Können Neuroleptika Schaden anrichten...

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mike88
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Können Neuroleptika Schaden anrichten...

Beitragvon mike88 » Sa 15. Dez 2007, 16:02

...wenn man gesund ist?

Schönen Samstag zusammen,

Ich nehme aktuell 200mg Seroquel.
Da ich bald gemustert werden soll hat mir mein Psychater ein Atest ausgestellt welches lautet:
"Anpassungsstörung mit ängstlich-depressivem Hintergrund. Differentialdiagn. muss eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis in Betrachtgezogen werden. Der Patient befindet sich zur Zeit in antipsychotischer Behandlung."

Wenn es nun eine Anpassungsstörung wäre würde man die doch nicht mit NL behandeln, oder? Können die NL dann Schaden anrichten?

Aktuell geht es mir so, dass ich kaum noch sprechen kann, die wörter wollen kaum noch entstehen. Auch fällt mir das Denken zunehmend schwer, bzw geht schon gar nicht mehr. Auch beim Schreiben dieses Textes habe ich enorme Probleme.

Wäre also nett, wenn ihr mir helfen könntet!

Gruß
Mike

Paula Strassmann
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Beitragvon Paula Strassmann » So 16. Dez 2007, 08:54

Vielleicht solltest Du einmal nur noch 150 mg Seroquel nehmen, ev. hast Du trotzdem keine Angst und bist aber weniger gedämpft. Die Aerzt sind sich nicht gewohnt mit kleinen Dosierungen zu arbeiten. Ich habe lange Zeit nur noch 25 mg Seroquel genommen. So wie Du beschreibst bist Du überdosiert. Die Medikamente richtig keinen grossen Schaden, sofern man sie nicht zu lange Dauer nimmt (5-10 Jahre). Es kommt auch noch auf die Dosierung an. Den Schaden ist indirekt. So wie Du dran bist, kannst Du nur schlecht arbeiten, auch sind Freunschaften zu pflegen sehr schwierig und unter Umständen für die Freunde auch nicht so attraktiv, wenn Du so bist. Das heisst über längere Zeit geht im sozialen dann wegen der Ueberdosierung sehr viel kaputt. Kurzfristige Ueberdosierungen (ein paar Monate bis ein Jahr) sind kein Problem. Nur für Dich ist es doch so fast nicht zum Aushalten. Ueberlege Dir kleiner zu dosieren, ev. darf man das dem Arzt nicht sagen, da er keine Erfahrungen damit hat und sowieso den Teufel an die Wand malt. Viel Glück Paula
pst

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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 16. Dez 2007, 10:31

Paula Strassmann hat geschrieben:Ueberlege Dir kleiner zu dosieren, ev. darf man das dem Arzt nicht sagen, da er keine Erfahrungen damit hat und sowieso den Teufel an die Wand malt
Wow...was für ein "wertvoller" Ratschlag von jemandem der kein medizinisches Hintergrundwissen besitzt an jemanden den er noch nicht einmal kennt.

Gruß
Lydia

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 16:13

Hi,
mir leuchtet angesichts dieser Diagnose die Behandlung mit einem Neuroleptikum überhaupt nicht ein.
Was, Mike, ist Dein konkretes Problem, für das Du dieses Medikament nimmst? Nur wegen einer Anpassungsstörung und der hypothetischen Möglichkeit einer Psychose würde ich nie ein Medikament nehmen, schon gar kein Neuroleptikum und erst recht nicht Quetiapin.
Jedenfalls wird eine Anpassungsstörung mit ängstlich-depressivem Hintergrund normalerweise nicht mit einem Neuroleptikum behandelt. Das ist sehr ungewöhnlich, das müsste man begründen.
Und ob jemand eine Psychose hat oder nicht, sollte ein Arzt, erst recht ein Facharzt, in der Lage sein, innerhalb von fünf Minuten mit "ja" oder "nein" zu beantworten.
Sorry, das ist so meine Meinung.
Alles Liebe
Johannes

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Remedias
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Beitragvon Remedias » So 16. Dez 2007, 16:40

