich. Auch hier kann ich aber "nur" meine eigenen Erfahrungen mit Kollegen wiedergeben, die sehr unterschiedlich sind. Sie entsprechen den Erfahrungen, die ich im Umgang mit anderen Menschen in verantwortungsvollen Berufen gemacht habe: dass die meisten bemüht sind, es "richtig" zu machen und dass es, gemessen am "Erfolg", glücklichere (oder begabtere?) und unglücklichere (unbegabtere?) gibt. Ich persönlich kenne keinen Kollegen, der gerne seine "Macht" an Patienten auslässt, bedenkenlos Medikamente verteilt und leichtfertig zu "Zwangsmassnahmen" greift. Ich will damit aber Ihre eigenen Erfahrungen nicht als unrichtig abwerten. Oft stellt sich für den Psychiater, der gegen den Willen handelt, schlichtweg ein ethisches Dilemma, nämlich wie er am besten den Patienten und die Umgebung/das Personal etc.. schützt, bis sich der Zustand des Betroffenen soweit stabilisiert (ich sage absichtlich nicht: "gebessert") hat, dass er die weiteren Schritte mitbestimmen kann. Einem Menschen, der die Kontrolle über sich verloren hat, der "entgrenzt" ist und dadurch unberechenbar und für sich selber schädlich handelt, muss man "Grenzen setzen". Das ist in aller Regel sehr heilsam, wenn es später gelingt, die Massnahme mit dem Patienten zu besprechen (oft gelingt es leider nicht). Wie die Grenzsetzung dann erfolgt, wie schonend sie erfolgen kann, hängt dabei sicher nicht nur von demjenigen ab, der sie vollzieht, sondern v.a. auch vom Patienten, der Art und Stärke seiner Beeinträchtigung, den Angehörigen, dem Umfeld etc..

Ich kenne übrigens auch eine ganze Reihe von Patienten und Angehörigen, die positive Erfahrungen mit Psychiatern gemacht haben. Ich kenne auch Onlineforen, in denen differenzierter über Psychiater geredet oder zumindest eine fragendere Haltung eingenommen wird, als dies hier bisher der Fall war. Das sind aber eben Patientenforen, in denen sich die Psychiater nicht selber zu Wort melden. Nebenbei: dafür kann ich auch nichts, dass sich hier kaum "Professionelle" zu Wort melden. Vielleicht mögen sie die Gesprächsatmosphäre nicht...;-)

Zur Verordnung von Risperdal Consta kann ich, wie bereits mehrfach gesagt, nichts aus eigener Erfahrung beitragen. Die Rückmeldungen, die ich erhalte, sind vielfältig und polarisiert, es sind sehr positive dabei und sehr negative, die meisten negativen Rückmeldungen sind aber hier im Forum, was Zufall sein kann.
Erst recht kann ich nichts dazu sagen, wie viele meiner Kollegen "leichtfertig" dieses Medikament verordnen, obwohl sie "wissen", dass es schädlich ist. Um eine solche Verknüpfung zu machen, müssen Sie recht viel über diese Kollegen und deren Verordnungspraxis wissen, mehr jedenfalls als ich. Bedenken Sie, dass das Medikament erst kurze Zeit auf dem Markt ist, dass es bisher sehr positiv beworben wurde, dass es lange herbeigesehnt wurde, um endlich ein "atypisches" (weil nebenwirkungsärmeres) Depot-Neuroleptikum verfügbar zu haben, dass der oral verfügbare Wirkstoff inzwischen ein sehr etabliertes und sicher wirksames atypisches Neuroleptikum ist und dass "Erfahrungen" überhaupt immer erst durch Verordnen, Einnehmen und Überprüfen entstehen können. Deshalb gitb es ja wohl auch überhaupt nur diesen Thread!

Zum Schluss: wenn ihre betreffende Angehörigere inzwischen "alle Freunde'" verloren hat, sich auch sonst alle Menschen in ihrem Umfeld zurckgezogen haben und selbst Betreuerin, Polizei und Notarzt keinen Zugang mehr finden, fällt es mir schwer, einen Versuch mit Risperdal Consta pauschal und von vorne herein als "Leichfertigkeit" oder "Bedenkenlosigkeit" zu bewerten. Es scheint wohl doch sehr schwierig zu sein, im Moment überhaupt etwas zu tun, was von der Betreffenden als "richtig" empfunden würde.

