Gefühle ausleben

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kayo
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Gefühle ausleben

Beitragvon kayo » Mi 25. Aug 2004, 15:44

Hallo zusammen,

mir ist an mir selbst in den letzten Tagen etwas sehr interessantes, positives aufgefallen. Ich habe zwei Bücher von Alice Miller gelesen ('Das Drama des begabten Kindes' und 'Evas Erwachen').

Ich habe ihre Bücher so interpretiert, daß das schlimmste was einem widerfahren kann das Nichterlebendürfen von Gefühlen ist. Bei uns zu Hause waren vor allen Dingen die sogenannten 'negativen' Gefühle, wie Neid, Eifersucht und Wut verboten. Ich wurde außerdem psychologisch terrorisiert indem meine Artikulierung von Gefühlen und Bedürfnissen ignoriert wurde. Daraus ergab sich die Nullbockhaltung, die Ende der Sieziger verbreitet war. Ich entwickelte eine zynisch-ironische Haltung, die sich durch Arroganz auszahlt. Ich lachte über alles mögliche. Ich nahm viele Dinge nicht Ernst.

Um meinen Eltern zu beweisen, daß ich etwas wert bin und auch aus Neugier entwickelte ich ein übermäßiges Interesse an Naturwissenschaften. Psychologie und Soziologie waren mir verhaßt, denn ich hatte keinen Bezug dazu. Ich war nicht in der Lage, diese Dinge anzugehen. Sie waren weit weg. Ich war faszniert vom Sport und von Leistungen im Allgemeinen. Ich war nicht zufriedenzustellen. Ich langweilte mich oft, wollte Dinge im Schnellverfahren verstehen. Später war ich bereit mehr Zeit zu investieren, ich konnte aber nicht gut verstehen, daß die Entwicklung von neuen Ideen Zeit benötigt.

ich war ungeduldig, ich bin oft zu Leistung genötigt worden, in dem es hieß ich müßte alles alleine zustandebringen ohne daß mir jemand hilft. Das war aber immer eine unausgesprochene, eine implizite Forderung, die durch Ignoranz seitens meiner Eltern stattfand. Diese Ignoranz sogar von außergewöhnlichen leistungen, führte zwangsläufig dazu, daß ich mich minderwertig fühlte. Leistungen wurden zum Teil verhöhnt oder ins Lächerliche gezogen.

Ich habe in den letzten Wochen meine Gefühle immer mehr gespürt, ich meine damit bewußt gespürt, in den letzten Tagen habe ich mir sogar angewöhnt, wenn ich ein unangenehmes Gefühl habe, es genau zu identifizieren und es solange zu fühlen, sogar es weiter zu steigern, bis es allmählich von alleine nachläßt. Bisher ist dieses Gefühl, wie Angst, Eifersucht, Neid oder Wut verschwunden ohne daß ich es gemerkt habe. ich weiß noch nicht ob nachgelassen hat oder ob ich es doch verdrängt habe, indem ich an etwas anderes gedacht habe.

Danach habe ich mich jedenfalls wesentlich antriebsstärker gefühlt, war aktiver und produktiver . ich glaube die Leere, die Langeweile, die auch ich früher oft gespürt hat und die man als Depression bezeichnet, das sind solche verdrängten Gefühle, Ablenkungsmanöver des Geistes, der Gefühle verleugnet.

Gruss Kay :D :D :D
Das Bedürfnis nach Glauben ist der grösste Hemmschuh der Wahrhaftigkeit

(Friedrich Nietzsche)

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