Johannes Neuerer hat geschrieben: Und ob jemand eine Psychose hat oder nicht, sollte ein Arzt, erst recht ein Facharzt, in der Lage sein, innerhalb von fünf Minuten mit "ja" oder "nein" zu beantworten.
Sorry, das ist so meine Meinung.
Alles Liebe
Johannes
Sach das nicht, @Johannes, bei mir hat sich die Diagnosenstellung über Monate hingezogen und den Verdacht auf Psychose und gleich einsetzende neuroleptische Behandlung hatte ich auch. Dabei gibt es bei mir immer das Gefühl, dass in den Himmel geschossen und erwartet wird, dass etwas runterfällt - d.h. wir geben erstmal ein NL, um auch nichts zu verpassen.
Liebe Grüße Remedias

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 17:01

Hi Remedias,

das ist selbstverständlich eine Frage, die jeder nur für sich selbst entscheiden kann, ob er quasi auf Verdacht hin ein Neuroleptikum nehmen möchte oder nicht. Ich persönlich würde das wirklich nur machen, wenn ich wirklich wüsste, dass ich gar keine andere Wahl hätte.

Dass sich die Diagnosestellung einer Psychose über Monate hinzieht, klingt im ersten Moment für mich wirklich unprofessionell. Es gibt deutliche Kriterien dafür, ob eine Psychose vorliegt, oder nicht: Wahnvorstellungen, Wahnwahrnehmungen, Halluzinationen, Stimmenhören, Vorstellungen, fremde Gedanken lesen zu können oder das andere die eigenen Gedanken lesen oder hören könnten, Vorstellungen, man denke die Gedanken anderer bzw. andere die eigenen, Vorstellungen, man werde von anderen oder Überirdischen beobachtet, ober auf übernatürliche oder sehr raffinierte, versteckte Weise beeinflusst oder geschädigt - entweder, das liegt vor oder nicht. Es ist mir beim besten Willen nicht nachvollziehbar, wie man Monate brauchen könnte, um festzustellen, ob der Patient diese Probleme hat oder nicht. Was ich aber oft erlebe: Dass Psychosen diagnostiziert werden, wo offensichtlich gar keine sind.

Auch das ist nur meine ganz persönliche Meinung.

Alles Liebe

Johannes

mike88
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Beitragvon mike88 » So 16. Dez 2007, 17:02

Hallo zusammen,

danke erstmal für eure antworten.

Johannes, also angefangen hat es vor einem halben Jahr, als ich im Garten saß und ich mir plötzlich dachte, hey die Pflanzen sehen irgendwie so unecht aus, als wären sie nicht real. Kurze zeit später gab es in meiner Familie ein großes Problem. Ich erkannte mit Schrecken, dass mir das völlig gleichgültig war. Am darauffolgenden Wochenende kam dann eine Phase der absoluten Niedergeschlagenheit, depressiv würde ich sagen. Dann kam eine Klassenfahrt. Dort habe ich schon allen etwas vorspielen müssen, weil meine innere Situation schon so schlecht war. Als ich dann wieder zuhause war gingen die Unwirklichkeitsgefühle los, alles sah irgendwie unecht aus, irreal, weit weg von mir. Ich glaubte schon alles sei irreal und es gäbe gar keine Realität. Nach außen hin, und auch gegenüber meiner Familie spielte ich normalität vor, als wäre nichts.
Dann Ende September nach einer weiteren Klassenfahrt,
wurde es richtig schlimm. In der Nacht nach meiner Heimkehr, bekam ich gleich die erste Panikattacke, in den darauffolgenden zwei-vier Wochen (weiß nicht mehr genau) waren vor allem die Nächte schlimm. Ich lag vor dem Einschlafen ewig im Bett, ewige gedanken und Bilderfluten stürzten auf mich ein. In der Nacht wachte ich dann oft völlig panisch auf, wusste nicht was los war, war irgendwie orientierungslos. In diesen Tagen war ich gequält von innerer Unruhe und Verzweiflung, in der Schule hingegen spielte ich Normalität vor.

Ich war ein paar mal beim Psychater, bis er mir dann
Seroquel gab. Besserung folgte insofern, dass ich wieder gut schlafen konnte, die Gedankenflut weg war, und die unwirklichkeitsgefühle etwas besser wurden und ich nicht mehr so unruhig war.