ZumSchluss, weil Sie ja einen für sich einen Rat möchten:
Bleiben Sie "am Ball", falls Sie es kräftemässig vermögen. Unterschätzen Sie aber dabei nicht die "unverschuldete Destruktivität" mancher Krankheitsverläufe. Suizidandrohungen stellen sämtliche Beziehungsangebote, auch die zu Helfenden grundsätzlich in Frage bzw. sie beenden den Diskurs. Darauf müssen Sie Ihre Angehörige hinweisen. Da es im Umgang mit psychischen Erkrankungen immer um verschobene Grenzen geht und dies in Beziehungen nie einseitig ist, sollten Sie auch Ihre eigenen Grenzen im Blick haben und sich nicht überfordern. Nehemn Sie die Entlastungen durch Familienangehörige oder "Professionelle" ruhig an und konzentrieren Sie sich auf das Ihnen Mögliche in Ihrer "Rolle".

Das Thema gehört übrigens nicht wirklich in dieses Forum, sondern in das, wo es um die Grundlagen der Psychiatrie und deren Infragestellung geht.

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Sa 4. Okt 2003, 13:07

Hallo Lule,

ja, das ist wirklich alles sehr komliziert und schwierig. Ich bin gerade für in paar Tage im Urlaub und hatte nur kurz die Gelegenheit, auf der Seite "vorbeizuschauen". Ich werde mir Ihr Posting durch den Kopf gehen lassen und melde mich nächste Woche zurück, o.k.?

Bis dahin wünsche ich Ihnen trotz aller Umstände ein schönes Wochenende
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Di 7. Okt 2003, 23:40

Hallo Lule,

wie versprochen noch eine Rückmeldung von mir. Wenn ich Ihre Zeilen unvoreingenommen lese komme ich zu dem starken Eindruck, dass "der Karren bereits sehr verfahren" ist, d.h. die Grenzen aller Beteiligten bereits erheblich ver-rückt und verschoben sind, und dass auch Ihr grosser persönlicher Einsatz bisher allenfalls hier und da ein wenig Aufschub bzw. kurzfristige Entlastung, keinesfalls aber eine Kehrtwende, Heilung oder auch nur Anzeichen davon bewirkt hat. Im Gegenteil, Sie geraten durch Ihr Engagement möglicherweise auch noch zwischen die "Fronten" und erzeugen den Unmut der professionellen Helfer, die sich vielleicht von Ihnen "hintergangen" fühlen. Ich denke, dass das heftige und hilflose Treiben und Agieren um die Patientin herum ganz wesentlich durch diese selber und die Wirkungen ihrer Erkrankung erzeugt und aufrechterhalten wird. Ohne natürlich die Situation vor Ort zu kennen und dadurch natürlich mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit behaftet würde ich spontan dazu tendieren, Druck aus der ganzen Situation herauszunehmen, indem ich die Zahl der involvierten Helfer reduzieren und eine "Helfersitzung" (mit oder ohne Patientin) abhalten würde, in der die Rahmenbedingungen (Kriterien festlegen, wie lange zugewartet und freiwillige Hilfe angeboten werden kann resp. ab wann auch Massnahmen gegen den Willen zum Einsatz kommen müssten. Zudem sollte klar festgelegt werden, wer im Helferteam welche Rolle hat. Die Patientin müsste, falls sie nicht selber diese Kriterien mit festlegen möchte oder kann, dann über die Entscheidungen informiert werden. Danach wäre dann wichtig, dass die Helfergruppe sich konsequent an die eigenen Abmachungen hält und gegenüber der Patientin transparent bleibt in ihren Entscheidungen.
Medikamente können keine Konflikte oder Probleme lösen, sie können aber (als Übergangslösung) helfen, einen sehr labilen und untragbaren Seelenzustand soweit zu stabilisieren, dass überhaupt erst ein Heilungsprozess in Gang kommen und der oder die Betreffende damit in die Lage versetzt werden kann, sich mit ihrer Problematik auseinanderzusetzen und Partner in einem gemeinsamen Therapieplan zu werden. An einer vorübergehenden Gabe von Psychopharmaka habe ich noch keinen Patienten sterben sehen, wohl aber an den Folgen einer entgleisten psychischen Erkrankung.

