Seroquel absetzten, und dann?

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mike88
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Seroquel absetzten, und dann?

Beitragvon mike88 » So 8. Jun 2008, 15:00

Nachdem ich gerade das Abitur geschafft habe, sind wir gerade dabei das Seroquel abzusetzten. Ausgangsdosis war 200mg, jetzt bin ich bei 150 alle zwei Wochen gehts um 50 runter.

Was hat mir das Seroquel gebracht? Gut, die Derealisation hat fast ganz aufgehöhrt, die extreme Antreibslosigkeit ist weg. Geblieben sich meine komplette Warnehmung verändert hat, meine Persönlichkeit sich zum negtiven entwickelt. Nach außen hält zwar die Fassade und ich kann irgendwie noch den Alltag aufrechterhalten aber die Innenwelt ist ein einziger Abgrund. Ich habe ständig aggressive und sexuelle Gedanken, habe das Gefühl immer glich auszuticken und irgend einen Scheiß zu machen. Auch habe oft Wahnvorstellungen. Fliegt ein Hubschrauber denke ich gleich, die suchen mich. Stehen die Zeugen vor der Tür und bequatschen uns, denke ich die wollen uns vergiften usw...
Ich habe kein breites Gefühlspektrum und bin mir irgendwie selbst gleichgültig. Ich habe meine früheres Wesen komplett verloren, sozusagen ein 100 prozentiger Persönlchkeitsverlust.

Viele meiner jetztigen Symptome haben sich allerdingst erst entwickelt seit ichS Seroquel nehme

Eine Diagnose hat mir mein Psychiater noch nicht gestellt (seit über einem halben Jahr, bin also ein schwieriger Fall. Ich denke ich hab eine Mischung aus Schizoider/Schizotyper PS und paranoider/hebephrener Schizophrenie.

Nun meine Frage: Könnt ihr mir ein Medikament empfehlen? Das Seroquel ist nichts für mich. Ich bin körperlich total fertig, ein bis zwei Stunden nach der Einnahme bekomme ich extreme Kreislaufproblem und starkes Herzrassen, ich kann dann nicht mal mehr stehen.
Ich möchte einfach ein Medikament das mich auf andere Gedanken bringt aber nicht so stark sediert.

Eventuell auch was homöpathisches. Ich weiß nicht wie ihr dazu steht, aber ich denke mal man kann es doch einmal versuchen?

Ich hab jetzt vier Monate frei also kann ich mal probieren ob ich das passende Medi finde.

Am liebsten wäre mir was homöopathisches in Kombination mit einem niedrig dosierten Neuroleptikum. Ich weiß bloß nicht ob mein Psych auch was anderes als Seroquel verschreibt. In der Praxis hat er in den Schubladen nur Seroquel Probepackungen und überall Seroquel Schmierzettel.

Was meint ihr habt ihr Erfahrungen mit verschiedenen Medis und vieleicht auch mit Homöopathie?