Mein "Ist-Zustand" ist ungefähr so:

Ich habe mein altes Wesen fast komplett von mir abgespaltet, alles was früher einmal war ist weg, die Bindung zur Familie, Freunden usw. ich kann mich kaum noch daran erinnern. Auch die Erinnerungen an dieses Jahr sind weg.
Meine Warnehmung von mir und meiner Umwelt hat sich verändert. Mein Blick ist enger geworden, ich fühle mich nicht mehr als Teil der Realität, ich stehe irgendwie außen. Ich "spüre" meine Umwelt nicht mehr.
Die Welt geht irgendwie an mir vorbei. Ich habe für nichts mehr Gefühle. Kein gefühl für meine Umwelt, kein Zeitgefühl, ich kann nicht mehr nach vorne und nach hinten denken. Ich bin nur noch ein Moment, ohne Zukunft und ohne Vergangenheit.
Mein Gesicht ist ohne Ausdruck, in mir geht nichts mehr vor. Keinerlei Empfindungen, einfach nur nichts.
Ich habe alle Interressen verloren, an meinen hobbies, am Weltgeschehen und auch an der Sexualität.
Diese Welt hat seine natürliche Selbstverständlichkeit für mich verloren, es ist fast so als gäbe es sie für mich nicht, ich begreife sie nicht mehr und nehme nicht mehr an ihr Teil.
Meine Lebensqualität ist gleich null, weil es sie gar nicht gibt. Ich denke oft an Selbstmord, habe aber gleichzeitig Angst davor, dass ich dann in der Ewigkeit in etwas gefangen bin was noch viel schlimmer ist als dass jetzt.

Das ist ungefähr mein Zustand indem ich mich jetzt befinde.
Zur Psychose: Wahnvorstellungen oder Halluzinationen habe ich zu keiner Zeit gehabt, höchstens Zwangsgedanken, mehr aber nicht. Ich kann mich ganz normal ausdrücken und kommunizieren, habe aber immer das Gefühl nicht ich zu sein.

Dieser Phase ging ein Jahr vorraus in dem ich extreme Angst vor der Schule und auch große Angst davor hatte schwere Krankheiten zu haben und bald sterben zu müssen.

Das ist alles was es zu meiner Situation zu sagen gibt, also, was könnte mit mit los sein???

Gruß
Mike

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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 16. Dez 2007, 17:12

Hallo,

ich würde von jedem Arzt der behauptet, er könne mir innerhalb von 5 Minuten sagen, was ich habe, bzw. nicht habe, Abstand nehmen, weil das ebenfalls höchst unprofessionell wäre.
Ebenso Ratschläge, wie sie hier an an derer Stelle gegeben wurden, man solle sich doch selber im Internet ein AD "seiner Wahl" ergooglen und es sich dann von einem Hausarzt verschreiben lassen. Das ist aber natürlich nur meine persönliche Meinung.

Was mit dir los ist wird dir keiner seriös in einem Internet beantworten können, Mike. Ich würde mir eine zweite Meinung eines Facharztes einholen, wenn ich Zweifel an der Diagnose oder der Behandlung hätte.

Gruß
Lydia

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 17:28

Hi Mike,

niemand kann sich hier anmaßen, Diagnosen zu stellen.

Was Du schreibst, so, wie Du es schreibst, klingt für mich persönlich - bei aller Vorsicht und unter allem Vorbehalt - nicht nach einer Psychose.

Es klingt für mich - unter allem Vorbehalt - ein wenig in Richtung eines Burn-Out-Syndroms und einer depressiven Störung. Dass einem die Pflanzen im Garten in einem selbstvergessenen Moment unwirklich vorkommen, halte ich persönlich nicht für krankhaft. Die Unwirklichkeitsgefühle allein halte ich auch nicht für krankhaft, die ganze Weltliteratur ist voll davon - "in der Welt, aber nicht von der Welt". Kein Künstler kann arbeiten ohne dieser inneren Distanz. Wäre ich Dein Arzt, würde mir persönlich das bei Weitem nicht genügen, um eine Psychose zu diagnostizieren. Ein Psychotiker schildert ganz andere Dinge und schildert sie auch anders.

Grenzwertig ist am ehesten die unberechtigte Angst, schwere Krankheiten zu haben und demnächst sterben zu müssen. Offen gestanden sind solche quasi "Todes-Ängste" sehr, sehr verbreitet, die meisten Menschen machen das dann mit sich aus, beten oder lernen, damit umzugehen. In der Psychiatrie diagnostiziert man dann sehr schnell eine Psychose - nicht völlig abwegig, aber doch auf recht dünnem Boden. Ich persönlich würde das eher noch diesseits einer Psychose als Angststörung sehen - solange es nur diese Todes-Angst ist und sonst keine psychotischen Symptome da sind.