Seien Sie vorsichtig im Haushalten mit Ihren eigenen Kräften. Wenn Sie selber Ihre Arbeitsfähigkeit durch Ihren Einsatz gefährden, helfen Sie damit noch nicht automatisch auch Ihrer Verwandten. Diese hat langfristig mehr von Ihnen, wenn Sie gesund bleiben!
Die Heilung kann m. E. niemals dadurch bewirkt werden, dass sich die Helfenden ebenfalls "ent-grenzen", sondern nur dadurch Ihre Verwandte auf möglichst sanfte Weise mit einer Struktur konfrontiert wird, an der sie ihre verloren gegangene Orientierung wiederfinden kann.

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Do 16. Okt 2003, 19:40

Hallo Sara,

inzwischen hatte ich die Gelegneheit, einen Verlauf bei einem meiner Patienten zu beobachten, der wegen einer langjährigen Schizophrenie im Rahmen einer stationären Krisenintervention auf Risperdal Consta eingestellt wurde und der zuvor von mir Risperdal in Tablettenform erhalten hatte. Dort hat sich Folgendes gezeigt: die Tabletten wurden sehr gut vertragen. Die Depot-Umstellung erfolgte deshalb, weil es aufgrund unregelmässiger Tabletteneinnahme immer wieder zu Einbrüchen gekommen war und immer wieder stationäre Interventionen notwendig gemacht hatte. Der Patient ist zwar immer wieder freiwillig und auf eigenes Drängen in die Klinik gegangen, wenn er merkte, dass es ihm nach Absetzen der Medis schlechter ging. Es war dann aber die, wie ich finde, berechtigte Überlegung, einen Versuch mit Risperdal Consta zu unternehmen, um einen gleichmässigeren Medikamentenspiegel zu gewährleisten und Rückfälle überhaupt zu verhindern helfen.
Er hat das Risperdal Consta aber auch nicht vertragen, hatte ganz ähnliche Symptome, Freudlosigkeit, komische Gefühle etc., sodass es jetzt wieder abgesetzt und gegen Tabletten ausgetauscht wurde.

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Sa 25. Okt 2003, 11:12

Hallo Gast,

Zu Ihrem letzten Abschnitt:
Es kommt offenbar bei Ihnen nicht an, dass das Posten von Artikeln aus dem Ärzteblatt nicht gleichbedeutend damit ist, "auf die propagandemaschine Ärzteblatt" hereinzufallen. Da ist wieder dieses Problem, nicht zwischen verschiedenen Inhalten und Bedeutungen einer Sache zu unterscheiden.
Es ist schade, dass ein Studium gegen Irrtümer nicht schützt. Aber das weiss ja nun jeder. Hätte ich etwas anderes behauptete, hätten Sie mich sicher sofort angegriffen... :wink:
Es stimmt zwar, dass viele Patienten Ärzten "blind" vertrauen, es wäre aber wohl die falsche Konsequenz, sich deshalb als Arzt aus schwierigen Dingen rauszuhalten und auf das Handeln zu verzichten. In diesem Sinne sind "raushalten" oder "verantwortungsvoll antworten" keine Gegensätze, sondern das eigene Verantwortungsgefühl gibt die Orientierung dafür, ob man sich raushalten muss oder handeln muss.
Ich teile nicht Ihre Meinung, dass man ein Medikament ein Jahr nach seiner Einführung kennen muss. Ich meine, dass nicht einmal jemand, der seither nichts anderes tut, als dieses Medikament einzusetzen und Buch darüber zu führen, behaupten darf, dieses Medikament zu kennen. Auch hier bin ich überzeugt: hätte ich umgelehrt so etwas behauptet, wäre Sie (dann zurecht) mein erster Kritiker gewesen!
Ich veröffentliche hier nichts Einseitiges. Ich muss unterstellen, dass Sie weder regelmässiger Leser der "News" sind, noch die Info-Seite studiert haben. Sonst wüssten Sie, dass die Artikel, die dort verlinkt werden sehr heterogen sind und v.a. zur Diskussionsgrundlage dienen sollen. Wenn davon bislang kein Gebrauch gemacht wurde, liegt das nicht an mir.