Grüße
Mike

Johannes Neuerer
Beiträge: 211
Registriert: Sa 27. Okt 2007, 16:47

Beitragvon Johannes Neuerer » So 8. Jun 2008, 16:53

Hi Mike,
nachdem Du ja trotz großer Schwierigkeiten das Abitur geschafft hast - ganz herzlichen Glückwunsch! - und Dir mit dem Internet die ganze Welt des Wissens offensteht, wird Dir hier in diesem Forum kaum jemand etwas mitteilen können, was Du nicht sonstwo fundierter und überzeugender in Erfahrung bringen könntest.
Unter den Neuroleptika hat bei relativ guter - mit Seroquel (=Quetiapin) durchaus vergleichbarer Wirksamkeit - Risperidon ein relativ günstiges Nebenwirkungsspektrum, eine - soweit es sich mir erschließt - relativ gute Verträglichkeit und ist auch vergleichsweise wenig neurotoxisch. Da es einen relativ guten Ruf hat, dürfte es auch nicht allzu schwer sein, einen Arzt darum zu bitten, es zu verschreiben. Neuerdings gibt es Risperidon auch als Generikum, also ziemlich billig. Es gibt Tabletten ab 0,25 mg - und die kann man auch wieder (erforderlichenfalls mit einer Rasierklinge) teilen; wenn Du Dir die Zeit dazu nimmst, könntest Du es Dir exakt so eindosieren, wie Du es brauchst. Bei meinem Medikament (es ist aber etwas ganz anderes) habe ich bei 6,25 mg die optimale Wirkung und baue mir das aus einer halben 10mg- und einer viertel 5mg-Tablette zusammen - bei Risperidon wirst Du freilich mit sehr viel weniger auskommen.
Wenn Dir Dein Arzt nicht verschreibt, was Du willst, würde ich an Deiner Stelle den Arzt wechseln. Quetiapin (=Seroquel) ist grundsätzlich nicht besser oder vorzugswürdiger, als Risperidon.
Homöopathische Medikamente müssen für den einzelnen Patienten individuell herausgesucht und angepasst werden, da müsstest Du zu einem ausgewiesenen Homöopathen gehen oder Dir ein Fachbuch besorgen und es selbst recherchieren, ein Mensch, der Dich nicht persönlich gut kennt, kann Dir keinen speziellen Rat geben. Ich selbst bin kein Anhänger der Homöopathie, es lässt sich aber nicht leugnen, dass viele Menschen sehr gute Ergebnisse mit ihr erzielen.
Wenn Du Seroquel absetzt - ich befürworte das sehr! - tu das bitte sehr kleinschrittig und langsam, möglichst in enger Abstimmung mit einem Arzt, sollte Dein Arzt nicht mitspielen, würde ich mir, wie gesagt, einen anderen suchen.
Alles Liebe
Johannes

mike88
Beiträge: 46
Registriert: So 21. Okt 2007, 10:19

Beitragvon mike88 » So 8. Jun 2008, 17:33

Hallo Johannes,

Danke, ich konnte es selber kaum glauben, dass ich es geschafft habe, und sogar noch einigermaßen ordentlich, ist ein guter 3er Schnitt geworden, wenn man bedenkt, dass ich zwei Jahre nichts getan habe und ich mich auch aufs Abi eher weniger gut vorbereitet habe. Werde dann ab Herbst wenns gesundheitlich geht und ich bis dahin nicht völlig ausgetickt bin einen Ingenieurstudiengang belegen.

Zum eigentlichen Thema: Das mit dem Risperidon frag ich auf alle Fälle meinen Psychiater und auf die Homöopathie spreche ich ihn auch an. Psychiater wechseln will ich eigentlich nicht, denn ich komm sehr gut mit ihm klar, er nimmt sich so viel Zeit für mich wie ich brauche und verschreibt mir nicht nur einfach Medikamente.

Das mit dem Buch ist auch eine gute Idee, werde mich da mal umschauen.

Viele Grüße
Mike

Love
Beiträge: 83
Registriert: Di 20. Mai 2008, 21:54

Beitragvon Love » Do 12. Jun 2008, 08:26

Unter Seroquel Abi machen ist echt der Hammer!

Gratuliere dir!!!!!!!!!! Wärst du gesund wären
bestimmt alles 1,5-2 Noten besser gewesen.

Ich würde einen zweite Meinung einholen, sprich einen
anderen Arzt aufsuchen. Erstmal gar nicht erzählen
das du schon in Behandlung bist, und Medis nimmst.
Mal sehen was der so sagt.

Hinterher kannst du mir der 2. Meinung zu deinem
1 Arzt gehen, um ggf Unterschiede zu diskutieren.

mike88
Beiträge: 46
Registriert: So 21. Okt 2007, 10:19

Beitragvon mike88 » Do 12. Jun 2008, 14:49

Hallo Love,

Danke! Besser wäre ich in der Prüfung nicht gewesen. Hab einfach zu wenig getan. Hab schon seit 5 Jahren nichts mehr für die Schule getan und mich immer irgendwie durchgemogelt. In den Abiprüfungen hab ich überraschend gut abgeschnitten, bis auf ein Fach immerhin immer 8-10 Punkte. Leider macht das Abi nur ingesamt 300 von 840 Möglichen Punkten aus. Wenn man die Halbjahre versaut hat ist klar das es nichts besseres werden kann. Zufrieden mit dem Ergebnis bin ich aber trotzdem.

Zum Thema. Einen anderen Arzt aufsuchen werde ich nicht. Ich bin parallel zum Psychiater noch in Psychotherapie (in der ich übrigens schon war bevor die Krankheit "ausgebrochen" ist). Mein Psychotherapeut hat ziemlich viele Kontakte zu bekannten Ärtzen und Forschern, ich denke da bin ich gut aufgehoben.

Viele Grüße
Mike


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