Das alles aber supersubjektiv und nur unter allergrößtem Vorbehalt, ich kenne Dich nicht und niemandem steht es an, hier diagnostische Überlegungen über einen anderen zu äußern.

Alles Liebe

Johannes

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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 16. Dez 2007, 17:31

Johannes Neuerer hat geschrieben:Das alles aber supersubjektiv und nur unter allergrößtem Vorbehalt, ich kenne Dich nicht und niemandem steht es an, hier diagnostische Überlegungen über einen anderen zu äußern.
Sehe ich auch so. Aber...*kopfkratz*...wieso machst du es denn dann? :-k

Gruß
Lydia

Johannes Neuerer
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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 17:50

Hallo Lydia,

warum? Wir werden gefragt. Ein Mensch weiß, dass dies hier Forum von Betroffenen und nicht von Ärzten ist und stellt seine Frage hier. Und wir - einschließlich Dir - sind damit aufgefordert, zu der Frage unsere Meinung zu äußern.

Ich denke nicht, dass es Sinn und Zweck dieses Forums ist, jeden, der etwas fragt, nur an (s)einen Arzt zu verweisen. Auf diese Idee ist er längst selbst gekommen.

Abgesehen davon ist das auch keine Geheimwissenschaft, die die Psychiater betreiben. Da kann und darf man sich ruhig dazu äußern und man darf, auch inhaltlich, reflektieren und in Frage stellen, was berichtet wird.

Schau Dir bitte mal die letzten Postings von Ana unter "Können Neuroleptika dumm machen?" oder mein letztes Posting unter "Sind Antidepressiva überhaupt wirksam?" an. Auch Fachärzte sind keine Götter. Zu mindestens 90% verschreiben sie irgendetwas - wovon sie gerade gehört haben, was gerade in Mode ist, warum auch immer. Ähnlich wahllos sind sehr oft die Diagnosen. Ich kann es nicht beweisen, aber ich bin davon überzeugt, dass die meisten Diagnosen im Bereich der Psychiatrie falsch sind.

Alles Liebe

Johannes

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Lydia
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Beitragvon Lydia » So 16. Dez 2007, 18:04

Hallo Johannes,

also findest du es doch nicht anmaßend, in einem Forum diagnostische Überlegungen über andere anzustellen?

Der Meinung eines Facharztes würde ich auch nicht bedingungslos glauben, sondern kritisch hinterfragen. Und wenn ich Zweifel hätte, dann würde ich, wie ich auch geraten habe, eine zweite Meinung einholen. Und zwar bei einem anderen Facharzt und nicht in einem Forum. Dort ist es selbst für den besten Facharzt nicht möglich, sich ein Urteil zu bilden. Und die Tatsache, dass Fachärzte Fehldiagnosen stellen, kann ja kein Freibrief dafür sein, dass in einem Forum wild herumspekuliert wird.

Natürlich wird man hier aufgefordert, seine Meinung zu äußern. Aber man kann sich eben nur eine Meinung bilden, wenn man die nötigen Informationen hat. Die hat man aber durch einige Posts in einem Forum nicht. Und bevor man eine Meinung ohne Hintergrundwissen äußert, insbesondere wenn es um diagnostische Überlegungen geht, sollte man sie vielleicht gar nicht erst äußern. Das hilft dann ja nicht wirklich weiter und ist noch viel unsicherer als eine Diagnose von einem Facharzt.

Dies hier ist übrigens nicht nur ein Forum für Betroffene, sondern soll auch dem Austausch zwischen Betroffenen und Ärzten/Therapeuten dienen. Und nicht wenige User wenden sich an das Forum, weil sie sich eine professionelle und seriöse Auskunft erwarten.

Gruß
Lydia

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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 18:15

Hi Lydia,

wenn "wir" hier ausdrücklich nach unserer Meinung zu einer Diagnose gefragt werden, der Nutzer sich bemüht, authentisch und korrekt zu beschreiben, welche Probleme er hat - und nur dann! - halte ich es für nicht anmaßend, sondern für erlaubt und offensichtlich erwünscht, ihm entsprechend ein subjektives und selbstverständlich nur sehr relatives Feedback zu geben.

Grundsätzlich würde ich mir von zwei Ärzten nicht unbedingt viel mehr versprechen, als von einem. Und ich bin absolut davon überzeugt, dass die meisten fachärztlichen Diagnosen genau so wenig belastbar sind, wie die sehr vagen Überlegungen hier.

Abgesehen davon ist ja auch niemand gehindert, zu tausend Ärzten zu gehen. Ich bin gar nicht ehrgeizig, recht zu haben oder mit Ärzten zu konkurrieren.

Konsequenterweise dürftest Du bei den allermeisten Themen hier nur schreiben "frag Deinen Arzt" oder "frag einen zweiten Arzt". Nur, der Nutzer will ja ausdrücklich wissen, was WIR meinen.

Alles Liebe

Johannes

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Beitragvon Lydia » So 16. Dez 2007, 18:30

Hallo Johannes,
Johannes Neuerer hat geschrieben:Konsequenterweise dürftest Du bei den allermeisten Themen hier nur schreiben "frag Deinen Arzt" oder "frag einen zweiten Arzt". Nur, der Nutzer will ja ausdrücklich wissen, was WIR meinen.
wenn es um diagnostische Überlegungen geht oder um Fragen, welches Medikament man nehmen sollte oder ob man Medikamente absetzen sollte, sehe ich es in der Tat so, dass man nur an einen Arzt verweisen kann, anstatt diesbezüglich Ratschläge in einem Forum zu geben. Schon alleine aus dem Grund, weil man in einem anonymen Forum nicht weiß, wer einem „gegenüber sitzt“. Alles andere ist in meinen Augen unseriös und unter Umständen auch gefährlich.

Meiner Meinung nach ist ein Forum da, um über Erfahrungen zu berichten und diese mit anderen auszutauschen. Und wenn du dich umschaust, wirst du feststellen, dass es bei den allermeisten Themen darum auch geht und nicht darum, dass man hier eine unfachmännisch und unseriös gestellte Diagnose erhalten möchte.
Und im Erfahrungsaustausch sehe ich auch den Nutzen eines Forums.

Gruß
Lydia

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Beitragvon Johannes Neuerer » So 16. Dez 2007, 18:53

Hallo Lydia,

wir müssen uns nicht einig werden.

Hättest Du recht, wären alle Psychiater usw. seriöse, komeptente, engagierte, gut ausgebildete, erfahrene, intelligente, besonnene, kritisch und selbständig denkende Menschen, wäre ich Dein treuster Gesinnungsgenosse.

Es ist aber leider meiner Erfahrung nach nicht so: Sehr viele, wahrscheinlich die meisten Psychiater, haben von Tuten und Blasen keine Ahnung, sind, ohne jegliche Eignung für den Arztberuf, dank einseitiger intellektueller Fähigkeiten und das erforderliche Maß an Opportunismus durch ihr Studium und ihre Facharztausbildung hindurchgeschleust worden, haben differentialdiagnostisch und pharmakologisch überhaupt keinen blassen Schimmer, diagnostizieren nach Lust und Laune, meist bei allen Patienten dasselbe und verschreiben nach denselben Kriterien. Die Tatsache, dass sich jemand zum Facharzt durchgedient und -geschleimt hat, flößt mir keinerlei Respekt ein. Ich kenne etliche ganz hervorragende Psychiater, für die durchs Feuer gehen würde, aber die sind meiner Überzeugung nach eine Minderheit.

Wenn ein Nutzer hier mit anderen Nutzern das Gespräch über eine Diagnose sucht, kann ich dabei nichts Verwerfliches finden. Und auch nicht, sich auf dieses Gespräch einzulassen. Ich fände es entmündigend, den Nutzern hier vorzuschreiben, was sie fragen und äußern dürfen und was nicht.

Zitat Site-Info: "Das "Psychiatrie-Gespräch" wurde im August 2002 aus der Taufe gehoben und ist gedacht als interaktive Plattform, auf der interdisziplinär über allgemeine und spezielle Themen und Probleme der Psychiatrie und Psychotherapie diskutiert werden kann und auf der Patienten wie Helfende durch gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch Lösungen zu verschiedendsten Fragestellungen finden können." Ich sehe mich dazu nicht im Widerspruch.

Aber ich denke, wie gesagt, dass wir uns nicht einig werden.

Alles Liebe

Johannes


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