ich möchte Ihnen noch einmal sagen, dass Sie im Forum willkommen sind, dass ich mich aber inzwischen darüber ärgere, dass es Ihnen aber trotz meiner mehrfachen Bitten offenbar nicht möglich ist, Ihre Kritik und Erfahrungen mit Augenmass und ohne persönliche Anschuldigungen vorzubringen. Sie sind sich Ihrer Meinung sicher, das ist schön. Andere sind es nicht und haben ein Recht, auf dieser Plattform Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen mit anderen Interessierten auszutauschen, ohne deshalb abgewertet oder angegriffen zu werden. Das gilt auch für mich als Moderator und Psychiater.

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)
Zuletzt geändert von Franz Engels am Fr 28. Nov 2003, 07:23, insgesamt 1-mal geändert.

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Mo 1. Dez 2003, 14:41

Hallo,

@Melde mich auch mal dazu:
ich möchte Sie darauf hinweisen, dass die Nennung von "Namen" in einem Internet-Forum einen erheblichen Schaden für den Namensträger mit sich bringen kann und dass Sie deshalb (wie ich finde auch zurecht!) mit Regressforderungen zu rechnen haben, wenn Sie dies tun.
Ich verstehe im übrigen "Psychiatriegepräch" als einen offenen Ort, an dem niemand, auch nicht Aussenstehende!, diffamiert und in ihrem Ruf geschädigt werden.

@Teddy:
Zur freien Äusserung Ihrer Meinung sind Sie in diesem Forum herzlich willkommen. Nach wie vor missfällt mir aber Ihre Art, in der Sie Ihre persönliche Meinung immer mit einer Bewertung Anderer und mit "Appellen" verbinden, die oft nicht weit entfernt sind von Hetzereien oder in diese übergehen. Immer wieder lassen Sie sich auch dann zu solchen Äusserungen "verführen", wenn doch, wie z.B. im vorliegenden Fall, jeder Leser hier im Forum davon ausgehen muss, dass Sie die genaue Situation in der Klinik von Achim gar nicht kennen können. Damit tun Sie doch hier im Forum vor aller Augen genau das, was Sie Ärzten und Professionellen dauernd vorwerfen, nämlich unkritisch Entscheidungen fällen und Meinungen zu verbreiten, ohne die wirklichen Zusammenhänge zu kennen! Ganz offensichtlich messen Sie hier mit zweierlei Massstab, und das sollten Sie dringend überprüfen, denn es macht Sie als Träger Ihres wichtigen Anliegens auf Dauer unglaubwürdig.

Was Ihren Wunsch nach "Namensnennung" anbetrifft, muss ich ebenfalls noch gesondert Stellung nehmen:
Sie beginnen Ihre Antwort zu Achims Beitrag mit einer "Hymne" auf seinen Mut, weil es keine Selbstverständlichkeit sei, "brisantes" Material einfach so an die Öffentlichkeit zu bringen.
Das sehe ich genau so.
Dann aber, als hätten Sie vergessen, was Sie gerade zuvor gesagt haben, appellieren Sie an Achims Pflicht- und Verantwortungsgefühl und drängen ihn, diese Infos nicht nur in diesem anonymen Forum zu veröffentlichen, sondern sie direkt zu den Verantwortlichen vor Ort zu tragen, mehr noch, vielleicht gleich hier auch noch "Namen" zu nennen.

Sorry, aber hier habe ich das Gefühl, dass es Ihnen kaum um Achim und seine spezielle, schwierige Situation gegangen ist, denn sonst hätten Sie sich , gerade als "Erfahrener" in dieser Szene, garantiert auf einen anderen "Tip" besonnen. Ich möchte das hier nicht vertiefen, aber ich frage mich, wo Ihr Verantwortungsgefühl bleibt.

Bei der Gelegenheit fällt mir natürlich auch wieder einmal auf, dass Sie zwar radikale Offenheit von Anderen fordern, selber aber wohl lieber "inkognito" bleiben. Oder warum haben Sie sich immer noch nicht registriert?
Eine Registrierung wäre unter anderem auch deshalb fair, weil ich dann wenigstens hinterher als Verantwortlicher dieses Forums auf Sie zurückkommen könnte, wenn jemand wissen möchte, wer Achim diesen "Tip" gegeben hat... :wink:

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Di 2. Dez 2003, 11:01

Hallo Melde mich auch mal dazu,

schön, dass Sie in dieser angemessenen und sachlichen Form auf meine Intervention reagieren und sie damit auch hinfällig machen!

Dies ermöglicht mir, nun auch inhaltlich mit einem eigenen Beitrag auf Ihre Äusserungen einzugehen:
Ich bin davon überzeugt, dass es solche "gekauften Studien" in psychiatrischen Kliniken gibt, dass sie vermutlich eher zunehmen werden, und ich finde die enge Verquickung zwischen Ärzten/Kliniken und Pharmaunternehmen unerträglich, da dies grundsätzlich und einseitig dem Image der Ärzte schadet, zu einer starken Polarisierung zwischen Ärzten und Patienten (-Vertretern) führt, schlimmstenfalls eine unangemessene und nicht vertretbare medikamentöse Therapie von Patienten mit sich bringt und nicht zuletzt auch, wie man auch in diesem Forum sieht, eine sachliche und vorurteilsfreie Diskussion über das Pro und Contra einer medikamentösen Behandlung erschwert bis verunmöglicht!

Es wäre sehr kurzsichtig, innerhalb psychiatrischer Kliniken die Verantwortlichkeit für derartige Verquickungen bei dem "verordnenden und verabreichenden "Assistenzarzt vor Ort" zu suchen. Der ist nämlich in der Regel in der persönlich sehr unangenehmen rechtlichen Sandwichposition, dass er zwar eigentlich "voll approbiert" und deshalb zur freien Berusausübung berechtigt und seinem Gewissen verpflichtet , andererseits aber gleiochzeitig innerhalb der abzuleistenden Weiterbildung dieser Weiterbildungsordnung und damit den Weisungen seines "Oberarztes" unterworfen ist . Die Entscheidung, welches Medikament wofür zum Einsatz kommt, wird aber eben in den "oberen Etagen" getroffen, und nicht selten spielen bei dieser Entscheidung "Beziehungen" zur Pharmaindustrie, günstige Rabatte etc.. eine entscheidende Rolle. Ein Assistenzarzt, der mehrere Kliniken und mehrere Oberärzte kennenlernt, erfährt dabei v.a., wie willkürlich therapeutische Dogmen an bestimmte Zeiten und bestimmte Ober- und Chefärzte gebunden sind und dass sie (nicht immer aber) oft gar nicht so sehr viel mit fachlichen Auswahlkriterien zu tun haben.

Von den Ärzten, die heute noch wirklich "frei" die Auswahl eines Medikamentes entscheiden können, das sind wenn überhaupt noch am ehesten die "Niedergelassenen" (sofern der Kostendruck nicht auch ihre Entscheidungen bereits deckelt), kenne ich viele, die Pharmavertreter meiden wie die Pest, eben weil ihnen die genannten "Verquickungen" zuwider sind. Es gibt natürlich auch die Anderen, das soll hier nicht in Abrede gestellt werden. Aber ein Hinschauen und Unterscheiden lohnt sich!

Im Rahmen der aktuellen Gesundheitsreformen geschieht nun etwas, was ich für extrem bedenklich halte: unter dem allgemeinen Kostendruck, der mit ausdrücklichem Einverständnis der Politik (!) zunehmend zum Hauptmotiv für sämtliche inhaltlichen Entscheidungen in der Medizin wird, öffenen sich für die Pharmaindustrie gewaltige Tore. Es wird ein ungeheurer Druck auf Klinikchefs und auf niedergelassene Ärzte ausgeübt, sich denjenigen Herstellern "auszuliefern" oder zu "verkaufen", die mit den günstigsten Rabatten locken. Da in den meisten Kliniken inzwischen die Verwaltungschefs, also medizinische Laien, das Sagen übernommen und die ärztlichen Chefs aus der Entscheidungseben verdrängt haben, wird dieser Prozess der "Ökonomisierung der therapeutischen Entscheidungsfindung" noch verstärkt. "Wettbewerb" unter Kliniken und unter Ärzten, wie er von derGesunheitspolitik v.a. zur Einsparung von Kosten vorangetrieben wird, muss langfristig zu einer noch engeren "Verquickung" zwischen Pharmalobby und Medizin führen, weil der Preis die Debatte dominiert und letztlich über Existenz oder Nicht-Existenz entscheidet! Auch die globale Gesundheitspolitik der WHO fördert die Rolle der Pharmaindustrie, z.B. durch die Entwicklung solcher Manuals wie der ICD-10 (und durch selektive Verteilung von Forschungsgeldern (!)), deren diagnostische Klassen eindeutig auf die Bedürfnisse der biologischen und damit auch pharmakologischen Medizin abgestimmt sind. "Andere" Diagnosen wurden entfernt und können nicht mehr verwendet werden. "Abweichlern" ist somit die "Sprache entzogen" worden!
Gerade die ICD-10 wurde gegen einen erheblichen Druck der Ärzteschaft einfach "eingeführt". In der Psychiatrie hatten diese vereinfachten und auf Wirkstoffgruppen ausgerichteten "Diagnosen" sehr viel Unmut unter praktizierenden Therapeuten ausgelöst, weil sie sich in der Praxis kaum anwenden liessen. Inzwischen hat sich, und das war wohl beabsichtigt, die Praxis zunehmend den Diagnosen angepasst, denn inzwischen läst sich die "therapeutische Praxis" nur noch über Verwendung des Manuals begründen und abrechnen...

In dieser Situation ist im Grunde unausweichlich, dass Medikamenten-"Studien" von der Pharmaindustrie gesponsort werden. Deshalb müssen sie nicht gleich auch "getürkt" oder "gekauft" sein, es wird aber vermutlich in machen/vielen/zunehmenden Fällen so sein. In meiner Wahrnehmung tragen aktuell nicht die Ärzte vor Ort die Verantwortung dafür. Der Fisch stinkt vielmehr. wie meist, vom Kopf. Auch deshalb müssen Sie sich ganz genau überlegen, zu wem Sie mit Ihren Informationen gehen!

Ich finde es klasse, dass derartige Zusammenhänge, auch in "Verdachtform" hier im Forum geäussert werden können. Ich finde es auch wichtig, dass Sie sich überlegen, ob und wie Sie selber vor Ort in angemessener Form gegen so etwas vorgehen können.

Ganz besonders schön fände ich, wenn im Wissen um die genannten Probleme zusätzlich bzw. darüber hinaus auch eine angemessene Diskussion über das Pro und Contra eines Medikamenteneinsatzes in der Psychiatrie zustande käme. Denn bei aller Kritik und Problematik sind Medikamente meiner Erfahrung nach eben doch häufig hilfreich und gelegentlich auch unersetzlich!

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.

Benutzeravatar
Franz Engels
Site Admin
Beiträge: 899
Registriert: Mi 12. Jun 2002, 20:18
Wohnort: CH-3011 Bern
Kontaktdaten:

Beitragvon Franz Engels » Di 2. Dez 2003, 19:30

Hallo Analyst,

was möchten Sie mit dieser Meldung ausdrücken? Oder ist das eine Analyse? :-k

Freundliche Grüsse
Franz Engels (Webmaster)
Das Gegenteil ist nur die Rückseite derselben Medaille.


Zurück zu „Psychopharmaka und Psychopharmakotherapie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast